Argumente für/gegen Kita

Hallo zusammen,

Ich hatte gerade (wieder mal) eine höchst theoretische, aber umso intensivere
Diskussion im kleinen Kreis um das Thema Kindertagesstätte. Fundierte Argumente
gab es dabei leider weniger - warum ein Kind eine Kita besuchen sollte, oder
das eben nicht tun sollte…
Der Fokus ist dabei auf der pädagogischen und psychologischen Seite, der
wirtschaftliche Teil der Überlegung ist ja schnell gemacht.

Ich würde mich deshalb sehr freuen, wenn ich von euch ein paar Meinungen &
Argumente zum Thema „pro / contra Kita“ lesen könnte (gute Links tun es aber
auch, habe bislang noch nicht viel gefunden). Insbesondere interessiert mich in
dem Zusammenhang alles über die Kindesentwicklung und das
Kinder-Eltern-Verhältnis.

Grüße,
Simon

Hallo Simon,

meine Eltern arbeiten beide im Kita, deshalb geb ich dir mal ein paar PROs:

  • die Kinder lernen selbstständig zu sein
  • sie lernen mit anderen Kindern umzugehen/ sich gegebenfalls gegen sie surch zu
    setzten.
  • sie haben immer einen geregelten Tagesablauf
  • lernen/entwickeln viele Fähigkeiten durch aktivität:
    Wenn man mal einen Tag im Kita verbracht hat weiß man, wieviel da eigentlich
    passiert. Das oft unterschätzt. Da wird Sport gemacht, Unternehmungen, gesungen,
    gebastelt, es müssen Regel befolgt werden, usw…

Geh doch einfach mal nen Tag in den Kita und schau dir das an!

liebe grüße
naddi

P.s. Viele Eltern denken vielleicht, dass sie ihrem Kind zu Hause das gleiche
geben können. Aber da steckt auch sehr viel Pädagogik und Psychologie mit drin.
Klar, wenn man sich informiert. Aber dann fehlen noch die anderen Kinder. Und
wenn man das auch alles bietet, ist man im Prinzip schon in Kita! :wink:

Hallo Simon,

ich habe mit den Kitas gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht. Zunächst einmal habe ich den Standpunkt, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind und deshalb den Umgang mit anderen Kindern brauchen. Dann haben Kitas natürlich ganz andere Möglichkeiten, bestimmte Unternehmungen durchzuführen (Basteln, Singekreise, Spiele u. ä.). Gerade mit einem Einzelkind kann man daheim einfach nicht allem gerecht werden.

Ganz konkret auf meinen Sohn bezogen, kann ich berichten, dass er große Fortschritte gemacht hatte, seine Schüchternheit zu überwinden. Außerdem war es bei ihm vor allem sehr gut sichtbar, als er in eine „große“ Gruppe, also mit älteren Kindern kam. Er ist nämlich immer jemand gewesen, der sich stark seiner Umwelt anpasste. Bei den Kleinen fiel er zusehends in Babyalter zurück, bei den Großen aber spornte es ihn an, auch Dinge selbermachen zu wollen, anerkannt zu werden, einfach auch mal gleichberechtigt mitspielen zu können.

Da ich alleinerziehend bin, hatte die Kitazeit auch den positiven Nebeneffekt, dass der Junge mir nicht mehr zu sehr am Rockzipfel hing, was ja zwangsläufig doch passiert, wenn man zu zweit ist. Man ist viel enger miteinander, als meinetwegen in einer „normalen“ Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern.

Bei uns bedeutete die Kita: Die Welt da draußen! Es war natürlich auch immer wieder schön, wieder nach Hause zu kommen :wink:

Negatives gab es eigentlich nur bei gewissen Erziehern, mit denen man halt nicht so auf einer Wellenlänge liegt. Aber weißt Du: Das ist halt das „echte Leben“. Es werden Dir immer Menschen im Leben begegnen, mit denen Du nicht so gut kannst. Auch das muss ein Kind ruhig wissen. Und lernen, damit souverän umzugehen.

Viele Grüße
Jana

Hallo Simon,

Fundierte Argumente gab es dabei leider weniger -
warum ein Kind eine Kita besuchen sollte, oder
das eben nicht tun sollte. Der Fokus ist dabei
auf der pädagogischen und psychologischen
Seite,

naddi und Jana haben ja schon vieles in ihren
guten Postings gesagt.

