wann zählt Antideutschismus zur Volksverhetzung?
Wenn ich mir so verschiedene ausprüche von Friedmann und konsorten anhöre, wenn ich mir unser Fernsehen ansehe, wenn ich die Comix in Norwegen, England, USA, Frankreich… ansehe, dann muss ich sagen, dass hier die reinste Volksverhetzung betrieben wird. Warum regt sich da niemand auf?
Sind wir Deutsche weniger wert?
Das musste ich endlich mal los werden!
Grüße
Raimund
Moin Raimund,
dazu fällt mir ein alter Spruch ein:
Redet jemand schlecht von dir, so sei es ihm erlaubt. Du aber lebe so, dass es ihm niemand glaubt.
Gruss
M.
Hi
das triffts 100%
freak
Jo, das wars…
hallo raimund,
interessante frage.
zunaechst wuerde ich nicht gehen zum schlagwort volksverhetzung, obwohl ihmo die variante der"haertesten" „antideutschen“ mit ihrem widerlichen spruch "nie wieder deutschland nahe dran kommt.
weil ich so schrecklich faul bin, ein zitat von mir jetzt.
ich finde jeden deutschen, welcher eine verallgemeinerte antideutsche tendenz aufweist, fragwuerdig in seiner auffassung von nationalstolz und zu seinem land.ausnehmen tue ich hier minderheiten. am widerlichsten sind jene, die durch die gegend rennen und bruellen „nie wieder deutschland.“ jene sollten am besten ausreisen.
am besten sofort, dann koennen sie sehen, ob sie woanders besser klar kommen mit ihrer umwelt und ihrer eigenen auffassung von absolut negiertem nationalstolz.
bzgl nationalstolz jedenfalls sind mir die rechts aussen lieber als die links aussen, wo hier steht „aussen“.
obwohl beide gruppierungen geschichtsbewaeltigungsprobleme haben. aber nicht nur jene. ich waere froh, wenn die geschichtsbewaeltigung fuer deutschland endlich geschafft waere, denn es resultieren daraus eine menge innenpolitischer probleme. eben auch eine dumme und pauschale negative haltung vieler zu einer bekennung zum deutschen staat und zu einem stueck weit wenigstens zu einem ehrlichen nationalstolz, halt soviel wie jeder jeweils mag.
wir deutschen sind nicht weniger wert als jede andere nation auch, als nation freier buerger.
dabei ist andererseits die staatsform mit ihrer pluralistischen demokratie ihmo hoeherwertig als manche autokratische diktatur alias kuba, china, irak, nordkorea, et al.
mit der leider von vielen deutschen ablehnenden haltung zur nation aus einem unverstaendnis heraus und einer jeweiligen weiteren polarisation zwischen links und rechts, nebst dem ewigen denkmalbau, leider hauen auch immer politiker wie sogar schroeder zuweilen oeffentlich in diese kerbe, wird auch nach aussen hin zuweilen deutschland in ein laecherliches bild gezogen. dies ist ihmo ein hausgemachtes problem. etwas masochistisch.
selbst die spd als eine „volkspartei der mitte“ (*g*) nutzt dieses innerdeutsche problem fuer ihre wahlkampfagitation.
beste gruesse, lego
Hallo lego,
sind wir doch mal gleicher Meinung!
Es ist ungesund, wenn ein Staat keinen Nationalstolz hat. Das hat mit Nationalismus oder gar Faschismus überhaupt nichts zu tun.
Ich weiß nicht, ob Du schon mal Comix unserer Freunde und Bündnispartner gesehen hast. Das ist nicht nur beleidigend, es ist reinte Hetze. Als wenn wir noch im Krieg gegen die stünden.
Da wird der Deutsche allgemein als brüllender, sadistischer Menschenschlächter hingestellt, Als Regenschutz hat er einen Stahlhelm auf, an dem Stierhörner befestigt sind. Sag jetzt nicht, dass das Primitive sind, die so etwas kaufen: so etes ist in vielen dieser Hefte, die in der Jugend unserer Nachbarländer kursiert.
Wenn wir solche Hetzbilder und -Geschichten über die USA, Frankreich… hier in D hätten… ein Aufschrei würde durch diese Staaten gehen.
Wir sollen aber stillhalten. Und wir tun´s. Das ist ja auch noch das schlimme!
Unser Nachbar Frankreich feiert jedes Jahr den Sieg über Deutschland mit viel Trara. Der einzige franz. Staatsmann, der das abschaffen wollte, war (hoffentlich schreibe ich jetzt den richtig) Juscar D´Estain. War aber erfolglos.
