Hallo,
ich habe bis vor kurzem die Menschengruppe, die Jesus in der ersten Seligpreisung (Mt. 5,3) anspricht, immer als die „Gedemütigten“, also die, die im Leben nicht wirklich viel Glück erfahren haben, verstanden. Es gibt ja auch (zumind.) in der Lutherbibel den Verweis auf Jes 57,15 der ebenfalls von Gedemütigten spricht.
Jetzt erfuhr ich in deiner Philosophie-Vorlesung folgende Deutung:
„… sich von der eigenen psychologischen Bedingtheit freizumachen und sich der tiefen, eigenen, metaphysischen und metapsychischen Notwendigkeit preiszugeben“ (Georg Lukacs, „Arm im Geiste“ 1912)
- das hört sich ja prinzipiell auch sehr christlich an, jedoch sind beide Deutungen recht unterschiedlich: letzteres scheint mir freiwilliger…
Wie ist Jesus’ „Arm im Geiste“ zu deuten? Habt ihr vielleicht ein paar Vorschläge? Was haltet ihr von der Deutung von G. Lukacs?
danke,
vastitas
bettelnd um Geist
Hi vastitas,
eine ausführliche Diskussion von „arm“, „Geist“ und „Königreich Gottes“ (und auch die anderen sog.„Seligpreisungen“ hatte ich früher mal zu einer Anfrage von Carlos hier gepostet
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Es hier zu wiederholen wäre nicht sinnvoll. Jedenfalls ist die Schlußfolgerung: Die übliche Übersetzung „arm im Geist“ ist nicht nur mißverständlich ist, sondern regelrecht falsch. Korrekter ist „flehentlich suchend nach Geist“ oder „bettelnd um Geist“.
Vielleicht hast du ja Lust, das o.g. Posting durchzuackern 
Gruß
Metapher
Hi,
soweit ich das weiss, ist das eine Verfälschung u.a. der Luther-Übersetzung. Im Original soll es heissen „Seelig die da arm sind“.
Da das den herrschenden, nicht gerade armen Fürsten und Prälaten nicht so passte, hat man es halt ein bischen umgeschrieben.
es gibt da noch andere Stellen, z.b. wird Jesus in griechischen Texten als „ein Sohn Gottes“ beschrieben (was impliziert, dass wir alle Kinder Gottes sind, später machte man daraus DEN Sohn Gottes (wie sonst sollte man Alleinvertretungsansprüche geltend machen?).
Recherechen in frühen altsprachlichen Fassungen sind da sicher hilfreich.
A.
Hi
soweit ich das weiss, ist das eine Verfälschung u.a. der
Luther-Übersetzung. Im Original soll es heissen „Seelig die
da arm sind“.
Eine „Verfälschung“ kann man das nicht nennen, Luther hat das entsprechende Wort nur ein bißchen „interpretiert“
…
Aber wenn du deinerseits „… im Geist“ wegläßt, dann ist das ein Verfälschung 
Recherechen in frühen altsprachlichen Fassungen sind da sicher hilfreich.
Auf eine eben solche „Recherche“ hab ich im Posting unten hingewiesen …
Gruß
M.
Wie ist Jesus’ „Arm im Geiste“ zu deuten? Habt ihr vielleicht
ein paar Vorschläge? Was haltet ihr von der Deutung von G.
Lukacs?
Wichtig bei all diesen Interpretationen, ist auch die jeweilige Situation, aus der das Gesagte heraus verstanden werden kann.
Arm im Geist, kann deshalb einmal einfach ‚schlicht‘ heißen, wie auch ‚still‘ - ein stiller Geist.
und dann darf auch der Zusammenhang nicht übersehen werden, in dem dies gesagt wurde, - nämlich ‚derer ist das Reich Gottes‘.
Was meint Jesus mit Reich Gottes? Die ewige Gegenwart des Göttlichen im eigenen Innern. Diese wird nun nur durch einen stillen Geist erfahren.
gruß
rolf
Hi vas
Das „arm im Geist“ erinnert ja auch an die an anderer Stelle von Jesus gemachte Bemerkung „So Ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht…“ usw usf.
