Auch Hölle

woher haben die Christen die Idee der Hölle her?
Wenn das stimmt, was Eli, Ines… schreiben (und ich zweifele nicht daran), so kennt das Judentum keine Hölle. Schon gar keine mit brodelndem Pech, mit Feuer usw.
Überhaubt scheint mir diese Idee ziemlich einmalig zu sein. Ich kenne nur nich den Islam, der eine Hölle sich vorstellt. Aber auch anders.
Also, wie kamen die Christen darauf, wann kamen sie darauf?
Grüße
Raimund

Hallo
Nicht nur die Christen und der Islam kennen die Bestrafung nach dem Tode .
In manchen Religionen in welchen von der Wiedergeburt die Rede ist , kommt der „Sünder“ wiedergeboren in eine niedrigere Lebensform , also als Tier .
Erst der perfekte Mensch kommt ins Nirvana , eine Art Himmel .

Im übrigen vermute ich eine Art pädagogische Maßnahme .
MfG

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hallo Matthias,
wiedergeburt hat nichts mit Hölle zu tun. Nur weil Dir es Angst macht, z.B. als Schwein wieder auf die Welt zu kommmen :smile:, muss das nichts mit Hölle zu tun haben.
Nein, eine Hölle kennen meines Wissens nur die Christen und die Moslem. Wobei ich sagen würde, dass Mohammed das von den Christen hat.
Grüße
Raimund

Hallo Raimund,

woher haben die Christen die Idee der Hölle her?

ich tippe mal auf die griechische Mythologie.

Erinnere mich an eine Geschichte von Tantalus und Sisyphos.

Jesus erzählte auch eine Geschichte von einem Toten, der behauptete, er leide „Qual in dieser Flamme.“ (Luk.16,19-31)

Gruss Harald

Höllengeschichte
Hi Raimund

Unterwelten gibt es in allen Mythologien, in denen die weltweit verbreitete ursprünglich zweizählige kosmogonische Symmetrie „Himmel & Erde“ in eine dreizählige Kosmologie verwandelt wurde: „Himmel & Erde (der Lebensraum) & Unterwelt“. Diese findet aber ebenfalls weltweit, vor allem im westeuropäischen, vorder-, ost- und nordasiatischen Raum. Meist ist die Unterwelt dann der Aufenthaltsort der Toten. Das Hauptattribut dieser Unterwelt ist zunächst die Dunkelheit, die in frühsemitischen (tamtu, tiamat, tehom) und im ägyptischen Raum aber schon kosmogonisch verankert ist.

So ist sowohl semitisch scheol, griech. erebos („Dunkelheit“), abyssos (Tiefe), haides („d. Unsichtbare“, Hades, ist verkürzter Ausdruck für ‚Haus des Hades‘), tartaros, lat. infernum („Tiefe“) zunächst lediglich ein „dunkler“ Aufenthaltsort der Toten. Ebenso ist die altnordische hel, gotisch halja, die eine Verräumlichung der Göttin hel (Tochter des Loki) ist, und das mit ihr parallelisierte niflheim („Schattenreich“), in dem die hel die (auf dem Lande) Gestorbenen festhält, nur dunkel (Letzteres allerdings auch kalt).

Ideen eines Ortes der Qualen, bei denen sadistische Dämonen und vor allem Feuer eine Rolle spielen, kommen dann aus der ägyptischen Mythologie einerseits und aus der babylonischen andererseits zuerst (in vereinzelten Zitaten) in die israelitisch-jüdische Mytho- und Dämonologie, dann (wohl über andere Wege, wahrscheinlich Alexandria) in die urchristliche, wo sie sich zunächst bei den Synoptikern (Matthäus, Lukas) und in der sog. Johannes-Apokalypse, später in der sog. Petrus-Apokalypse (die übrigens in Ägypten entstanden ist) niederschlägt. Die neutestamentlichen Bezeichnungen scheol, haides, gehenna (aus dem arabischen entlehnt) werden dort bereits verfremdet bzw. zweckentfremdet verwendet, ebenso wie ja auch die Bezeichungen diabolos, daimon, satan, beelzeboul, beelzeboub. Aus diesen (ägyptischen und babylonischen) Quellen kommen auch Vorstellungen über die „Dschehenna“ der islamischen Welt, wo sie mit orientalischer Phantasie angereichert ausgemalt werden.