Noch ein paar Anmerkungen.

Wenn das Kind, besonders wenn es jünger
ist (Bezugsperson vor-
findet, der es vertrauen will, wird die
ganze Sache höchstwahrscheinlich scheitern
Das ist imho das A und O.
Dabei sollten bei unter 5-jährigen nicht
viel mehr als 5 Kinder auf eine wirklich
verfügbare Erzieherin kommen.
(laut Largo, ISBN: 3492041108 Buch anschauen)

Aus eigener Erfahrung: einige Eltern
schaffen ihr Kind auch noch in den Kiga,
wenn es gerade daran ist, krank zu werden -
(es wird schon nichts weiter haben). Die
Folge - Dein Kind nimmt hin und wieder
verschiedenste Krankheiten mit. Im Falle
der typischen „Kinderkrankheiten“ ist
das aber eher ein Vorteil (Immunisierung)

Ansonsten überwiegen imho die positiven
Aspekte: Anregung des Spracherwerbs;
Anregung des Lernens von Kulturtechniken
(da sich die Peers daran versuchen);
gute Bewegungsentwicklung durch Sportprogramme
und normales toben unter den Kindern.;
Entwicklung der Rücksichtnahme auf
andere Kinder (Erlebnis des tit for tat) usw.

Grüße

CMb

Hallo Naddi,

Danke für deinen Beitrag!

  • die Kinder lernen selbstständig zu sein

Inwiefern selbstständig? Vielleicht verstehe ich unter Selbstständigkeit etwas
anderes als du, aber es geht hier um Kinder ta-Kinder von Kindergarten-Kindern in
ihrer langfristigen Entwicklung?

  • sie haben immer einen geregelten Tagesablauf

Das ist zwar schön und recht, aber: wo ist da der Punkt?

Wenn man mal einen Tag im Kita verbracht hat weiß man, wieviel
da eigentlich passiert.

Hm, hier im Süden sind Kitas nicht sehr weit verbreitet. Und so akut ist die
Debatte jetzt auch wieder nicht, daß solche Recherchen sein müssten.

es müssen Regel befolgt werden,

Ist in der Familie i.d.R. auch so…

Geh doch einfach mal nen Tag in den Kita und schau dir das an!

Wie gesagt: wenn das Thema mal aktuell sein sollte…
Ausserdem kommt es mir nicht so sehr auf den direkten, unmittelbaren Eindruck
einer seziellen Kita an, sondern eher auf eventuelle Unterschiede in der
Entwicklung von Kita-Kindern und Kindern, die in der Familie versorgt werden
(Altersgruppe jeweils unter 3 Jahren)

P.s. Viele Eltern denken vielleicht, dass sie ihrem Kind zu
Hause das gleiche geben können. Aber da steckt auch sehr
viel Pädagogik und Psychologie mit drin.

Ist Erziehung (seitens der Eltern) nicht auch Pädagogik und Psychologie?

Grüße, Simon

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Hallo Simon,

je nach Erziehungsstil der Eltern und nach Charakter des Kindes ist es so, dass manche Kinder mit 3 Jahren in den KiGa-Alltag schlecht integrierbar sind, aus welchen Gründen auch immer (wenn die Eltern kaum Grenzen setzen, wenn das Kind zu wenig mit anderen Kindern in Kontakt ist --> Sozialverhalten vorher überhaupt nicht kennt [seine Kraft richtig einzusetzen, mit andere Kindern das Spielzeug zu teilen etc.], wenn es kaum Regeln befolgen muss zu Hause etc.). Die ersten drei Lebensjahre sind ja doch bereits sehr prägend für das Verhalten des Kindes und ich habe schon von Fällen gehört, in denen die KiGas sich nach einer Woche „Probezeit“ geweigert haben, die Kids zu behalten, weil diese kaum integrierbar waren.

Aber letztendlich würde ich sagen, dass die Entscheidung für oder gegen die Kita nach individuellen Aspekten (Charakter, Gesundheit, Entwicklung) gefällt werden muss.

Grüße,
Anja

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Hallo Simon,

also wenn ich das jetzt richtig verstehe geht es dir um Kinder die jünger als 3 Jahre sind. Somit redest du von Krippenplätzen und nicht von KiTa oder KiGa.

