Autokorso nach Fussballspiel

Hallo Sportsfreunde,

mich würde interessieren, wer diese schöne Tradition ins Leben gerufen hat? - Und wer die liebenswerten Hupkonzerte, durch die die Fans stundenlang ihrer Freude Ausdruck verleihen?

Erst gestern sass ich nachmittags mit guten Freunden auf dem Balkon, aber da uns die Unterhaltung zu mühsam wurde, beschlossen wir, ins Grüne zu fahren… Drei Stunden später hatte der fahnenschwenkende Autokorso sein Ziel in der Innenstadt erreicht, wir konnten unser Fahrzeug verlassen, die anschliessende Tinnitus-/Hitzeschock-Behandlung war erfolgreich. Ein Riesenspass!

Aber warum gibt’s so was Schönes nur beim Fussball? - Können sich denn Tennisspieler, Wasserballer und Minigolfathleten über ihre Erfolge gar nicht freuen?

Schade,
denkt Andreas

Aber warum gibt’s so was Schönes nur beim Fussball? - Können
sich denn Tennisspieler, Wasserballer und Minigolfathleten
über ihre Erfolge gar nicht freuen?

Hallo Andreas,

Deine Frage gehört wohl eher ins Psychologiebrett. Unter den Autokorso-Teilnehmern werden Fußballspieler gewiß eine verschwindende Minderheit sein. Fernsehgucker, Chipfresser und Biertrinker bestimmen die Szene.

„Wir haben gewonnen“, gar „Deutschland hat gewonnen“ ist da zu hören. Von Fußball verstehe ich so viel wie die Kuh vom Tanzen, aber nach meiner Kenntnis haben irgendwo in Fernost 11 Leute, von denen wenigstens einige die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, ein Fußballspiel gewonnen. Das ist doch so gesehen nicht weiter aufregend - oder? Ob nun in China ein Sack Reis… oder in Japan eine deutsche Fußballmannschaft… für mich ist es gar nicht so auf der Hand liegend, weshalb dann hierzulande Leute von den Stühlen hüpfen oder mit Huperei nerven. Die hier den Lärm Veranstaltenden haben doch mit dem Ereignis rein nichts zu tun, benehmen sich aber, als hätten sie selbst die Tore geschossen.

Merkwürdig finde ich das alles.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

du hast mir aus der Seele gesprochen…

Ergänzend kann ich nur sagen: Ich muss echt kotzen, wenn ich das sehe, wenn ich das höre „Wir haben gewonnen“… ist doch nur alles ein Spiel…

Matthias

Deine Frage gehört wohl eher ins Psychologiebrett.

Hallo Wolfgang,

ein altes isländisches Sprichwort sagt: Man muss den Stier in der Arena bei den Hörnern packen. - Will sagen, meine Frage gehört natürlich ins Sportbrett, wo die Sportexperten mitlesen, egal ob sie selbst sportlich aktiv oder passiv sind.

Im übrigen gibt’s Deinen Ausführungen natürlich (mal wieder) nichts hinzuzufügen. Ich wundere mich mit Dir.

Aber schön wär’s schon, wenn einer der biertrinkenden Autofahrer nochmal kurz seinen Standpunkt erläutert.

Gruss,
Andreas

Hallo,

mich würde interessieren, wer diese schöne Tradition ins Leben
gerufen hat? - Und wer die liebenswerten Hupkonzerte, durch
die die Fans stundenlang ihrer Freude Ausdruck verleihen?

da gabs diese Woche einen Bericht im Radio (glaube Bayern 5), mit Hintergründen dazu, leider erinnere ich mich nur bruchstückhaft, war aber sehr lustig. Woran ich mich erinnere ist, daß es auf die Triumpfzüge (wie sie schon Jahrtausende üblich sind) zurückgeführt wurde. Als wesentlicher Unterschied wurde aber gennant, daß früher die Zuschauer den Lärm machten, und die Teilnehmer sich feiern ließen. Liegt vielleicht daran, daß Streitwagen der Römer noch keine Hupe hatten :smile:

Erst gestern sass ich nachmittags mit guten Freunden auf dem
Balkon, aber da uns die Unterhaltung zu mühsam wurde,
beschlossen wir, ins Grüne zu fahren

Jedenfalls sieht man es selten, daß die Polizei bei massiven Verstößen gegen die STVO einfach nur zuschaut (!), wie hier sogar vom Ministerium angeordnet (damit Stoibers Chancen steigen ?)