Aber ich glaube, ganz langsam fangen Deutsche an, sich zu wehren, selbstbewusst zu werden.
57 Jahre nach dem Krieg wird es auch schön langsam Zeit.
Grüße
Raimund
hallo raimund,
sind wir doch mal gleicher Meinung!
soll vorkommen 
Es ist ungesund, wenn ein Staat keinen Nationalstolz hat. Das
hat mit Nationalismus oder gar Faschismus überhaupt nichts zu
tun.
genau so ist es. fuehrt nur zu einer menge innen und aussenpolitischer probleme nebst einem ziellosen umherirren der buerger eines staates.
Ich weiß nicht, ob Du schon mal Comix unserer Freunde und
Bündnispartner gesehen hast. Das ist nicht nur beleidigend, es
nein, habe ich nie solche gelesen, obwohl ich einige las, aber vielleicht nur die klassichen. welche meinst du zum beispiel. comics aber sind hier ihmo weniger ein problem.
Aber ich glaube, ganz langsam fangen Deutsche an, sich zu
wehren, selbstbewusst zu werden.
hui! wehren klingt mir etwas zu martialisch (hier bewusst genauso uebertrieben weich gewaehlt), selbstbewusst ja!
btw nebensatz, militaerparaden finde ich allerdings, ob siegesfeier oder aehnlich, etwas daneben. koennte man auch abschaffen. staatsfeiern koennen auch ihmo anders gehalten werden, damit meine ich aber explizit keine volksfeste *g*
beste gruesse, lego
Hi, lego
ich habe mal auf dem Brett „deutsche Sprache“ unter dem Titel
„(Vor)urteil u. Belehrbarkeit, sprachlog. Differenz“
versucht, die Chose aufzudröseln, weil sie im Kern über sprachlogisch unterschiedliche Begriffe funktioniert und auch die vernünftigsten Leute irgendwann die Messer zwischen den Zähnen haben, wenn die Doppelbödigkeit der „working logic“ in der Begriffslogik nicht erkannt wird.
Es ist ungesund, wenn ein Staat keinen Nationalstolz hat. Das
hat mit Nationalismus oder gar Faschismus überhaupt nichts zu
tun.
Echt? Also mir reicht eine gewisse Vorstellung von den Umständen, die mich geprägt haben, um zu verstehen, wie die bei anderen Leuten auch anders sein können oder sind. Zu Dankbarkeit oder Stolz fühle ich mich nicht stimuliert. Was mich in Deutschland geprägt hat, das hätte es auch ohne mich gegeben, das wurde nicht extra für mich bereitgestellt.
„Stolz“ bin ich auf meinen Geschmack, weil er mich überraschen kann und nicht am Gängelband meiner Meinung läuft.
genau so ist es. fuehrt nur zu einer menge innen und
aussenpolitischer probleme nebst einem ziellosen umherirren
der buerger eines staates.
Im Ausland erzähle ich den Leuten natürlich, welche Erfahrungen den Deutschen diese oder jene Prägung eingetragen hat. Dafür reichte es aber bisher, wenn ich glaubwürdig bin. Stolz habe ich als Behelf dafür bisher noch nie vermisst.
Ich weiß nicht, ob Du schon mal Comix unserer Freunde und
Bündnispartner gesehen hast. Das ist nicht nur beleidigend, es
Also ich weis nicht. Ich finde diese pubertären Alberheiten fallen auf deren Erzeuger zurück. Ich hatte in GB mal die Übernahme einer Londoner Bank durch ein kürzlich quasi verblichenes deutsches Kreditinstitut durch ein nur mässig erwartungsfreudiges Klima („werden die Hunnen ihre Panzer auf meinem Rasen parken?“ hindurch zu begleiten.
Auf die Frage, wie ich denn den Weg vom Kontinent auf die Insel gefnuden habe, habe ich gesagt, dass ich mit dem U-Boot gekommen sei, weil meine Messerschmitt kaputt gewesen sei. Das war für Londoner Investmentbanker genau das Richtige. Wir haben schallend gelacht und waren danach schrecklich vernünftig. (Es gibt natürlich auch Gegenden, in denen sich dieser Einstand verboten hätte; abetr die haben wieder nicht solche Tabloids (Revolverblätter) wie GB.
Aber ich glaube, ganz langsam fangen Deutsche an, sich zu
wehren, selbstbewusst zu werden.
hui! wehren klingt mir etwas zu martialisch (hier bewusst
genauso uebertrieben weich gewaehlt), selbstbewusst ja!