Die späteren christlichen Höllenphantasien der europäischen Dichtung (z.B. der Heliand) bekommen ihre Ausprägung vor allem durch die Petrus-Apokalypse, von der sich ja auch Dante in seiner Beschreibung des „Inferno“ inspirieren ließ. In der althochdeutschen Literatur kommt vor allem das (siedende) Pech dazu. Der Schwefel hat sicher andere Quellen, die ich in der „Teufelsgeschichte“
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
unter der Herkunft des Namens „Mephistopheles“ schon erwähnte.

Grüße

Metapher

Hallo Raimund

Also, wie kamen die Christen darauf, wann kamen sie darauf?
Grüße

Meines Erachtens haben die Juden keine Vorstellung von Hölle, weil sie das Konzept „Auferstehung“ zumindest im alten Testament nur ansatzweise entwickelt hatten (ich kann jetzt nichts über eventuell neuere Entwicklungen sagen). Die jüdische Heilslehre bezog sich schon immer konkret auf die politisch/religiöse Freiheit des Volkes Israel und ein Weiterbestehen einer Person wurde im wesentlichen in seinen Nachkommen gedacht.

Mit dem neuen Testament nimmt das Thema Auferstehung aber eine zentrale Position ein und damit auch die Idee von Seligkeit/Verdammnis.

Meines Erachtens hat sich die christliche Höllenvorstellung dann durch die Vorstellungen in den germanischen Völkern (ewiges Saufgelage versus ewiger Sklave) gepaart mit den sich entwickelnden Missionsmethoden (Mission durch Drohung und Angst-machen) herausgebildet. Dazu hat man dann einzelne Bibelstellen in diesem Gedankenzusammenhang interpretiert.

Während das Thema Erlösung/Verdammnis auch heute noch aktuell ist, haben sich die dahinterliegenden Bilder gewandelt.

Gruß
Thomas

Erachten?

Meines Erachtens hat sich die christliche Höllenvorstellung
dann durch die Vorstellungen in den germanischen Völkern
(ewiges Saufgelage versus ewiger Sklave) gepaart …

Wie ich ja unten schon beschrieb, sind christl. Ausmalungen von „Hölle“ natürlich Synkretismen, deren Geschichte durchaus im Einzelnen nachgezeichnet werden kann, wie die des „Teufels“ ja auch. Aber woher - zum Teufel - hast du dein „Erachten“ von ewigen Saufgelagen und ewigen Sklaven bei den germanischen Völkern?

*neugierig*

Metapher

Hölle ist ein Bewusstseinszustand.
Hallo zusammen,

Die Symbolik des Ausdrucks Hölle ist ein Bewusstseinszustand – genau so wie der Ausdruck Himmel. Ein Mensch in diesem Zustand fühlt sich höllisch oder himmlisch.

Dieser „höllische“ Bewusstseinszustand kommt VOR dem Tod des persönlichen ICH.
Das hat also nichts mit einem körperlichen Tot zu tun (NACH dem man in die Hölle kommt), sondern mit dem Tod einer geistigen Vorstellung vom persönlichen ICH.

Bibel: … und wenn ich auch wandere durch finsteres Tal …
Auch die Leidensgeschichte Jesu – symbolisiert diesen höllischen Zustand vor dem Tod des ICHbewusstseins (Jesus). Der PERSÖNLICHE Gott – Jesus – muß sterben, damit der UNPERSÖNLICHE Gott – Christus – auferstehen kann.

Der Mensch dringt GEISTIG in sein tiefstes Unterbewusstsein – darum auch in den alten Mythen als Unterwelt bezeichnet. In diesem Unterbewusstsein schlummern die verdrängten und verborgenen (getöteten) Ängste des Menschen, die jetzt zu Tage (ins Bewusstsein) treten.
In diesem „höllischen“ Zustand werden dem Menschen seine tiefsten und verborgensten Ängste bewusst – die er eben noch überwinden muß.

Gleiches symbolisiert auch Plato bei seinem Höhlenbeispiel – wenn er vom LICHT wieder in die Höhle zurück gezwungen wird = Dunkelheit. Der „sieht“ die irdische Welt (Höhle) dunkel, schlecht, ekelhaft – mit Angst und Schrecken.

Hölle ist also ein Bewusstseins – ZUSTAND.

Mit freundlichen Grüßen

Demetrius

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Hallo Metapher

Aber woher - zum Teufel - hast du dein „Erachten“ von
ewigen Saufgelagen und ewigen Sklaven bei den germanischen
Völkern
?