Aber warum gibt’s so was Schönes nur beim Fussball?

Weil nur Fußbal (angeblich) Nationalsport in Deutschland (und Europa???) ist.

Nix für ungut,
René

Hi
wenn du das Gefühl nicht kennst, dann muss ich sagen, dass du mir ernsthaft leid tust.

freak

Moin moin,

Aber warum gibt’s so was Schönes nur beim Fussball? - Können
sich denn Tennisspieler, Wasserballer und Minigolfathleten
über ihre Erfolge gar nicht freuen?

Sicherlich hängt dies auch mit der Medienpräsenz der Sportart zusammen. Aber selbst Randsportarten haben ihre Helden, die in ihren Heimatorten, gerade bei kleinen Städten, besonders gefeiert werden. Ich erinnere mich da an Empfänge für diverse Olympiasieger nach Salt Lake City, die jeweils z. B. mit der örtlichen Trachtenbalskapelle durch das Dorf gefahren wurden.

Hallo Andreas,

Deine Frage gehört wohl eher ins Psychologiebrett. Unter den
Autokorso-Teilnehmern werden Fußballspieler gewiß eine
verschwindende Minderheit sein. Fernsehgucker, Chipfresser und
Biertrinker bestimmen die Szene.

Ich schau Fern, ich trinke Bier, ok, ich mag keine Chips. Darüber hinaus spiele ich selbst Fussball und bin Besitzers eines Autos, mit dem ich zwar an keinem Korso teilgenommen habe, aber durchaus Autos mit Fahnen „angehupt“ habe. Es ist einfach ein schönes Gefühl, einen Sieg zu feiern.

„Wir haben gewonnen“, gar „Deutschland hat gewonnen“ ist da zu
hören. Von Fußball verstehe ich so viel wie die Kuh vom
Tanzen, aber nach meiner Kenntnis haben irgendwo in Fernost 11
Leute, von denen wenigstens einige die deutsche
Staatsbürgerschaft besitzen, ein Fußballspiel gewonnen. Das
ist doch so gesehen nicht weiter aufregend - oder? Ob nun in
China ein Sack Reis… oder in Japan eine deutsche
Fußballmannschaft… für mich ist es gar nicht so auf der Hand
liegend, weshalb dann hierzulande Leute von den Stühlen hüpfen
oder mit Huperei nerven. Die hier den Lärm Veranstaltenden
haben doch mit dem Ereignis rein nichts zu tun, benehmen sich
aber, als hätten sie selbst die Tore geschossen.

Über das Thema Identifikation im Sport wurden schon einige auch sehr gute Abhandlungen geschrieben. Hab da vor kurzem etwas gelesen aus Anlass des Todes von Fritz Walter, dass der WM-Sieg 1954 viel für das Selbstbewustsein des Nachkriegsdeutschlands getan hat. Übrigens erklärt deine Unkenntniss über Fussball auch deine mangelnde Toleranz gegenüber der Jubelstimmung.

Und nochmal zur Ausgangssituation. Das Spiel als solches war angekündigt. Die Entstehung eines Autokorsos kann also durchaus als erwartet angenommen werden, selbst wenn man so gut wie aller Berichterstattung aus dem Weg geht. Somit kann man dem auch ausreichend früh aus dem Weg gehen. Ich stürze mich ja auch nicht in meine Urlaubsfahrt, wenn Schulferienbeginn ist und den Geschenkekauf vor Weihnachten lege ich auch nicht an den letzten Einkaufssamstag vorm Fest. Oder zum Christopher Street Day nach Köln…

Merkwürdig finde ich das alles.

Merkwürdig finde ich eher die konsequente Intoleranz bei euch.

Gruß
Wolfgang

Gruß

ALex

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Übrigens erklärt deine Unkenntniss über Fussball auch deine :mangelnde Toleranz gegenüber der Jubelstimmung.

