Hallo!
Ich habe ein Problem ich bin 19 Jahre alt und habe einen
doppelten Bandscheibenvorfall.
Herzliches Beileid - ich weiss, wie das ist.
Gleich vorab:
Ich bin kein Mediziner. Aber ich hab seit etwa sieben Jahren das gleiche Problem, kann es dir also aus Sicht eines Betroffenen, der auch schon eine Odysee durch verschiedene Artzpraxen hinter sich hat, schildern.
2.Wie lange dauert im Durchschnitt die Heilung eines doppelten
Bandscheibenvorfalls?
- Nach Genesung, bin ich da wieder vollkommen Körperlich
belastbar?
Ewig. Es gibt keine „Genesung“
Die Bandscheibe ist ein gelgefülltes Säckchen, das von Muskeln in Form gehalten wird. Wenn die Muskeln mangels Sport/Bewegung schlapp machen, dann kann das Säckchen teilweise rausflubbern, sich verschieben oder gar ein wenig aufreissen, wodurch etwas von dem Gel austritt.
Wenn das jetzt auf die Nervenstränge drückt, die gleich dahinter verlaufen, dann tut’s weh - richtig weh.
Von alleine heilt das niemals.
Es gibt im Prinzip nur zwei Möglichkeiten:
- Operation. Dabei wird - ja nach Fall - etwas weggeschnibselt, durch eine Gummi-Scheibe oder Kugel ersetzt, oder die vorhandene Bandscheibe mit einem kleinen Gummi"korsett" wieder in Form gebracht. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zu den Nerven keine ungefährliche Sache, weshalb die meisten Ärzte - außer in Extremfällen - davon dringend abraten.
In meinem Bekanntenkreis haben einige Leute sowas hinter sich.
Der Optimalfall war mein Vater: OP, acht Wochen Reha, seither nie wieder Schmerzen.
Der Negativfall ist der Sohn unseres Haus-und-Hof-Klempners:
OP, sechs Monate Reha, seither ständig wiederkehrende Schmerzen und ständige Krankenhausaufenthalte. Der Junge ist im Prinzip kaputt.
Dazwischen gibt’s alle denkbaren Abstufungen.
Ich selber hab das daher mit der OP gelassen und bin zur zweiten Möglichkeit übergegangen:
- Sport. Speziell Rückentraining.
Ein gut trainierte Rückenmuskulatur hält auch eine geschädigte Bandscheibe so in Form, das man außer in Extremsituationen (schleppen von wirklich schweren Sachen) sich fast normal bewegen kann.
Dummerweise hat das mit dem Sport bei mir nicht wirklich funktioniert. nach einem halben Jahr haben mich meine Bandscheiben wieder für zwei Wochen flachgelegt.
Und jetzt kommt’s:
Ich hab mir vor eineinhalb Jahren ein Haus gekauft. So ein Sanierungsschätzchen. Und weil ich eine arme Sau bin, muss ich alles selber machen. Also bin ich jede freie Minuten am schuften - einschließlich schwere Dinge schleppen und in den unmöglichsten Verrenkungen unter der Decke was festschrauben etc.
Seit ich in dem Haus schufte hab ich so gut wie keine Probleme mehr mit meinem Rücken!
Es stimmt schon, was man so sagt: ein starker Rücken lebt von Bewegung - aber damit sind offensichtlich nicht immer die gleichen, wiederkehrenden Bewegungen zweimal die Woche auf der Muckimaschine in der Zappelbude gemeint, sondern viele, verschiedene und abwechslungsreiche Bewegung.
Daher denke ich das:
(Davon ausgehend das ich in einem Beruf Lerne in dem man sich viel bewegen und heben muss)
sich eher positiv auf deinen Rücken auswirken wird - in gewissen Grenzen, versteht sich. Maurer oder Dachdecker dürfte der falsche Beruf mit solch einem Handicap sein, Schreiner oder ähnliches dürfte schon eher passen.
Einschränkung: Wenn du merkst, das es piekst, dann ganz schnell einen Gang runterschalten. Ich hab das in der Anfangszeit bei meinem Bau ein paar Mal gehabt und dann sofort aufgehört zu arbeiten. Dieses Warnsignal ist dann im Laufe der Zeit immer seltener gekommen, jetzt spür ich nur noch so zweimal im Jahr etwas.
4.Ist es bei Bandscheibenvorfällen normal das man einen drang
hat sein Kreuz durch zu drücken,
Ja - dadurch ziehst du die Wirbel an der Seite, an der die Bandscheibe bzw. ein Teil davon rausschaut und auf die Nerven drückt, etwas auseinander, wodurch die Bandscheibe wieder ein Stückchen zurückgeholt wird.
Ist auch die erste Übung, die dir dein Trainer/Physiotherapeut/Mediziner mit auf den Weg geben wird: mit den Armen an der Wand abstützen und Rücken soweit wie möglich durchbiegen.
Ansonsten:
Kauf dir’n Stuhl, mit dem du möglichst gerade oder besser mit leichtem Hohlkreuz sitzen kannst. Kauf dir’n Keilkissen für’s Auto. Gib dein Rennrad ab und kauf dir ein Hollandrad mit hohem Lenker. Ich hab meinen schönen Rennsemmel verkauft (schnief) und mir einem Chopper geholt. Gartenarbeit scheint meinem Rücken auch richtig gut zu bekommen - natürlich nur, wenn ich es nicht übertreibe.
Und so weiter.
Wenn man sich ein wenig anpasst und vorsichtig bewegt (das kommt alles von ganz alleine, keine Bange), kann man mit einem (nicht zu schlimmen) Bandscheibenvorfall durchaus leben.
Aber dir muss klar sein, das er immer mal wieder kommen kann. Mein letzter Anfall (vor etwa zwei Jahren) kam, als ich am Schreitisch gesessen habe und mich zur Seite gestreckt habe, um dort einen Briefumschlag aufzunehmen. Es sind diese kleinen, unbedachten Bewegungen, die dich umhauen, denn wenn du in die Hocke gehst, um was schweres zu heben, dann merkt der Körper das schon und spannt die Muskeln vorher an. Aber wie gesagt, den Bogen kriegt man recht schnell raus.
Solange die Schmerzen nicht wirklich unerträglich sind, würde ich mir das mit einer Operation zweimal überlegen.
Grüße vom Leidengenossen,
mabuse