Bald 500 euro studiengebÜhren!

Hallo;

Ich habe heute in der Uni ein Flugblatt bekommen, auf dem zum Widerstand aufgerufen wird (namentlich tut es ein Rektor Hippler).
Am Samstag sollen Großdemos in Frankfurt/Main, Leipzig und Berlin stattfinden.
Bei „uns“ in Karlsruhe ( www.usta.de ) wird was organisiert, wenn das bei euch auch der Fall ist und/ oder ihr euch nicht schröpfen lassen wollt, dann kommt auch, um aktiv zu werden gegen so irre hohe Studiengebühren.

Grüße,

A:stuck_out_tongue::smile:

Pro Studiengebühren
Hallo AthenePallas,

und wo findet die Demo „Pro Studiengebühren“ statt?

Grüsse aus Lüneburg
Heiner Gierling

Hallo Heiner,

da wirst Du nicht viele finden, die dran teilnehmen wollen.
Wir sollten versuchen, die Bildung in diesem Land weiterhin weitestgehend kostenfrei zu halten.

Gruss Henning.

Hallo AthenePallas,

und wo findet die Demo „Pro Studiengebühren“ statt?

Über die Einführung von Studiengebühren können wir uns gerne wieder unterhalten, wenn die Lehrlingsvergütung auf Null gestrichen wurde. Und zwar parallel zu den Verhandlungen über eine Wiedereinführung des Lehrgeldes.

Schulgebühren ab Klasse 5 wären auch eine Idee. Ich finde, mit der Vermittlung von Grundlagen wie Lesen und Schreiben endet die Fürsorgepflicht des Staates.

Das ganze könnte dann noch in eine generellen Debatte über Steuer- und Abgabenerhöhungen eingebettet werden. Schließlich haben wir alle zu viel Geld und nutzen reichlich die Infrastrukturen, die uns Bund und Länger zur Verfügung stellen, als da wären, ähhhm, jaaa, *grübel*

Was ist denn eigentlich noch nicht mit Extra-Gebühren versehen worden?

Na egal, jedenfalls kosten Schule und Uni nur Geld. Das kann man doch bitteschön auch sinnvoller ausgeben. Z.B. für Maut-Systeme oder die Bezahlung von Gutachtern für Expertisen über die Privatisierung von Autobahnbrücken. Und vergesst die Steinkohlesubventionen nicht. Deutschland muss unabhängig bei der Primärenergieversorgung bleiben!

schönen Gruß

Fritze

Hallo Heiner,

und wo findet die Demo „Pro Studiengebühren“ statt?

da wirst Du hoffentlich alleine hingehen müssen.

Bildung ist ein hohes Gut und die Lösung, sie wie hier in D weitestgehend Gebührenfrei zu halten kann ich nur unterstützen. Hätte es zu meiner Zeit Studiengebühren gegeben, hätte ich nicht studieren können, weil meine Eltern mich nicht hätten unterstützen konnten.
Als ich mit dem Studium fertig war, hatte ich sowieso als ‚Starthilfe‘ einige tausend DM Schulden, die ich dem BaföG-Amt zurückzahlen durfte. Wären dann noch Studiengebühren dazugekommen, wären es bei einem von den Banken gnädigerweise angebotenen Kreditmodell noch einige tausend DM mehr gewesen.

Nene, bei der Bildung sollte zuletzt gespart werden, das gilt übrigens auch schon für Schulen und Kindergärten.

Gandalf

ehemaliger Aktivist in Sachen Hochschulpolitik

Ball flach halten

Bildung ist ein hohes Gut und die Lösung, sie wie hier in D
weitestgehend gebührenfrei zu halten kann ich nur
unterstützen.

Hallo, Gandalf,
Deinen obigen Satz kann ich rückhaltslos unterstützen, aber ich möchte doch auf dem Wörtchen „weitestgehend“ ein wenig herumreiten.
Wenn ich die Vorschläge bisher richtig mitbekommen habe, sollen ja wohl allgemeine Studiengebühren nicht erhoben werden, also die für ein Erststudium in vorgesehener Dauer, sondern nur für Zweit-, Rentner- und Bummelstudien.
Da allerdings muß ich gestehen, dass ich diese Gebühren dann für durchaus angemessen halte. Denn zu allererst sollten Studienplätze für diejenigen zur Verfügung stehen, die sich das Rüstzeug für einen Brotberuf aneignen wollen.
Diejenigen, die aus überwiegend privaten Gründen studieren möchten, sollten dies aber auf eigene und nicht auf Kosten des Steuerzahlers tun.
Grüße
Eckard.

Alleine pro Studiengebühren?
„Eine Revolution macht man nicht indem man aufbegehrt,
sondern indem man die Lösung bringt“.

