Aufwändige Schifffahrt mittags beim Chinesen?

Hei, Hanna!

Jetzt habe ich das vergessen:

China - chinisch??? Klingt das logischer?

Beim Wort für „China“ gilt, was Barney auch zu Bungalow anführte. Wir haben den Namen für dieses Land über mehrere Stationen übernommen, Latein - siehe die Wissenschaft: Sinologie - Holländisch - siehe: die Apfelsine, was Apfel aus China meint - und Englisch waren dabei.

Man merkt hier auch noch an den verschiedenen Aussprachen:
Kchina, China und Schina , dass das Wort einen Sonderfall darstellt.

Wow, wir machen das Brett ganz schön voll! Was wird Kubi dazu sagen, wenn er diese Bescherung sieht!

Gruß Fritz

Huhu!

Wie praktisch ist die neue Rechtschreibung, wenn sie wieder
mit Ausnahmen gespickt ist?

*hihi* Gute Frage! Am besten finde ich das mit dem ß.
Nach kurzem Vokal als ss, nach langem weiterhin als ß.
Besonders toll beim Verb ‚essen‘. Er isst, aber er aß …
Klasse! Und dabei hatte man vor, nach Wortstämmen zu gehen -
sehr einleuchtend hier *nick*

Und das Ende vom Lied ist, daß keiner mehr weiß, wie was geschrieben wird…gut Fritz, die Ausländer vielleicht, die
bei Dir in die Lehre gehen. Mein Kind schreibt anders, als ich
es lernte, mein Sohn ist zweireformisch, sprich mal so mal so, ich schreib nach der alten Regel, jedenfalls ab sofort wieder.
Und das nicht, weil ich mich nicht umgewöhnen will, sondern
weil mir die neue Regel einfach s****t. Ich kenne sogar GRUND-
schullehrer, die das nicht auf die Reihe bekommen…
Kein guter Rat, aber dennoch…

Schönes Wochenende
hd

Spagetti mit Tunfisch mag ich auch gern!

Vanessa

Weitere Präzisierung und Nachfrage
Hallo Fritz,

„Frau“ wiederum stammt vom mhd. vrouwe,

und dies ist wiederum zusammengesetzt aus „fron“

  • was „Herr“ bedeutet.
  • im Sinne von: der milde, gnädige Herr gebraucht

„Fronwe“ meint also „Herrin“.

Das habe ich bereits geschrieben :wink:

Jedes Etymologieworterbuch wird dir sagen, dass „einbläuen“
eine falsche Etymologie voraussetzt. Dies wird auch von den
Reformern zugestanden, die sagen, dass sie hier die
„Volksetymologie“ akzeptieren, da die richtige nur noch von
wenigen gekannt wird.

Ist das wirklich so?
OK, mein erstes Posting griff historisch sicher zu kurz, ich kann es gerade im Detail nicht überprüfen, aber der Begriff dürfte sicher älter sein als das preussische Schulsystem. Kubis Erklärung zu bleuen habe ich zu spät gesehen.
Trotzdem: mein Lexer gibt als Übersetzung zu mhd. bliuwen „bläuen, schlagen“ an, wobei mir die sonstigen verwandten Wörter (bliuwât = das prügeln) schon auf einen Zusammenhang mit körperlicher Gewalt hindeuten. Der Zusammenhang mit dem sprichwörtlichen „grün und blau schlagen“ liegt für mich nahe.
blæwen hingegen wird mit blau machen, also färben, übersetzt, das könnte also eine eigene Etymologie haben.

Ich werde es nochmal überprüfen, aber wenn du näheres dazu weisst bin ich für eine Erklärung auch dankbar. Wenn ich falsch liege, lasse ich mich auf jeden Fall gern eines Besseren belehren.

Grüße
Wolfgang

Hallo, Wolfgang,

Röhrich scheint dir Recht zu geben und als eine Möglichkeit der Ableitung von einbläuen auch das „blau färben“ in Betracht zu ziehen:

einbleuen
Jemandem etwas einbleuen (einbläuen): ihm durch stetiges Vorsagen, Vorkauen und Wiederholen etwas beibringen bzw. einpauken - früher auch in Verbindung mit Schlägen (daher das Wort ‚einbleuen‘ vom mittelhochdeutsch bliuwen = schlagen, verbleuen). In der Schreibweise ‚einbläuen‘ bezieht sich das Wort
dagegen auf das Einfärben eines Stoffes mit blauer Farbe. Die Redensart läßt sich je nach der Bedeutung, die man ihr beimißt, auf den einen wie den anderen Ursprung zurückführen und kommt daher auch in beiden Schreibweisen vor. Schon bei E. Alberus (ca.
1500-53) begegnet die Wendung in einer Definition seiner Lehrtätigkeit: »emblewen, crassa docere Minerva, ich kew es eim für, blew ein, sag für«. Auch Luther gebraucht sie in diesem Sinne: »als in den büchern Mosis schier nichts so viel gedacht und eingeblewet wird« (‚Tischreden‘ [1568], 16). In ähnlicher
Bedeutung begegnet sie bei Sebastian Franck: »eitel tandmer den kindern einbleuen« (‚Sprichwörter‘, 1541, 41).

