Hallo Kathy,
das finde ich spannend. Wie bekommt man denn per Züchtung mehr
Vitamine und Mineralstoffe in das Obst und Gemüse? Kombiniert
man besonders reichhaltige Sorten miteinander?
Jep. Das wäre die herkömmliche Methode. Ist natürlich unglaublich langwierig, viel vom Zufall abhängig und nicht immer von Erfolg gekrönt.
Natürlich könnte ein cleverer Biochemiker auch die Gensequenzen, die bei der Kiwi oder der Zitrone für die Vitamin-C-Produkton verantwortlich sind, in den genetischen Code eines Apfel einbauen.
Wenn es klappt, dann sofort (und nicht erst viele Generationen später) und dürfte eine eine derbe Steigerung des Vitamin-C Gehaltes bewirken und nicht nur ein bischen . . . aber dann geht sofort das Geschrei wieder los . . .
Aber woher bekommen die Ihre Inhalte? Licht, Wasser, Stoffe
aus dem Boden, was brauchen Obst und Gemüse, um Vitamine und
Minerastoffe herzustellen?
Genau. Licht, Wasser, CO2 und ein paar Stoffe aus dem Boden.
Vitamine werden von der Pflanze produziert.
Mineralstoffe sind chemische Elemente, die man nicht herstellen kann (außer durch nukleare Reaktionen). Die werden einfach nur aus dem Boden aufgenommen.
Nun ja, so langsam findet man heraus, dass jeder
unterschiedliche Dinge unterschiedlich ab kann. Vielleicht
wäre sie ohne 30 Zigaretten nur 60 geworden, innerlich
geräuchert, gut konserviert, oder sie wäre ohne sogar 100 geworden.
Korrekt.
Ich vermute da auch eine genetische Veranlagung, denn in meiner Familie rauchen alle wie die Dampflokomotiven (einschließlich meinereiner), Krebsfälle gibt’s keine und mein Großvater ist mit 78 als einer der Jüngsten abgetreten . . . (vieleicht hätte er das Rauchen mit 72 nicht aufgeben sollen )
Deutschland ist kein Vitaminmangelland!
Kann ich nur in Bezug auf Bio-Gemüse und Anbau mit
vernünftiger Fruchtfolge und vernünftigen Brachzeiten
nachvollziehen.
Das hat damit nix zu tun.
Bio-Gemüse mag ökologisch schonender für die Natur sein, von den Inhaltststoffen her ist es nicht wirklich anders als „normale“ Ware.
Aber wir leben in einer Zeit, in der durch weltweiten Handel jederzeit vitaminreiche Lebensmittel zur Verfügung stehen. Unsere Großeltern konnten Äpfel nur im Herbst essen, wir immer.
Und die richtigen Vitaminbomben, Südfrüchte, Kiwis etc. gab’s früher - wenn überhaupt - nur zu Weihnachten. Heute jeden Tag im Supermarkt.
Nimm dazu die modernen Konservierungsmethoden (und damit meine ich nicht Chemie, sondern trickreiche Lagerung, s.u.), und es sollte völlig einsichtig sein, das Vitaminversorgung heute wirklich kein Problem mehr sein sollte - wenn man die entsprechenden Produkte auch ißt!
Wie bekommt das Obst, oder das Gemüse gute Stoffe aus einem
ausgelaugten Boden?
Düngen!
Eine Pflanze besteht - wie wir auch - im wesentlichen (>99%) aud Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff. Dafür reicht Luft (CO2) und Wasser. Und Sonnenlicht als Energie-Quelle für die Photosynthese.
Daneben braucht’s noch ein bischen Phosphat und eine Stickstoffquelle. Und ganz kleine Mengen verschiedener Mineralien für die steuernden Enzyme.
Kann man auf natürlichem Wege (Drei-Felder-Wirtschaft), auf „halb-natürlichem“ Wege (Gülle) oder halt aus dem Sack auf’s Feld bringen. Letztlich sind alles nur chemische Verbindungen, im Gegensatz zur natürlichen Methode kann man Kunstdünger aber in der Zusammensetzung so optimieren, das hauptsächlich die gewünschten Pflanzen wachsen und Unkraut es schwerer hat - wodurch man weniger „Schweine-Chemie“ braucht. Oder halt die Erträge steigert.
Letzteres ist auch für die gute Versorgungslage verantwortlich. Denn auch bei Obst und Gemüse gilt Marktwirtschaft: Wenn’s viel gibt, sind die Preise niedrig. Gesunde Lebensmittel sind ja nicht viel wert, wenn sie sich nicht jeder leisten kann.
- Wie ist es mit den Inhaltstoffen, wenn es zu unreif geerntet
wird, dann weit transportiert wird, bis wir es gekauft und
zubereitet haben. Können wir uns wirklich auf eine lückenlose
Kühlkette verlassen?
Im Prinizp ja.
Ein kleines Experiment für dich zuhause:
Kauf beim nächsten Supermarkt-Besuch zwei grüne Bananen - richtig grün! - und einen Apfel. Zuhause legst du eine Banane auf den Tisch, die andere kommt zusammen mit dem Apfel in eine Plastiktüte und die wird zugeknotet. Nach vier Stunden -> Tüte auf.