Nun wenn das Kind ausreichend soziale Kontakte (täglich) zu Gleichaltrigen hat und die Eltern es auch nicht allzusehr in Watte packen bezüglich dem machen von neuen Erfahrungen, spricht eigentlich nichts dagegen das Kind Zuhause zu lassen. Erste sozile Kontakte zu Gleichaltrigen werden ja schon in der Krabbelgruppe gemacht und ab dem 12.ten Lebensmonat sollten diese Kontakte auch vermehrt, also öfter als einmal die Woche stattfinden. Der Grundstein für soziale Soziale Kompetenz wird schon in den ersten Lebensjahren gelegt.
So gesehen ist die Unterbringung in einer Krippe ab dem ersten Lebensjahr durchaus positiv.Mal abgesehen von der Tatsache das die Entwicklung des Kindes durch dritte Personen emotionsloser betrachtet wird. Vorteilhaft ist dies z.B. um Entwicklungsverzögerungen oder Auffälligkeiten zu erkennen.
Andererseits muss man die Eigenarten des jeweiligen Kindes dabei auch in Betracht ziehen, in dem Alter sollte es meiner Meinung nach nicht unbedingt eine Ganztagsbetreuung zu sein.

Ein allgemeingültiges Pro oder Contra gibt es nicht.

Gruß Andrea

Hallo Jana,

Zunächst einmal habe ich den Standpunkt, dass Kinder keine
kleinen Erwachsenen sind und deshalb den Umgang mit anderen
Kindern brauchen.

Sehe ich grundsätzlich auch so. Die darauf folgende Frage ist eben, wieviel
Kontakt (Klein)Kinder zu den Eltern brauchen?

Gerade mit einem Einzelkind kann man daheim einfach nicht
allem gerecht werden.

Gutes Argument - der Trend geht ja leider von der Mehrkinderfamilie weg…

Ganz konkret auf meinen Sohn bezogen, kann ich berichten, dass
er große Fortschritte gemacht hatte, seine Schüchternheit zu
überwinden. Außerdem war es bei ihm vor allem sehr gut
sichtbar, als er in eine „große“ Gruppe, also mit älteren
Kindern kam. Er ist nämlich immer jemand gewesen, der sich
stark seiner Umwelt anpasste.

Hat dein Sohn das vor der Kita auch gemacht (sich sehr der Umwelt anzpassen?)

Negatives gab es eigentlich nur bei gewissen Erziehern, mit
denen man halt nicht so auf einer Wellenlänge liegt. Aber
weißt Du: Das ist halt das „echte Leben“. Es werden Dir immer
Menschen im Leben begegnen, mit denen Du nicht so gut kannst.
Auch das muss ein Kind ruhig wissen. Und lernen, damit
souverän umzugehen.

Ich vermute, daß Erzieher für ein Kind weit mehr als jemand sind, mit dem es
entweder gut zurechtkommt oder halt nicht.

Grüße, Simon

Hallo CMb,

Wenn das Kind, besonders wenn es jünger ist (Bezugsperson vor-
findet, der es vertrauen will, wird die
ganze Sache höchstwahrscheinlich scheitern

ist klar.

Dabei sollten bei unter 5-jährigen nicht
viel mehr als 5 Kinder auf eine wirklich
verfügbare Erzieherin kommen.

Wie sieht denn die Praxis aus?

Dein Kind nimmt hin und wieder
verschiedenste Krankheiten mit. Im Falle
der typischen „Kinderkrankheiten“ ist
das aber eher ein Vorteil (Immunisierung)

Gegen Kinderkranheiten kann geimpft werden, an grippalen Infekten hingegen kann
man auch mehrmals im Jahr erkranken…

Ansonsten überwiegen imho die positiven
Aspekte: Anregung des Spracherwerbs;

Spracherwerb von gleichaltrigen Kindern, die im wesentlichen alle denselben
Wortschatz haben?
Mir ist dazu leider nur eine ältere Studie bekannt, nach der Kita-Kinder einen
signifikant kleineren Wortschatz als gleichaltrige Kinder haben, die ersten
Jahre bei den Eltern aufgewachsen sind.

Anregung des Lernens von Kulturtechniken
(da sich die Peers daran versuchen);

welcher Art Kulturtechniken?

gute Bewegungsentwicklung durch Sportprogramme
und normales toben unter den Kindern.;

Soweit sinnvoll.

Entwicklung der Rücksichtnahme auf
andere Kinder (Erlebnis des tit for tat) usw.

