Hallo Ralf,
Es ist nun mal eine Tatsache, dass die Chancen auf dem
Arbeitsmarkt für kranke 57-jährige praktisch gleich Null sind.
Keine Frage.
Dass sich diese Leute nicht noch Absagen und Beulen abholen,
die schlicht unvermeidlich sind (und Geld für Bewerbungskosten
ausgeben), ist schlicht verständlich.
Bewerbungskosten zahlt bei Arbeitslosen und Schülern sehr häufig das Arbeitsamt. Ein Argument, was ich nicht so ohne weiteres stehen lasse. Und auch wenn die Möglichkeiten schlecht sind, so schließt du ja nicht aus, dass es sie gibt. Und die sind in der Tat auch vorhanden. Nur wir haben uns angewöhnt (auch die Firmen), ältere Menschen eher in Ruhestand zu schicken, damit wir sie „los sind“. Wobei dies nicht in jeder Branche zutrifft.
Ich kenne persönlich nur einen älteren Menschen, der unter 65 in Ruhestand geschickt wurde. Dies war aber in meinen Augen auch richtig. Er hat dem Unternehmen letztendlich mehr gekostet, weil er nix geschafft hat und auch nicht willes war, neues zu lernen, als er einbrachte. Da er zudem auch den Sozialfrieden im Unternehmen behinderte, habe ich mit solchen Menschen kein Problem. Er hat seine Abfindung kassiert (Weiterbezahlung der Bezüge (nur 12 Gehälter und keine Lohnsteigerungen) bis 65) und im Unternehmen herrschte Frieden. Er darf sich auch nicht arbeitslos melden. Fällt also nicht in die Statistik. Aber im Gegenzug sind mir sehr viele Fälle bekannt, bei denen die Mitarbeiter mit 65 in den Ruhestand mussten, weil das Gesetz es so will. Das Unternehmen hätte sie gern noch weiter genutzt.
Aha. Aus welchem denn? Und hast Du als Steuerzahler etwas
davon, wenn dies aus einem anderen Topf finanziert wird?
Wenn er nicht mehr arbeiten kann, ist er erwerbsunfähig. Diese Kosten bekommt er eh schon. Ihn also als arbeitslos zu zählen, wäre nicht richtig, denn von dort bekommt er kein Geld. Die EU-Rente wird von anderen Gelden bezahlt (sicherlich auch durch mich, dem Steuerzahler), aber nicht durch die Steuern.
Ja. Und die ist oftmals gleich Null. Aber die Kritik geht dann
an die Arbeitslosen.
Weil sie hier in meinen Augen vermehrt anzutreffen ist.
Mag ja sein, dass dies für Dich zutrifft. Vermute mal: Single,
unter 30, räumlich flexibel, zeitlich flexibel, mehrsprachig
(wahrscheinlich dreisprachig), gutaussehend (kannst also auch
im Außendienst arbeiten), nicht auf den Mund gefallen (kannst
auch verkaufen), gute Computerkenntnisse (na ja, zumindest
Word, Excel etc.), gute Ausbildung (vielleicht BWL).
Richtig…
Wenn Du diese Eigenschaften hast und mal arbeitslos warst, dann :wäre Dir wirklich nicht zu helfen gewesen. Das bedeutet aber :nicht, dass Du Deine Erfahrung auf Menschen, ohne all diese
Eigenschaften übertragen kannst.
Woran liegt es aber, dass sie diese Eigenschaften nicht haben? Die Möglichkeit hat in einem Staat wie Deutschland ausnahmslos jeder. Mal von dem Faktor Aussehen abgesehen.
Aber auch ich war zwischen Studium und Ausbildungsende nur nicht arbeitslos, weil ich mich frühzeitig drum bemüht habe, dass ich neue Möglichkeiten habe.
Wenn ich dann aber wiederum nach meiner Ausbildung keine Arbeit finde, dann muss ich, wenn ich noch kein Abitur habe, eben dieses nachmachen. Somit steigen meine späteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wo kommen wir aber wieder hin? Zur Bequemlichkeit. Es ist ja herrlich, morgens lange zu schlafen und dafür noch Geld zu bekommen.