Die eine Banane ist immer noch grün, die aus der Tüte ist gelb und kann sofort gegessen werden.
Der Reifeprozess wird - wie eigentlich alle biochemischen Prozesse bei Pflanzen, Tieren und Menschen - durch Hormone gesteuert. Der Reife-Prozess bei Bananen beispielsweise durch Ethylen, einer ganz einfachen, gasförmigen Verbindung. Äpfel haun das Zeug in Massen raus,
darum wirkt es hier als Reifebeschleuniger. Man hätte auch was aus der Gasflasche in die Tüte blasen können, hätte genauso gewirkt.
Und das ist auch schon der wesentliche Trick: Bananen kommen nach der Ernte im unreifen Zustand schnellstmöglichst in einen luftdicht verschlossenen Container, in dem es eine Luftwasch-Anlage gibt, die jedes bischen Ethylen aus der Luft herausholt. Und ohne dieses Reifehormon verharren die Bananen wochen- und monatelang im unreifen Zustand. Wenn sie hier ankommen, wird der Container geöffnet, Ethylen bildet sich von alleine (auch Bananen produzieren diesen Stoff, aber viel langsamer) oder wird künstlich hinzugesetzt - und die Bananen sind genau richtig, wenn sie in die Regale geräumt werden.
Und so gibt es hochoptimierte Methoden für jede einzelne Frucht, die über längere Strecken transportiert werden muss. Kühlung hilft dabei auch ein wenig, aber das Wesentliche ist eine kontrollierte Atmosphäre.
Und bitte:
Überall, wo man Geld verdienen kann, gibt es Menschen, die mit weniger Aufwand mehr verdienen wollen. In der Lebensmittelbranche gelten genau die gleichen Regeln wie - sagen wir mal - bei Waschmaschinenreparaturen. Aber während Schlamperei bei Handwerkern bestenfalls mal für einen kleinen Beitrag in einem Verbrauchermagazin gut ist, der auch sofort wieder vergessen wird, landet eine Schlamperei bei Lebensmittel gleich auf der Titelseite der Bild-Zeitung und wird zum Skandal hochgepusht . . .
Ganz unter uns Pastorentöchtern:
Daran sind wir alle selber Schuld!
Die Abstimmung über die Qualität unserer Lebensmittel findet jeden Tag an der Supermarktkasse statt. Auch wenn uns die Werbung etwas anderes glauben machen möchte: Qualität hat ihren Preis! Wen wir alle immer nur billig, billig, billig kaufen, dann zwingen wir die Hersteller dazu billig, billig, billig zu produzieren.
Und dann ist sowas:
Ich musste schon zu oft etwas reklamieren, was vor Ablauf
verdorben war. Kürbiskerne z.b. verdorben,
eigentlich unvermeidlich.
Wobei das meiste davon wohl auf reine Schusseligkeit zurückzuführen ist. Eine richtige Ausbildung auf ihrem Gebiet haben die Plattenschubser in den Supermärkten wohl eher selten genossen (das ist jetzt nicht abwertend gegenüber den „Plattenschubsern“ gemeint, sondern als Kritik an einem System, in dem aus Kostengründen an einer vernünftigen Ausbildung gespart wird. Wodran - wie gesagt - wir alle mit unserem Kaufverhalten Schuld sind).
Ganz brutal:
Wer allen Ernstes glaubt, das ein halbes Kilo Frikadellen für’n Euro zwanzich aus’m Supermarkt irgendeine dolle Qualität sein können, der hat nichts besseres verdient als Scheisse zu fressen.
Un dich weiss, wovon ich da spreche, ich hatte vor Jahren mal ein Vorstellungsgespräch bei einer Frikadellenschmiede, die auf erstklassige Qualität Wert legte. Die hatten sogar eine Maschine, die kleinste Knorpelstückchen aus der Fleischmasse aussortierte. Das Problem: dadurch waren die Frikadellen ungefähr 20 Pfennig teurer (wie gesagt, ist schon was her). Ich hab deren Frikadellen Monate später mal in einem Supermarkt gesehen und bin ein paar Minuten daneben stehen geblieben. Die Dinger lagen wie Blei in den Regalen, weil der Pöbel lieber zu denen daneben, die halt 20 Pfennig billiger waren, gegriffen hat.
- Weiß jeder, wie er was zubereiten muss, so daß er 1. nicht
kaputt macht
Sooo empfindlich sind Vitamine nun auch wieder nicht. Natürlich gibt es beim kochen Verluste, aber das ist heute ja nicht anders als bei Großmutter. Und uns stehen ja auch schonendere Verfahren zur Verfügung (Mikrowelle, Dampfkochtopf).
Und Obst und Salat ißt man ja auch roh . . .
und 2. auch an alle Stoffe rankommt
- Kauen alle so gut, dass sie wirklich an die Stoffe rankommen?