Hallo Gandalf,

ich bin für die Einführung von Studiengebühren. Und war dieses bereits während meiner aktiven Zeit in der Hochschulpolitik (Anfang der 90er Jahre des letzten Jh.). Und ich stimme Dir zu: Einem Aufruf „Pro Studiengebühren“ würden vermutlich nur sehr wenige folgen. Es sei denn, man legte ein durchdachtes Konzept vor: dann würden vermutlich auch nur unwesentlich mehr „mitziehen“.

Natürlich kann ich den Protest einiger Studierender verstehen, wenn Studiengebühren tatsächlich „nur“ dazu erhoben werden, um Drittklassige Hochschulen künstlich am Leben zu erhalten.
Natürlich kann ich den Protest einiger Studierender verstehen: befinden Sie sich doch an Hochschulen, die (mehrheitlich)hoffnungslos überlastet, veraltet und wenig innovationsfreudig sind und ihre Nutzer wesentlich länger an sich binden als die Regelstudienzeiten vorschreiben.
Und: für diese schlechte Qualität soll nun auch noch derjenige die „Zeche“ zahlen, der die Misere am wenigsten verschuldet hat.
Soweit okay.

Mein Vorstellungen bezüglich der Einführung und Nutzung der Studiengebühren sind differenzierter und verbinden sich mit der Vorstellung, dass jeder Bürger ein Bildungskonto erhält, dass er sowohl für die Schulbildung als auch die Hochschul- bzw. Berufsausbildung nutzen kann. Allerdings sieht mein Modell vor, dass der Einzelne selber Verantwortung übernimmt für die durch ihn entstehenden Kosten. So würde z.B. der belohnt, der unterhalb der vom HIS (Hochschulinformationssystem) für seinen Studiengang berechneten durchschnittlichen Studiendauer (nicht Regelstudienzeit) abschließt.
Das Modell sollte auch die „Durchlässigkeit“ des Bildungssystems ermöglichen: Finanzschwache Haushalte sollten Ihren Kindern die gleichen Startchancen ermöglichen können wie „wohlhabendere“ Haushalte. In die gleiche Richtung sollten Stipendien zielen.

Im bisherigen System bieten wir Millionen (derzeit sind es 2 Millionen eingeschriebene Studierenden (ich lasse hier aussen vor, wieviel davon tatsächlich studieren)) auf Kosten der Allgemeinheit einen hohen Bildungsabschluß zu erlangen. Diejenigen, die tatsächlich ihr Studium abschließen (60 % ??)verdienen i.d.R. wesentlich mehr Geld als jede andere Bildungsschicht; auch die Arbeitlosenquote unter Akademiker liegt seit Jahren deutlich niedriger als die anderer Berufsgruppen. Daraus resultiert eine weitere Überlegung: Für die Bezahlung der Studiengebühren werden Bildungskredite vergeben, die nach Abschluß des Studiums zurückzuzahlen sind. (Hier könnte eine ähnliche Regelung wie beim BAFÖG greifen). Stellt sich die Frage: woher nehmen wir das Anfangskapital, um die ersten Kredite vergeben zu können, bevor die ersten Absolventen zurückgezahlt haben?

Insgesamt wäre es sinnvoll, die Studiengebühren mit einer Reform der Hochschulen zu verbinden. Es ist unglaublich, welche Verschwendung an (einigen?) deutschen Hochschulen stattfindet. Nur ein Beispiel: viele Professoren haben von Didaktik und Methodik keine Ahnung, bilden entsprechend miserabel aus und werden (dafür?) allerdings fürstlich bezahlt. Ab sofort: nur noch Jahresverträge, deren Verlängerung (auch) von der (positiven) Bewertung durch die Studierenden abhängt. (Ich nenne hier bewußt nur einen Kritikpunkt; es ließe sich eine lange Liste von Schwachstellen erstellen: hier mag der Hinweis auf die Ergebnisse der PISA-Studie genügen).

Es gibt viel zu tun.
Und: die Studierenden sind mitverantwortlich.

Am leichtesten ist es natürlich auf Demos „gegen Studiengebühren“ mitzulaufen statt einen akzeptablen Reformvorschlag auf den Tisch zu legen. Insofern unterscheidet sich ein Großteil derjenigen, die jetzt demonstrieren nicht von den anderen Besitzstandswahrern dieser Republik. In diesem Sinne führt die kostenlose Bildung - wie wir sie derzeit praktizieren - zu keinen innovativen Lösungen für eine der dringendsten Aufgaben der Jetztzeit: die Investition in ein zukunftsfähiges Bildungssystem.
Daher mein provokativ gemeinter Aufhänger „Pro Studiengebühren“.

