Atmen lernen

Hallo!
Ich nehme seit etlichen Jahren Gesangsunterricht, die Stimme entwickelt sich gut, ich bin zufrieden, aber was mir die Freude vergällt, ist die Tatsache, dass ich einfach nicht lerne, tief zu atmen. Wenn ich längere Phrasen singe, reicht die Luft nicht; weil ich Angst habe, die Luft reicht nicht, reicht sie natürlich erst recht nicht und so weiter. Ich komme in die Hochatmung, die Stimme quetscht und vorbei isses mit dem Melos :wink:

Ich bin sonst nicht kurzatmig, auch einigermaßen sportlich (Rudern) und selbstverständlich Nichtraucher, aber vor Jahren ist mir schon aufgefallen, dass ich bei dem für den Führerscheinerwerb obligatorischen Erste-Hilfe-Lehrgang der doofen Puppe keine Atemspende geben konnte. Ich konnte pusten, wie ich wollte, ich habe keine Luft in sie rein gekriegt :smile:, und damals war ich topfit und austrainiert. Trübe Aussichten für jeden, der in meiner Gegenwart ohnmächtig umfällt.

Ich mache Lockerungsübungen. Ich habe mir auch ein Buch über Atemtechnik angeschafft, das scheint aber zu verlangen, dass man sich zwölf Stunden täglich mit nichts anderem befasst, auch soll man sich nicht sorgen, wenn es zu Inkontinenz kommt… Für 1.) habe ich keine Zeit, auf 2.) lege ich keinen gesteigerten Wert.

Gibt es Übungen, die man zwischendurch machen kann, auch ohne Tena Lady? Eine bestimmte Technik, die man sich antrainieren kann? Meine Lehrerin hat mir schon viele Ratschläge gegeben, aber ich kann sie nicht umsetzen, als wäre eine Macht, die ich nicht kontrollieren kann, dagegen und schnürte mir die Luft ab. Frustrierend.

Wäre dankbar für eure Tipps!
Gruß,
Eva

Hi

Ich singe auch, allerdings nur als Hobby. Was mir einen riesigen Vorteil gebracht hat, war, dass ich mit Didgeridoo-Spielen angefangen habe.

Du könntest auch ein anderes Blasinstrument lernen, allerdings finde ich, dass es beim Didgeridoo am ursprünglichsten bzw „natürlichsten“ ist. Du musst dich nicht an irgendwelche Konventionen halten, um einen bestimmten Ton zu treffen oder ähnliches.
Didgeridoospielen ist eine Art Meditation. Du darfst nichts erwarten, es reicht, sich vom Klang fesseln zu lassen. Sobald man zu experimentieren beginnt, vergisst man das Atmen und schon klappt es wie von alleine.

Ein Didgeridoo bekommt man für unter 5 Euro (PVC-Rohr aus dem Baumarkt, Bienenwachs vom Markt). Ein Lehrer wäre natürlich nicht schlecht, weil er persönlich auf dich eingehen kann, aber ich habe mir das meiste auch selbst beigebracht, es gibt viele Kurse im Internet.

Wenn du mehr Intresse hast, schick mir doch eine Mail.

Grüße

Laralinda

Atemtyp?
Hallo Eva,

ich singe selbst auch gerne und viel und beschäftige mich ab und zu auch mit dem Thema Atmung. Schon vor einiger Zeit hat mir mal eine Sängerin berichtet, dass sie in einem Seminar gelernt hat, dass es einfach verschiedene Atemtypen gibt und es kontraproduktiv ist, den Typ „Brustatmer“ ständig in den Bauch atmen zu lassen.

Ebenfalls interessant finde ich die Theorie der Terlusollogie (ein paar Infos dazu http://www.atem-stimme-sprechen.de/seminar/seminar01…), nach der es „Ausatmer“ und „Einatmer“ gibt und die ebenfalls nicht umerzogen, sondern in ihrer Stärke gefördert werden sollten.

Vielleicht sind das zwei Ideen für Dich, die Dir in einer „unsportlichen“ Richtung weiterhelfen. Im Grunde kommt es ja beim Singen nicht auf die Menge der eingeatmeten Luft an, sondern auf die Qualität der Atembewegung und der Abgabe.

Grüßles
Christine

Hallo Eva,

Zum Thema Atmen lernen kann ich Dir folgende Tipps geben:

Asthanga-Yoga.Im Gegensatz zum recht statischen Hatha-Yoga ist Asthanga sehr auf die Muskeldehnung fokussiert, wobei jede Bewegung mit ein- und ausatmen kombiniert wird.
• Durch den hohen Omega-3-Gehalt von Fischöl wird ebenfalls die Lungenfunktion gesteigert. Besonders geeignet sind Tunfisch, Hering, Lachs und Makrele.
Duschen und Saunagänge sollen durch ihren heißen Dampf ebenfalls dazu beitragen, dass man mehr Puste bekommt.
• Natürlich ist Bewegung an der frischen Luft (Joggen, Walken, Rad fahren etc.) bestens dazu geeignet die Lungenfunktion zu trainieren. Aber prinzipiell steiert jedes Ausdauertraining die Sauerstoffaufnahme.
• Last not least eignen sich zur Kräftigung der Atemmuskulatur die drei Formen der Atemtechnik : Schulter-/Bauch- und Flankenatmung.
Dazu legt man sich am besten auf den Rücken, atmet 3 x und zieht dabei die Schultern bewusst nach oben, und senkt sie wieder. Dann legt man seine Hände auf das Bäuchlein unterhalb des Nabels und atmet 3 x tief in den unteren Bauchraum ein und aus. Dabei beobachtet man, wie sich die Hände heben und senken (man kann statt der Hände auch ein Buch nehmen). Zum Schluss wendest Du 3 x die Flankenatmung wie unten beschrieben an.

