Hallo!
Letztens hat die Vorturnerin in einem Senioren-Turnverein Pilates-Übungen vorgezeigt und dafür explizit die Brustatmung empfohlen.
Im Sprechtechnik-Unterricht und in der Geburtsvorbereitung wurde die Brustatmung geradezu verteufelt und auf das Erlernen der Bauchatmung extremer Wert gelegt.
Kann es sein, dass für die Pilates-Übungen tatsächlich die ansonsten überall empfohlene Bauchatmung falsch ist?
Hanna
Hallo Hanna,
bei Pilates wird die Flankenatmung angewandt. Man atmet quasi über den Rücken tief in die Körperflanken hinein. Um zu kontrollieren, ob Du richtig atmest, legst Du in Rückenlage die Handinnenflächen seitlich ganz unten auf die Rippenbögen. Während des Ausatmens bewegt sich der Bauchnabel Richtung Wirbelsäule, gleichzeitig wird das Powerhouse aktiviert (Beckenboden anspannen). Die Rippenbögen senken sich in Richtung der Beine. Danach atmest Du seitlich tief „in die Hände“ ein, so dass sich die Rippenbögen seitlich nach außen bewegen und sich der Brustkorb hebt.
Durch diese Form der Atmung kann man das aktivierte Powerhouse bei den einzelnen Übungen halten und trotzdem ruhig und gelassen weiteratmen. Hinzu kommt, dass sich das Zwerchfell seitlich und nach hinten ausweiten kann, wodurch sich die Rippen beim Atmen freier bewegen können. Das hat zur Folge, dass schon allein durch eine richtig durchgeführte Flankenatmung Verspannungen gelöst werden können.
Die Aktivierung des Powerhouses verbunden mit der richtigen Atmung - nämlich der Flankenatmung ist das A und O des Pilates-Trainings.
Gruß
Red
Hallo Red!
bei Pilates wird die Flankenatmung angewandt.
Danke für die ausführliche Erklärung.
Trotzdem kenne ich mich nicht ganz aus.
Heben sich die Schultern beim Einatmen (wenn man diese Atmung mal im Stehen durchführt)?
Hebt sich der Bauchnabel beim Einatmen?
Hanna
Hallo Hanna,
nein, die Schultern sollen sich - egal ob im Stehen oder Liegen - weder bei der Bauch- noch bei der Flankenatmung heben. Die Schultern heben sich nur bei der sogenannten Schulteratmung. Manchmal wird zu Mobilisationszwecken die Schuteratmung eingesetzt, z.B. „Schultern zu den Ohren ziehen, dabei einatmen, Schultern bewusst fallen lassen, dabei ausatmen“. Das hat aber nichts mit Pilates zu tun.
Die Atemtechniken werden grob in drei Bereiche eingeteilt: Schulter-, Bauch- und Flankenatmung.
Hier die Unterschiede:
Schulteratmung
Die Schulteratmung wird auch Hoch- oder Stressatmung genannt. Während des Einatmens zieht man die Schultern hoch und senkt sie beim Ausatmen wieder ab. Dadurch verschafft man zwar der Lunge nach oben hin mehr Platz, um sich auszudehnen, doch da der Platz recht gering ist, werden nur die Lungenspitzen mit Sauerstoff versorgt. Bei Stress oder körperlicher Anstrengung verfällt man häufig automatisch in die Schulteratmung: man hechelt, keucht und kann nicht mehr normal sprechen (z.B: Sprinter nach ihrem 100-m-Lauf).
Bauchatmung
Bei der Bauchatmung kann sich dank der Bauchmuskulatur die Lunge nach unten hin ausdehnen und hat dort viel mehr Platz als in der Schulter. Beim Einatmen wölbt sich das Bäuchlein leicht nach vorn. Diese Form der Atmung ist wesentlich effizienter als die Schulteratmung, weil sie viel weniger Sauerstoff verbraucht, und der gesamte Bauchbereich besser durchblutet wird. Besonders Entspannungsübungen sollten ausschließlich per Bauchatmung absolviert werden.
Flankenatmung (auch Zwerchfellatmen genannt)
Wenn Du Deine beiden Hände seitlich unterhalb der Rippenbögen legst und jetzt versuchst per Atmung diese zur Seite zu drücken, praktizierst Du die Flankenatmung. Du arbeitest mit Deinen Zwischenrippenmuskeln. Beim Einatmen dehnt sich der Brustkorb seitlich in die Breite aus.
Die meisten Menschen praktizieren automatisch ein Mittelding zwischen Bauch- und Flankenatmung.
Wenn Du noch Fragen hast: Nur zu.
Red