[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: einbleuen, S. 1. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 1435 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 2, S. 366) © Verlag Herder]

Sowohl Kluge als auch Pfeifer weisen auf solche Versuche, „bleuen“ zu blau zu stellen, hin. Machen aber doch deutlich, Pfeifer explizit, Kluge eher zurückhaltend, dass es sich dabei um Volksetymologien handelt.
So wie: Der Bodensee heißt Bodensee, weil man den Boden nicht sehen kann.

Du stehst also nicht ganz allein mit deiner Meinung.

Beste Grüße Fritz

An Dilarah, W. Berger und alle Interessierte
Jetzt wird es ausführlich und grundsätzlich!

Ich kann eure Bedenken, die von WB noch sehr viel weniger als die von D, nicht teilen, und nur schwer nachvollziehen.

Könnte es nicht sein, dass ihr eure Befindlichkeit angesichts einer Neuerung, die sub specie aeternitate, ja selbst im Horizont der normalen Menschen, der in günstigsten Fall von den Großeltern bis zu den Enkeln reicht, marginal ist, zu wichtig nehmt.

Habt ihr schon mal den Lutherischen Bibeltext im Nachdruck der Urfassung in der Hand gehabt und mit einer Ausgabe von 1800, mit einer von 1900 und einer von 2000 verglichen?

Goethes Werther in der Erstausgabe mit der Ausgabe der letzten Hand und einer aus unserer Zeit nebeneinander gestellt?

Haben diese Texte etwas an ihrem Gehalt verloren?

Das folgende ist ein Absatz eines Aufsatzes von Hölderlin, zuerst nach seiner handschriftlichen Fassung gedruckt, dann so wie er in einer Studienausgabe erscheint.

_Seyn -, drükt die Verbindung des Subjects und Objects aus. Wo Subject und Object schlechthin, nicht nur zum Theil vereiniget ist, mithin so vereiniget, daß gar keine Theilung vorgenommen werden kan, ohne das Wesen desjenigen, was getrennt werden soll zu verlezen, da und sonst nirgends kann von einem Seyn schlechthin die Rede seyn, wie es bei der intellectualen Anschauung der Fall ist.

Sein- drückt die Verbindung des Subjekts und Objekts aus. Wo Subjekt und Objekt schlechthin, nicht nur zum Teil vereiniget ist, mithin so vereiniget, daß gar keine Teilung vorgenommen werden kann, ohne das Wesen desjenigen, was getrennt werden soll, zu verletzen, da und sonst nirgends kann von einem Sein schlechthin die Rede sein, wie es bei der intellektualen Anschauung der Fall ist._

Ist der eine verständlicher als der andere? Etwa weil ihn H. so schrieb? Oder der andere, weil er unserer gewohnten Schreibung entspricht? Und könnt ihr sagen, dass derselbe Abschnitt - nach den Regeln der neuen Rechtschreibung bearbeitet (seht ihr den Unterschied überhaupt?) - nun unverständlich geworden ist.

Sein- drückt die Verbindung des Subjekts und Objekts aus. Wo Subjekt und Objekt schlechthin, nicht nur zum Teil vereiniget ist, mithin so vereiniget, dass gar keine Teilung vorgenommen werden kann, ohne das Wesen desjenigen, was getrennt werden soll, zu verletzen, da und sonst nirgends kann von einem Sein schlechthin die Rede sein, wie es bei der intellektualen Anschauung der Fall ist.

Und die Veränderungen der neuen Rechtschreibung sind viel geringer - wie ihr euch überzeugen könnt - als die Veränderungen, die die Orthographie von 1800 bis 1900 und dann bis 1996 mitgemacht hat.

Es ist wirklich nur eine Frage der Pragmatik und der Gewöhnung. An der Orthographie den Rang einer Kultur festmachen zu wollen ist im hohen Maße albern. So albern, wie an dem Wechsel von Anzug und Krawatte zu Jeans und Schlabberpulli bei den Studenten vor 30 Jahren einen Kulturwechsel festmachen zu wollen. Freilich war es eine „Revolution“, einiges hat sich geändert. Aber mal ehrlich, wollt ihr die Zustände von vor 1968 wieder?