Schulteratmung
Die Schulteratmung wird auch Hoch- oder Stressatmung genannt. Während des Einatmens zieht man die Schultern hoch und senkt sie beim Ausatmen wieder ab. Dadurch verschafft man zwar der Lunge nach oben hin mehr Platz, um sich auszudehnen, doch da der Platz recht gering ist, werden nur die Lungenspitzen mit Sauerstoff versorgt. Bei Stress oder körperlicher Anstrengung verfällt man häufig automatisch in die Schulteratmung: man hechelt, keucht und kann nicht mehr normal sprechen.
Bauchatmung
Bei der Bauchatmung kann sich dank der Bauchmuskulatur die Lunge nach unten hin ausdehnen und hat dort viel mehr Platz als in der Schulter. Beim Einatmen wölbt sich das Bäuchlein leicht nach vorn. Diese Form der Atmung ist wesentlich effizienter als die Schulteratmung, weil sie viel weniger Sauerstoff verbraucht, und der gesamte Bauchbereich besser durchblutet wird. Besonders Entspannungsübungen sollten ausschließlich per Bauchatmung absolviert werden.
Flankenatmung
Wenn Du Deine beiden Hände seitlich unterhalb der Rippenbögen legst und jetzt versuchst per Atmung diese zur Seite zu drücken, praktizierst Du die Flankenatmung. Du arbeitest mit Deinen Zwischenrippenmuskeln. Beim Einatmen dehnt sich der Brustkorb seitlich in die Breite aus.

• Weitere Übungen sind z.B. das berühmte Aufblasen eines Luftballons : Langsam, ohne einen roten Kopf zu bekommen oder den Atem zu pressen 3 x am Tag aufblasen. Oder Du hältst Dir eine brennende Kerze in ca. 15 cm Abstand vor dem Mund und fängst laut an zu singen oder zu sprechen. Die Kerze darf zwar etwas flackern, aber nicht ausgehen, so kannst Du den Druck des Atems kontrollieren.

Gruß
Red (dem jetzt langsam die Luft ausgeht)

Hallo, Red!
Das sind ganz ausgezeichnete Tipps. Die Atemübungen werde ich auf jeden Fall machen, dafür reichen die Pausen, die man beim Arbeiten ohnehin macht. Die Sache mit der Kerze ist für mich besonders interessant: Ich könnte so testen, ob ich „unökonomisch“ singe, d.h. viel zu viel Atem zu schnell entweichen lasse.

Danke Dir!

Grüße,
Eva

Hallo!

Ich singe auch, allerdings nur als Hobby.

Ich singe auch nur als Hobby, allerdings manchmal auch bei Veranstaltungen, z.B. probe ich grade mit kleinem Chor für eine Weihnachtsmesse. Weil ich aber schon vor Jahren gemerkt habe, dass beim Nachsingen von z.B. Bruce Springsteen sich eine gewisse Hei(t)serkeit einstellte, hielt ich es für besser, Gesangsunterricht zu nehmen. Inzwischen bin ich weg von Rock und bei der Klassik gelandet - was mir manchmal leid tut. Ich würde so gern noch mal unzivilisiert röhren, ganz ohne Rücksicht auf Verluste. Leider sind wir inzwischen auch umgezogen, aus einer Nachbarschaft, die meine gesanglichen Exzesse mit Humor und Augenzwinkern ertrug, in eine sehr konservative, etwas ältliche Umgebung, wo man sich vermutlich nach anfänglicher Fassungslosigkeit genötigt sähe, mir diesbezügliche Zurückzuhaltung anzuempfehlen :wink:

Was mir einen

riesigen Vorteil gebracht hat, war, dass ich mit
Didgeridoo-Spielen angefangen habe.

Das ist grandios! Ich melde mich mal per Mail, dann kannst Du mir erklären, wie man so ein Ding baut. Das würde mir Spaß machen. Und den Nachbarn *LOL*

Bis demnäxt!
Grüße,
Eva

Hallo!

Schon vor einiger Zeit hat
mir mal eine Sängerin berichtet, dass sie in einem Seminar
gelernt hat, dass es einfach verschiedene Atemtypen gibt und
es kontraproduktiv ist, den Typ „Brustatmer“ ständig in den
Bauch atmen zu lassen.

Das wäre ein Ansatz. Dem werde ich nachforschen und auch meine Lehrerin darauf ansprechen.

Vielleicht sind das zwei Ideen für Dich, die Dir in einer
„unsportlichen“ Richtung weiterhelfen. Im Grunde kommt es ja
beim Singen nicht auf die Menge der eingeatmeten Luft an,
sondern auf die Qualität der Atembewegung und der Abgabe.

In denke auch, die Atemabgabe ist bei mir der Knackpunkt. Ich atme zu schnell wieder aus. Der von Redscorpion angeregte Kerzentest dürfte ein guter Weg sein, um zu lernen, den den Atemstrom zu kontrollieren.

Danke Dir und Grüße,
Eva