Bahn Streik

Hallo B.

Ich bin ja kein Lokführer.

Ich auch nicht, dennoch kann ich erkennen, dass Deine
Argumentation hinkt. Warum sollte sollte ein Lokführer sich
beeindrucken lassen, wenn interessierte und halbinformierte
Kreise behaupten, bald gibt es den führerlosen Zugbetrieb,
wenn dieser technisch Zukunfstmusik ist?

Ich hab ganz persönlich in den letzten 10 Jahren eine technische Entwicklung in allen möglichen Lebensbereichen miterlebt, die ich vor 10 Jahren auch bestensfalls für „Zukunfstmusik“ gehalten habe. Das muss zwar grundsätzlich noch nichts heißen, aber wenn man sich die Berichte über die Schienensysteme durchliest, die längst lokführerlos funktionieren, dann scheint mir das nicht mehr allzu weit hergeholt. Menschen können nunmal nicht um Kurven schauen, Menschen haben im Vergleich zu Maschinen ein extrem lahmes Reaktionsvermögen, insbesondere wenn sie sich vielleicht gerade die Nase putzen, Menschen kann man schlecht doppelt und dreifach absichern, wenn mal das „System Mensch“ und sei es auch nur kurzfristig ausfällt etc.

Allein aus Sicherheitsaspekten spricht vieles dafür, auch auf offenen Strecken Menschen durch Automaten zu ersetzen. Wenn ich mir die Berichte so anschau, dann scheint dies auch technisch bereits jetzt möglich zu sein. Es gibt jedenfalls grundsätzlich erstmal keinen Grund, diese Systeme nur in U-Bahnen einzusetzen.

Man kann ansonsten grundsätzlich davon ausgehen, dass je höher die Löhne der Leute sind, die durch Maschinen ersetzt werden sollen, desto höher die MOtivation, diese auch zu ersetzen, desto schneller geht das ganze voran.

Aber selbst wenn das alles mit lauter Vorsicht noch 10 Jahre dauern sollte, bis diese Systeme voll einsatzfähig sind, dann wäre ein Lokführer, der jetzt 35 ist, dann gerade mal 45. Wo meinst du, soll so jemand wohl noch Arbeit finden? Vielleicht als Busfahrer oder Taxifahrer.

Und hier sind wir genau beim nächsten Punkt. Mir ist nämlich tatsächlich nicht klar, warum z.B. ein Busfahrer weniger verdienen soll, als ein Lokführer. Was meinst du wohl, wessen Arbeitsalltag stressiger und „risikoreicher“ ist?

Und ja, sicher, ich würde grundsätzlich ja auch jedem Menschen gerne ein Pilotengehalt zahlen.

Und mal ehrlich:
Glaubst Du wirklich, er würde nicht eingeführt, selbst wenn
die Lokführer 10 Jahre gar keine Lohnerhöhungen kriegen?

Sicher wird es eingeführt. Nur kannst du dir selbst ausrechnen, wann sich die technischen Kosten (die erfahrungsgemäß im Laufe der Zeit sinken) und das Gehalt eines Lokführers treffen.

Lachhaft.

Wer zuletzt lacht, das werden sicher nicht die Lokführer sein.

Gruß
Marion

Servus,

nicht unmittelbar zum Thema, aber zur Illustration ein paar Details aus der Kante „Rationalisierung im Schienenverkehr“:

Der entscheidende Schritt zur Aufrechterhaltung des Schienengüterverkehrs wäre die flächendeckende Einführung der automatischen Mittelpufferkupplung gewesen - ähnlich der, die es in der UdSSR ab 1933 gab. Sie sollte im Gebiet der UIC ab 1969 eingeführt werden und die Umstellung bis Sommer 1976 abgeschlossen sein.

Das ging so weit, dass noch 1976 sogar eine Altbau-Elok (118 044) zur Umrüstung umgebaut wurde, einige Jahre vor ihrer Z-Stellung.

Von diesem Vorhaben übrig geblieben sind heute ein gutes Dutzend schwere Güterzuglokomotiven der Baureihe 151, die diese Erinnerung an das XX. Jahrhundert bis heute vor Erz- und Kohleganzzügen einsetzen, obwohl dort der Einsatz ziemlich sinnlos ist - an der Serien- oder Praxisreife kanns wohl nicht gelegen haben, demnach.