Das managt unser Körper schon selber . . . ;D
- noch nicht mit einbezogen sind hier diejenigen, die es dem
Darm unmöglich machen, vernünftig zu resorbieren, weil sie ihn
ständig leicht reizen. Z.B. mit einer leichten
Lactoseunverträglichkeit. Immer gerade so, dass die
Darmschleimhaut gereizt ist, leichte Symptome, da kommts auch
zu Mängeln.
Das ist dann ein medizinisches Problem.
Da sollte man den Arzt aufsuchen und nicht auf Ratschläge eines Boards hören.
Alles was ich sage, gilt für normal gesunde Menschen, ich werd den Teufel tun und hier einem Mediziner ins Handwerk pfuschen . . .
Und bei Salat noch die ganzen leckeren Keime dazu! HM, lecker.
Ansonsten enthält der nicht viel.
Nana - das hängt vom Salat und der Hygiene der Weiterverarbeiter ab.
Ich hab einen der ganz großen auf diesem Gebiet als regelmäßigen Kunden, die Keimbelastung ist bei guter Herstellung kein Problem.
Im Übrigen halte ich diese totale Angst vor Keimen auch für übertrieben. Das Immunsystem des Menschen ist eine Funktion, die genauso trainiert werden muss, wie das Gehirn oder die Muskeln. Wer sich nur keimarm ernährt und möglichst seine Wohnung täglich mit Sagrotan desinfiziert, dessen Immunsystem verkümmert und er wird anfälliger. Oder das Immunsystem beschäftigt sich „aus Langeweile“ mit anderen Stoffen. Das nennt man dann eine Allergie.
Versteh mich nicht falsch, Sauberkeit und Hygiene müssen sein. Bei der Lebensmittelproduktion genauso wie zuhause. Aber man kann’s auch übertreiben. Schließlich sind Keime schon seid Anbeginn der Zeit Begleiter des Menschen gewesen. Mit den paar Tierchen, die auf einem Salatblatt hausen, wird unser Immunsystem spielend fertig.
Und es soll ja auch Leute geben, die ein Heidengeld für kleine Milchfläschen, die künstlich mit Keimen angereichert werden, ausgeben. Siehe ein paar Beiträge weiter oben . . .
All diese Gedanken kommen mir dabei, hast Du Ideen dazu?
Was wäre, wenn ein Mangel sich nicht immer in den Symptomen
äußert, die wir kennen. Wenn er feinere und andere Symptome
macht, weil es eben kein so starker Mangel ist, wie in
Entwicklungsländern. Was wäre, wenn wir ihn deswegen schlecht
erkennen/erfassen können?
Tja, was wäre wenn . . .
Was wäre, wenn wir alle 150 Jahre alt werden könnten, wenn wir seit dem Tag unserer Geburt täglich winzigste Mengen Salmonellen bekommen hätten, um unser Immunsystem zu stärken?
Du siehst an diesem völlig idiotischen Beispiel, das alles ein könnte. Man weiss es halt nicht. Wir können uns nur an dem orientieren, was wir bis jetzt wissen. Aber die Forschung geht ja auch ständig weiter: neben dem, was wir jetzt so Vitamine nennen gibt’s noch hundert und mehr weitere Stoffe in Pflanzen, die wir genauso brauchen, die sich mit dem gleichen Recht wie die bekannten Substanzen Vitamine nennen dürften. Man hat halt nur irgendwann aufgehört, denen alle Namen und Buchstaben zu geben und fasst die heute unter „sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe“ zusammen. Wie gesagt, bei halbwegs normaler Ernährung alles kein Problem.
In Amerika werden Schulkindern versuchsweise Vitamine und
Minerale gegeben, weil man festgestellt hat, dass sich sowohl
Depression, als auch Aggressivität darüber beeinflussen lassen.
Typisch für das Land der Burger und HotDogs.
Obst für die Pause würde das gleiche bringen.
Wenn ich mir mein ganzes Geschwätz jetzt nochmal so durchlese, dann könnte man den Eindruck erhalten, das ich völlig Pro Industrie und gegen Öko eingestellt bin.
Lasst mich euch versichern, das dem nicht so ist. Auch in der Industrie gibt es Dinge, die man verbessern kann. Auch tut, aber hin und wieder halt nicht schnell genug (Standard-Spruch: Das haben wir immer schon so gemacht . . . ).
Aber ich erkenne eben auch an, das die moderne Ernährungsindustrie erst unsere derzeit ausgesprochen gute und bezahlbare Versorgungslage möglich gemacht hat. Ohne geht’s einfach nicht.
Und ich will auch niemandem ausreden, seine Vitamine zusätzlich zu nehmen.
Aber dann lasst euch keine Spritzen geben (solange es nicht einen medizinischen Grund dafür gibt, versteht sich), und kauft nicht das völlig überteuerte Zeug aus der Apotheke, sondern beispielsweise Vitamin-Brausetabletten von Feinkost Albrecht.
Die schmecken ganz gut, sind recht günstig (unterm Strich billiger als ein Glas Limonade) und die Vitamine dadrin sind auch keine anderen als aus der Apotheke - und reichlich sind auch drin.
In diesem Sinne: Guten Appetit 
mabuse