Autorität erlernen?

Hallo
Ich arbeite seit 10 Jahren in einer Firma. Ich bin bei meinen Vorgesetzten recht beliebt und mache meine Arbeit gut.
Ich könnte nun in eine höhere leitende Position rutschen. Dann müsste ich meinen jetzigen Kollegen aber Befehle erteilen.
Das kann ich aber irgendwie überhaupt nicht. Ich schaffe es nicht mal - wenn mir jemand helfen soll - diesen klar zu sagen, was er tun soll. Stattdessen arbeite ich für beide und der andere „kann ein wenig mit anfassen“.
Ist ganz schrecklich, ich weiß, aber ich kann es absolut nicht leiden, wenn jemand denken könnte, ich wäre faul oder hätte weniger zu tun als ein anderer.
Als wir zu dritt zwischen den Weihnachtsfeiertagen „Notdienst“ machen mussten, habe ich mich immer um die „schweren Jobs“ sozusagen gerissen, damit es nur nicht heissen könnte ich würde mich drücken.

Naja. Vermutlich bin ich deswegen ja jetzt auch auf der „Aufstiegsliste“ :smile:

Aber zurück zur Problematik. Ich kann keine Befehle erteilen oder jemanden „zusammenscheissen“ (auch wenn ich zu meinen Kollegen kein besonders „Freundschaftliches Verhältnis“ habe (eher normale Kollegen), aber das ist ne andere Geschichte - die halten mich vermutlich(!) für einen Arschkriecher, aber das stimmt nicht. DAS stört mich dann wieder gar nicht… Verrückt, was?)

Gibt es eine Möglichkeit diese „Befehlsgewalt“ zu üben? Oder ein Buch, das einem dabei hilft? Wonach muß ich ausschau halten?

Vielen Dank

Gruß
Andreas

hallo andreas, es gibt seminare für kommunikationstrain. leitungspersönlichkeiten.
entweder läßt du dich von deinen AG deligieren oder du erkundigst dich übers internet.hg konstanze

Hallo!

Natürlich kann man es lernen.

Aber wozu?

Anscheindend liegt es dir nicht. Der Bereich, in dem du Talent hast, ist wohl ein anderer.

Du wirst Jahre lang, vielleicht ein Leben lang, eine Tätigkeit machen, die du zwar „gelernt“ hast, die dir aber keinen Spaß und keine Freude macht und bist am Ende ein unglücklicher Mensch, der sein Leben verschwendet hat. Die hohe Stellung und das viele Geld wird dich auch nicht glücklich machen.

Mein Rat: Überlege, wo du wirklich Talent hast, wo du begabt bist, wo wirklich dein Herz schlägt!

Grüße

Andreas

Hallo Andreas,

für eine Antwort ein Sternchen.
Nur wenige trauen sich, das so zu sagen! Ich sehe es genau wie du: es lohnt nicht, etwas mühsam zu lernen, was einem keinen Spaß macht, nur um dann eine höhere Position einzunehmen. Das ist die Muter von Frust und schlecht gemachter Arbeit.
Ist nur leider oft allzu schwer, das umzusetzen…

Natürlich kann man es lernen.
Aber wozu?

Hallo Andreas,

manchmal muss man in seinem Job das eine können um das andere machen zu dürfen. Das Führungsproblem haben nicht wenige Leute, die in ihrem Bereich einfach gut sind, um nicht zu sagen den anderen voraus, aber nicht automatisch zum Chef geboren sind. Mit der Leitungsposition stellen sich die Fragen wie z.B.: Wie bringe ich den Kollegen eine Arbeitsauftrag nahe, wen setze ich wo optimal ein, wie kontrolliere ich Teilergebnisse und wie ziehe ich notfalls die Zügel an, wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniert.
Plötzlich nicht mehr der Gleiche unter den Gleichen zu sein und das souverän umzusetzen, das ist Talentsache, zugegeben. Aber auf mehr Kompetenz zu verzichten, weil man sich seiner als Führungsmensch nicht sicher ist? Das will genau überlegt sein.

Meiner Ansicht nach ist vorallem ein gutes Verhältnis zur Firmenleitung wichtig, und regelmäßige Gespräche mit den Kollegen (tägliche Frühbesprechungen, Wochenresumees usw.) verhilfen zu einer guten Zusammenarbeit. Sprich, gute zwischenmenschliche Kontakte nach oben und nach unten sind besonders in der Übergangszeit hilfreich.
Und es gilt zu akzeptieren, dass man als Abteilungsleiter nicht mehr so wie früher in dem Rudel integriert ist.
Ansonsten gibt es, wie schon erwähnt, Kurse aber auch Bücher, durch die man sich schlau machen kann. Leider habe ich keinen Buchtipp parat.

viele Grüße
Maelle

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Danke, Anita!

Hallo Maelle!

Stimmt schon, alles hat zwei Seiten, und so was will gut überlegt sein.

Ich bleibe trotzdem bei meiner Ansicht.