Sich nicht ins Bockshorn jagen lassen; „wehren“ ist natürlich Unfug; es handelt sich bei den Klischees über Deutsche um autosuggestive Narrative in Ländern, in denen mehr Freiwillige zur eses rekrutiert werden konnten, als zum Widerstand. Bis die das noch mal intern erörtern, vertreiben die sich die Wartezeit darauf mit einigen Späßen. Angriffe sind das nicht.
btw nebensatz, militaerparaden finde ich allerdings, ob
siegesfeier oder aehnlich, etwas daneben. koennte man auch
abschaffen. staatsfeiern koennen auch ihmo anders gehalten
werden, damit meine ich aber explizit keine volksfeste *g*
Solch eine Haltung wird Deutschen gern im Ausland als arrogant angekreidet. Warum soll die Grand Nation davon absehen, ihrer Zerstörungskraft zu huldigen, bloss weil die Deutschen an schimmernder Wehr nicht mehr recht Freude finden? Das wird als Bevormundung angesehen, so als wären die Erfahrungen der Deutschen die einzig möglichen oder einzig richtigen.
Beste gruesse, Thomas
Moin Marion,
Redet jemand schlecht von dir, so sei es ihm erlaubt. Du aber
lebe so, dass es ihm niemand glaubt.
Das ist die Wahrheit der Nichttraumatisierten. Die „Traumatisierten“ können das nicht und dürfen das nicht glauben. Ich habe das mal auf dem Brett „deutsche Sprache“ unter dem Titel
„(Vor)urteil u. Belehrbarkeit, sprachlog. Differenz“
versucht, aufzudröseln, weil der ganze Streit im Kern über sprachlogisch unterschiedliche Begriffe funktioniert und auch die vernünftigsten Leute irgendwann die Messer zwischen den Zähnen haben, wenn die Doppelbödigkeit der „working logic“ in der Begriffslogik nicht erkannt wird.
Gruss,
Thomas
Hallo Raimund,
laß sie doch schreiben, was sie wollen. Sie bedienen doch damit nur die Bedürfnisse einer Klientel, die genug Zeit hat, sich über Dämlichkeiten zu freuen. Ich werde doch den Teufel tun, mich über das Gerede dummer Leute zu ärgern. Das ist mir dann doch ein Stück weit zu blöd. Solche Leute sollte man darüber hinaus nicht zum repräsentativen Sprachrohr ihrer Völker erheben.
Gruß
Bark
Möllemann verschuldet Antiarabismus
kommentiert ein Artikel in der taz von gestern
http://www.taz.de/pt/2002/05/27/a0144.nf/text
wann zählt Antideutschismus zur Volksverhetzung?
Wenn ich mir so verschiedene ausprüche von Friedmann und
konsorten anhöre,
wie wäre es mit Details?
wenn ich mir unser Fernsehen ansehe, wenn
ich die Comix in Norwegen, England, USA, Frankreich… ansehe,
dann muss ich sagen, dass hier die reinste Volksverhetzung
betrieben wird.
Ob es gleich soweit geht, daß der Straftatbestand - nach deutschem Verständnis - der Volksverhetzung erfüllt wird, wage ich zu bezweifeln.
Es gibt aber in allen möglichen Ländern unterschiedliche Sorten von Kultur-, Freundschafts- und sonstigen Vereinen, die Begegnungen und näheres Kennenlernen ermöglichen sollen, womit sich dann falsche Vorstellungen, Stereotypen, Klischeebildungen erübrigen.
Warum regt sich da niemand auf?
Och - da wüßte ich eine ganze Reihe Leute, die das aufregt und die sich dagegen engagieren, aber das sind nicht unbedingt die Leute, welche die von Dir beanstandeten Comics konsumieren.
Sind wir Deutsche weniger wert?
nö - nicht mehr und nicht weniger als andere
Das musste ich endlich mal los werden!
Ich auch
Gruß zurück
Iris
Hallo Iris,
dieser dein Link
hat mich auf weitere Links geführt, die mir wichtig zu sein scheinen. Vielleicht kannst du sie auch verwenden.
http://www.aufbauonline.com/2000/issue17/pages17/20…
(Das Wichtigste hier wäre die Passage zum Thema Gewissen)
http://www.zeit.de/2002/16/Wissen/200216_g-heinsohn_…
(Globale Situation und die Rolle der ersten Welt)
Und aktuell von heute:
http://www.fr-aktuell.de/fr/spezial/rechts/t20172002…
(Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung im Interview)
Somit haben sich schon genug Spezialisten zum Thema gemeldet, um die klare Einstufung der Aussagen Möllemanns als begründet zu beweisen.