Haben die Studenten, die Schopenhauer in Fraktur lesen mussten und konnten, denen etwas voraus, die diese - gegen seinen ausdrücklichen Wunsch - seit einigen Jahren in Antiqua lesen können?

Um nochmals zu zeigen, wie Anhänger der alten Schreibung argumentieren - Verzeih Wolfgang, das geht jetzt an dich -:

Tippfehler: „nicht“ muss „nichts“ heißen. Der Satz meint also,

Ist „Tippfehler“ nun ein falscher Rat oder ein falscher Tastenanschlag?

Völlig am Problem vorbei! Jeder vernünftige und gutwillige Leser versteht Tippfehler als falschen Tastenanschlag, denkt allenfalls noch an Toto und Lotto, denn ein falscher Rat wäre ein Fehltipp.

weiter als die Reformer. Hörst du einen Unterschied zwischen Ort und Ortografie? Also warum verschieden schreiben?

Ich höre allerdings sehr wohl einen Unterschied zwischen „aufwendig“ und „aufwändig“, oder zwischen „feststehen“ und „fest stehen“.

Ich rede vom Unterschied von t und th. Er kommt mit e und ä daher. Ich sage: Der Tiger ist eine Katze. Er sagt: Aber der Elefant ist kein Insekt. Was ist das für eine Argumentation!??!

Man kann allerdings das „aufwändig“ angreifen mit dem Hinweis, dass nicht es nicht von „der Aufwand“, sondern von „aufwenden“ abgeleitet ist. Aber damit wäre nichts gewonnen, da das Verb „wenden“ in den Vergangenheitsstämmen auch ein „a“ hat. Das sind völlig nebensächliche Haarspaltereien und Dispute um das „johanneische Komma“, das sich bei näherer Betrachtung als Fliegenschiss erwies.

Was uns in Sachen Orthographie noch bevorsteht, hat man schon vor Jahrzehnten satirisch vorweg genommen.

_ Textkorrektur

Erster Schritt

Wegfall der Großschreibung;
einer sofortigen einführung steht nichts im weg, zumal schon viele grafiker und werbeleute zur kleinschreibung übergegangen sind.

zweiter schritt

wegfall der dehnungen und schärfungen. diese masname eliminirt di gröste felerursache in der grundschule. den sin oder unsin unserer konsonantenverdoplung hat onehin nimand kapirt

driter schrit

v und ph ersezt durch f
z und sch ersezt durch s
das alfabet wird um swei buchstaben redusirt, sreibmasinen und sesmasinen fereinfachen sich, wertfole arbeitskräfte könen der wirtsaft sugefürt werden

firter srit

q, c und ch ersest durch k
j und y ersest durk i
Pf ersest durk f
jest sind son seks bukstaben ausgesaltet, die sulseit kann fon neun auf swei iare ferkürst werden, anstat aksig prosent reksreibunterik könen nüslikere fäker wi fisik, kemi, reknen mer geflegt werden

fünfter srit

wegfal fon ä, ö, ü seiken;
ales uberflusige ist iest ausgemerst. di ortografi wider slikt und einfak, naturlik benotigt es einige seit, bis diese fereinfakung uberal riktig ferdaut ist. fileikt sasungsweise ein bis swei iare. anslisend durfte als nakstes di fereinfakung der nok swirigeren und unsinigeren gramatik anfisirt werden.
aus: teksten + sreiben
seitsrift fur gutes deuts und wirksamen tekst_

Der Deutschbrasilianer Ze do Rock hat diese wohl vielen bekannte Satire aufgegriffen und in seinem Buch „Fom winde ferfelt“ konsequent zu Ende geführt.

Ein höchst empfehlenswertes Büchlein und wirklich spaßig.

Ich danke denen, die bis hierher gekommen sind, für ihre Geduld.

Beste Grüße
Fritz

Nix g’nau’s woaß ma net
Hallo Fritz,

vielen Dank für deine Mühe.

Ich bin schon beruhigt, dass sich die Fachwelt da auch nicht ganz leichttut mit der etymologischen Zuordnung.

Ich suche selber auch noch weiter, aber ich kann mich inzwischen auch mit der Variante anfreunden, dass „bleuen“ vermutlich wirklich nichts mit „blau“ zu tun hat.
Interessant fand ich, dass die schriftliche Unterscheidung von „bleuen“ (= schlagen) und „bläuen“ (= blau färben) erst von der letzten Rechtschreibreform 1901 explizit gefordert wurde (vgl. http://www.rechtschreibreform.de/Forum/showthread.ph…), während man vorher eben unbedenklich die Schreibweise „bläuen“ für beide Begriffe hernahm, vgl. eben der schon von mir erwähnte Matthias Lexer 1885. Im Prinzip stellt die Rechtschreibreform also nur einen älteren Zustand wieder her.