Viel Erfolg bei den Demos und bei der Erstellung eines guten Konzeptes. Tipp: Ein junger Abgeordneter der Grünen hat vor Jahren ein - wie ich erinnere - gutes Konzept vorgelegt.

Grüsse aus Lüneburg
Heiner Gierling

Hallo Du da… :smile:

Zur Demo selbst: Ich bin dabei, wenn Du es auch bist :smile:)

Sieht so aus als hätte der „Selbstbedienungsladen Politik“ wieder mal gesprochen. Nach ihnen die Sintflut.

Nicht genug, dass man mit den Studiengebühren die Bildung zu einem Gut der Reichen macht und damit eine ganze Volkswirtschaft im Ansatz zurück ins Mittelalter katapultiert. Nein, man macht zugleich *unsere* Zukunft kaputt… Haupsache, die Renten der Menschen bis Jahrgang 1970 sind sicher.

Anstatt denen, die wirklich die Gebührenfreiheit missbrauchen (Bummelstudenten ohne jegliche Ernstlichkeit, Menschen, die nur einem Parkstudium nachgehen, um Wartezeit zu sammeln,…), Einhalt zu gebieten, „kriminalisiert“ man am besten gleich die ganze Studentenschaft. Hat man ja jüngst über die PISA-Studie bei der gesamten Jugend geschafft.

Statt wirkliche Investitionen in die Bildung zu tätigen (um damit auch in die Zukunft zu investieren), versteht sich der Staat on heute als Herz-Lungen-Maschine für tote Wirtschaftszweige - Stichwort Kohle (wir müssen ja politisch unabhängig bleiben wie zu Zeiten des kalten Krieges). Seit Jahren ist die Bildungspolitik auf der Streichliste ganz oben angesiedelt. Warnungen werden rigoros missachtet (z.B. hat ein Professor der Uni Kaiserslautern schon Mitte der 90er Jahre unser Resultat der PISA-Studie quasi vorhergesagt).

Ich hoffe, dass die drohende Einführung von Studiengebühren (die nur eine weitere Maßnahme der Umverteilung von Unten nach Oben darstellt) auf starken Widerstand unter der jungen Generation stößt. Und dass unsere Generation sich endlich das Gehör verschaffen kann, was sie sich lange hat nehmen lassen.

Quo vadis, Land der Dichter und Denker?

Gruß
GM

Hallo Eckard,

Wenn ich die Vorschläge bisher richtig mitbekommen habe,
sollen ja wohl allgemeine Studiengebühren nicht erhoben
werden, also die für ein Erststudium in vorgesehener Dauer,
sondern nur für Zweit-, Rentner- und Bummelstudien.

das ist (bisher!) soweit richtig, aber es ist allgemeine Erfahrung, daß, wenn erst mal der Fuß in der Tür ist, weitergemacht wird.
Leute wie der Kollege Mertz denken heute schon ziemlich laut darüber nach, höhere Bildung allgemein mit Kosten zu belegen. Alles was über die 10. Klasse hinausgeht, soll kosten.

Dann ist es ein kleiner Schritt von den Kosten für Bummelstudenten auf allgemeine Bezahlung.

Zudem:
Ein Bummelstudent nimmt niemanden einen Studienplatz weg und Extrakosten generiert er auch nicht. Das ist ein Gerücht, das mir bisher noch niemand belegen konnte. Alles was außerhalb der Regelstudienzeit läuft ist kostenneutral.
Ein anderer Grund, warum viele nicht in der Normzeit fertig werden ist schlicht und ergreifend, daß
-gearbeitet werden muß um leben zu können
-Prüfungen, Seminare, Praktika … nicht regelzeitlich abgelegt werden können, weil nicht genügend Plätze angeboten werden. Es gab Praktika, da wurden Plätze verlost!
-Durch Siebprüfungen Wiederholungsprüfungen gemacht werden müssen.
Siebprüfungen nenn ich solche Prüfungen, die mit Absicht Durchfallquoten von z.T. über 90 % haben.
Das hat folgenden Grund:
Die Hochschulen kriegen für jeden Erstsemestler für die gesamte Regelstudienzeit Mittel zugewiesen, egal, ob er nach einem Semester abspringt oder nicht. Werden jetzt, wie z.B. an meiner HS geschehen, ca. 1000 E-Techniker immatrikuliert, kriegt die HS für diese 1000 Leute acht Semester Geld. Für eine vernünftige Bertreuung stehen im Hauptstudium aber nur ca. 250 Plätze zur Verfügung. Also müssen 750 Studies weg.

Aber ich schweife ab.

Meine Meinung ist also:
Keine Studiengebühren.