Gruß
Traumatisierung
Moin Thomas,
Das ist die Wahrheit der Nichttraumatisierten. Die
„Traumatisierten“ können das nicht und dürfen das nicht
glauben.
Nicht können vielleicht, nicht dürfen…nein…
Allerdings hat mich das schon etwas Grübeln lassen, warum ich als Deutsche dererlei Angriffe doch reichlich gelassen sehe (für mich sind Leute, die sowas verbreiten Idioten, mehr nicht) und ich denke, mit deiner Traumatisierung liegst du da gar nicht so verkehrt.
Nur, durch rationale Überlegungen kannst du das Problem vielleicht erfassen, aber du wirst es nicht lösen können.
Wer Erfahrung mit Leuten hat, die Opfer von Gewalttaten waren, der weiss, dass diese Leute sich manchmal kaum noch aus dem Haus trauen. Falls aber doch, wird jeder misstrauisch beäugt, jeder wird genauestens nach Anzeichen abgesucht, die auf die Gefahr möglicher erneuter Gewaltanwendung schließen lassen, insbesondere wenn die Person Ähnlichkeit (dies kann auch eine Nationalität sein) mit dem vorherigen Täter aufweist. Sicherlich steckt da der Wunsch dahinter, sich vor erneuter Gewalttat zu schützen. Diese Leute entwickeln eine Art hoch- (oder über-)sensibilisiertes Frühwarnsystem in der Hoffnung, dieses könne sie vor erneutem Schaden bewahren, grad so, als wäre eine Ermangelung an diesem Frühwarnsystem mit ein Grund für den vorherigen Schaden gewesen.
Hier stellt sich auch die Frage: Hätte man den Massenmord der Nazis verhindern können, wenn man es gewusst hätte, Anzeichen richtig zu deuten ? Hätte sich manch ein Opfer noch rechtzeitig in Sicherheit bringen können ?
Ich weiss es nicht. Aber ich kennen den Spruch „Wehret den Anfängen“. Nur…sind hier schon Anfänge erkennbar ? Ist es tatsächlich so, wie peet sagte, dass mit den Aussagen Möllemanns der Antisemitismus in D Einzug in die „hohe Politik“ gehalten hat ? Oder werden diese Aussagen aufgrund von Traumatisierungserfahrungen von einigen Leuten völlig überbewertet ? Oder sind sie gar ein Zeichnen von endlich einsetzender Normalität, weil man über das, was laut ausgesprochen wird (und werden darf) reden kann, und über das was nicht ausgesprochen wird, viel besorgter sein muss ?
Auch hier kann ich nur sagen, ich weiss es nicht. Ich kann behaupten, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit so etwas wie während der Nazi-Zeit in dieser Gesellschaft nicht wieder passiert. Aber kann ich es irgend jemandem garantieren ? Nein. Kann ich nicht. Und grade das ist eben das Vertrackte an dieser Situation. Die Gefahr bestände u.U. ja tatsächlich, (wenn auch wer weiss wie unwahrscheinlich) und sie ist keinesfalls „nur“ eingebildet.
Ich bin auch keine Hellseherin und ich hätte auch nie gedacht das Szenen, wie es sie seinerzeit vor dem brennenden Asylbewerberheim in Hoyerwerde (glaub ich) gegeben hat, in D nochmal möglich wären.
Was also tun ?
Ich denke, man kann dem Traumatisierten allenfalls den Arm hinhalten, ihm (oder ihr) sagen, „Hey, ich gehe mit dir“ oder „We are in this together“, wie die Engländer so schön sagen, und hoffen dass er einhakt.
Vielleicht kann der Traumatisierte mit seinem verfeinerten Frühwarnsystem dazu beitragen, mögliche Anzeichen zu erkennen, und der nicht traumatisierte dazu, diese zu relativieren und ein bisschen Gelassenheit und das Gefühl von Sicherheit und „nicht alleine daszustehen“ für den anderen vermitteln. DAs wär doch schon mal was.
Gemeinsamkeit macht stark, auch gegen Nazis.
Gruss
Marion
Moin peet
Und aktuell von heute:
http://www.fr-aktuell.de/fr/spezial/rechts/t20172002…
(Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung im
Interview)
bedauerlich nur, dass nach meinem Verständnis Möllemann nichts von dem so gesagt hat, wie es da hingedreht wird. Das macht den ganzen Artikel leider sehr unglaubwürdig (es findet sich in dem ganzen Artikel kein enziges Originalzitat von Möllemann, um das Behauptete zu belegen). Da warst du mit deiner Analyse des Briefs von Karsli um Klassen besser.
Gruss
M.