Unterscheiden sich hier Kita-Kinder von Elternbetreuten Kindern in ihrer
langfristigen Entwicklung?

Mir ist klar, daß viele Kinder daheim wenig vorbildliche Verhältnisse haben und
der Kita-Besuch für diese unwiederlegbare Vorteile hat (mit Regeln vertraut
werden, geregelter Tagesablauf, etc). Ich habe aber den Eindruck, daß mit
halbwegs vernünftiger Erziehung durch die Eltern einiges selbstverständlich
ist, was Kitas als ihren spezifischen Vorteil beanspruchen.

Grüße, Simon

Moin,

P.s. Viele Eltern denken vielleicht, dass sie ihrem Kind zu
Hause das gleiche geben können. Aber da steckt auch sehr
viel Pädagogik und Psychologie mit drin.

Ist Erziehung (seitens der Eltern) nicht auch Pädagogik und
Psychologie?

Welche Eltern sind denn schon bewandert in Pädagogik und/oder Psychologie ? Die meisten „erziehen“ doch bestenfalls nach bestem Wissen und Gewissen ohne Plan, ob das nun pädagogisch sinnvoll ist oder nicht.

Fürs Autofahren muss man einen Führerschein machen, um (eigene) Kinder zu erziehen reicht ungeschützt Sex zu haben. Ich finde nicht, dass letzteres unbedingt automatisch eine Qualifikation zur Kindererziehung ist.

Gruß
Marion

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Pädagogik
Hallo Marion,

Ist Erziehung (seitens der Eltern) nicht auch Pädagogik und
Psychologie?

Welche Eltern sind denn schon bewandert in Pädagogik und/oder
Psychologie ?

Ich meinte weniger studierte Psychologen od. Pädagogen. Vielmehr meinte ich,
daß eine überlegte Erziehung auch auf psychologischen und pädagogischen
Erkenntnissen der Eltern bzw. der Erzieher beruht.

Die meisten „erziehen“ doch bestenfalls nach
bestem Wissen und Gewissen ohne Plan, ob das nun pädagogisch
sinnvoll ist oder nicht.

Wenn ich meine (ungeborenen) Kinder nach bestem Wissen und Gewissen erziehe,
werde ich vermutlich auch der Meinung sein, daß das einigermaßen pädagogisch
sinnvoll ist (soweit zumindest meine Überlegung).

Fürs Autofahren muss man einen Führerschein machen, um
(eigene) Kinder zu erziehen reicht ungeschützt Sex zu haben.
Ich finde nicht, dass letzteres unbedingt automatisch eine
Qualifikation zur Kindererziehung ist.

Was willst du damit sagen? Bist du für die Einführung eines „Erziehungsscheins“
für Eltern?
Ich kann dir im übrigen versichern, daß sich selbst professionelle Pädagogen
bisweilen recht mißratene Kinder heranziehen können.

Grüße, Simon

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Hallo Simon,

Die darauf folgende Frage ist eben, wieviel
Kontakt (Klein)Kinder zu den Eltern brauchen?

Mein bestes Gegenargument (wie gesagt: alleinerziehend UND immer voll gearbeitet) ist: Nicht die Quantität, sondern die Qualität entscheidet!

Hat dein Sohn das vor der Kita auch gemacht (sich sehr der
Umwelt anzpassen?)

Ja, mein Sohn ist ein stiller Typ, sehr zuwendungsbedürftig (aber kein unterwürfiger Mensch oder so), legt sich halt nur ungern mit anderen an. Auch heute noch. Trotzdem souverän und selbstbewusst.

Ich vermute, daß Erzieher für ein Kind weit mehr als jemand
sind, mit dem es
entweder gut zurechtkommt oder halt nicht.

Das würde ich nicht überbewerten. Die Kleinen können offenbar ganz gut unterscheiden zwischen Familie und Erziehern. Mein anfänglicher Konkurrenzneid *schäm-aber-naja* löste sich jedenfalls ganz schnell in Luft auf. Heute vergleiche ich das mit Lehrern in der Schule…

Aber jedes Kind ist auch anders. Ich kann nur von meinen Erfahrungen berichten, die erst aus der Not heraus geboren waren. Aber nun habe ich eine kleine Nachzüglerin bekommen (3 Monate alt), und es ist ganz klar, dass ich sie genauso mit einem Jahr in eine Kita gebe. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Ich müsste es nicht wirklich. Aber so kann ich Arbeit und Familie gut miteinander verbinden.