Insgesamt könnte dies auch einmal mehr eine nachträglich von den Herrschenden eingefügte bzw. manipulierte Aussage darstellen, denn den Herrschenden waren ja die „naiven, einfachen“ Geister am liebsten, denn die sind ja bekanntlich die unkritischsten.
Gruß,
Branden
Hi
soweit ich das weiss, ist das eine Verfälschung u.a. der
Luther-Übersetzung. Im Original soll es heissen „Seelig die
da arm sind“.
Eine „Verfälschung“ kann man das nicht nennen, Luther hat das
entsprechende Wort nur ein bißchen „interpretiert“
…
Aber wenn du deinerseits „… im Geist“ wegläßt, dann ist
das ein Verfälschung 
Recherechen in frühen altsprachlichen Fassungen sind da sicher hilfreich.
Hallo.
Nach Recherche in meinem griechischen Urtext kann ich sagen, dass dort steht: „Selig sind die Armen im Geiste , denn ihrer ist das Reich der Himmel.“
Soll heißen: Im „Original“ steht nicht „Seelig die da arm sind“!
Gruß
Liza
so einfach ist es nicht
Hallo.
Nach Recherche in meinem griechischen Urtext kann ich sagen,
dass dort steht: „Selig sind die Armen im Geiste , denn
ihrer ist das Reich der Himmel.“
Soll heißen: Im „Original“ steht nicht „Seelig die da arm
sind“!
Gruß
Liza
du hast das wohl an die falsche Adresse gepostet.
Macht aber nichts, denn was im Original steht, und was man daher dazu sagen kann, darüber habe ich mich länger ausgelassen:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
(worauf ich bereits hinwies)
Gruß
Metapher
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Hi Branden
denn den Herrschenden waren ja die „naiven,
einfachen“ Geister am liebsten, denn die sind ja bekanntlich
die unkritischsten.
von „arm an Intellekt“ steht da nichts. Siehe unten.
Gruß
Metapher
Hi Metapher,
Korrekter ist „flehentlich suchend nach Geist“ oder „bettelnd
um Geist“.
Vielleicht hast du ja Lust, das o.g. Posting durchzuackern 
Habe das posting gerade gelesen, bin mir nicht ganz sicher, ob das mit den „nach Geist bettelnden“ die sinnvollste Variante ist. Kann πτωχοι nicht auch als „Demütige“ übersetzt werden? Die Bedeutung wäre dann eher: „Die, die in Bezug auf Geist demütig sind“.
Was meinst Du?
lg
F.
Habe das posting gerade gelesen, bin mir nicht ganz sicher, ob
das mit den „nach Geist bettelnden“ die sinnvollste Variante
ist. Kann πτωχοι nicht auch als
„Demütige“ übersetzt werden? Die Bedeutung wäre dann eher:
„Die, die in Bezug auf Geist demütig sind“.
Was meinst Du?
Die im Geist demütig sind.
Finde ich sehr gut, daß käme auch meiner Interpretation oben entgegen.
gruß
‚im Geist‘: stimmt (owt)
.
Hallo, Fredun!
Deine Auffassung von „ptochoi“ finde ich gut, und sie ist auch philologisch fundiert:
„ptochos“ „Bettler“ kommt von ptossein sich (aus Schreck und Furcht) ducken, sich klein machen; auch: fluchtbereit sein.
(Insofern wäre vielleicht die Wiedergabe im Lateinischen durch „humiles“ „zum Boden gebeugt“ besser als „pauperes“.)
H.
Hi Metapher
von „arm an Intellekt“ steht da nichts. Siehe unten.
Ja, aber wenn der GEIST vom INTELLEKT abgetrennt werden soll, ist mir das immer höchst verdächtig. Das ist nämlich ein uralter Kunstgriff der konservativen und reaktionären Kräfte.
Gruß,
Branden
danke
Vielen Dank für eure Bemühungen, ich wußte doch, dass ich mich auf euch verlassen kann! 
ciao
vastitas