Gandalf

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Hi,

und wo findet die Demo „Pro Studiengebühren“ statt?

Zur Zeit erleiden die Hochschulen massive Mittelkürzungen. Diese können auch nicht durch Studiengebühren wettgemacht werden. Die Einführung von Studiengebühren würde nur einige Zeit von der Finanzsituation der Unis ablenken. Mehr aber auch nicht.
Werden die Gebühren jetzt eingeführt, bekämen die Studis mit Sicherheit kein besseres Produkt für ihr Geld. Die Finanzminister der Länder würde es natürlich freuen, die Hochschulmittel könnten dann einfach weiter gekürzt werden…

Ciao
R.

Hallo;

Zuerst geht es mal darum, sich nicht blind die 500 Euro aufdrücken zu lassen ohne jede Erklärung, warum und wofür.

Akademiker finden eher einen Job - ja,
aber die zahlen ja auch durch ein höheres Gehalt mehr Steuern, also refinanziert sich das doch irgendwie, oder nicht?

Grüße

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Athene,

abgesehen davon, dass ich das für ein Gerücht halte, bin ich nicht gegen Studiengebühren.

In Italien gibt es schon immer solche Gebühren. Solange man innerhalb der angegebenen Jahren studiert (wir haben keine Semester, sondern akademische Jahre), sind diese relativ niedrig (ich kann dir jetzt keinen genauen Betrag nennen: Ich habe mein Studium seit vielen Jahren abgeschlossen und jede Uni berechnet ein bisschen anders). D.h. es sind Gebühren, die sich fast jeder leisten kann. Soziale Härtefälle haben Anspruch auf niedrigere Gebühren.
Nachdem man die Regelstudienzeit überschritten hat, werden die Gebühren immer höher.

Ich finde es durchaus sinnvoll: Wer das Studium nicht ernsthaft meint, soll halt arbeiten und nicht Dauerstudent sein.
Das verbessert die Qualität des Studiums.
Ich kann dir versichern, dass jemand, der in Italien studiert hat, härtere Zeiten hinter sich hat als ein deutscher Student: Man versucht eben, so schnell wie es möglich ist fertig zu werden, getrödelt wird nicht.
Übrigens, in Italien sind nicht alle „dottori“ (—> so darf sich jemand nennen, der ein abgeschlossenes Studium hat): laut letzter Volkszählung (1991) sind es weniger als 5% der Bevölkerung.

Grüße
Camilla

Rehallo…

Zuerst geht es mal darum, sich nicht blind die 500 Euro
aufdrücken zu lassen ohne jede Erklärung, warum
und wofür.

Richtig. Es muss gehandelt werden, *bevor* wir als neue „Melkkuh des Staates“ gefunden werden.

Akademiker finden eher einen Job - ja,
aber die zahlen ja auch durch ein höheres Gehalt mehr Steuern,
also refinanziert sich das doch irgendwie, oder nicht?

Ja, tut es. Zwar müssten einige Korrekturen am System vorgenommen werden, aber:

Als Akademiker, sei es in einer Führungsposition „ab mittlerer Ebene aufwärts“, zahlt man durch entsprechendes Einkommen höhere Steuern. Wenn man sich dann auch einen Berater leisten kann, sei es nur für die Steuern oder für das gesamte „angespart-werdende“ Vermögen, werden in vielen sinnvollen Bereichen auch Arbeitsplätze geschaffen und erhalten.

Viele Menschen, die einen solchen Abschluss gemacht haben, wählen aber auch die Selbständigkeit als ihren Lebensweg. Folge: Auch Steuereinnahmen und neue Arbeitsplätze.

Mit höherem Einkommen *nach Steuern* erfüllt man Bedürfnisse, die man sonst gar nicht erst angehen würde. Folge: Wachsender Konsum, der ja auch über Umsatzsteuer und diverse Verkehrssteuern/Verbrauchsteuern wieder zu Staatseinnahmen führt.

Und eine höhere private Altersvorsorge der höheren Einkommensgruppen wäre auch geeignet, die Rentenkassen stark zu entlasten. Über die steuerliche Gleichstellung von Versorgungsbezügen mit der gesetzlichen Altersrente wäre eine Basis für die Anrechnung dieser Versorgungsbezüge geschaffen.

Außerdem sollte die politsche Führung mal überlegen, was Staatsverschuldung (Stichwort: Haushaltsloch) heißt, wenn man es mit als Argument für die Einführung von Studiengebühren sieht.
Wer schuldet denn wem Geld? In einigen Interviews (Frage: Wem schuldet der Staat denn das Geld?) brachte es die Presse vor einigen Wochen auf den Punkt:
Eine *überwältigende* Mehrheit der Mitglieder des Bundestags waren der Ansicht, dass der Staat dieses Geld dem Staat schulde.

