Auslegung einer Bibelstelle

Hallo.

You:
…darf auch ich etwas zu dem Passuk sagen bzw. Blutrache
sagen?

Zuerst me: Ich halte die Blutrache für eine höchst
verwerfliche Folklore. Aber das müssen Juden und Moslems
miteinander ausmachen.

Ne, das mußt du mir dir ausmachen, wenn du hier solch dämmlichen Vorurteile wiedergibts. Rache jeglicher Form ist im Judentum streng verboten und im Islam verhält es sich meines Wissens nicht anders.

Ganz anders sieht es hingegen im Christentum aus, welche ja die eine Stelle im sogenannten AT immer so interpretieren („Auge um Auge“). Damit haben wir Juden aber nichts zu tun und das Thema hatten wir hier in w-w-w schon des öfteren (sieh einfach einmal ins Archiv).

Passuk, lieber Elimelech, ist ein abscheuliches Verbrechen.

a) Passuk ist ein Textabschnitt

b) Wenn die Blutrache meinst, dann mußt du mir das nicht sagen, da dieses seit jeher Teil der jüdische Lehre ist und erst so ins so hoch entwickelte Abendland kam.

Und die Todesstrafe, liebe datafox, müsste längst abgeschaft
werden.

Datafox ist für die Todesstrafe oder handelt es sich hierbei wieder nur um ein weiteres Vorurteil?

Scholem,
Eli

Der Amoklauf Gottes

Ich hätte sicher auch die Macht, Menschen zu quälen oder zu töten.

Siehst du eigentlich keine Nachrichten? Ich kenne übrigens recht gut
die tropischen- und subtropischen Länder. In Afrika habe ich oft
gesehen, wie gefühllos die Menschen dort mit den Tieren umgehen - und
entsprechend auch mit den anderen Menschen. Ich war im gleichen Jahr
des Völkermordes in Butare in Ruanda. Ich ahnte es, dass irgendwann
die Hutus und die Tutsis übereinanderfallen würden. Ich rechnete
spätestens in 10 Jahren damit. In Februar reiste ich wieder aus. Zwei
Monate später, im April felen die beiden Ethnien übereinander her.
Ich kam in Butare mit einem katholischen Kloster in Kontakt. Die
frommen Schwestern dort hatten auch ihren Anteil am Morden. Ich
erfuhr, dass auch dort im Kloster etliche Schwestern ermordet wurden

  • von ihren eigenen Mitschwestern. „Als aber der Herr sah, daß der
    Menschen Bosheit groß war, auf Erden und alles Dichten und Trachten
    ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, daß er den
    Menschen gemacht hatte auf Erden und er sprach: Ich will die
    Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom
    Menschen an bis hin zu Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln
    unter dem Himmel; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe.“
    Mit icherheit kommt jetzt der dämliche Einnwand, dass ich diesen
    Genozid an der Menscheit im Kontext lesen müsse. Was um Gottes Willen
    hat das Gewürm und die Tiere mit Gottes Amoklauf zu tun. Gibt es
    dafür eine theologische Rechtfertigung? Dann erklärt mir das mal!

Hallo,

deine Ruanda-Story in allen Ehren, aber was hat deine Antwort mit meinem Einwurf

Ich hätte sicher auch die Macht, Menschen zu quälen oder zu töten.

zu tun?
Dass es Menschen gibt, die andere Menschen töten ist jedem bewußt. Aber das ist doch nicht der Normallfall, von dem nur wir gnadenerfüllte Gutmenschen abweichen, die aus lauter Mitleid ihre Mitmenschen nicht töten.

Nochmal:
ICH könnte meinen Nachbar töten. Tu ich aber nicht. Dass ich es nicht tue, ist KEIN Gnadenakt von mir, sondern reine Selbstverständlichkeit.

BTW:

Siehst du eigentlich keine Nachrichten?

Ich kann dich beruhigen, ich bin hinreichend über die Lage der Welt informiert.

mfg
deocnstruct

  • in welcher Sprache ist der Urtext geschrieben?

hebräisch.

  • wie heisst das entsprechende Wort im Urtext?

furcht und schrecken. eben exakt das was da steht.

  • wieso weisst du, dass das entsprechende Wort im Urtext einen
    negativen Beigeschmack hat? Philologe?

es hat exakt diesen beigeschmack: furcht und schrecken.

Teile diese meinung nicht. Ehrfurcht wäre passender. Furcht nicht aus Angst (wie wir es meist verstehen, Furcht gleich Synonym für Angst) sondern als Erstaunen, Ehre überwältigt sein vor der Allmacht, wie jemand der nie einen Berg sah und plötzlich vor den riesigen Bergen Eiger, Mönch und Jungfrau steht. Da kann eine Furcht vor der Natur, den bergen entstehen, die nicht auf einer Angst fusst.

Gruss
beat

bitte eines nicht vergessen: heute in unserer
hochindustrialisierten zeit, wo die leute unsummen an geld
dafür ausgeben um dünner (!) zu werden, weil sie zuviel zu
essen haben und zu wenig körperliche arbeit, können wir uns
den dekadenten luxus von „tierschutz“ und „naturschutz“
leisten.

wenn man bedenkt wann dieser text entstand und in welcher
klimazone, dann sieht es schon anders aus: wenn du nichts zu
fressen und zu trinken hast, jeden laib brot der erde abringen
mußt, nach wasser graben mußt und tagein tagaus von wilden
tieren bedroht bist, die entweder dich oder deine herde
auffressen, dann ist es ein wahrer göttlicher segen, wenn du
gesagt bekommst: „von nun an vermehrt euch, menschenkinder,
und sterbt nicht mehr im alter von 5, von nun an seid IHR es,
die die oberhand haben werdet über die feindliche natur.“ man
denkt, es wäre gelungen. ist es das nicht? wir müssen nur
aufpassen, daß es auch so bleibt.

gruß
datafox