*neugierig*

Ich gebe ja zu, kein wirkliches Know How zu haben, aber das habe ich aus den Beschreibungen der germanischen Glaubenswelt.

Dort gab es die Vorstellung von „Wotans Halle“, in die die Helden eingehen (insbesondere nach heldenhaftem Kampf) und in denen das gemacht wird, was sich unsere germanischen Vorfahren als Inbegriff der Seligkeit vorgestellt haben und was ich mit „Saufgelage“ bezeichnet habe.

Die ungeliebten Feinde waren in diese Vorstellung auch eingebunden und mussten bei Tisch bedienen, eine typische Tätigkeit der Sklaven.

Gruss
Thomas

hallo Metapher
mal wieder eine erschöpfende Erklärung!
Danke!
Grüße
Raimund

Wenn ich mir Eure Antworten durchlese…
muss ich feststellen: es gibt keine Hölle! Es gibt sie nur in unseren Hirnen.
sollte es einen Gott geben, hat er keine Hölle geschaffen!
Ich glaube auch, dass hier unser binäres Denken zum tragen kommt:
Licht Schatten, gutböse, süßsauer, Gott… muss also auch ein Gegenpart sein: Teufel, Himmel? kein Gegenpol? Dann machen wir einen: Hölle! Und im Laufe der Jahre und der makabren Phantasie der Menschen hat man sich überlegt, wie kann man Menschen quälen. Das muss dann die Hölle sein. Dass die sog. Seele keien Körper hat und damit imun gegen Feuer, usw. ist, so weit konnte man(oder wollte man) nicht denken.
grüße
Raimund

klar …
… und im Himmel geben sich Adolf Hitler und Anne Frank ein Zwickerbussi und gehen dann Scrabble spielen.

Täubchen

… und im Himmel geben sich Adolf Hitler und Anne Frank ein
Zwickerbussi und gehen dann Scrabble spielen.

ich weiß es nicht, ich war noch nie im Himmel und werde auch da nicht hinkommen.
Wenn ich sterbe, sterbe ich. Und muss nicht in alle Ewigkeit Hosianna schreien.
Doch nach dem Tode hört alle Feinschaft auf.
Die das nicht begreifen, sind die, die Grabsteine beschmieren und unwerfen.
grüße
Raimund

Die das nicht begreifen, sind die, die Grabsteine beschmieren
und unwerfen.

Also ich hoffe einmal schwer, dass Du mir das nicht vorwirfts … :smile:

Aber im Ernst: der Begriff der Hölle ist zu ernst, als dass man ihn einfach so wegpsychologisieren könnte. „Hölle“ hat nicht nur mit sadistischen oder sexuell frustrierten Theologen zu tun, sondern mit der unbedingten Bedeutsamkeit menschlichen Handelns und menschlicher Freiheit. Der Missbrauch der Höllenpredigt in der christlichen Verkündigung wird von niemandem bestritten (und das Konzept wird in den letzten Jahrzehnten in der protestantischen wie katholischen Theologie massiv hinterfragt), aber das ganze Problem deswegen ins Lächerliche zu ziehen, reicht eben auch nicht aus. Kein Theologe, sondern der Marxist Horkheimer hat von der Unmöglichkeit gesprochen, dass der Täter über das unschulduge Opfer triumphiere. Gerade darum geht es ursprünglich in den Höllenvorstellungen der Religionen.

Täubchen

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muss ich feststellen: es gibt keine Hölle! Es gibt sie nur in
unseren Hirnen.
sollte es einen Gott geben, hat er keine Hölle geschaffen!

Hallo Raimund
Also zumindest was mich betrifft hast Du Dir zu viel vorgestellt. Meine Meinung: Es gibt eine „Hölle“, aber wir sind nicht fähig, uns darüber klare Vorstellungen zu machen, genausowenig wie über den Himmel.

Ich bin auch überzeugt, dass die Bilder, die unsere Vorfahren verwendet haben,in vielen Dingen nicht zutreffen, aber wer weiss, vielleicht treffen sie in einem übertragenen Sinn doch wieder zu.

Die Wertung der Bilder ist eine kulturelle Angelegenheit, die Wertung der Sache dahinter eine allgemeine. Viele haben über die konkreten Bilder zur Hölle ihre Belustigung ausgedrückt, aber dieselben Leute finden einen Star Wars Film spannend und nicht lustig, warum?

Gruß
Thomas

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Die das nicht begreifen, sind die, die Grabsteine beschmieren
und unwerfen.