Ich kenne auch genügend andere Beispiele, die eben Realschulabschluss gemacht haben, dann eine Ausbildung. Anschließend haben sie keinen Job gefunden, also haben sie das Abi nachgemacht und nun sind sie seitdem in Anstellung. Sie wollten. Andere haben einen Teilzeitjob (und Gehaltsverlust!!) in Kauf genommen und sind nun festangestellt im Ganztagsjob, weil sie sich bewiesen haben und die Firma ihre Eignung festgestellt hat.
Ach so. Und wer sich dann da bewirbt, bekommt automatisch die
Stelle? Noch einmal: es gibt mehr Arbeitslose als freie
Stellen.
Klar. Die gibt es. Aber nicht so wahnsinnig viel mehr. Wenn ich allein bei uns im Unternehmen gucke. Wir sind 650 Mitarbeiter und haben soweit ich weiß 30 offene Planstellen… dazu ca. 15 Ausbildungsplätze an bundesweiten Standorten frei… nur wir finden keinen… worin liegt hier das Problem, wenn wir nichtmal welche für die Ausbildung finden? Sicherlich nicht daran, dass unsere Anforderungen zu hoch sind.
Eben. Aber auch hier: die Kritik richtet sich stets auf die
„unflexiblen“ Arbeitslosen (die es natürlich auch gibt, klar).
Dass viele Arbeitgeber aber kaum noch ausbilden (wollen), wird
kaum behandelt.
Siehe oben. In den Firmen, in denen ich bisher gearbeitet habe, hat man glaube erkannt, dass man jetzt die Leute von morgen ausbildet. Daher war es bisher immer so, dass man über den eigenen Bedarf hinaus ausgebildet hat.
Was ist das denn für eine Logik? Sag das mal einem z.B.
gehbehinderten 52-jährigen Arbeitslosen.
Und das sind 4 Millionen? Also bitte… Wenn es 1% der Arbeitslosen wäre, dann wäre das glaube schon übertrieben. Aber was ist mit den anderen 99%? Sicherlich gibt es Härtefälle, aber keine 4 Millionen!!! Und wenn man diesen Härtefällen mehr unter die Arme greift, dann ist allen damit geholfen. Der Steuerzahler wird entlastet und der Härtefall bekommt mehr. Gleichzeitig fördert dies aber nicht den Unmut vieler Menschen. Ein Härtefall kann mehr bekommen. Aber nicht 4 Millionen.
Nein. Wenn z.B. alle Arbeitslosen Köche und alle freie Stellen
für Tischler sind, die Arbeitgeber aber für ihre freien
Stellen nur Tischler suchen und nicht bereit sind, Köche
umzuschulen, dann bleibt die Differenz auch wenn die
Arbeitslosen noch so motiviert sind.
In dem Fall hast du recht. Nur macht das eben auch keine 4 Millionen aus 
Und würde ich arbeitslos werden, könnte ich z.B. auch mit noch :so einer großen Motivation nicht als Tischler anfangen. Denn :dazu gehört nicht nur Motivation. Ich kann ja kaum einen Nagel :gerade in die Wand schlagen.
Ist es gehässig, wenn ich hier erwider: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr?
Aber wer macht das schon? Wer nimmt nicht Steuervorteile mit,
wenn er nicht in der Gefahr steht, die Berechtigung hierzu
nachweisen zu müssen (da geht es dann natürlich nicht um
Hundertausende, sondern vielleicht nur um zig Euro, aber
immerhin)?
Was du nicht nachweisen musst, kannst du nur über Pauschalbeträge geltend machen. Da der Gesetzgeber dies zulässt, sehe ich hier keinen Betrug, denn Aufwendungen für den Beruf und für deine Vorsorge hast du sehr wahrscheinlich darüber hinaus gehabt. Nur eben nicht am Stück.
Wer setzt nicht ein Buch, das eigentlich als
Geschenk für einen Freund gedacht ist, von der Steuer ab, wenn
er hierzu die Möglichkeit hat?
ICH… meins ist meins… und was ich verschenke, gebe ich nicht noch an… bin doch nicht völlig deppert. Wenn sowas rauskommt? MV? Neeneenee…
Gruß
Marco