Hallo Jochen,
Mir ist klar, was du sagst. Mein Problem lag wohl in der
Verwendung der falschen Vokabel. Mit synchron meinte ich, „die
gleiche Zeit anzeigend“ und NICHT „gleichelange Zeitintervalle
haben“.
eine Uhr ist ganz allgemein die Kombination eines „Oszillators“ („Taktgeber“, z. B. Unruh, Schwingquarz oder Cäsium-Atom) mit einem „Zähler“ (bei den mechanischen Uhren heißt er „Uhrwerk“ und zeigt seinen Stand auf einem Zifferblatt „1, 2 … 12“ an; elektronische Uhren geben ihren Zählerstand z. B. auf einem LC-Display im Format „HH:MM:SS“ aus), der von dem Oszillator angesteuert wird.
Damit zwei Uhren synchron laufen, müssen 1. sie gleich schnell laufen, d. h. ihre Oszillatoren mit der gleichen Frequenz „ticken“ und 2. ihre Zähler zur gleichen Zeit auf die gleichen Zählerstände umspringen. „Uhren synchronisieren“ bedeutet, ihre Zähler so anzupassen, daß Bedingung „2“ erfüllt wird (das Erfülltsein von „1“ wird sowieso immer vorausgesetzt („Atomuhren gleicher Bauart“)). Beispiel: Wenn zwei Uhren direkt nebeneinanderstehen und die eine zählt von einem bestimmten Startzeitpunkt bis zu einem bestimmten Stoppzeitpunkt von genau „09:00:00“ bis genau „15:00:00“, die andere aber von genau „09:00:22“ bis genau „15:00:22“, dann laufen sie zwar gleich, aber nicht synchron. Zählen beide von genau „09:00:05“ bis genau „15:00:05“, dann sind sie synchron, laufen aber möglicherweise nicht zu einer dritten Uhr synchron.
Ich sehe, daß ich hier total in Wortschwierigkeiten
renne: Zeit AN SICH kann ja keine Geschwindigkeit haben, als
ist es Unsinn zu sagen, daß Zeit vergeht oder gar
schneller bzw. langsamer vergeht (was wäre die
Einheit der Geschwindigkeit der Zeit? Sekunden pro Sekunde ??)
Das ist ja das „Übel“: Zeit hat eine Geschwindigkeit! Beobachter, die sich in einem IS „A“ befinden, „merken“ davon jedoch prinzipiell nichts. Für sie läuft „ihre“ Zeit (ihre sogenannte „Eigenzeit“) immer mit „normaler“ Geschwindigkeit. Kommt nun aber ein anderes IS „B“ daher, d. h. eines, das sich gegenüber IS A bewegt, dann können die A-Beobachter ihren Zeitablauf mit demjenigen im IS B vergleichen, und wenn sie dies tun, werden sie feststellen, daß die Zeit in IS B langsamer relativ zu ihrer läuft. Umgekehrt können selbstverständlich auch die Beobachter in IS B ihren Zeitablauf mit dem in IS A vergleichen, und sie werden zu demselben (!) Ergebnis des verlangsamten Zeitablaufs kommen. D. h. die B-Zeit läuft verlangsamt von A aus beurteilt, und die A-Zeit läuft ebenso verlangsamt von B aus beurteilt. Der Effekt der „Zeitdilatation“ ist also symmetrisch. Der „Verlangsamungsfaktor“ beträgt Wurzel(1 – v^2/c^2).
Am direktesten zeigt sich die unterschiedliche Zeit-Ablaufgeschwindigkeit in verschiedenen Inertialsystemen beim sogenannten „Zwillingsparadoxon“. Fliegt ein Zwilling in einem Raumschiff von der Erde weg und kehrt nach einiger Zeit zurück, wird er feststellen, daß er gegenüber seinem Bruder, der die ganze Zeit über auf der Erde verweilte, weniger gealtert ist. Die Uhr am Handgelenk des Reise-Zwillings zeigt einen geringeren Zählerstand an, als die Uhr am Handgelenk des Bruders (z. B. beide Uhren wurden beim Abschied auf „0“ gestellt; bei der Rückkehr zeigt die Uhr des Erde-Zwillings „20.00 Jahre“ an, die Uhr des Reise-Zwillings jedoch nur „17.32 Jahre“). Das Paradoxe am Zwillingsparadoxon ist nun, daß die Argumentation, man könnte ja genausogut unter Berufung auf das Relativitätsprinzip sagen, der Erde-Zwilling sei „abgereist“ und der Astronauten-Zwilling zuhause geblieben, nicht zulässig ist. Die Auflösung ist etwas knifflig; der springende Punkt ist, daß der Reise-Zwilling irgendwann zwangsläufig umkehren muß und dabei in ein anderes IS wechselt, wohingegen der Erde-Zwilling stets in ein und demselben IS bleibt (an der Sache sind drei ISe beteiligt). Beachtet man dies, kann man die Asymmetrie des Zwillingsparadoxons verstehen.
Das ist klar. Aber: Selbst, wenn sich die Beobachter
gegeneinander bewegen, also NICHT im selben IS sind, erlaubt
doch die Umrechnung nach der RT die jeweilige „Rückdatierung“,
oder nicht? Wenn nicht: warum nicht; und wenn doch: warum ist
das nach nicht-synchron?
Ja, die Beobachter im IS A müssen Ereignisse rückdatieren, und genauso die im IS B. Keines der IS ist ja vor dem anderen ausgezeichnet; beide sind völlig gleichwertig. Wenn nun aber zwei Ereignisse stattfinden, und die Beobachter sowohl in A als auch in B datieren sie ganz „vorschriftsmäßig“ zurück, dann werden sie zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen betreffs der Zeitspanne, die zwischen den beiden Ereignissen vergangen ist.
dem ursprünglichen bewegt. Hier kann man dann zeigen, daß
zwei Ereignisse, die in einem IS gleichzeitig stattfinden (für
alle Beobachter darin, auch wenn sie 10^6 km entfernt sind),
in jedem anderen dazu bewegten IS nicht gleichzeitig
stattfinden.Kannst du mir dafür ein Beispiel geben?
Ich habe ein entsprechendes Szenario vor kurzer Zeit beschrieben und möchte mich deshalb hier mit den Links zu den entsprechenden Postings begnügen:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
sowie das Folgeposting mit wichtigen ergänzenden Erklärungen:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Das Problem wird aber auch in jedem Physikbuch mit Kapitel Relativitätstheorie behandelt. Tip: „Tipler“, Abschnitt „Uhrensynchronisation und Gleichzeitigkeit“; dort ist es ausführlich und gut verständlich dargestellt. (Ordentliche) Websites zur RT haben dieses Thema ebenfalls alle „im Programm“.
Mit freundlichem Gruß
Martin
) - ich kann solche Sachen besser verstehen, wenn ich manchmal auch Konzeptionelle Irrwege verfolge. Wenn ich dann nämlich verstehe, warum meine Idee Mist ist, bin ich einen Schritt weiter!