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Merkwürdig finde ich eher die konsequente Intoleranz bei euch.

Hallo Alex,

man kann ein Verhalten merkwürdig finden und es dennoch tolerieren. Ich möchte wahrhaftig niemandem die Freude am Fußball oder ähnlichen Veranstaltungen nehmen. Die Fähigkeit, sich derart von einem Ereignis vereinnahmen zu lassen, an dem man auch nicht die Spur eines Anteils hat, hat manchmal durchaus etwas Beneidenswertes. Es mag auch eine Frage der Mentalität sein.

Verwunderung kommt aber bei Sprüchen auf, wie: „Wir haben gewonnen“ oder „Deutschland hat gewonnen“. Für dieses Maß an Identifikation mit dem Spiel (und es ist ein Spiel, nicht mehr und nicht weniger) und den Spielern suche ich nach einer Erklärung.

In einigen Ländern scheint es in die Nähe einer nationalen Schande oder Katastrophe zu kommen, wenn eine Mannschaft ein Spiel verliert. Der spielerische Charakter geht dabei verloren. In meinen Augen findet eine nicht mehr nachvollziehbare Bewertung der Tatsache statt, daß 2 Mannschaften ein Spiel austragen.

Vielleicht täusche ich mich, vielleicht hat das alles nur am Rande mit Fußball zu tun. Vielleicht bietet das Spiel, insbesondere dieses Ereignis für Massen, ein Ventil für … für was eigentlich? Diese Fragestellung gehört wohl doch besser ins Psychologie-Brett und hat gewiß nichts mit fehlender Toleranz zu tun.

Gruß
Wolfgang

Übrigens erklärt deine Unkenntniss über Fussball auch deine :mangelnde Toleranz gegenüber der Jubelstimmung.

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Merkwürdig finde ich eher die konsequente Intoleranz bei euch.

Hallo Alex,

man kann ein Verhalten merkwürdig finden und es dennoch
tolerieren.

Die Toleranz kam nicht so richtig durch bisher.

Ich möchte wahrhaftig niemandem die Freude am
Fußball oder ähnlichen Veranstaltungen nehmen.

Keine Chance…

Die Fähigkeit,
sich derart von einem Ereignis vereinnahmen zu lassen, an dem
man auch nicht die Spur eines Anteils hat, hat manchmal
durchaus etwas Beneidenswertes. Es mag auch eine Frage der
Mentalität sein.

Verwunderung kommt aber bei Sprüchen auf, wie: „Wir haben
gewonnen“ oder „Deutschland hat gewonnen“. Für dieses Maß an
Identifikation mit dem Spiel (und es ist ein Spiel, nicht mehr
und nicht weniger) und den Spielern suche ich nach einer
Erklärung.

Ich habe gerade ein paar Bilder aus Südkorea gesehen. Das Spiel ist durchaus mehr als eben nur ein Spiel. Dort ist es eine Abgrenzung gegenüber dem großen Japan, eine Möglichkeit der Identifikation für sein Land, das bisher eher trotz einiger wirtschaftlicher Erfolge eher als Underdog gilt.

In einigen Ländern scheint es in die Nähe einer nationalen
Schande oder Katastrophe zu kommen, wenn eine Mannschaft ein
Spiel verliert. Der spielerische Charakter geht dabei
verloren. In meinen Augen findet eine nicht mehr
nachvollziehbare Bewertung der Tatsache statt, daß 2
Mannschaften ein Spiel austragen.

Siehe oben…Fussball hat wohl mittlerweile, ähnlich wie olympische Spiele, durchaus eine politische Wertung bekommen. Spiele wie z. B. USA-Iran (WM 1998?), Polen-UDSSR (WM 1982), England-Argentinien (mehrfach bei den letzten WMs) haben mehr für die Normalisierung von bilateralen Bedingungen getan als diplomatische Abkommen, obwohl, oder gerade weil gegeneinander gespielt wurde. Dass dies wenig mit dem eigentlichen Sport zu tun hat, ist mir durchaus klar. Dennoch möchte ich so etwas nicht verteufeln.