Hallo Marion und Thomas
Allerdings hat mich das schon etwas Grübeln lassen, warum ich
als Deutsche dererlei Angriffe doch reichlich gelassen sehe
(für mich sind Leute, die sowas verbreiten Idioten, mehr
nicht) und ich denke, mit deiner Traumatisierung liegst du da
gar nicht so verkehrt.
Was auch eine Rolle spielt ist Alltagserfahrung. Leider ist es so, daß Antisemitismus zunimmt und sich auch wandelt.
Ich rede jetzt nicht von Stammtischparolen, wo man „unter sich“ ist und über Juden loszieht, sondern im Gegensatz zu früher ist es so, daß es immer mehr Situationen gibt, wo antisemitische Äußerungen öffentlich so plaziert werden, daß sie nicht nur das jüdische Gegenüber mitbekommt, sondern alle möglichen anderen Leute.
Da kann dann schon mal auf einem belebten U-Bahnhof, jemand, der eine jüdische Zeitung liest, den Kommentar abbekommen:
„So weit sind wir hier schon wieder, daß Juden jüdische Zeitungen lesen“.
Oder zur Stoßzeit in einem vollen U-Bahn-Abteil 3 Jugendliche beim Anblick eines an einer Kippa erkennbaren Juden minutenlang skandieren „Tod den Juden“ und niemand reagiert.
Diese Leute entwickeln eine Art hoch-
(oder über-)sensibilisiertes Frühwarnsystem in der Hoffnung,
dieses könne sie vor erneutem Schaden bewahren, grad so, als
wäre eine Ermangelung an diesem Frühwarnsystem mit ein Grund
für den vorherigen Schaden gewesen.
Jede/r versucht sich so gut wie möglich zu schützen, und es gibt ganz unterschiedliche Formen und Qualitäten von Wahrnehmung.
Hier stellt sich auch die Frage: Hätte man den Massenmord der
Nazis verhindern können, wenn man es gewusst hätte, Anzeichen
richtig zu deuten ? Hätte sich manch ein Opfer noch
rechtzeitig in Sicherheit bringen können ?
sehr schwierige Frage - es war eben unvorstellbar
Ich weiss es nicht. Aber ich kennen den Spruch „Wehret den
Anfängen“. Nur…sind hier schon Anfänge erkennbar ? Ist es
tatsächlich so, wie peet sagte, dass mit den Aussagen
Möllemanns der Antisemitismus in D Einzug in die „hohe
Politik“ gehalten hat ?
Das werden wir vermutlich erst im Nachhinein schlüssig sagen können. Es bleibt abzuwarten, was jetzt weiterhin passiert oder auch nicht passiert.
Oder werden diese Aussagen aufgrund
von Traumatisierungserfahrungen von einigen Leuten völlig
überbewertet ?
Die Zuschreibung, die Angehörige von Minderheiten gelegentlich erfahren, sie seien „übersensibel“ finde ich schwierig, weil damit das Definitionsmonopol, was ist „richtige“ Sensibilität und was ist zu viel oder zu wenig davon bei denen liegt, die solchen Erfahrungen nicht ausgesetzt sind.
Man könnte ja auch anders herum fragen, ob diejenigen, die von „Übersensibilität“ sprechen nicht einen Mangel an Wahrnehmung in diesem Bereich haben, einfach aus diesem Grund, weil sie nicht auf diese Wahrnehmungsqualitäten angewiesen sind.
Oder sind sie gar ein Zeichnen von endlich
einsetzender Normalität, weil man über das, was laut
ausgesprochen wird (und werden darf) reden kann, und über das
was nicht ausgesprochen wird, viel besorgter sein muss ?
Ich finde es immer besser, wenn die Dinge direkt benannt werden können. Nur: Wer redet hier mit wem.
Möllemann hat sich doch als Tabubrecher inszeniert und meint, wenn er nur oft genug wiederholt, daß er ein Tabu bricht, dann wird es mit der Zeit auch geglaubt.
Was also tun ?
Ich denke, man kann dem Traumatisierten allenfalls den Arm
hinhalten, ihm (oder ihr) sagen, „Hey, ich gehe mit dir“ oder
„We are in this together“, wie die Engländer so schön sagen,
und hoffen dass er einhakt.
Solche Formen der Solidarität gibt es sehr wenig.
Als in der Schweiz vor 2 Jahren ein orthodoxer Jude schwerverletzt wurde, bekam er tausende von Postkarten auf denen Schweizer ihre Anteilnahme ausdrückten und zugleich, daß sie sich gegen Antisemitismus und Diskriminierung wehren.