Mein eigener Hinweis, das mhd. bliuwât = das Prügeln heißt gibt mir jetzt zu denken. Könnte es sein, dass Prügel und Pleuel den gleichen Wortstamm haben? Dann wäre „blau“ wirklich außen vor. Ich gehe dem mal nach.

Grüße
Wolfgang

Könnte es nicht sein, dass ihr eure Befindlichkeit angesichts
einer Neuerung, die sub specie aeternitate, ja selbst im
Horizont der normalen Menschen, der in günstigsten Fall von
den Großeltern bis zu den Enkeln reicht, marginal ist, zu
wichtig nehmt.

Ehrlich geantwortet: ja und damit hab ich unrecht, ich weiß.

Ist der eine verständlicher als der andere? Etwa weil ihn H.
so schrieb? Oder der andere, weil er unserer gewohnten
Schreibung entspricht?

Nein und so gelesen und gesehen (ich meine jetzt wirklich visuell) hast Du zu meinem Entsetzen :smile: noch mehr recht.

Es ist wirklich nur eine Frage der Pragmatik und der
Gewöhnung.

Gewöhnung ja, Pragmatik nein, dann hätte ja alles beim alten bleiben können…:smile:

An der Orthographie den Rang einer Kultur festmachen zu wollen ist im hohen Maße albern.

…wie man an Deinen Beispielen sehen kann, ja.

Aber mal ehrlich,wollt ihr die Zustände von vor 1968 wieder?

Da bin ich eingeschult worden…

Ich rede vom Unterschied von t und th. Er kommt mit e und ä
daher. Ich sage: Der Tiger ist eine Katze. Er sagt: Aber der
Elefant ist kein Insekt. Was ist das für eine
Argumentation!??!

Was uns in Sachen Orthographie noch bevorsteht, hat man schon
vor Jahrzehnten satirisch vorweg genommen.

Erster Schritt

Wegfall der Großschreibung;
einer sofortigen einführung steht nichts im weg, zumal schon
viele grafiker und werbeleute zur kleinschreibung übergegangen
sind.

zweiter schritt

wegfall der dehnungen und schärfungen. diese masname eliminirt
di gröste felerursache in der grundschule. den sin oder unsin
unserer konsonantenverdoplung hat onehin nimand kapirt.

Oha, dann ist mein Sohn, welcher Legastheniker ist vielleicht bald Linguist…

Der Deutschbrasilianer Ze do Rock hat diese wohl vielen
bekannte Satire aufgegriffen und in seinem Buch „Fom winde
ferfelt“ konsequent zu Ende geführt.

Nochmals Danke für die Ausführlichkeit des Postings, es regt
an, sich gewisser Gewohnheiten zu entledigen.

Herzl. Gruß

hd
*immerwiedererstauntwievehementundklugdubist*
PS: und das mein ich so

grüß dich, fritz :smile:

leider habe ich es immer noch nicht kapiert, wie man hier die besagten „sternchen“ vergibt - deshalb im klartext: ein toller beitrag! du sprichst mir aus der seele.

an alle anderen: sorry, ich weiß, das ist ganz furchtbar off-topic, aber es war mir ein bedürfnis!

Der Deutschbrasilianer Ze do Rock hat diese wohl vielen
bekannte Satire aufgegriffen und in seinem Buch „Fom winde
ferfelt“ konsequent zu Ende geführt.

Ein höchst empfehlenswertes Büchlein und wirklich spaßig.

kann ich nur bestätigen. war einfach „nett“ zu lesen.

Ich danke denen, die bis hierher gekommen sind, für ihre
Geduld.

aber gerne; jederzeit wieder *g*

liebe grüße,
miranda

Hallo Wolfgang,

Ich bin schon beruhigt, dass sich die Fachwelt da auch nicht
ganz leichttut mit der etymologischen Zuordnung.

Ich rechne die Etymologie keinesfalls zu den „exakten“ Wissenschaften. Das ist eine der hermeneutischen, die sich ihr Thema, ihre Methoden und ihre Wahrheiten immer neu erarbeiten müssen und darin gleichen sie dem Baron Münchhausen, der sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zieht. Das Faszinierende daran ist, dass das tatsächlich geht.

http://www.rechtschreibreform.de/Forum/showthread.ph…),

Das ist ein feiner Link. Danke fürs Auffinden!

