Hallo Heinrich,
- Ansammlung von Kapital: Ein Zinssystem für zur Konzentration
des Kapitals (allgemeiner: Besitzes) in den Händen weniger,
Aber das ist doch unabhängig vom Begriff „Geld“ oder „Kapital“
zu sehen. Wenn ich der einzige bin, der über ein bestimmtes
Gut verfügt, dann gilt dein Argument auch für Mehl, Steine,
Wolle usw.
Ja, selbstverständlich ist das unabhängig vom Begriff des Geldes zu sehen, habe ich doch auch genau so geschrieben „allgemeiner: Besitz“. Besitz kann Geld, Mehl, Steine, was auch immer sein. Zinsen können ebenso in Geld oder in Naturalien bezahlt werden.
Stell dir eine Welt ohne Geld vor. Reiner Tauschhandel. 18
Baumstämme gegen 3 Sack Getreide. 5 Säcke mit Wolle gegen 3
Stiegen geräucherter Fisch. Geld ist immer nur ein Derivat für
materielle Dinge oder Dienstleistungen.
Ja, aber es gibt auch in einem reinen Tauschhandel einen Unterschied zwischen einem Tauschgeschäft und einem Leihgeschäft. Beim Tauschgeschäft profitieren wir beide vom komparativen Vorteil (ich nehme mal an der Begriff sagt Dir etwas), beim Leihgeschäft erhalte ich etwas, ohne dass mir Kosten entstehen. Bzw. ist der Zins größer als die entstehenden Opportunitäts- und Risikokosten.
- Kontrolle über den Markt: Sagen wir Unternehmer A hat sich
Das hängt doch damit zusammen, dass es eine generelle
Nachfrage nach Geld gibt. Wenn es für Geld nichts mehr gibt,
was man kaufen kann, was hat dann viel Geld auf dem Konto noch
für eine Bedeutung.
Ja, aber… Der Witz am Geld ist doch, dass es immer etwas wert ist (bzw. sein sollte). So etwas wie Geld, das nichts wert ist gibt es nicht. Wenn die Währung eines Landes so stark inflationiert, dass es keine Nachfrage mehr nach dem Geld gibt, dann verliert diese Währung ihre Grundlage (und muss entweder abgeschaft oder drastisch reformiert werden, was eine Abschaffung und Ersetzung durch gleichen Namen ist).
Wenn Unternehmer A sich mit dem geliehenen
Geld etwas kaufen will, aber nicht bekommt, dann sieht A
ziemlich alt aus.
Wie gesagt, eine Situation, in der man sich für Geld nichts kaufen kann gibt es eigentlich nicht. Selbst wenn eine Währung so „kaputt“ ist, dass man sich dafür nichts kaufen kann, wird es immer eine inoffizielle Ersatzwährung geben, häufig ist dies der Dollar, manchmal auch der Euro. Ein Unternehmer würde sich in diesem Fall natürlich kein Geld der maroden Landeswährung ausleihen.
Und wenn B statt auf Geld auf Eigenleistung
setzt oder auf direkte Unterstützung durch eine
Gruppe (z.B. ein Landwirt, der statt mit einem Traktor mit
einem von Menschen gezogenen, selbst hergestellten Holzpflug
sein Feld bestellt), dann kann die Bank soviel Geld horten,
wie sie will. Es spielt keine Rolle.
Aber so ist es ja nicht. Ohne Geld kann sich B keinen Traktor leisten und produziert so ineffizient, dass er seine Produkte nicht verkaufen kann, jedenfalls nicht mit Gewinn. Er hat nicht mal die Option autark (also ganz ohne Geld) zu leben, da er Steuern und Abgaben zahlen muss. Somit kontrollieren Banken (zumindest bei einem in sich verwobenen Oligopol-eine Situation auf die wir durch die ganze Fusionitis zusteuern) den Zugang zum Markt. Sie behindern somit die Kräfte des freien Marktes, was zum Marktversagen führt.
Das verstehe ich nicht. Wieso ist das Risiko immer gleich
hoch?
Wenn ich mein Geld in eine Staatsanleihe investiere, laufe ich
mit einem anderen Risiko, als wenn ich es in eine
Unternehmensanleihe stecke. Deshalb sind die Zinssätze ja auch
unterschiedlich hoch (oder der Kaufpreis für die Anleihe
variiert)
Da hast Du mich falsch verstanden. Ich meinte, dass der Zinssatz für eine bestimmte Anlage (z.B. Unternehmung des Unternehmers B) unterschiedlich hoch sein wird, je nachdem, ob Kredite von privaten Banken oder außschließlich von einer staatlichen Bank vergeben wird. Dies begründet sich daraus, dass der Zins sich aus drei Faktoren zusammensetzt: Risikokosten (welche für den Staat und eine private Bank *bei einem bestimmten Kunden* stets gleich sein werden), Opportunitätskosten, welche tendenziell für den Staat geringer sind (über diese Aussage kann man trefflich streiten!) und Unternehmensgewinn, der bei einer staatlichen Bank entfallen würde.
Nimm es mir bitte nicht übel, aber ich habe ein wenig das Gefühl, Du weigerst Dich schlicht und einfach ernsthaft über ein alternatives Wirtschaftssystem nachzudenken oder liest meine Beiträge nicht genau. Kann das sein? Dann würde ich mir nämlich die Zeit sparen diese ganzen Erläuterungen zu machen. Sollte Dich (oder einen anderen geneigten Leser, der bisher still mitlas - er/sie möge sich melden) das Thema ernsthaft interessieren, so bitte ich diese Frage zu entschuldigen, es kann sehr schwer sein in einem Internetforum zwischen Interesse und reiner Widerspruchslust zu unterscheiden.
Grüße,
Anwar