Setzen, sechs!
Der Staat schuldet dieses Geld seinen eigenen Bürgern über Bundesanleihen (nenne man es Bundesschatzbrief, Obligation oder sonstwie…).
So ein Staat sollte mal froh darüber sein, dass er noch in der Lage ist, via Bundesbank o.ä. sogar seinen eigenen Kreditzins festlegen zu können!

Ich frage: Woher kommt das Geld? Antwort: Von Leuten, die so viel verdienen, dass sie es sich leisten können, ihr Geld zu diesem (vergleichsweise inzwischen recht niedrigen) Zins anzulegen.
Und genau diese Leute sollen jetzt über die Einführung von Studiengebühren stückweise abgeschafft werden?

Ich bin gespannt.

„Eine Revolution macht man nicht indem man aufbegehrt,
sondern indem man die Lösung bringt“.

Stimmt. Aber was, wenn die, die die Lösung umsetzen müssten, gar nicht zuhören wollen? Vielmehr muss man erst mal ausdrücklich auf den Missstand hinweisen. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die Methode „den-Karren-an-die-Wand-fahren-und-dann-die-Schuld-anderen-zuschieben“ offensichtlich nie aus der Mode kommt.

Gruß
GM

Hallo,

ich habe zugegebenermaßen die obigen Beiträge nicht alle gelesen, möchte aber trotzdem auch meinen Senf dazugeben…

Bei uns in NRW werden zum nächsten Semester Studiengebühren für Langzeitstudierende eingeführt. Also nicht generell, sondern nur für die, die schon mehr als die anderthalbfache Regelstudienzeit studieren.

Bislang fand ich das eigentlich ganz gut, denn: die Studenten, die nur in der Uni rumhängen, weil sie sonst nichts zu tun haben und es ganz schick finden, zu „studieren“, die rentieren sich für den Staat auch nicht. In der anderthalbfachen Regelstudienzeit fertig zu werden sollte für alle, die ernsthaft studieren, machbar sein (auch für die, die nebenher noch jobben müssen, weil sie das Studium sonst nicht finanzieren können). Dachte ich. Also fand ich das gut. Wäre ein kleiner Anreiz, schnell fertig zu werden.

Heute habe ich dann eine Mitstudentin in der U-Bahn getoffen: sie hat ihr erstes Studium nicht abgeschlossen, weil zwei Kinder dazwischen kamen, und studiert jetzt etwas anderes. Da sie bereits Urlaubssemester für die Kinder hatte, bekommt sie keine weiteren Vergünstigungen. Die anderthalbfache Regelstudienzeit hat sie mit diesem Semester voll. Also ab nächstem Semester: zahlen. 650 Mäuse im Semester. Wie soll man das als Mutter finanzieren können!? Welchen Sinn hat diese tolle Regelung da noch? In gewisser Hinsicht hat der Staat schon eine Menge Geld in sie gesteckt und jetzt kommt nichts dabei rum, weil sie den Restanteil nicht zahlen kann. Und: man wird für’s Kinderkriegen bestraft. Na super.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Lebensplanung

Heute habe ich dann eine Mitstudentin in der U-Bahn getoffen:
sie hat ihr erstes Studium nicht abgeschlossen, weil zwei
Kinder dazwischen kamen, und studiert jetzt etwas anderes. Da
sie bereits Urlaubssemester für die Kinder hatte, bekommt sie
keine weiteren Vergünstigungen. Die anderthalbfache
Regelstudienzeit hat sie mit diesem Semester voll.

Hallo, Hanna,
das Leben ist hart, aber ungerecht.

Oder um es knallhart zu formulieren: Der Kommilitonin war offenbar das Kinderkriegen wichtiger, als der Abschluß ihres Studiums. Das hätte man sicher auch andersrum planen können. Außerdem, warum hat sie dann nicht auf dem aufgebaut, was sie schon hatte?

Beides sind persönliche Entscheidungen, die ich in keiner Weise bewerten will, deren Konsequenzen aber dem Steuerzahler aufzubürden ich denn doch für etwas unverfroren halte.

Zum Leben gehört es auch, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen selbst zu tragen.

Das mag im Einzelfall hart sein oder auch bitter, aber keine Solidargemeinschaft kann es sich auf Dauer leisten, Teile seiner Mitglieder in Watte zu packen, und den Rest dafür buckeln zu lassen.
Auf Dauer funktioniert das nicht.

Grüße
Eckard.