Bücher zum Thema habe ich massenweise gelesen. Besonders empfehlen kann ich die von Dale Carnegie und von Reinhard Sprenger.

Grüße

Andreas

Hi,

Ich sehe es genau wie
du: es lohnt nicht, etwas mühsam zu lernen, was einem keinen
Spaß macht, nur um dann eine höhere Position einzunehmen.

Von „keinem Spaß haben“ hat der UP aber überhaupt nichts geschrieben. Es ging um das Gefühl, es nicht „zu können“. Das ist sein Problem.

Ich denke dass das gar nicht so schwierig ist, wenn man sich von alten Hierarchie-Vorstellungen lösen kann und ein Teamverständnis „auf Augenhöhe“ entwickelt. Das macht nämlich richtig Spaß!

Gruß,

Anja

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Hallo
Nun gut, ich will ja nicht mein „ganzes Leben darlegen“ um diese Frage den nötigen Hintergrund zu geben.
Was du aber sagst ist so nicht richtig. Den Job, den ich JETZT mache kann ich nicht leiden. Wäre die Wirtschaftslage besser würde ich sofort kündigen.
Eine „Etage nach oben rutschen“ würde mir da vermutlich besser gefallen. Die Frage die ich mir dabei nur stelle ist, ob ich genug Autorität ausstrahlen kann.
Außerdem würde ich dann „mal eben“ doppelt so viel Geld verdienen. Und Geld macht bekanntlich glücklich :wink:

Gruß
Andreas

Hallo Andreas,

Dann
müsste ich meinen jetzigen Kollegen aber Befehle erteilen.

das dürfte ein, wenn nicht sogar DAS Problem sein.
Führungsverhalten läßt sich durchaus üben, aber ein Kollege, der plötzlich Chef wird, ist für den sozialen Friedes eines Betriebs häufig kritisch.
Meist werden beförderte Personen auch einem anderen Personenkreis vorgesetzt als dem, mit dem er bisher zusammengearbeitet hat und das aus gutem Grund.
Selbst Menschen mit einem ausgeprägten Führungsverhalten tun sich regelmäßig schwer bisherige Gleichgestellte zu führen.

Zum Erlernen von Führungsverhalten und Kompetenz gibt es eine Unzahl von Anbietern und ich würde mich wundern, wenn Deine Firma nicht einen Anbieter zur Hand hat. Frag Deinen Chef danach, ich fände es selbstverständlich, daß er Dich einen solchen Kurs besuchen läßt.

Gandalf

Hallo!

Eine „Etage nach oben rutschen“ würde mir da vermutlich besser
gefallen.

Ja, wenn das so ist, sehe ich keine großen Probleme. Dann empfehle ich die schon genannten Autoren Dale Carnegie und Reinhard Sprenger. Deren Bücher findest du überall.

Die Frage die ich mir dabei nur stelle ist, ob ich
genug Autorität ausstrahlen kann.

Ja. Wie das geht, steht in den Büchern.

Außerdem würde ich dann „mal eben“ doppelt so viel Geld
verdienen. Und Geld macht bekanntlich glücklich :wink:

Eben nicht.

Was wirklich glücklich macht, und was Mitarbeitwer wirklich motiviert, steht in dem bekannten Buch „Flow“

Grüße

Andreas

Hallo nochmal!

Und Geld macht bekanntlich glücklich :wink:

Hab noch einen Link dazu gefunden. Da ist das Buch „Flow“ mit drin:
http://www.gluecksarchiv.de/inhalt/geld.htm

Grüße

Andreas

Ja, aber so nicht
Hallo,

ich weiß ja nicht, wo du führen sollst, aber wenn es nicht gerade bei der Armee ist, dann gehören „Befehle erteilen“ und „zusammenscheißen“ nicht zu den erstrebenswerten Führungsqualitäten. So mit seinen Mitarbeitern umzugehen, würde ich mangelnde Führungsstärke nennen.
Was du als Chef können solltest, ist, zu koordinieren, zu deligieren und zu motivieren.
Ich hatte einen Chef, für den ich immer alles gern getan habe. Hätte er befohlen und mich zusammengeschissen, dann wäre das ganz anders gewesen. Dann hätte ich wahrscheinlich gekündigt und er hätte mich am Arsch lecken können.

Tychi

Hallo
Das ist gut, das du so einen tollen Chef und so einen schönen Arbeitsplatz hast.
Bei uns ist es leider etwas anders.
Machst du deine Arbeit gut, dann ist alles OK. Machst du deine Arbeit schlecht, gehörst du zusammengepfiffen. Das ist nicht gerade ein Anschreien, aber doch ein „Ernstes Gespräch“.

Naja.
Im Moment muß ich so mit 700 Euro im Monat auskommen. So bleiben mir nach allen Monatskosten wie Miete, Benzin, Strom usw. knapp 100 Euro im Monat zum Leben.
Also ich bin nicht glücklich mit dieser Situation. Ich denke schon, das ich mit 500 Euro im Monat an „Überschuss“ glücklicher wäre.
Oder meinst du nicht??

