Übrigens erklärt deine Unkenntniss über Fussball auch deine :mangelnde Toleranz gegenüber der Jubelstimmung.
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Merkwürdig finde ich eher die konsequente Intoleranz bei euch.
Hallo Alex,
man kann ein Verhalten merkwürdig finden und es dennoch
tolerieren.
Die Toleranz kam nicht so richtig durch bisher.
Ich möchte wahrhaftig niemandem die Freude am
Fußball oder ähnlichen Veranstaltungen nehmen.
Keine Chance…
Die Fähigkeit,
sich derart von einem Ereignis vereinnahmen zu lassen, an dem
man auch nicht die Spur eines Anteils hat, hat manchmal
durchaus etwas Beneidenswertes. Es mag auch eine Frage der
Mentalität sein.
Verwunderung kommt aber bei Sprüchen auf, wie: „Wir haben
gewonnen“ oder „Deutschland hat gewonnen“. Für dieses Maß an
Identifikation mit dem Spiel (und es ist ein Spiel, nicht mehr
und nicht weniger) und den Spielern suche ich nach einer
Erklärung.
Ich habe gerade ein paar Bilder aus Südkorea gesehen. Das Spiel ist durchaus mehr als eben nur ein Spiel. Dort ist es eine Abgrenzung gegenüber dem großen Japan, eine Möglichkeit der Identifikation für sein Land, das bisher eher trotz einiger wirtschaftlicher Erfolge eher als Underdog gilt.
In einigen Ländern scheint es in die Nähe einer nationalen
Schande oder Katastrophe zu kommen, wenn eine Mannschaft ein
Spiel verliert. Der spielerische Charakter geht dabei
verloren. In meinen Augen findet eine nicht mehr
nachvollziehbare Bewertung der Tatsache statt, daß 2
Mannschaften ein Spiel austragen.
Siehe oben…Fussball hat wohl mittlerweile, ähnlich wie olympische Spiele, durchaus eine politische Wertung bekommen. Spiele wie z. B. USA-Iran (WM 1998?), Polen-UDSSR (WM 1982), England-Argentinien (mehrfach bei den letzten WMs) haben mehr für die Normalisierung von bilateralen Bedingungen getan als diplomatische Abkommen, obwohl, oder gerade weil gegeneinander gespielt wurde. Dass dies wenig mit dem eigentlichen Sport zu tun hat, ist mir durchaus klar. Dennoch möchte ich so etwas nicht verteufeln.
Vielleicht täusche ich mich, vielleicht hat das alles nur am
Rande mit Fußball zu tun. Vielleicht bietet das Spiel,
insbesondere dieses Ereignis für Massen, ein Ventil für …
für was eigentlich?
Die Möglichkeit zur Identifikation mit seinem Land, bei dem insbesondere Deutsche sich doch (häufig auch zu Recht) sehr zurück halten. Fussball ist hier einfach eine unschuldige Art, stolz auf sein Land zu sein. Immerhin sind es die besten deutschen Fussballer (es sollten zumindest diese sein) in einem Sport, der von vielen Menschen, ob aktiv oder passiv, erlebt und betrieben wird.
Diese Fragestellung gehört wohl doch
besser ins Psychologie-Brett und hat gewiß nichts mit
fehlender Toleranz zu tun.
Oder in den Bereich Politik? Nur noch eins: Beim Fussball hört man, anders als in vielen anderen Bereichen (ich erinnere da momentan z. B. an Pisa) sehr selten ein schlechtes Wort über den Gegner (ok, die Schadenfreude über die Niederlande als Nichtteilnehmer war schon ätzend) sondern eigentlich nur die Freude über den Gewinn. Es zählt die eigene Leistung (bzw. die der Mannschaft, sic) und nicht die Schwäche und Fehler des Gegners, ausser in irgendwelchen Annalysen von sogenannten Fachleuten im Fernsehen.
Die mangelnde Toleranz habe ich auf das geäusserte Unverständnis für die Begeisterung zurückgeführt. Bin da wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen. Vielleicht fühlte ich mich auch persönlich angegriffen ob des Vorurteils, dass jeder Fussballfan eigentlich selbst keinen Sport treibt, in Jogginghose und Unterhemb rülpsend auf dem Sofa sitzt und glaubt, allein die WM gewonnen zu haben. Ich weiss, so war der Wortlaut bei dir nicht, aber leider wird man da doch häufiger in einen Topf mit…ja, mit wem eigentlich?.. geworfen.
Vielleicht kannst Du doch die Gelegenheit wahrnehmen, Dir das morgige Spiel vor einer der aufgebauten Leinwände in den Städten dieser Republik anzuschauen. Hat was von einem Livekonzert, nur ohne Musik. Bei einer Menge ab 500 Leuten ist es dann schon schwer, nicht doch ein wenig mitzufiebern.
Gruß
Wolfgang
In diesem Sinne
ALex