Hallo,

Ich finde es durchaus sinnvoll: Wer das Studium nicht
ernsthaft meint, soll halt arbeiten und nicht Dauerstudent
sein.
Das verbessert die Qualität des Studiums.

Ich fände es schön, wenn Du mir mal erklären könntest, in wiefern Gebühren oder ein dalli-dalli Studium die Qualität verbessern. Also: Warum ist ein schnelles Studium qualitativ höher, als ein langsameres?

Ich kann dir versichern, dass jemand, der in Italien studiert
hat, härtere Zeiten hinter sich hat als ein deutscher Student:
Man versucht eben, so schnell wie es möglich ist fertig zu
werden, getrödelt wird nicht.

Ja, kenne ich. „Was willst Du wissen? Nee, keine Ahnung. Den Schein hab ich schon.“

Übrigens, in Italien sind nicht alle „dottori“ (—> so
darf sich jemand nennen, der ein abgeschlossenes Studium hat):
laut letzter Volkszählung (1991) sind es weniger als 5% der
Bevölkerung.

Ist es also erstrebenswert, wenn möglichst wenige Menschen einen Universitätsabschluss haben? Warum? Weil die paar dann automatisch tolle Jobs und viel Geld bekommen?

Fragt sich

Fritze

Hallo,

Anstatt denen, die wirklich die Gebührenfreiheit missbrauchen
(Bummelstudenten ohne jegliche Ernstlichkeit, Menschen, die
nur einem Parkstudium nachgehen, um Wartezeit zu sammeln,…)

auch Dir eine Frage: wieso sind die sog. „Bummelstudenten“ oder sogar die Scheinstudenten so besonders schlimm? Abgesehen davon, dass sie evtl. in den Genuss eines verbilligten Fahrscheins für den regionalen Verkehrsverbund kommen. Dafür sind sie aber auch nicht arbeitslos gemeldet, was dem Staat erstens peinlich wäre (haben ja auch so schon genug Arbeitslose) und zweitens ganz sicher auch höhere Verwaltungskosten bereiten würde, als die paar Mücken, die für die Bearbeitung bei der semesterlichen Rückmeldung aufgebracht werden müssen.

Ich verstehe es nicht. Normalerweise müsste die Regierungskoalition froh über jeden Bummelstudenten sein, der ihnen nicht die Arbeitslosenstatistik verhagelt.

Gruß

Fritze

Hallo,

Hallo, Hanna,
das Leben ist hart, aber ungerecht.

Jaja. Der Spruch hat hier in der Debatte noch gefehlt.

Oder um es knallhart zu formulieren: Der Kommilitonin war
offenbar das Kinderkriegen wichtiger, als der Abschluß ihres
Studiums. Das hätte man sicher auch andersrum planen können.
Außerdem, warum hat sie dann nicht auf dem aufgebaut, was sie
schon hatte?

Kinder werden nicht immer fein säuberlich geplant. Insbesondere in jungen Jahren.

Beides sind persönliche Entscheidungen, die ich in keiner
Weise bewerten will, deren Konsequenzen aber dem Steuerzahler
aufzubürden ich denn doch für etwas unverfroren halte.

Jezt will ich aber endlich mal wissen, in wie fern ein Student, der die besuchten Lehrveranstaltungen streckt (also anstatt 4 pro Semester nur eine oder zwei) dem Steuerzahler so ungeheuer viel stärker auf der Tasche liegt, als ein dalli-dalli Student.

Außerdem würden mich die nackten Zahlen interessieren, was den Steuerzahler ein Nichtbesuch einer Lehrveranstaltung kostet. Die Verwaltungskosten pro Immatrikulationsvorgang können nicht besonders hoch sein.

Im übrigen finde ich, eine alleinerziehende Mutter, die ein Studium absolvieren möchte, verdient die Unterstützung der Allgemeinheit genauso, wie die alleinerziehende Arbeitslose Mutter, die von der Sozialhilfe leben muss.

Zum Leben gehört es auch, Verantwortung für sich selbst zu
übernehmen und die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen
selbst zu tragen.

Zu einer vernünftigen Gesellschaft gehört vor allem Mitgefühl und Hilfsbereitschaft den Schwächeren gegenüber. Etwas, das in unserer Zeit leider überhaupt nicht mehr funktioniert.

Das mag im Einzelfall hart sein oder auch bitter, aber keine
Solidargemeinschaft kann es sich auf Dauer leisten, Teile
seiner Mitglieder in Watte zu packen, und den Rest dafür
buckeln zu lassen.

Es kommt aber auf jeden Einzelfall an! Lieber „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht.“ Ganz abgesehen davon, dass wir – wenn ich mir den Haushalt von Bund und Ländern so anschaue – für ganz andere Sachen buckeln, aber nur zu einem beschämend kleinen Anteil für die Ausbildung der zukünftigen Generationen.