Viele Grüße
Jana

Hi Simon,

mir ist auch erst jetzt klar geworden, daß Du die Krippenunterbringung bis drei Jahre meinst. Deine eigentliche Frage hatte ich auch anders interpretiert (wie wohl so mancher).

Mir ist klar, daß viele Kinder daheim wenig vorbildliche
Verhältnisse haben und
der Kita-Besuch für diese unwiederlegbare Vorteile hat (mit
Regeln vertraut
werden, geregelter Tagesablauf, etc). Ich habe aber den
Eindruck, daß mit
halbwegs vernünftiger Erziehung durch die Eltern einiges
selbstverständlich
ist, was Kitas als ihren spezifischen Vorteil beanspruchen.

Ich denke, Du bringst es hier auf den Punkt. Ich kann an einer Kita im Alter bis Drei auch keinen systematischen Vorteil erkennen. In meinen Augen ist das Elternhaus (grundsätzlich) der ideale „Lebensraum“ für Kinder bis Drei.
Wobei das „grundsätzlich“ eine wichtige Einschränkung ist. Zum einen gibt es genug Elternhäuser, die eben alles andere als ideal für die Entwicklung sind, zum anderen gibt aber auch schlicht Lebensnotwendigkeiten. Für beide Fälle sind Kitas ausgesprochen sinnvoll und beim besten Willen nicht „zweite Wahl“.

Gruß Stefan

schönen Abend, die Kollegin!

je nach Erziehungsstil der Eltern und nach Charakter des
Kindes ist es so, dass manche Kinder mit 3 Jahren in den
KiGa-Alltag schlecht integrierbar sind, aus welchen Gründen
auch immer

das ist hoffentlich nicht die Regel, oder?

Die ersten drei Lebensjahre sind ja doch bereits sehr
prägend für das Verhalten des Kindes

Ja, deshalb interessiere ich mich ja explizit für eventuelle Unterschiede in
der Entwicklung von Kita- und nicht-Kita-Kindern.

Aber letztendlich würde ich sagen, dass die Entscheidung für
oder gegen die Kita nach individuellen Aspekten (Charakter,
Gesundheit, Entwicklung) gefällt werden muss.

Ja, das ist sicher auch zu beachten.

Grüße, Simon

Auch hallo,

tja, das kann man so sehen oder so sehen. Ich denke, es gibt eine ganze Reihe von Kindern, die von einer Krippe profitieren, aber auch etliche, für die eine Erziehung im Elternhaus bis zum Kindergartenalter sinnvoller ist. Und dann gibt’s da ja auch noch die, deren Mütter/Väter kaum andere Möglichkeiten haben, da alleinerziehend (irgendwo muss die Kohle ja herkommen, leider…).
Meine Tochter (2 1/4) geht gerade in einen sogenannten Maxi-Club. Der findet 2 - 3 x wöchentlich statt, Betreuungszeit je 3 Stunden, natürlich ohne Mama. Es ist eine Erzieherin anwesend, die von jeweils einer Mutter unterstützt wird. Meine Süße (fast von Geburt an viel Gruppenerfahrung, sehr aufgeschlossen, noch Einzelkind) liebt den Maxi-Club heiß und innig, da sie aber erst seit 3 Wochen hingeht, kann ich natürlich noch keine Erfahrungsberichte abgeben, inwiefern sie in ihrer Entwicklung profitiert.
Ich halte diese Einrichtung für eine tolle Vorbereitung auf den Kindergarten, da die Kids nicht täglich und nicht ganztags hingehen und sich so an die neue Situation allmählich gewöhnen können. Und ich habe noch genügend Zeit für eigene Aktivitäten mit dem Kind…

Grüßle vom Teddy

Moin,

Welche Eltern sind denn schon bewandert in Pädagogik und/oder
Psychologie ?

Ich meinte weniger studierte Psychologen od. Pädagogen.
Vielmehr meinte ich,
daß eine überlegte Erziehung auch auf psychologischen und
pädagogischen
Erkenntnissen der Eltern bzw. der Erzieher beruht.

Woher sollen die Eltern denn dieser Erkenntnisse für eine „überlegte Erziehung“ gewinnen, wenn sie sich nicht mit Psychologie und Pädagogig auseinandersetzen ?