In Deutschland habe ich von vergleichbaren Reaktionen noch nicht gehört.
Vielleicht kann der Traumatisierte mit seinem verfeinerten
Frühwarnsystem dazu beitragen, mögliche Anzeichen zu erkennen,
und der nicht traumatisierte dazu, diese zu relativieren und
ein bisschen Gelassenheit und das Gefühl von Sicherheit und
„nicht alleine daszustehen“ für den anderen vermitteln. DAs
wär doch schon mal was.
Das wäre eine Grundlage und dafür könnte auch politisch was getan werden. Diese dümmlichen Werbefilmchen im Kino, die einen Flächenbrand in der Küche beim Abendessen zeigen, nerven mich an.
So wie es jahrelang die Autofahrer-Ratgeberserie „der siebte Sinn“ gab, im gleichen Stil könnte man auch zeigen, welche Verhaltensweisen hilfreich sind bei Übergriffen. Manche Leute würden eingreifen, wenn sie wüßten wie
viele Grüße
Iris
Hi,
die „originalsten“ Zitate findet man am besten gleich unter seiner eigenen Homepage: http://www.juergenwmoellemann.de/.
Jana
Redet jemand schlecht von dir, so sei es ihm erlaubt. Du aber
lebe so, dass es ihm niemand glaubt.
wenn du in der schule ausgelacht wirst, weil du eine brille trägst - selbst schuld, was trägst du eine?
wenn dein auto aufgebrochen wird und das radio gestohlen wird, selbst schuld. es gibt halt arme menschen. was kaufst du dir so ein teures radio? sowas provoziert halt.
wenn du vergewaltigst wirst, selbst schuld, geh halt am abend nicht aus dem haus und trag keinen kurzen rock. das provoziert eben.
der spruch ist bullshit, merkst du es nicht?
Moin Jana
die „originalsten“ Zitate findet man am besten gleich unter
seiner eigenen Homepage: http://www.juergenwmoellemann.de/.
danke, aber ich kenne die Originalzitate 
Trotzdem, ist auf der Homepage eins, dass du für antisemitisch hältst ?
Gruss
M.
Hallo Marion und Iris,
ich hoffe, meine Kiste ist jetzt wiederhergestellt, nachdem mich von ca. drei Stunden eine Virusemail unter dem Absender „leserbriebe“ erreicht hat. Vielleicht haben wir einen hitzigen Mitleser. Ich mache unbeirrt weiter im Text:
Da kann dann schon mal auf einem belebten U-Bahnhof, jemand,
der eine jüdische Zeitung liest, den Kommentar abbekommen:
„So weit sind wir hier schon wieder, daß Juden jüdische
Zeitungen lesen“.
Nun ja. Man könnte ja auch zurückfragen, ob da immer noch jemand auf den Endsieg wartet. In der Frankfurter Straßenbahnlinie 11, die einen „Ausländeranteil“ von ca. 80% hat, kann es auch schon mal sein, dass ein besoffener Ureinwohner was von „Überall Ausländer hier…“ oder so lallt. Dann zieht der Türke eine Augenbraue hoch, der Grieche schüttelt den Kopf, der Italiener steh kurz vor eine Mitleidbekundung und der Pakistani ist amüsiert. Keiner kommt auf die Idee, eventuelle Doppelpässe zu zücken und die Auslieferung der „reinen Ausländer“ anzubieten. Dem Ureinwohner wird eine völlig ungeschmälerte Gelegenheit zur Darbietung der Armseligkeit der eigenen Geistesverfassung geboten.
Der zitierte Satz ist für sich genommen ein Dokument einer disqualifizierenden Armseligkeit, die sich wehleidig ihrer Umgebung anbiedert. Soviel „Sensibilität“ wäre m.E. noch keine „Übersensibilität“, die wir ja niemandem unterstellen wollen. Also, ich fände es mal interessant, eine Reihe solcher Fälle aus erster Hand mit Leuten, denen sie passiert sind, in einem Workshop mal „nachzustellen“. Die mündliche Kolportage reproduziert m.E. primär biografisch oder narrativ präsente Muster, ohne dass die in der Situation so präsent gewesen sein müssen.
Insbesondere die Momente erbärmlichster Armseligkeit in solchen Situationen dürften in den kolportagewirksamen Wahrnehmungsmustern der Betroffenen kaum repräsentiert sein, um es mal als ordentliche wissenschaftliche Hypothese zu formulieren.