Eins ist klar: Studenten lassen sich fast genauso einfach über den Löffel barbieren, wie Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger. Sie haben keine Lobby. Ganz im Gegensatz zu SIEMENS & Co. Wie praktisch, dass man dann mit ein paar Stammtischparolen und einer Neiddebatte (wann kommt endlich die erste BILD Geschichte über einen Bummelstudenten, der sein DAAD Stipendium am Strand von Honolulu versäuft?) wieder eine wehrlose Gruppe mehr gefunden hat, der man einen Teil der Schuld an der Misere in die Schuhe schieben kann.

Pisa, miese Lehrer und Professoren, Unis die aus allen Nähten platzen, Ausstattung wie vor dem Krieg, das sind alles die elenden Bummel- und Scheinstudenten!

Gruß

Fritze

Halli,

ich muss sagen, wenn das Geld wenigstens dazu beitragen würde, dass manch ein Studiengang qualitativer werden würde - würde ich bereit sein zu zahlen - aber davon sind wir wohl weit entfernt.

Bin sehr verwöhnt von meinen Auslandssemestern…

Viele Grüße von Kim

Hi!

Da ich Eckard nur voll und ganz beipflichten kann, möchte ich zu Deiner Meinung noch meinen Senf hinzugeben…

Es wird immer irgenwelche extremen Einzelfälle geben, welche ungerecht erscheinen und eine generell sinnvolle Regel hart erscheinen lassen.

In diesem fall hier liegt m.E´. jedoch kein derartiger Härtefall vor, denn:

Hallo, Hanna,
das Leben ist hart, aber ungerecht.

Jaja. Der Spruch hat hier in der Debatte noch gefehlt.

…das ist die bittere Wahrheit, v.a. für diehjenigen, die in diesem Land noch wirklich Steuern bezahlen…

Oder um es knallhart zu formulieren: Der Kommilitonin war
offenbar das Kinderkriegen wichtiger, als der Abschluß ihres
Studiums. Das hätte man sicher auch andersrum planen können.
Außerdem, warum hat sie dann nicht auf dem aufgebaut, was sie
schon hatte?

Kinder werden nicht immer fein säuberlich geplant.
Insbesondere in jungen Jahren.

Von einer jungen Dame mit höherem Schulabschluss kann man im 21. Jahrhundert durchaus erwarten, dass sie das mit den Bienen und den Blumen verstanden hat.

Beides sind persönliche Entscheidungen, die ich in keiner
Weise bewerten will, deren Konsequenzen aber dem Steuerzahler
aufzubürden ich denn doch für etwas unverfroren halte.

So sehe ich das auch.
Zumal man auch die Frage stellen sollte, ob die Betreffende nach ihrem Studienabschluss einen Job suchen und Steuern bezahlen wird, da sie doch zwei Kinder hat.
Ein Studium ist kein generelles Anrecht ohne Pflicht in meinen Augen, sondern ein Kredit der Gesellschaft an den Studierenden, welchen er später im Arbeitsleben über seine Steuerleistung zurückbezahlen sollte.

Jezt will ich aber endlich mal wissen, in wie fern ein
Student, der die besuchten Lehrveranstaltungen streckt (also
anstatt 4 pro Semester nur eine oder zwei) dem Steuerzahler so
ungeheuer viel stärker auf der Tasche liegt, als ein
dalli-dalli Student.

Ganz einfach: je mehr Studenten (und dieser Student ist nach der Regelstudienzeit ein „mehr“), desto mehr Kosten für Räumlichkeiten, ggf. Lehrmittel und Verwaltung sowie nicht zuletzt Professuren sind nötig.
Ein langsames Auto nutzt die Strasse nun mal auch…

Außerdem würden mich die nackten Zahlen interessieren, was den
Steuerzahler ein Nichtbesuch einer Lehrveranstaltung kostet.

Na dann forsche und rechne.

Die Verwaltungskosten pro Immatrikulationsvorgang können nicht
besonders hoch sein.

Die Frage muss lauten, ob die Kosten bei 1.500 Vorgängen pro Mitarbeiter niedriger wären, als bei 2.500. Und dem ist so, denn man könnte z.B. Verwaltungspersonal einsparen.

Im übrigen finde ich, eine alleinerziehende Mutter, die ein
Studium absolvieren möchte, verdient die Unterstützung der
Allgemeinheit genauso, wie die alleinerziehende Arbeitslose
Mutter, die von der Sozialhilfe leben muss.

