Hallo Carlos,
natürlich sollten die von Paulus für
das Christentum gewonnenen Heiden sich von „Blut und
Ersticktem“ (Apg 15, 28f; aber das war wohl ein Tippfehler)
enthalten;
Ich gehe nicht davon aus, dass es sich um einen Tippfehler
handelt.
Mit Tippfehler meinte ich die Stellenangabe, die Du in Deinem ersten Posting gemacht hattest: Apg 20 (Ich wollte aber nicht explizit darauf hinweisen, um nicht besserwisserisch zu wirken)
Darum kann man nicht
schließen, daß diese Vorschrift weiterhin für d i e Christen
gilt.
Hier habe einige Punkte.
1.) Das Verbot des Blutgenuß steht in der Kontinuität mit Noah
(1. Mose 9:4). Ich wüsste nicht, dass dieses Gebot aufgehoben
wurde. Dem entsprechend gilt es für die gesamte Menschheit.
Lukas führt das Verbot des Blut"genusses" nicht auf die Noachischen Gebote zurück, sondern auf das Gesetz des Mose (Apg 15,21)
2.) In Apostelgeschichte 15 geht es darum, inwiefern
Heidenchristen sich noch an das Mosaische Gesetz halten
mussten. Auslöser war die Beschneidung. Insofern hat
Apostelgeschichte 15 eine starke Aussagekraft und steht im
Einklang mit den anderen Briefen.
Natürlich hat Apg 15 eine starke Aussagekraft; aber allmählich beginnt man - mindestens in der evang. Theologie zu verstehen, daß Paulus gar keine Trennung von „Juden“- und "Heiden"christen wollte: alle sollten an Christus als den verheißenen Messias glauben, aber von ihrer je verschiedenen Tradition her. Ihm ging es vor allem um die Frage, wie beide in einer Gemeinde zusammenleben konnten. Aber das ist ein anderes Thema.
3.) Das Gebot sich des Bluts zu enthalten, wird zusammen
erwähnt mit Gebot sich auch indiekt am Götzendienst zu
enthalten und dem Gebot keine Hurerei zu begehen. Das heisst,
die Apostel beschränkten sich auf 3 Anweisungen. Nicht viel,
wie ich meine.
Auch heute wird es noch viele Christen geben, die Götzendienst
und Hurerei nicht mit einem christlichen Lebensweg vereinbaren
können.
Da gebe ich Dir vollkommen Recht!
4.) Die Apostelgeschichte gilt als inspiriert und ist Teil des
Bibelkanons. Die Apostel haben sich bei den Geboten auf den
Heiligen Geist berufen. Ein Christ, der auf die Bibel vetraut,
wird diese Gebote nicht auf die leichte Schulter nehmen. Vor
allem stellt sich dann die Frage, welche Gebote für die C h r
i s t e n gilt.
Da hat es in der Christenheit auch eine lange und teilweise unendlich erbitterte Diskussion gegeben zwischen den verschiedenen Möglichkeiten der Inspiration: Verbal-, Real-, Personalinspiration. Ich für mein Teil glaube nicht an die Verbalinspiration. Und dennoch ist die Bibel, Neues u n d Altes Testament, das Wort Gottes. Ich erlaube mir aber zu fragen, ob ein Apostel immer - und für alle Zeiten - Recht hatte.
Gruß - Rolf