Seit dem Scheitern dieses Projektes wurden nicht die altertümlichen Schraubenkupplungen ersetzt, sondern der Schienengüterverkehr: Durch den Straßentransport, der mit Fahrern, die Pfennige kosten, anarchisch und so unrationell wie eben möglich durchgeführt wird.

Das Konzept der automatischen Mittelpufferkupplung stammt übrigens aus den 1890er Jahren (USA); es wird sie nicht geben.

Die Liste von unterbliebenen Innovationen im Schienenverkehr ließe sich mit vielen Details fortsetzen, der Cargosprinter von Windhoff/Talbot ist eine der letzten großen Schlappen in diesem Zusammenhang.

Solange Arbeitskraft fast beliebig billig zu haben ist, gibts eigentlich keinen Anlass, Arbeit abzuschaffen - auch die unsinnigste und schlechteste, die man sich vorstellen kann.

Schade eigentlich.

Schöne Grüße

MM

ich verstehe garnicht wo das problem ist einfach den lokführern ein bisschen mehr lohn zu geben un einen eigenständigen tarifvertrag, dies aber gewerkschaftsunabhängig zu tun, sprich allen lokführern einen eigenständigen lohnvertrag zu geben.
ich denke mal das doe lokführer den gleich vertrag haben wie die schaffner oder wie sie heißen mögen. Oder ist es nicht so?
ich würde als lokführer jedenfalls auch nicht gleichgestellt werden wollen wie jemand der vllt einmal durch den zug geht un fahrkarten locht.

Servus,

gelocht wurden Fahrkarten das letzte Mal in den 1970er Jahren; allerdings damals bereits durch Zugbegleiter, seltener durch Zugführer.

Der von der GDL angestrebte eigene Tarifvertrag soll nach Wunsch der GDL für das gesamte fahrende Personal gelten.

Dort, wo Züge noch begleitet fahren - das ist fast nur noch im Fernverkehr - sind übrigens die Zugbegleiter für die unfallträchtigste Situation im Personenverkehr überhaupt, nämlich die Fertigmeldung nach Zusteigen der Passagiere, bei gleichzeitiger Einhaltung der Abfahrzeit verantwortlich; in seltenen Fällen noch für Durchführung der Bremsprobe, d.h. für die Frage, ob der Zug ggf. zum Stehen kommen kann oder nicht.

Der Umfang dessen, was sie als „Frontkämpfer“ sonst noch so alles abkriegen, von gewöhnlichen Verbalinjurien bis zu mehr oder weniger ausgeprägten Tätlichkeiten, ist mir nicht bekannt.

Schöne Grüße

MM

Moin Martin,

Die Liste von unterbliebenen Innovationen im Schienenverkehr
ließe sich mit vielen Details fortsetzen, der Cargosprinter
von Windhoff/Talbot ist eine der letzten großen Schlappen in
diesem Zusammenhang.

Solange Arbeitskraft fast beliebig billig zu haben ist, gibts
eigentlich keinen Anlass, Arbeit abzuschaffen - auch die
unsinnigste und schlechteste, die man sich vorstellen kann.

So wie du es darstellst, müssen wir den Lokführeren ja direkt dankbar sein, dass sie sich durch Lohnerhöhungen aus dem Job streiken, weil sie durch günstigere Löhne dem technischen Fortschritt im Weg stehen.

Ansonsten gibt es jedoch auch noch jede Menge unsinnige und schlechte Arbeit, die man nicht durch Maschinen ersetzen kann. Im Allgemeinen wird diese hierzulande jedoch entweder ersatzlos gestrichen (z.B. im Dienstleistungssektor) oder ins Ausland verlagert.

Gruß
Marion

Servus,

So wie du es darstellst, müssen wir den Lokführeren ja direkt
dankbar sein, dass sie sich durch Lohnerhöhungen aus dem Job
streiken, weil sie durch günstigere Löhne dem technischen
Fortschritt im Weg stehen.