Die meisten „erziehen“ doch bestenfalls nach
bestem Wissen und Gewissen ohne Plan, ob das nun pädagogisch
sinnvoll ist oder nicht.

Wenn ich meine (ungeborenen) Kinder nach bestem Wissen und
Gewissen erziehe,
werde ich vermutlich auch der Meinung sein, daß das
einigermaßen pädagogisch
sinnvoll ist (soweit zumindest meine Überlegung).

Eben, dass meinen vermutlich alle Eltern, auch wenn es pädagogisch völliger Unsinn und fürs Kind brutal ist.

Was willst du damit sagen? Bist du für die Einführung eines
„Erziehungsscheins“
für Eltern?

Ja, auf jeden Fall.

Ich kann dir im übrigen versichern, daß sich selbst
professionelle Pädagogen
bisweilen recht mißratene Kinder heranziehen können.

Sicher, auch Menschen mit Führerschein verursachen Unfälle. Aber kannst du dir vorstellen, was auf den Straßen los wäre, wenn ein Führerschein nicht mehr Bedingung für die motorisierte Teilnahme am Straßenverkehr wäre ? Ähnlich sieht es auch in vielen Familien aus.

Gruß
Marion

Hi,

Welche Eltern sind denn schon bewandert in Pädagogik und/oder
Psychologie ?

Ich meinte weniger studierte Psychologen od. Pädagogen.
Vielmehr meinte ich,
daß eine überlegte Erziehung auch auf psychologischen und
pädagogischen
Erkenntnissen der Eltern bzw. der Erzieher beruht.

Woher sollen die Eltern denn dieser Erkenntnisse für eine
„überlegte Erziehung“ gewinnen, wenn sie sich nicht mit
Psychologie und Pädagogig auseinandersetzen ?

„sich damit auseinandersetzen“ bedeutet nicht notwendigerweise, darin
„bewandert“ zu sein. Z.B. setze ich mich gerade mit dem Thema auseinander, was
aber nichts über meine Qualifikation aussagt.

Die meisten „erziehen“ doch bestenfalls nach
bestem Wissen und Gewissen ohne Plan, ob das nun pädagogisch
sinnvoll ist oder nicht.

Wenn ich meine (ungeborenen) Kinder nach bestem Wissen und
Gewissen erziehe,
werde ich vermutlich auch der Meinung sein, daß das
einigermaßen pädagogisch
sinnvoll ist (soweit zumindest meine Überlegung).

Eben, dass meinen vermutlich alle Eltern

Sag ich doch.

„Erziehungsscheins“ für Eltern?

Ja, auf jeden Fall.

Jetzt wär ich ja schon neugierig, wie das aussehen würde…
Grüße, Simon

schönen Abend, die Kollegin!

stimmt, ist mir gar nicht aufgefallen :smile:

je nach Erziehungsstil der Eltern und nach Charakter des
Kindes ist es so, dass manche Kinder mit 3 Jahren in den
KiGa-Alltag schlecht integrierbar sind, aus welchen Gründen
auch immer

das ist hoffentlich nicht die Regel, oder?

Die Regel wohl nicht, aber die Erzieher können den Eltern generell ein objektiveres Feedback liefern, und das auch schon vor dem KiGa-Alter. Eltern werden „Erziehungsfehler“ wohl kaum selbstständig erkennen können.

Ehrlich gesagt kann ich keine Nachteile eines Krippenbesuches bei gesunden Kindern erkennen, egal, ob mit Verhaltensauffälligkeiten oder ohne. Die Eltern zu Hause können dem Kind in der Regel nun mal nicht so viele Möglichkeiten zum Erlernen des Sozialverhaltens mit Gleichaltrigen bieten wie eine Kita.

Am Beispiel meiner Nichte, die seit dem Alter von einem Jahr „fremdbetreut“ wurde, sehe ich nur Positives: Sie hat ein sehr inniges Verhalten zu ihren Eltern (Mama ist grundsätzlich die Beste :smile:), kann aber andererseits sehr gut mit anderen Kindern kontaktieren. Sie scheut sich nicht, Kontakt mit ihr noch unbekannten Kids aufzunehmen, verhält sich selbstbewusst und kann sich durchsetzen, kennt aber (mittlerweile! das musste man ihr erstmal anerziehen :smile:) auch die Grenzen und ist insgesamt recht selbstständig und hilfsbereit geworden. Ich bin mir sicher, dass ihr gutes Sozialverhalten zum großen Teil darauf zurückzuführen ist, dass sie es schon seit Jahren gewohnt ist, den Tag in der Gruppe mit anderen Kindern zu verbringen, da lernt man sowas halt automatisch. Je früher, desto besser (ok, ich spreche natürlich von dem Alter, in dem Sozialverhalten überhaupt schon eine Rolle in diesem Sinne spielt, also nicht von Säuglingen).