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Und du musst das dann auch so machen, ja? Es ist immer wieder erschreckend zu erfahren, wie schlecht viele Leute führen. Es ist doch mittlerweile keine Neuigkeit mehr, dass Menschen sich mit Lob viel besser motivieren lassen und viel produktiver sind als mit Kritik. Ein guter Chef lobt, wenn alles gut ist und zeigt sich großzügig bei Fehlern. Anerkennung ist der stärkste Anreiz für Mitarbeiter gut zu arbeiten, stärker als Geld.

Tychi

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Hallo Andreas!

Oder meinst du nicht??

Doch, in dem Fall schon.

Grüße

Andreas

Aaaalso
Bei uns läuft es so, das wenn einer seine Arbeit gut macht dies auch zur Kenntnis gegeben wird. Entweder mit entsprechendem Umgang, direktes Lob oder der Auszeichnung „Mitarbeiter des Monats“.
Wenn jemand einen Fehler macht, kann man durchaus darüber wegsehen, es wird aber drauf aufmerksam gemacht.
Geht der „Trend“ dann nicht wieder nach oben und man bleibt schlecht, dann muß man halt mal „ein ernstes Wörtchen“ miteinander reden.
Ich weiß nicht, was daran so unbedingt verkehrt sein soll.

Wir hatten vor 2-3 Jahren einen „Leitenden“, der sagte sich: Ich lass euch in Ruhe und ihr lasst mich in Ruhe. Jeder weiß, was er zu tun hat, also macht dies bitte". Eben ein „Kumpel-Typ“. Ich hatte mit ihm auch keine Probleme, doch die „Schwarzen Schafe“ sahen natürlich ihre Chance zur „Arbeitserleichterung“. Machten ein bissl langsamer, holten sich einen Kaffee und stempeln erst danach aus (was dann wieder Druck von ganz oben gibt, was auch jeder weiss) und so weiter.
Folge: Der Nette Herr wurde entlassen - weil er den Betrieb nicht unter Kontrolle hatten - und wir bekamen einen „richtig Scharfen Hund“. Fürchterlicher Kerl.
So ist das nun mal mit „zu viel Freundlichkeit“. Das kannst du bei einigen machen, aber leider nicht mit jeden.

Ich bin nicht der Typ, der jemanden „Anschreit“. Das meine ich ja auch nicht mit „anscheissen“. Aber wenn ich nicht mal jemanden „zurechtweisen“ kann, dann ist es letztendlich mein Arsch, der rausfliegt. Darum geht es :smile:
Und wenn da so ein „faules Ei“ (gibt genug) mir ständig mit irgendwelchen Lari Fari Ausreden kommt… Da kann man doch nicht immer nur lächeln und sagen „Nu mach aber mal wieder richtig“

Gruß
Andreas

Moin Tychi,

Du übertreibst ein wenig …

Ein guter Chef lobt, wenn alles gut ist
und zeigt sich großzügig bei Fehlern.

Ja, exakt 1x pro Fehler mit wunderbarem anschließenden Problemlösungsprozess, tollem Mentoring etc. Beim zweiten Mal ist Feierabend. Und auch das hat etwas mit guter Führung zu tun: Konsequenz im Handeln.
Denn eines sollte jede angehende Führungskraft im Hinterkopf behalten: Man ist Führungskraft, weil der Chef es so wollte. Und eben nicht weil es die Mitarbeiter wollten. Und nicht jeder Mitarbeiter ist der nett zu führende, hoch engagierte HighPot, der alle 4 Wochen ein Lob und die Karotte der Beförderung braucht, um zu „funktionieren“. Es gibt durchaus im betrieblichen Alltag Situationen, da ist das Kuscheln und Streicheln irgendwann vorbei. Und auch hier muss ein Chef funktionieren, denn das erwartet der Chef über ihm.

Das klingt sicher zynisch, hat aber durchaus viel wahres, wie Dir vermutlich jede Führungskraft im operativen Tagesgeschäft bestätigen wird:wink:

Grüße
Jürgen

Ich bin der Meinung der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Du solltest -so Du denn den Posten annimmst- zwar kollegial sein, aber Dich nicht ausnutzen lassen.
Spätestens nach einem Anpfiff von Deinem Chef weil „Deine Leute“ nicht die geforderte Leistung bringen gewöhnst Du Dir ziemlich schnell eine gewisse Autorität an.

Bei mir war es zumindest so. Ich bin damals auch zu einer kleinen Führungsposition gekommen wie die Jungfrau zum Kinde (Da - mach mal).
Erst hab ich’s absolut kollegial versucht, aber das fruchtet bei ehemaligen Gleichgestellten meist nicht.
Nach dem ersten Anpfiff von meinem Chef hab ich mich dann etwas distanzierter gegenüber meinen Leuten verhalten und siehe da - es hat auf einmal geklappt.

Du musst halt versuchen ein Gespür dafür zu entwickeln wieviel Druck und wieviel Kollegialität notwendig ist. Das muss sich im Laufe der Zeit einpendeln. Keine Bange das wird schon.

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