Im Prinzip stellt die
Rechtschreibreform also nur einen älteren Zustand wieder her.

Das sehe ich auch ähnlich. Dazu sollte man noch bedenken, dass viele der „sakrosankten“ Regeln, z. B.:

  • Trenne nie st, denn es tut ihm weh!
  • Drei gleich Konsonanten hintereinander sind unzulässig.
  • Aber: Tritt ein vierte, anderer Konsonant hinzu, so muss man alle drei schreiben.
  • ss am Wortende und vor t wird zu ß.

einzig und allein der Faulheit der Setzer zu verdanken waren.

Mein eigener Hinweis, das mhd. bliuwât = das Prügeln
heißt gibt mir jetzt zu denken. Könnte es sein, dass Prügel
und Pleuel den gleichen Wortstamm haben?

Das halte ich für außerordentlich unwahrscheinlich. Prügeln wird auf ein ahd. gibrugilon = „durch übergedeckte Knüppel, Stöcke, Reißig schützend bedecken“, auch prugilon = „mit Prügel abdecken“, zurückgeführt, dass zu brüge = „Brücke, durch Stöcke befestigter Damm“ gestellt wird und auf einen germanischen Stamm *bruga- = „Stämmchen, Prügel“ zurückgehen soll, der allerdings nur erschlossen ist.
Ich habe das von Kluge und Pfeifer.

Ich bin gespannt auf deine Ergebnisse.

Grüße
Fritz

Hei, das macht Spaß!

Hallo,

Wenn Du länger als 3 Monate hier bist, geh nochmal auf F. Beitrag, scroll ganz nach unten, da findest Du einen Link mit
folgendem Text „Diesen Artikel finde ich hilfreich“.
Dort klickst Du drauf und schon hat Fritz ein Sternchen.

War mir nun wieder ein Bedürfnis…:smile:

Schönes WE
hd

1 „Gefällt mir“

ach, wir sind aber auch „ot“ heute!

lieben dank für die aufklärung! ich hab dir auch gleich eines verpaßt - das war nun wiederum MIR ein bedürfnis *g*

servus,
miranda

Sternchen, Gottschalk und noch mehr ot!

ach, wir sind aber auch „ot“ heute!

Na, wenn dem so ist, dann auch noch das:

_ Gottschalk ist Träger des Medienpreises für Sprachkultur
Wiesbaden (dpa) - Für seine Verdienste um die deutsche Sprache in der Fernsehunterhaltung hat Moderator Thomas Gottschalk am Freitag in Wiesbaden den Medienpreis für Sprachkultur 2002 erhalten. Die Jury der Gesellschaft für Deutsche Sprache (GfdS) würdigte die „souveräne Interviewtechnik“ des Fernsehstars in seinen Sendungen wie „Na so was“ und „Wetten, dass…?“. Gottschalk, im weißgestreiften blauen Anzug, zeigte sich stolz über die Auszeichnung. Da es ihm bei „Wetten, dass…?“ unwidersprochen gelinge, jeweils rund 15 Millionen Menschen der verschiedensten Schichten am Bildschirm zu vereinen, hätte er eigentlich den Friedensnobelpreis verdient, scherzte er.
Mit seinem unkonventionellen Sprachstil verstehe Gottschalk über Generationen hinweg das Fernsehpublikum zu vereinen, sagte der Vorsitzende der GfdS, Rudolf Hoberg, vor mehreren huntert Gästen.
Gottschalk gelinge es seit Jahren, Menschen jeden Alters auf hohem Niveau zu unterhalten. Der Preis besteht aus der großen Ausgabe des Grimm’schen Wörterbuchs in 32 Bänden.
Gottschalk beklagte den Niveauverfall bei jüngeren Unterhaltern:
„Wer einmal mit dem Auto von Dresden nach München gefahren ist und 26 verschiedene Radiostationen gehört hat, erkennt, dass die Skala der hilflosen Sprachlosigkeit nach unten offen ist.“ Er bekannte sich zur „Sprache der Mitte“.
In der Laudatio auf den Preisträger überraschte der bayerische Kabarettist und Satiriker Gerhard Polt die Gäste mit der Persiflage auf einen Festredner. Nach dem anfänglichen Versprechen, es „kurz zu machen“, schlug Polt den Bogen vom Bau der Pyramiden von Gizeh über griechische und römische Geschichte und das Mittelalter hin zu Gottschalk, „vor dessen Lebenswerk wir unser Haupt neigen.“
Den Medienpreis in der Sparte Presse nahm der Journalist, Essayist und Autor Klaus Harpprecht entgegen. Seine Essays und Kommentare in großen deutschen Tages- und Wochenzeitungen nannte die Jury intelligent analysierende und mahnende Begleiter der jüngsten Geschichte Deutschlands. Die Verdienste Harpprechts würdigte der Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“, Michael Naumann.
Den Alexander-Rhomberg-Preis der GfdS erhielt der 28 Jahre alte Nachwuchsjournalist der „Märkischen Allgemeinen“, Benno Schirmeister (Potsdam). Diese Auszeichnung ist mit 5000 Euro dotiert.