Insofern, wie gesagt, für gesunde Kinder (sowohl körperlich als auch von der psychologischen Entwicklung her, also nicht extrem ängstlich u.ä.) sehe ich nur Vorteile. Und es muss ja nicht unbedingt ganztägig sein, wenn die Eltern der Meinung sind, sonst zu wenig Zeit mit dem Kind zu verbringen.

Grüße,
Anja

Hallo Simon,

noch ein Vorteil aus Eltern-Sicht:

Gesetz dem Fall ich weiß mein Kind gut betreut, können Mama *und* Papa ohne schlechtes Gewissen wieder ihrem Beruf nachgehen - zumindest Teilzeit.

Mama und/oder Papa können auch in Ruhe Einkäufe und Haushalt und alles andere erledigen, und am Wochenende und am Spätnachmittag und Abend wirklich schöne Zeit mit dem Kind verbringen - und muss das nicht alle nebenher und gleichzeitig machen.

Ergebnis: Ausgeglichenere und glücklichere Mamis (und Papis) sind sicher auch bessere Mamis (und Papis). :smile: Und das ist dann auch wieder gut für das Kind.

Ich las neulich (weiß leider nicht mehr wo, ich glaube es war ein Essay in der Süddeutschen oder der Zeit), wie eine französische Journalistin die deutschen Mütter beschrieb, die sie beobachtet habe: Sie würden alle kreuzunglücklich am Kinderspielplatzrand sitzen. Exzellent ausgebildete Rechtsanwältinnen hätten aufeinmal das Gefühl in einer Sachgasse zu sein. Etwas, was in Frankreich undenkbar ist. Frauen arbeiten dort sehr schnell wieder - und die Kinder sind sofort in Kitas. Die Idee, dass Kinder bis zum 3. Lebensjahr bitte nur bei Mama ideal erzogen werden können scheint also kein internationaler Standard zu sein.

Wer hier das Glück hat einen guten Kitaplatz in der Nähe zu haben, in dem das eigene Kind gut betreut wird, hat doch eigentlich nur Vorteile. Ok, ich rede hier von Frauen, die nicht „nur Mama“ sein wollen. Bei Einzelkindern kommt noch ein weiterer Effekt hinzu - Spielen, Auseinandersetzungen und Lernen mit Gleichaltrigen in einer Gruppe wird früh möglich.

Also Fazit: Glücklichere Mamas haben glücklichere Kinder - das kann auch ein Vorteil einer Kita sein.:smile:

(immer unter der Voraussetzung, die Kita ist eine Kita in der sich das Kind wohl fühlt.)

grüßlis,

barbara

Moin,

Woher sollen die Eltern denn dieser Erkenntnisse für eine
„überlegte Erziehung“ gewinnen, wenn sie sich nicht mit
Psychologie und Pädagogig auseinandersetzen ?

„sich damit auseinandersetzen“ bedeutet nicht
notwendigerweise, darin
„bewandert“ zu sein. Z.B. setze ich mich gerade mit dem Thema
auseinander, was
aber nichts über meine Qualifikation aussagt.

Sich mit einem Thema auseinandersetzen ist aber der erste Schritt, um „bewandert“ zu werden. Ansonsten geh ich eigentlich davon aus, dass deutlich geworden ist, was ich meine. Hier Wortklauberei zu betreiben lenkt vom Thema ab.

Eben, dass meinen vermutlich alle Eltern

Sag ich doch.

Du schon, nur meinen ist diesbezüglich ziemlich unnütz. Es gibt auch Leute, die meinen Timbuktu liegt in Nepal.

„Erziehungsscheins“ für Eltern?

Ja, auf jeden Fall.

Jetzt wär ich ja schon neugierig, wie das aussehen würde…

Regelmäßige Kurse in Kinderpflege, Entwicklungspsychologie und Pädagogik bis das Kind in einer öffentlichen Einrichtung (Kita, Kindergarten, Schule) betreut wird.

Gruß
Marion