Hallo Barbara,
zunächst herzlichen Dank für Deine Hochschätzung meiner Antwort und eine Entschuldigung für die Anzahl an Tippfehlern (habe die Antwort in der Mittagspause zusammengekloppt
).
nutzt. Ich halte es nämlich auch für falsch zu glauben, es
könnte ein schlechtes Gewissen ohne den Einfluß von
Schuldgefühlen geben.
Ja, das ist richtig. Das war auch nicht meine Aussage. Meine
Aussage war, dass es hier schlechtes Gewissen ohne
*persönliche* Schuld i.S. von Täterschaft gibt. Stefanie hat
das ja gerade nochmal schön gesagt, sie hat verstanden, wie
ich es meine.
Ich werde mich da nochmal durcharbeiten 
zunächst auf diese „Volkschuldlinie“ zurückgezogen. Verstehst
Du, was ich sagen will? Es tut mir leid, wenn ich mich zuvor
ungünstig ausgedrückt habe. Besides, meine Geschichtchen aus
dem Dritten Reich war natürlich etwas off-topic, aber wollte
damit die moralischen Hintergründe meiner Antwort etwas
unterstreichen.
Ja, das hatte ich verstanden, ich wollte nur die MOD
beruhigen, ansich wäre das ja auch ein Thema für
Geschichte:smile:, was du da angesprochen hattest.
Achso…
Das ist genau der Punkt, an dem wir aneinander vorbeigeredet
haben. Es gibt keine Individualschuld in diesem Bezug. Es ist
eine Schuld, die das Volk trifft. Aber auch nicht wirklich im
rationalen Sinne, sondern eher im - naja - im ethisch,
pathetischen Sinne.
Ja, das habe ich dann auch gemerkt. Ich nenne es eben
Verantwortung, nicht Schuld, weil mein Begriff von Schuld
impliziert, das ich persönlich eine Tat begangen habe. Jetzt
wird mir sicher wieder Wortklauberei vorgeworfen:smile:, aber ich
denke, das ist eines der Hauptmissverständnisse überhaupt bei
dem Kollektivschuldgedanken.
Ja, ganz genau. Naja, wir haben da verschiedene Betrachtungsansätze, was ja aber auch nicht verkehrt sein muß.
-jetzt wirklich offtopic- doch den haben wir! Es gibt sehr
interessante Forschungsansätze ( z.B. die Arbeit mit
Tagebüchern als Quellen) und viele andere Möglichkeiten.
Das glaube ich einfach nicht. Auch ein Tagebuch kann doch nicht vermitteln, welche Angst eine Mensch wirklich fühlt. Es gibt Dinge, die man nicht in Worte fassen kann. Angenommen, KZ-Insassen hätten ein Tagebuch führen dürfen. Mit welchen Worten hätte eine Mutter die Empfindungen beschreiben können, wenn sie hätte zusehen müssen, wie ein SS-Mann ihr Neugeborenes gegen die Wand schmettert. Es gab vorfälle, in denen Sadisten Säuglingen die Augen ausrissen und sie vor den Augen der Mütter auf dem Boden zertraten. Welche Worte gibt es für die Empfindungen der Mutter?
zuder Täter-Opfersache:
Wenn du mal in Berlin bist, empfehle ich dir das Haus der
Wannseekonferenz! Wir leben im Land der Täter, beschäftigen
wir uns dochmal zur Abwechslung mal mit denen. Tut halt mehr
weh!
-) Da war ich schon.
Als ich mit einer Freundin den Film über die SS-Frauen gemacht
habe, bekamen wir auch Wut zu spüren: Wie könnt Ihr nur!
Gerade die SS- Nachrichtenhelferinnen kämen vielen „zu gut“
weg. Man wollte - auch ein Reflex, den Marion an anderer
Stelle gut beschrieben hatte - sich selbst vergewissern, dass
man selbst ja gut sei. Wenn wir über die „Tätergeneration“
reden, wollen die einen hören, das war alles nicht so schlimm
und die anderen wollen den dicken, moralischen Zeigefinger
sehen. Grund: Man will sicher sein, auf der richtigen Seite
gestanden zu haben. Ich weiß noch, wie eine Zuschauerin völlig
empört sagte: Die SS-Frauen-Ausbildungsschule, die kam viel zu
gut weg, da wäre ich vielleicht auch gerne hin - das könnt ihr
so nicht bringen.
Ich hätte den Film gerne mal gesehen. Ich habe mal von diesem Film gehört, weil meine Frau ihn damals gesehen hat. Kam er auf arte oder…? Weißt Du, wann er wiederholt gesendet wird? Ich wußte ja damals natürlich nicht, daß er von Dir war. Wie auch. Es ehrt mich natürlich daher ganz ungemein, daß Du es zuläßt, mit einem historischen low-level wie mir, dieses Thema zu besprechen.
Nazis sind abgrundtief böse, verachtungswürdige Monster
gewesen? Das hättest du wohl gerne, weil du weisst ja, dass du
gewiss kein Monster bist - da ist viiiiiiiiiiiiel Abstand
geschaffen zwishen dir und dem Mensch damals. Aber: Ein
Großteil der Menschen in dieser Zeit war wie wir es heute oft
aus sind: oft gleichgültig, gefrustet, unpolitisch,
parolengläubig. Warum das passiert, ist, was heute sicher
nicht mehr passiert, hat dann viele Ursache und Faktoren.
Das habe ich genauso in meiner ersten Antwort auf Deine Thesen so dargestellt. Die Gleichgültigkeit der damaligen Parolengesellschaft.
Ich glaube, daß das, was damals geschah, immerwieder möglich ist. Diese Monster stecken doch in uns. Deshalb sollen wir ja wachsam sein. Und gerade deshalb schrieb ich ja auch, daß ich mich nicht freiwaschen kann. Ich schrieb, daß ich nicht weiß, ob ich auch die Stärke und den Mut gehabt hätte, mit denen die Menschen des Widerstandes und die unzähligen „kleinen“ Widerständler gesegnet waren. Ich habe Angst vor diesem Monster, weil ich fürchte, daß auch ich zu 99% eher nicht zum Widerstand gehören würde. Aber auf jeden Fall würde ich versuchen, nach diesem einen verbleibenden Prozent zu greifen. Denn dieses Hundertstel vereint in sich alles edle und ritterliche dieser Welt. Das ist doch mal ein Grund.
Aber das diskutieren wir dann wirklich woanders:smile:. Btw: Wenn
ich hier „Du“ schreibe, meine ich nicht dich persönlich! Bitte
nicht falsch verstehen.
Habe ich schon verstanden. Es gibt andere, die so lospöbeln würden. Aber das ist ganz bestimmt nicht Deine Art. Deshalb bestand niemals eine Gefahr des Mißverständnisses. 
viele liebe Grüße, dein Statement hat mit wirklich
beeindruckt. Hut ab!
Weil es aus Deiner Tastatur kommt, ist diese Bewertung für mich von hoher Bedeutung. Ich schätze unsere Diskussion sehr.
Viele Grüße
Barkley