©dpa

032244 Mai 02_

Das ist ein Sternenreigen heut!:wink:
Fritz
Vergib uns, Kubi!

…dass die Skala der hilflosen Sprachlosigkeit nach unten offen ist.

schöööön!

grüße an fritz und an alle radiohörer, denen es regelmäßig kalt den rücken runterläuft :wink:

gute nacht!
miranda

Grundsatzdebatte zur Neuschreibung
Hallo Fritz,

den Großeltern bis zu den Enkeln reicht, marginal ist, zu
wichtig nehmt.

Du rechtfertigst den Unfug sozusagen damit, daß er weniger schlimm ist als das Leiden Christi. Mit diesem Argument kann man viel Quatsch rechtfertigen.

Haben diese Texte etwas an ihrem Gehalt verloren?

Natürlich verlieren diese Texte etwas, wenn man sie aus ihrer ursprünglichen Orthografie übersetzt. Daß vielleicht bloß das eine oder andere Prozent schwindet, ist wieder so ein Leiden-Christi-Argument.

Es ist wirklich nur eine Frage der Pragmatik und der
Gewöhnung. An der Orthographie den Rang einer Kultur
festmachen zu wollen ist im hohen Maße albern. So albern, wie

Hier den Ausdruck „festmachen zu wollen“ zu verwenden, ist alberne Polemik. Kein Gegner der Neuschreibung wird behaupten, die Rechtschreibung sei der einzige Halt der Kultur. Sie ist vielmehr eine wichtige Schnittstelle zwischen Kultur und Person.

„Revolution“, einiges hat sich geändert. Aber mal ehrlich,
wollt ihr die Zustände von vor 1968 wieder?

Einige durchaus.

Haben die Studenten, die Schopenhauer in Fraktur lesen mussten
und konnten, denen etwas voraus, die diese - gegen seinen
ausdrücklichen Wunsch - seit einigen Jahren in Antiqua lesen
können?

Aber natürlich: eine größere Nähe zu Schopenhauer und seinen Zeitgenossen.
Hier nun kommen wir zu einem bedeutenden ideologischen Aspekt aggressiver Rechtschreibreformen: die Obrigkeit will das Volk von den Altvorderen stärker trennen, um im Schutz vor kritischen Stimmen aus der Vergangenheit agieren zu können.
Das war z.B. bei der großen Rechtschreibreform in Japan nach dem Krieg deutlich zu beobachten.

Völlig am Problem vorbei! Jeder vernünftige und gutwillige
Leser versteht Tippfehler als falschen Tastenanschlag, denkt
allenfalls noch an Toto und Lotto, denn ein falscher Rat wäre
ein Fehltipp.

Das hatten wir schon. Die Neuschreibung schafft nur selten einen wirklichen Totalschaden. Meist bleibt es bei Kratzern und Dellen, meist kann man sich einen Sinn schon noch zusammenreimen.
Aber ein vernüftiger Grund, warum diese Änderungen durchzusetzen seien, ergibt sich daraus nicht.

weiter als die Reformer. Hörst du einen Unterschied zwischen Ort und Ortografie? Also warum verschieden schreiben?

Ich höre allerdings sehr wohl einen Unterschied zwischen
"aufwendig" und „aufwändig“, oder zwischen „feststehen“ und
"fest stehen".

Ich rede vom Unterschied von t und th. Er kommt mit e und ä
daher. Ich sage: Der Tiger ist eine Katze. Er sagt: Aber der
Elefant ist kein Insekt. Was ist das für eine
Argumentation!??!

Ein Fehler, den ich häufig begehe: zwei Stufen auf einmal zu nehmen.
Also: mit „Ortografie“ wird die richtige Aussprache genausogut geschrieben wie mit „Orthografie“, es wird nur der Unterschied in der Schreibung zweier Wortstämme völlig unterschiedlicher Bedeutung aufgehoben. „Ortografie“ sieht dann so aus, als käme sie von „Ort“ und würde z.B. regeln, an welchem Ort je welcher Buchstabe zu schreiben sei.
Bei den von mir genannten Beispielen wirft die Neuschreibung ihr Lautschriftprinzip (das Du gerade zu ihrer Rechtfertigung heranzogst) zugunsten irgendwelcher anderen, nunmehr völlig verquasten Regelungen ab.