Hier stelle ich die Frage, ob nicht beide besser einen Jo´b suchen und der Allgemeinheit überhaupt nicht auf der Tasche liegen sollten.
Aber das ist natürlich sarkastisch, infam und realitätsfremd…

Zum Leben gehört es auch, Verantwortung für sich selbst zu
übernehmen und die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen
selbst zu tragen.

So sieht es leider aus. Und je früher man das lernt, desto leichter wird´s später.

Zu einer vernünftigen Gesellschaft gehört vor allem Mitgefühl
und Hilfsbereitschaft den Schwächeren gegenüber. Etwas, das in
unserer Zeit leider überhaupt nicht mehr funktioniert.

Das ist hier nicht der Punkt, wobei ich der Ansicht bin, dass es ausgesprochen bezeichnend für die Hilfsbereitschaft der Deutschen ist, dass der Sozialetat der größte Posten des Bundeshaushaltes ist…

Das mag im Einzelfall hart sein oder auch bitter, aber keine
Solidargemeinschaft kann es sich auf Dauer leisten, Teile
seiner Mitglieder in Watte zu packen, und den Rest dafür
buckeln zu lassen.

Ganz recht. Denn die starken Tedile der Gesellschaft haben eine Belastungsgrenze, nach deren Überschreitung die Leistung stark nachlässt.
Die Steueraufkommenskurve von Schweden im 20. Jahrhundert dürfte den Damen und Herren Kritikern der Steuerpolitik, die pro Leistungsprinzhip steht, Aufklärunmg bringen.
Als Abiturient/STudent sollte man diese Kurve eigentlich interpretieren können.

Es kommt aber auf jeden Einzelfall an! Lieber „Wenn jeder an
sich selbst denkt, ist an alle gedacht.“ Ganz abgesehen davon,
dass wir – wenn ich mir den Haushalt von Bund und Ländern so
anschaue – für ganz andere Sachen buckeln, aber nur zu einem
beschämend kleinen Anteil für die Ausbildung der zukünftigen
Generationen.

…nun dann sollten wir alle zusammen, auch die StudentInnen, das ändern und seinen Teil dazu beitragen, nicht wahr?

Eins ist klar: Studenten lassen sich fast genauso einfach über
den Löffel barbieren, wie Arbeitslose und
Sozialhilfeempfänger. Sie haben keine Lobby.

Das liegt lediglich an den schwachen Alumni-Organisationen. Solcherlei Aktivitäten sichern in den USA beispielsweise einen sehr hohen Standard an manchen Unis und bezahlen auch Stipendien für sozial schwächere, aber leistungsbereite junge Leute.
Nach mehr Staat zu rufen wird hier nichts helfen, denn Deutschland ist pleite.
Das ist ein Fakt und man sollte sich sehr schnell damit abfinden und Verantwortung für sich selbst übernehmen.

Ganz im Gegensatz
zu SIEMENS & Co. Wie praktisch, dass man dann mit ein paar
Stammtischparolen und einer Neiddebatte (wann kommt endlich
die erste BILD Geschichte über einen Bummelstudenten, der sein
DAAD Stipendium am Strand von Honolulu versäuft?) wieder eine
wehrlose Gruppe mehr gefunden hat, der man einen Teil der
Schuld an der Misere in die Schuhe schieben kann.

Ich sehe das etwas anders: die Misere unserer Studenten und Absolventen ist, dass viele sehr gute Leute die teure Ausbildung hier geniessen und sich dann sofort ins Ausland verdrücken und somit für den deutschen Fiskus nicht mehr erreichbar. Die „Schlechteren“ bleiben, schließen aber oft nicht ab bzw. haben irgendein Käsefach studiert, mit dem sie keine Anstellung finden.
Wieviel Prozent der Frischlinge schliessen denn ein Studium erfolgreich ab und arbeiten dann in einem sinnvollen Job in Deutschland? Lasst es 25% sein, wobei ich das schon für sehr optimistisch halte.

Und um dem nun zwangsweise folgenden Argument gleich vorzugreifen: wer etwas ordentliches gelernt hat und bei Studienabschluss nicht 35 oder schwanger ist, findet immer einen Job. Die Konjunktur kann hier nicht als Entschuldigung für alles herhalten.

Pisa, miese Lehrer und Professoren, Unis die aus allen Nähten
platzen, Ausstattung wie vor dem Krieg, das sind alles die
elenden Bummel- und Scheinstudenten!

Das ist die eine Seite.
Ich persönlich habe an einer Lehranstalt mit nagelneuer Ausstattung, topqualifizierten Professoren und einem Sitzplatz für alle studiert.
Gut, es war „nur“ eine FH (Hof / Saale), aber meine Jahrgangskollegen und ich haben alle gute Jobs und viele auch Kinder…

Grüße,

Mathias