Hallo
Man hat ja auch jahrelang Steuer und sämtliche Beiträge
gezahlt, damit man das auch in der Not in Anspruch nehmen
kann.
Prinzipiell verstehe ich, was Du meinst, aber widersprechen muß ich Dir in dem von dir erfragten Falle doch. Durch die Formulierung „damit man das auch in der Not in Anspruch nehmen kann.“ wird deutlich, daß wir den Bezug zum Wort „Not“ verloren haben. Für uns bedeutet im Sozialstaat „Not“ nämlich nicht mehr das, was sich dahinter verbirgt, sondern diese „Not“ ist oft nur ein Begriff, der zur Verschleierung der Bequemlichkeit, mangelnden Flexibilität oder auch nur dem Ausprobieren einer fixen Idee vorgeschoben wird. Für mich ist „Not“ eher soetwas: http://www.electricscotland.com/thomson/images/11.3%…
Die Idee mit ALG II ist ersmal nur eine Idee. Um sich
selbständig zu machen in einem sehr speziellen IT- Bereich muß
man unheimlich viel Zeit investieren, damit das Ganze auch den
Inhalt hat. Es ist nicht möglich nach 14 Stunden regulärer
Arbeit das Projekt noch zu Hause zu betreuen - es entsteht dem
entsprechend eine Art von Notsituation, in der man darauf
zurückgreifen kann, was man als Steuerzahler geleistet hat.
Das ist doch legitim.
Nein. Ganz im Gegenteil ist es gesetzlich gesehen eben nicht legitim, denn an den Bezug ist die Pflicht des Beziehers geknüpft, den Bezug möglichst schnell zu reduzieren oder zu beenden. Dieses wäre hier im erfragten Falle ja nicht gegeben. ALG II ist nicht für Menschen gedacht, die aus welchen Gründen auch immer eine Auszeit brauchen, sondern als Hilfeleistung für Menschen, die es einfach beschissen erwischt hat und denen wir als Sozialstaat nicht in einem Papierkarton verroten lassen wollen. Darauf sollten und können wir als Staat stolz sein. Aber: Wir sind bequemlich geworden und die Meinung „Das steht mir zu.“ hat sich inzwischen insoweit verselbständigt, daß wir denken, es wäre unser gutes Recht, zu machen was wir wollen, Hartz IV steht uns - wenn gar nix mehr geht - immer wie selbstverständlich zu. Das ist einer der Gründe, warum das in naher Zukunft in einem großen sozialstaatlichen Desaster enden wird.
Und das Argument „dafür habe ich eingezahlt“, bringt mich zum Kochen. Mal Hand auf’s Herz. Rechne mal alle bisher eingezahlten also „geleisteten“ Beträge, die die fiktive Person bisher in die Arbeitslosenkasse gezahlt hat und vergleiche sie mit dem, was ihr in einem Jahr an Hartz IV gezahlt wird, ggf noch zzgl Gründungszuschuss.
Ich frage mich, ob es andere Lösungen für solche Situationen
gibt? Weiß jemand, welche Hilfe man vom Arbeitsamt bekommen
könnte, wenn man sich selbständig machen möchte aber auch viel
Zeit braucht, um den Inhalt der Dienstleistung entsprechend
gut zu bearbeiten?
Katka, das Leben ist hart. Selbständigkeit ist auch kein Zuckerschlecken. (siehe oben) Wenn man bereit ist, täglich 20 Stunden darin zu investieren, kann der finanzielle Erfolg enorm sein. Ist man dazu nicht bereit, könnte man gut einer der vielen Leute sein, die meinen, eine gute Idee zu haben und nach kurzer bis mittelfristiger Zeit dann wieder beim Leistungsträger stehen. Diesmal, weil die Firma den Bach runtergegangen ist. Eine Lösung wäre, in (kostenpflichtige) fachliche Hilfe zu investieren, die manche Prozesse verschnellert und auch die Erfolgsaussichten erhöht.
Es hieß früher „Der liebe Gott hat vor den Erfolg den Schweiß gesetzt“, nicht Hatrz IV oder ALG 1…
Gruß,
LeoLo