Hallo Sebastian,
deiner Begründung nach müsste ich bei jedem Kursverlust nicht
nur nicht verkaufen, sondern massiv nachkaufen. Klingt für
mich nach dem Turbodyne-Phenomen.
Was ist denn das Turbodyne-Phänomen?
Der Grund, aus dem man vielleicht nicht nachkaufen möchte, ist der Diversifikationsverlust. Man exponiert sich zu stark gegenüber dem unternehmerischen Riskiko eines einzelnen Unternehmens. Schließlich ist man ja niemals sicher, dass das Investment stimmt, man hält es nur für wahrscheinlich.
Interessanterweise stehe ich gerade vor einer solchen Frage… ich bin eine Position auf ein Unternehmen eingegangen, das ich für günstig bewertet halte, und seitdem ist der Kurs im Lauf mehrerer Wochen bei positiven Nachrichten inkl. einer Kaufempfehlung um über 20% zurückgegangen (im Zuge der allgemeinen Finanzmarktkrise). Nun erwäge ich einen Nachkauf, aber leider würde dadurch die Position einen unangemessen großen Anteil meines Portfolios ausmachen.
Das Problem warum so viele Privat-Personen ein Problem mit dem
Stopp-Loss haben, ist, dass Sie dieses zu eng an den Kus
setzen, so dass es im Rahmen einer normalen Volatilität
ausgelöst wird und sich die Leute in den Hintern beissen weil
Ihre Papere verkauft werden.
Letztendlich ist ein Stopp-Los so zu setzen, dass es
eigentlich nur ausgelöst wird, wenn es fundamental mit der
Aktie zu tun hat.
Hmm… ich finde es schwierig, dass eine einzelne Zahl fundamental veranlasste von fluktuativen Kursverlusten trennen soll. Selbst nach einer fundamental schlechten Nachricht kann doch der Stop-Loss genausogut auf der psychologischen Talsohle ausgelöst werden, von der aus eine Erholung zu einem angemesseneren Preis einsetzt.
Ausserdem ist, wenn ein Unternehmen wegen einer Katastrophennachricht binnen eines Tages massiv einbricht, sowieso die Frage, zu welchem Preis meine stop-loss-ausgelöste market order befriedigt werden kann. Wenn sie überhaupt mal irgendwann zum Zug kommt.
Dann ist die Anlageentscheidung als solches sowieso auf
Richtigkeit zu überprüfen und zu überdenken.
Bei Eintreffen von Nachrichten: vielleicht ja. Aber vielleicht ist das Unternehmen zum neuen Preis (also tiefer als zum Kaufkurs) wieder fair bewertet und ein Ausstieg unnötig, im Rahmen der schlechten Stimmung womöglich kontraproduktiv (selling on bad news)?
In sofern ist es genau das Element mit dem sich Verluste
begrenzen und Gewinne sichern lassen.
Ich sage dazu: Bei engen Werten ist es nicht wirklich
brauchbar.
Nach welchen Kriterien setzt du Stop-Loss-Orders? Wie oft änderst du sie? Wenn ein Wert gefährlich nahe an die Order kommt, ohne dass es (nach eigener Ansicht) fundamental begründet ist, stornierst du sie dannrechtzeitig? Musst man dafür nicht höllisch aufpassen? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich Stop Loss sinnvoll einsetzen sollte, ausser in den Szenarien, die ich in meinem ersten Posting erwähnt habe.
Hast du vielleicht eine Quelle, wo jemand den Sinn des Einsatzes von Stop Loss untersucht hat? Durch Backtests o.ä.? Das würde mich sehr interessieren… bisher bin ich nicht überzeugt.
Grüße,
Sebastian