Also ich hoffe einmal schwer, dass Du mir das nicht vorwirfts
:smile:

nein, natürlich nicht!

Aber im Ernst: der Begriff der Hölle ist zu ernst, als dass
man ihn einfach so wegpsychologisieren könnte. „Hölle“ hat
nicht nur mit sadistischen oder sexuell frustrierten Theologen
zu tun, sondern mit der unbedingten Bedeutsamkeit menschlichen
Handelns und menschlicher Freiheit. Der Missbrauch der
Höllenpredigt in der christlichen Verkündigung wird von
niemandem bestritten (und das Konzept wird in den letzten
Jahrzehnten in der protestantischen wie katholischen Theologie
massiv hinterfragt), aber das ganze Problem deswegen ins
Lächerliche zu ziehen, reicht eben auch nicht aus. Kein
Theologe, sondern der Marxist Horkheimer hat von der
Unmöglichkeit gesprochen, dass der Täter über das unschulduge
Opfer triumphiere. Gerade darum geht es ursprünglich in den
Höllenvorstellungen der Religionen.

meine Überzeugung ist, dass es nach dem Tod zu Ende ist. Keine Hölle und auch kein Himmel. Nichts von alle dem.
Sehr tröstlich!
Grüße
Raimund

Hallo Raimund,

meine Überzeugung ist, dass es nach dem Tod zu Ende ist. Keine
Hölle und auch kein Himmel. Nichts von alle dem.
Sehr tröstlich!

klingt wirklich gut :wink:
Aber was, wenn dann doch nicht alles aus ist?
Du hast keine Beweise dafür, also solltest Du die Möglichkeit in Betracht ziehen.

Und dann stehst Du plötzlich vor dem Ewigen und sollst die Frage beantworten, warum Du die Mahnungen nicht ernst genommen hast. Was willst Du dann zu Deiner Rechtfertigung sagen?

Ist ja nur theoretisch gemeint. Denk mal drüber nach.

Gruss Harald

…ihn bitten, mich sterben und sich von anderen bejubeln zu lassen.
Die Ewigkeit ist etwas schreckliches! Es ist die wahre Hölle. Grüße
Raimund

Hi,

kennst du den?

Kommt ein Mann in die Hölle und findet ein Paradies vor. Verblüfft fragt er Satan, wie das denn sein könne. Der sagt, es sei schon immer so gewesen.
Neugierig schaut der Mann durch eine Türe und sieht Menschen, die den aller entsetzlichsten Qualen ausgesetz werden.
Wieder fragt er Satan, wie das denn sein könne. Antwort: Das sind die Katholiken, die wollen das so.

Was uns das Ganze lehrt? 1. Es ist einfach ungemein praktisch in Schwarz und Weiss zu denken, weil man sich den ein oder anderen guten Gedanken schenken kann. 2. Wo kein Feind, da kein Freund und welche Religion kommt ohne Freunde aus (Ich meine hier die Institution und nicht die Überzeugung). 3. Welchen Teil einer Religion ich mir zu eigen mache, sollte geistig durchdrungen für gut befunden worden sein. 4. Wie man einen Menschen zu sozial anerkannten Verhalten bringt, hängt scheinbar auch von der angedrohten Strafe ab :wink:

Wer mag, kann die Liste fortsetzen.

Gruss, Lutz

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Raimund,

Du scheinst hier etwas zu verwechseln :wink:

…ihn bitten, mich sterben und sich von anderen bejubeln zu
lassen.

a) Du bist schon tot!!
Was soll der Ewige also mit Dir tun?
Bedenke, mit dem Tod ist das „Sein“ nicht beendet. Du gehst nur vom Diesseits ins Jenseits.

b) warum sollte ER sich bejubeln lassen?
Denkst Du, das sei der Grund, in den „Himmel“ zu kommen?

Die Ewigkeit ist etwas schreckliches! Es ist die wahre Hölle.

Das ist nur die eine Seite der Ewigkeit.
Eine Ewigkeit lang zu wissen, dass man die Gelegenheit gehabt hat, sich für die andere Seite zu entscheiden, aber es nicht getan hat - das ist die Hölle!

Aber eine Ewigkeit die Annehmlichkeiten des Lebens zu genießen (ohne Leid, Krankheit, Ärger, etc.), das ist das Paradies!

Gruss Harald

PS.: Und sollte nach dem Tod wirklich alles aus sein, dann hab ich keinen Schaden durch meine Entscheidung :wink:

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