Vielleicht täusche ich mich, vielleicht hat das alles nur am
Rande mit Fußball zu tun. Vielleicht bietet das Spiel,
insbesondere dieses Ereignis für Massen, ein Ventil für …
für was eigentlich?

Die Möglichkeit zur Identifikation mit seinem Land, bei dem insbesondere Deutsche sich doch (häufig auch zu Recht) sehr zurück halten. Fussball ist hier einfach eine unschuldige Art, stolz auf sein Land zu sein. Immerhin sind es die besten deutschen Fussballer (es sollten zumindest diese sein) in einem Sport, der von vielen Menschen, ob aktiv oder passiv, erlebt und betrieben wird.

Diese Fragestellung gehört wohl doch
besser ins Psychologie-Brett und hat gewiß nichts mit
fehlender Toleranz zu tun.

Oder in den Bereich Politik? Nur noch eins: Beim Fussball hört man, anders als in vielen anderen Bereichen (ich erinnere da momentan z. B. an Pisa) sehr selten ein schlechtes Wort über den Gegner (ok, die Schadenfreude über die Niederlande als Nichtteilnehmer war schon ätzend) sondern eigentlich nur die Freude über den Gewinn. Es zählt die eigene Leistung (bzw. die der Mannschaft, sic) und nicht die Schwäche und Fehler des Gegners, ausser in irgendwelchen Annalysen von sogenannten Fachleuten im Fernsehen.

Die mangelnde Toleranz habe ich auf das geäusserte Unverständnis für die Begeisterung zurückgeführt. Bin da wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen. Vielleicht fühlte ich mich auch persönlich angegriffen ob des Vorurteils, dass jeder Fussballfan eigentlich selbst keinen Sport treibt, in Jogginghose und Unterhemb rülpsend auf dem Sofa sitzt und glaubt, allein die WM gewonnen zu haben. Ich weiss, so war der Wortlaut bei dir nicht, aber leider wird man da doch häufiger in einen Topf mit…ja, mit wem eigentlich?.. geworfen.

Vielleicht kannst Du doch die Gelegenheit wahrnehmen, Dir das morgige Spiel vor einer der aufgebauten Leinwände in den Städten dieser Republik anzuschauen. Hat was von einem Livekonzert, nur ohne Musik. Bei einer Menge ab 500 Leuten ist es dann schon schwer, nicht doch ein wenig mitzufiebern.

Gruß
Wolfgang

In diesem Sinne

ALex

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Nicht zu den Autokorsen(?). Die gibt es in Deutschland wohl wirklich (fast) nur bei Fussballspielen. Wie schon einige geschrieben haben, wohl aufgrund der Bedeutung des Fussballs in Deutschland.

Aber zu:

Verwunderung kommt aber bei Sprüchen auf, wie: „Wir haben
gewonnen“ oder „Deutschland hat gewonnen“. Für dieses Maß an
Identifikation mit dem Spiel (und es ist ein Spiel, nicht mehr
und nicht weniger) und den Spielern suche ich nach einer
Erklärung.

Dies gibt es nicht nur beim Fussball sondern überall, wo „Deutschland“ drauf steht. 1996 gab es z.B. beim „Eurovision Song Contest“ eine internationale Vorentscheidung und der deutsche Beitrag konnte sich nicht für Verantstaltung qualifizieren. Es hieß „Deutschland hat sich nicht qualifiziert“. Ebenso wie es 1982 hieß „Deutschland hat gewonnen“ oder 1998 „Darf so einer (Guildo Horn) für Deutschland singen“.

Auch wenn nicht Deutschland draufsteht, wird es oft national interpretiert. Es Statistiken, wie viel Nobelpreise Deutschland in den letzten Jahren bekommen hat. Oder wie häufig Deutschland einen Oscar bekommen hat. Andere Beispiele lassen sich anführen.

Das ist wohl schlicht normal.

Autokorsen(?) gab es allerdings weder für Nicole noch für deutsche Wissenschaftler oder Regisseure. Die Bedeutung des ESC ist (leider, finde ich) nicht so groß wie eine Fussball-WM.

hi andreas,

wie kommste denn gerade auf wasserballer? die sind doch nun wirklich in der versenkung verschwunden …