Oder zur Stoßzeit in einem vollen U-Bahn-Abteil 3 Jugendliche
beim Anblick eines an einer Kippa erkennbaren Juden
minutenlang skandieren „Tod den Juden“ und niemand reagiert.Diese Leute entwickeln eine Art hoch-
(oder über-)sensibilisiertes Frühwarnsystem in der Hoffnung,
dieses könne sie vor erneutem Schaden bewahren, grad so, als
wäre eine Ermangelung an diesem Frühwarnsystem mit ein Grund
für den vorherigen Schaden gewesen.
So was ist natürlich furchtbar und beschämend, wenn man es mitkriegt. Aber dennoch ist es nicht so wie in Weimar. Heute ist m.E. ein Vertrauen darauf gerechtfertigt, dass solche Jugendliche sich danach wieder subkulturell-praktisch eher mit Türkengangs anlegen werden und von denen platt gemacht werden, bevor sie den nächsten Juden treffen. Die Türken würden das nicht den Juden zu Liebe tun, sondern aus „statistischen“ Gründen.
Wenn ich mir angucke, wie selbstverständlich in US-Seifenopern oder Mafiaepen Jewish people in das allgemeine Gebalge und Geschimpfe der Gruppen integriert sind, dann sehe ich eher in diesem allgemeinen Gewusel die Verhältnisse, für die es die erforderliche Robustheit aufzuwenden gilt. Wenn ein New Yorker Jude die Haut eines schwarzen Gangrivalen sich als schwarze SS-Uniform imaginieren würde, könnte er sich wohl kaum NY- adäquat verhalten. New Yorker Juden ist klar, dass schwarzer Islam in den USA etwas anderes ist als patschtunische Stammensgesellschaft- Archaik (wenn solche Unterscheidungen nicht geleistet werden könnten, wäre das IMHO das Ende der USA) und ich bin da doch zuversichtlich, dass nicht jedes Gelalle eines Besoffenen in Deutschland für einen deutschen Juden sich anhört, wie ein über die Strasse tobender SA-Sturm.
Noch eine Bemerkung zum Thema „Konformität und Korrektheit“. Ich finde es sehr „korrekt“, von den Serben und Kroaten, die in Deutschland leben, und bin ihnen sogar dankbar dafür, dass sie auf dem Höhepunkt des Yugokrieges davon abgesehen haben, sich gegenseitig die Hetzüberschriften ihrer Kriegspropagandazeitungen in der bereits zitierten Straßenbahnlinie 11 vor das Gesicht zu halten. Ich würde da nicht von „Überangepasstheit“ oder „Konformitätswahn“ bei Kroaten und Serben sprechen, so klug wie sie sich hier verhalten haben, egal ob mit oder ohne deutschen Pass. Wenn jetzt ein deutscher Jude mit den Erfahrungen von Weimar und NS-Zeit im Kopf sagen würde, Konformität bringt nichts, das haben wir ja gesehen und wir versuchen es mal mit Profil und fangen damit am besten mal bei der Marokkanergang in der Frankfurter Hauptwache an, dann könnte es sein, dass meine Straßenbahnlinie 11 am nächsten Tag nicht mehr die selbe wäre. Der Fehler wäre dann gewesen, eine 1933 versäumte Schlacht oder Courage oder was auch immer, an ein paar Araberkids mit ganz anderen Sorgen und ganz anderen Macken nachholen zu wollen. Das ist etwas, von dem ich aus eigener mehrfacher Anschauung ausdrücklich abraten möchte.
Ich hatte beide Frankfurter Konfliktparteienaufmärsche vor meinem Fenster gehabt. Wer zündeln will, hat es so wie die Emotionen verteilt sind, heute leichter denn je. Aber es soll hinterher keiner behaupten, er hätte eigentlich die Fronten aus Weimar erwartet. Ich sehe für uns, was den Umgang von Ethnien und religiösen Gruppen miteinander angeht, US- Leitbilder von correctness und respect als am ehesten zukunftsweisend an. Die verlangen Kompromisse von allen, was nicht mit dem Reizwort „Wohlverhalten“ verwechselt werden sollt. Wieder was für die Sensibilität.
Das werden wir vermutlich erst im Nachhinein schlüssig sagen
können. Es bleibt abzuwarten, was jetzt weiterhin passiert
oder auch nicht passiert.
Es passieren Dinge unter den Voraussetzungen unserer Zeit, nicht unter denen der Weimarer Zeit. Der größte Fehler aus der Befassung mit Geschichte ist, irgendwelche Partien erneut aufführen zu wollen.
Oder werden diese Aussagen aufgrund
von Traumatisierungserfahrungen von einigen Leuten völlig
überbewertet ?
Das funktioniert nicht quantitativ mit über- oder unter, sondern quer und fehl.