„wenden“ in den Vergangenheitsstämmen auch ein „a“ hat. Das
sind völlig nebensächliche Haarspaltereien und Dispute um das
„johanneische Komma“, das sich bei näherer Betrachtung als
Fliegenschiss erwies.

Fliegenschiss, sehr wohl, und genau deshalb hätte man dieses harmlose Wort auch in Ruhe lassen müssen.

Ich danke denen, die bis hierher gekommen sind, für ihre
Geduld.

Dem schließe ich mich an.

Gruß,

Wolfgang Berger

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Liebe Hanna,

ob aufwaendig von Aufwand kommt, kann dahingestellt bleiben, es kommt jedenfalls nicht von Wand, sondern von wenden. Und da liegt halt der Hase im Pfeffer, wenn nach Wortstaemmen gesucht und dann zu frueh aufgehoert wird. Muss einen aber auch nicht wundern, nach fast 100 Jahren des Gruebelns und Verhandelns mussten endlich Resultate vorgelegt werden, wie armselig auch immer und ohne Ruecksicht auf Verluste.

Die Frage nach den Begruendungen der Reformer ist leicht zu beantworten, es gibt keine, sondern hoechstens Rechtfertigungen. Fuer mich habe ich deshalb entschieden, ohnehilfe des Dudens aus zu kommen, der ja auch nichts dafuer kann. Dass dass mit ss geschrieben wird, leuchtet mir ein, wenn die Schrift naeher zur Sprache kommen soll. Schon als Drittklaessler habe ich nicht verstanden, wieso Kusz und Fusz mit sz geschrieben werden mussten. Mehr werde ich mir von dem Jahrhundertwerk wohl nicht annehmen.

Schreib weiter so, Gruebeln bringt nichts. Die NDR ist und bleibt so notwendig wie ein Kropf.

Grusz Ralf

Heute alles mit sz, weil ich als Gast am PC sitze und meine Sonderzeichen nicht finde. Mir ist gerade noch eingefallen, dass bei den Amis z und y veratscht sind.

Hallo Fritz,

Wow, wir machen das Brett ganz schön voll! Was wird Kubi dazu
sagen, wenn er diese Bescherung sieht!

Solange Ihr beim Thema bleibt - nichts :smile:

Und solange man mir keine guten Gründe nennt, zu wechseln, bleibe ich bei der alten Rechtschreibung. Deren Macken kenne ich wenigstens.

Und in der Korrektur Deiner Korrektur hast Du übrigens zwei Mal Mitttag mit drei „T“ geschrieben…:smile:

Gruß Kubi

Hi Barney,

Kubi hat’s schon erwähnt: Latein.
Aber selbst Latein hat massenhaft Ausnahmen.

Eben. Und genau das wollte ich damit eigentlich sagen: Wer Latein wegen seiner Logik rühmt, hat den falschen Bus genommen.

Logisch und konsequent wäre eben Filosofie. Wie Fritz schon
schreibt: Bei Grafik krampft es ja auch niemanden mehr. Und
bei Fotografie auch nicht.

Na, dann überlasse ich es meinen Kindern, Filosofie zu schreiben…

Und die Fysik versteht sowieso keiner :wink:)

Und warum bitte schön nicht Füsik?

Aber da komm auch ich noch aus dem Ritmus.

Hihi

Logisch wäre auch Fater. Aus dem griechischen „pateras“ ist
über den lateinischen „pater“ ein „padre“, „pére“, „father“
etc. geworden. Aber wo kommt das V her?

Das könnte man auch ganz abschaffen. Ist problemlos überall durch „F“ oder „W“ ersetzbar.

Gruß Kubi

An Fritz :smile:
Hallo Fritz,

als „Interessierter“ muß ich mich jetzt auch noch mal einmischen…

Ich kann eure Bedenken, die von WB noch sehr viel weniger als
die von D, nicht teilen, und nur schwer nachvollziehen.

Tja, wahrscheinlich so schwer wie wir die angeblichen Vorteile der neuen Schreibe wertschätzen können…

Könnte es nicht sein, dass ihr eure Befindlichkeit angesichts
einer Neuerung, die sub specie aeternitate, ja selbst im
Horizont der normalen Menschen, der in günstigsten Fall von
den Großeltern bis zu den Enkeln reicht, marginal ist, zu
wichtig nehmt.

