Hi,
Solche Portale gibt es nicht, aus rechtlichen Gründen, und ich
bin auch froh darüber, denn in kaum einem Sektor wäre die
Shitstürmerei wohl größer. Ständig habe ich mit Leuten zu tun,
die früher mal einen Anwalt beauftragt hatten, der aber mal so
gar nichts taugt, und ich weiß dabei schon, dass ich - wie bei
einem Pilotenspiel - dann der nächste in dieser Liste sein
werde.
nee, nee, so exclusiv seid ihr Anwälte nicht.
Jeder Arzt, jeder Handwerker oder jeder mit Privatkunden betraute Ingenieur kann ähnliches berichten.
Diese Menschen wird es immer geben, ob sie dem Arzt nun erzählen wie er sie zu behandeln hat, dem Elektriker wie die Installation auszuführen ist oder ob mir meine Kunden erzählen wollen wie der vorbeugende Brandschutz funktioniert, damit muss man als Profi einfach klarkommen und sich individuelle Strategien dafür zurechtlegen.
Aber, und das ist wirklich ein Problem: als „Normalbürger“ habe ich ja glücklicherweise recht selten mit Gerichten und der Justiz zu tun. Wenn es dann aber so weit ist und man gerät an eine faule Pappnase (ja, die gibt es auch unter den Anwälten), kann das für den Mandanten üble Folgen haben.
Und selbst wenn er das noch rechtzeitig merkt und der Pappnase das Mandat entzieht, darf er ihn für die bis dahin (nicht) geleistete Arbeit entlohnen, zusätzlich zum neuen Anwalt, der es hoffentlich besser macht.
Wie soll man also einen guten Anwalt finden? Derzeit gleicht diese Suche für normale Menschen einem Lotteriespiel, mit dem einzigen Unterschied, dass die Gewinnchance sehr viel höher ist. Dummerweise ist auch das Verlustrisiko ungleich größer, denn ein schlechter Anwalt kostet deutlich mehr als ein Lottoschein…
Ein solches Protal würde einem halbwegs vernünftigen Anwalt sicher nicht schaden, auch wenn er gelegentlich schlechte Beurteilungen erhält. Da dieser Anwalt überwiegend zufriedene Kunden haben dürfte, wird er auch überwiegend positive Bewertungen erhalten (man kann seine zufriedenen Kunden ja um eine Bewertung bitten).
Aber für mich als potentiellen Kunden wäre es schon recht hilfreich, wenn ich mir über solch ein Portal die Bewertungen früherer Mandanten ansehen und dadurch die Wahrscheinlichkeit reduzieren könnte an einen Stümper zu geraten.
Ich spreche da leider aus leidvoller Erfahrung:
Als ich in jungen Jahren mal mit dem Strafgesetz in Konflikt geriet, wurde ich in erster Instanz zu einer (wie ich später erfahren habe) vergleichsweise moderaten Strafe verurteilt (was wohl nicht unerheblich auf mein zurückhaltendes Auftreten, meine zur Schau gestellte Einsicht und ein frühes Geständnis zurückzuführen war).
Von einem guten Anwalt hätte ich nun erwartet, dass er mir das genauso sagt, denn er sollte doch die „üblichen Tarife“ der örtlichen Richter kennen.
Statt dessen hat er mir suggeriert (er hat es wohlweislich nicht so ausgesprochen), dass das Urteil (60 Tagessätze sind nun mal ein beachtliches Sümmchen) zu hart sei und man in der Berufung eine Reduzierung erreichen könne.
Der dortige Richter hat mir dann klar gemacht, dass ich kaum mit einem milderen Urteil zu rechnen hätte und dass der erstinstanzliche Richter schon alles berücksichtigt hatte, was für mich gesprochen hat.
Auf das zweite Urteil habe ich dann dankend verzichtet. Die Pappnase und die zusätzlichen Gerichtskosten durfte ich aber trotzdem bezahlen…
Gruß Stefan