Die Zuschreibung, die Angehörige von Minderheiten gelegentlich
erfahren, sie seien „übersensibel“ finde ich schwierig, weil
damit das Definitionsmonopol, was ist „richtige“ Sensibilität
und was ist zu viel oder zu wenig davon bei denen liegt, die
solchen Erfahrungen nicht ausgesetzt sind.
Man könnte ja auch anders herum fragen, ob diejenigen, die von
„Übersensibilität“ sprechen nicht einen Mangel an Wahrnehmung
in diesem Bereich haben, einfach aus diesem Grund, weil sie
nicht auf diese Wahrnehmungsqualitäten angewiesen sind.
Wenn was passiert, sollte man es ganz merken, vollsensibel. Aber eben nur das, was los ist. Das Problem ist nicht „Übersensibilität“ sondern Musterveralterung.
Möllemann hat sich doch als Tabubrecher inszeniert und meint,
wenn er nur oft genug wiederholt, daß er ein Tabu bricht, dann
wird es mit der Zeit auch geglaubt.
Er ist verkehrt durch ein verkehrt verlegte Minenfeld gelaufen.
Was also tun ?
Ich denke, man kann dem Traumatisierten allenfalls den Arm
hinhalten, ihm (oder ihr) sagen, „Hey, ich gehe mit dir“ oder
„We are in this together“, wie die Engländer so schön sagen,
und hoffen dass er einhakt.
Ich glaube, ich hatte für meine Logiktheorie „traumatisiert“ in Anführungsstrichen geschrieben. Das ist ja eine medizinische Kategorie, die ich nicht i.S.v. „unzurechnungsfähig“ verwendet haben wollte, sondern im Sinne einer „sezessionierten“ Begriffslogik. Vielleicht ist diese Logik, die gesellschaftlich wertvollere Logik; aber es gibt Ungleichzeitigkeiten, Trägheiten, Widerstände und auch Glaubwürdigkeitsprobleme. Sie einmal glänzend vorzuführen, ist etwas anderes, als sie zu etabliernen. Und wenn man sie nicht sofort etablieren konnte, sollte man nicht beleidigt sein, dass einem das Kapital aus der glänzenden Vorführung wieder zerrint. Bei der Gratwanderung liegt Friedmann nicht immer günstig. Mehr Esprit statt gespreizter Eleganz ist dann gefragt, finde ich.
So wie es jahrelang die Autofahrer-Ratgeberserie „der siebte
Sinn“ gab, im gleichen Stil könnte man auch zeigen, welche
Verhaltensweisen hilfreich sind bei Übergriffen. Manche Leute
würden eingreifen, wenn sie wüßten wie
Ja, da gäbe es eine Menge, was man sich Sinnvolles einfallen lassen könnte. Um Befindlichkeitsverläufe in „annonymen“ Gruppen mindestens deutlich werden zu lassen, oder zu allermindest nicht völlig falsche Eindrücke von deren Verläufen bei den Betroffenen festzusetzen.
A pro pos Betroffene. Es dürften doch inzwischen über 50% der in Deutschland lebenden Juden Menschen sein, die die Naziwehrmacht queer durch Europa vor sich her getrieben haben. Auch von diesen siegreichen Sowjetmenschen, die die ganze Geschichte eben nicht aus eine Perspektive der Hilflosigkeit erlebt haben, könnte ich mir auch vorstellen , dass Impulse zu einer „Musterneubildung“ bei der Bewertung der Bedrohungslage ausgehen. Es gibt doch inzwischen bestimmt ein paar hundert ehemalige hohe Sowjetoffiziere in den jüdischen Gemeinden in Deutschland. Die könnten dem Möllemenn vielleicht mal einen offenen Brief aus einer nicht so bedrängten sondern etwas beherzteren Laune heraus schreiben, damit das politische Auftreten von Judnen (als Junden in D.) nicht immer so hilflos, bedrängt, gekränkt, beleidigt etc. aussieht. Mal ein unkonventioneller Vorschlag.
viele Grüße
Thomas
Hi Marion,
danke, aber ich kenne die Originalzitate
Trotzdem, ist auf der Homepage eins, dass du für antisemitisch
hältst ?
Nein! Aber ich persönlich habe Antisemitismus und Antiisraelismus auch noch nie in einen Topf geworfen. Man mag über Herrn Möllemann denken, was man will, aber die Diskussion, um die es hier geht, schadet ihm zu Unrecht, unterstellt ihm Dinge, die so nicht stimmen. Und der FDP. Das ist nicht gut, unseriös.
Ich sehe aber auch den Wahlkampf…
Viele Grüße
Jana