Keineswegs. Ich war ja mit der alten Schreibe in Harmonie groß geworden :smile: Ein Thema wurde das Ganze erst wirklich, als manche meinten, das unbedingt ändern zu müssen. Getreu dem Duden-Motto: wenn die Mehrheit der Leute etwas falsch macht, wird es richtig.
Womit ich nicht mal etwas gegen die Änderung in Sprache und Schrift sagen will. Die ist natürlich. Unnatürlich ist, solche Änderungen von oben durchzudrücken oder zu verordnen.

Haben diese Texte etwas an ihrem Gehalt verloren?

Definitiv: ja. JEDER Text ändert etwas von seinem Gehalt, wenn man ihn ändert. Extrembeispiel sind sicherlich Übersetzungen (ich spreche von guten, schlechte sind ohnehin indiskutabel), aber auch diese „Modernisierungen“ ändern. Sicher kann das nützlich sein - z.B. bei Texten, die die meisten Leute heute nicht mehr verstünden - aber nichtdestotrotz treten Änderungen auf, und somit auch Änderungen des Inhalts - und seien sie marginal.

Ist der eine verständlicher als der andere?

Nein. Aber: ist das relevant? Darf ich einen Txt nach Belieben ändern, solange ich die Verständlichkeit nicht anrühre?

Etwa weil ihn H.

so schrieb?

Nein. Aber dazu habe ich oben ja schon was geschrieben.

Und könnt ihr sagen, dass derselbe
Abschnitt - nach den Regeln der neuen Rechtschreibung
bearbeitet (seht ihr den Unterschied überhaupt?) - nun
unverständlich geworden ist.

Auch nein. Aber siehe oben. Gegenfrage: Wird der Text verständlicher, wenn ich ihn nach der neuen Rechtschreibung schreibe? Gewinnt er dadurch Sinn oder Inhalt?

Und die Veränderungen der neuen Rechtschreibung sind viel
geringer - wie ihr euch überzeugen könnt - als die
Veränderungen, die die Orthographie von 1800 bis 1900 und dann
bis 1996 mitgemacht hat.

Also wozu dann?

Es ist wirklich nur eine Frage der Pragmatik und der
Gewöhnung.

Eben. Und die Pragmatik sagt: Lassen, wenn’s nicht deutlich besser wird. Und das tut’s nicht.

An der Orthographie den Rang einer Kultur

festmachen zu wollen ist im hohen Maße albern.

Allerdings.

Haben die Studenten, die Schopenhauer in Fraktur lesen mussten
und konnten, denen etwas voraus, die diese - gegen seinen
ausdrücklichen Wunsch - seit einigen Jahren in Antiqua lesen
können?

Nein. Aber wie gesagt: ich finde, das geht am Thema vorbei.

Tippfehler: „nicht“ muss „nichts“ heißen. Der Satz meint also,

Ist „Tippfehler“ nun ein falscher Rat oder ein falscher
Tastenanschlag?
Völlig am Problem vorbei! Jeder vernünftige und gutwillige
Leser versteht Tippfehler als falschen Tastenanschlag, denkt
allenfalls noch an Toto und Lotto, denn ein falscher Rat wäre
ein Fehltipp.

Das dürfte klar sein. Es geht um’s Prinzip. Welchen Grund gab es, aus „Tip“ „Tipp“ zu machen? Eine mögliche Fehlerquelle mehr.

Beste Grüße,

Kubi

1 „Gefällt mir“

Hallo Kubi!

Na, dann überlasse ich es meinen Kindern, Filosofie zu
schreiben…

Garfield war hier schon Vorreiter …

Und die Fysik versteht sowieso keiner :wink:)

Und warum bitte schön nicht Füsik?

Hier liege ich im Streit mit den soge- oder selbster-nannten Altfilologen. Im Neugriechischen wird „y“ als reines „i“ gesprochen. Und vom Homer (ngr. Omiros) gibt’s keine CD :wink:)

Aber wo kommt das V her?

Das könnte man auch ganz abschaffen. Ist problemlos überall
durch „F“ oder „W“ ersetzbar.

Einferstanden!

Gruß
Barney

Hallo Kubi,

Und in der Korrektur Deiner Korrektur hast Du übrigens zwei
Mal Mitttag mit drei „T“ geschrieben…:smile:

Das wäre nach den Grundsätzen der Reformer konsequent:

die Mitte + der Tag = Mitttag. Aber vor dieser Konsequenz schreckten die Reformen - wohl mit Rücksicht auf die Bedenken der dreischwätzenden Politiker, die uns ja auch, mit denselben dummen Argumenten, mit denen schon Kaiser Wilhelm II. seinerzeit dies gegen Duden selbst durchsetzte, den „Thron“ erhielten - zurück.

Gruß Fritz

Zu den Einwänden oben versuche ich auch noch zu kommen.