unabhängig von Wertungen im Sinn von Dank und Undank darf festgehalten werden, dass in der Zeit der 1970er Jahre, als zweistellige Tarifabschlüsse normal waren und die ÖTV Streiks durchgezogen hat, die man von heute aus gesehen in irgendwelchen Mittelmeerländern vermuten würde, unter dem damaligen Lohndruck nicht bloß eine aus heutiger Sicht dramatische Inflation losgetreten wurde und Berufe, die man heute bloß noch aus dem Museum kennt, wie Sattler, Hutmacher, Schneider etc. ausgestorben sind, sondern auch ein gewaltiger Modernisierungsschub stattgefunden hat. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Auf der Bahn haben sich die damals durch die Staatsbahn abgefederten Entwicklungen eher harmlos abgespielt, etwa in dem Sinn, dass Züge, die damals mit drei Mann Personal gefahren wurden, heute mit einem Mann (und zum großen Teil überhaupt nicht mehr) verkehren, dass es keinen Transport von Reisegepäck und Expressgut mehr auf der Schiene gibt und dass damals mit drei bis vier Mann besetzte Bahnhöfe heute unbesetzt sind, und deren letzte Weichen herausgerissen und als Stahlschrott nach China verkauft worden sind.

Von den - egal wie genau es ausgeht - absehbar steigenden Löhnen im Betriebsdienst der Bahn erwarte ich mir in der Tat einen deutlichen Innovationsschub, der sich zunächst als weiterer Wettbewerbsvorteil der kleinen unabhängigen Bahngesellschaften äußern wird, die schon lange viel rationeller arbeiten als die Staatsbahn.

– Nochmal eine kleine Episode: Schon in den 1980er Jahren war vorgesehen, dass im Raum Hannover-Celle-Werden-Lüneburg dringliche Hilfszüge bei Unfällen nachts und an den Wochenenden nach Möglichkeit über das Netz der OHE verkehren sollten: Dort genügte es nämlich, ein paar Schalter zu drücken und zu warten, bis die automatische Steuerung von Signalen und Weichen hochgefahren war, während man auf dem DB-Netz zuerst zich Leute hätte wecken und per Taxi auf ihre Stellwerke transportieren hätte müssen. –

Eine bedeutende Einschränkung gibt es freilich: Das Schienennetz ist derzeit in der Verfügungsmacht eines einzigen Wettbewerbers. Faktisch also ein Monopol trotz formal vorhandenem Wettbewerb zumindest im Güterverkehr. Und solange das so ist, wird dieser Monopolist auf Änderungen im Faktorangebot ganz rational mit einer Anpassung seines Angebotes (mengenmäßig) deutlich unterhalb des volkswirtschaftlichen Optimums und (preislich) deutlich oberhalb dieses Optimums reagieren.

Zu überprüfen anhand des traurigen Endes der Greyhound Lines; das letzte Wort über die richtige Lösung, nämlich Ausgliederung des Netzes aus der Verfügungsgewalt der DB AG, ist noch nicht gesprochen, obwohl dort derzeit auf Nebenschauplätzen rumgeeiert wird („Volksaktie“) und das wesentliche Thema von allen Beteiligten wie ein Krötengazpacho mit Himbeeressigdressing weiträumig umgangen wird.

Schöne Grüße

MM

Marion,

dieser ganze Artikel zeigt, dass du überhaupt keine Ahnung von der Funktion einer Lokomotive hast.

Reaktion: Es heißt nicht umsonst „Bremsweg wie ein Güterzug“. Reaktion nutzt dir eigentlich nur in einem kleinen Nahverkehrstriebwagen etwas. Die bremsen recht gut und schnell, aber nur wenn die Schienen neu, trocken und griffig sind.

bei einem ICE brauchst du gar nicht erst zu bremsen, weil dessen Bremsweg durch die hohe Geschwindigkeit auch bei einer Schnellbremsung so lang ist, dass du das Hindernis mit allen Achsen überrollst. Ein Computer, z. B. mit Radarortung kann auch nicht um Kurven gucken und soll jedes Mal eine Schnellbremsung durchgeführt werden, wenn eine Katze auf den Gleisen steht???
Zumahl der Mensch im ICE weniger Fahr-Strom verbraucht, als der „Autopilot“.

Güterzug: Du kannst langsam bis 10 zählen, bis ein Güterzug überhaupt zu Bremsen beginnt!

Weiterhin gute Diskussion!

Marcus

Marcus

Ein Computer, z. B. mit Radarortung

Radarortung? Aus welchem vergangenen Jahrhundert stammst du denn.
Ich lass die Überschrifft im Betreff dann mal stehen :smile:

Gruß
Marion

Hi!

Ein Computer, z. B. mit Radarortung

Radarortung? Aus welchem vergangenen Jahrhundert stammst du
denn.

Wie denn sonst?

Gruß

Marcus