Baufinanzierung - ohne Eigenmittel?

Hallo,

wir haben ein kleines Problem.
Kurz zur Situation: wir sind selbständig, die Firma läuft gut, Aufträge für die nächsten Jahre sind sicher. Wir haben einen kleinen 10 Monate alten Sohn. Nun wird bei uns der Wunsch nach einer eigenen (Gebraucht)-Immobilie immer stärker. Leider haben wir keine Rücklagen, unser Steuerberater hat uns immer geraten: Kosten, Kosten, Kosten - daran haben wir uns gehalten.
Leider will uns keine Bank eine Baufinanzierung geben, da wir über kein Eigenkapital verfügen, ansonsten haben sie an unseren Zahlen nichts auszusetzen.
Wir zahlen derzeit Miete von 650 € kalt, Wohnung und Büro zusammen, also schon locker eine Kreditrate. Reserven gibt es auch noch, so daß die Rate höher sein kann.

Gibt es überhaupt eine Chance, eine Finanzierung zu bekommen? Kennt jemand eine Bank, die das auch ohne Eigenkapital macht?

Schon eine doofe Situation.

Danke!

Cea

Hallo Cea,

grundsätzlich gilt, irgeneine Bank macht es immer. Das heißt aber nicht, dass es deshalb gut ist. Die Forderung nach Eigenkapital hat ja ihren Grund. Solltet Ihr in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil Auftraggeber nicht mehr zahlen können, Aufträge wegfallen, oder sonst irgendwelchen Gründen muss die Immobilie verkauft oder womöglich sogar versteigert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Erlös zumindest in den ersten Jahren nicht die Forderungen deckt ist sehr hoch, besonders wenn eine Immobilie verkauft werden muss. Das Ergebnis: Haus weg, immer noch Schulden und keine Mittel diese zu bezahlen. Daher die Forderung nach Eigenkapital, damit im schlimmsten Fall zumindest keine Schulden übrig bleiben. Ich weiß nicht wie bei Euch die Immobilienpreise sind, bei uns kommst Du mit 650€ nicht weit. Pauschal reichen die gerade mal für ca. 112 TEUR (ohne Berücksichtigung jedweder Fördermöglichkeiten) Der Wunsch ist allzu verständlich, sollte aber gut geplant sein. Ihr solltet Euch dahingehend beraten lassen, wie der Wunsch solide in vier-fünf Jahren realisiert werden kann. In dieser Zeit sollte das Eigenkapiatl so angespart werden, dass es dann nahtlos in eine Finanzierung übergehen kann.

Viele Grüße
Heiko

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… unser Steuerberater hat uns immer geraten: Kosten, Kosten, :Kosten - daran haben wir uns gehalten.

Hallo Cea,

Deine erste Tat: Anlauf nehmen und dem Steuerberater an eine Stelle treten, wo es besonders weh tut.
Deine nächste Tat: Nachdenken und nicht alles der Steuer unterordnen.

Wer dem Steuerberater gehorcht, least seinen Kopierer, hat Kredite laufen, hat Wartungsverträge ohne Ende, tätigt Neuanschaffungen, obwohl das alte Gerät noch gut, aber abgeschrieben ist, hat keinen Pfennig auf der Naht, eine gefährlich niedrige Eigenkapitalquote für sein Geschäft und das Wort Reserve gehört nicht zum Wortschatz. Ach, wie steuerlich optimal das doch alles ist! Das nächste quer laufende Ereignis schmeißt Euch aus der Bahn und der bisher freundlich grinsende Banker dreht die Daumenschrauben zu.

Natürlich ist es vernünftig, steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen. Das darf aber nicht zum Selbstzweck und einzigen Aspekt der Bilanzierung werden. Von Kosten kann man nicht abbeißen und im Zweifel nicht den Kühlschrank füllen! Wer nur die Steuer im Auge hat, wird blind für alles andere. Der Steuerberater, der solches Tun gutheißt, muß ein unerfahrener Hohlkopf sein. Jede, aber auch ausnahmslos jede Erfahrung lehrt, daß Du zur Unabhängigkeit über kurz oder lang Eigenkapital brauchst und zwar unabhängig von der Steuerlast. Was nützt Dir die steuerliche Optimierung, wenn Du blank bist, weil der größte Kunde plötzlich nicht mehr zahlt oder Du wirst krank oder es passiert irgend ein dusseliges Mißgeschick? Dann unterschreibst Du die Formulare mit selbstschuldnerischer Bürgschaft, Sicherungsübereignung des Inventars und (vorerst) stiller Abtretung aller bestehenden und zukünftiger Forderungen zu Gunsten der Bank, damit es überhaupt weiter geht. Natürlich steuerlich optimiert das Ganze. Du merkst nur noch nicht, wie dünn die Luft wird.

Fange unbedingt an, selbst nachzudenken! Kaufmännische Sparsamkeit hört sich zwar für manche Leute altbacken an, ist aber ein höchst aktueller Rat. Durchforste unbedingt Deine Kosten! Alle! Natürlich muß das Geschäft zeitgemäß und leistungsfähig ausgestattet sein. Was darüber hinaus geht, schaffe Dir schnellstens vom Hals. Halte laufende Kosten klein! Es mag sein, daß dann mancher Euro mehr ans Finanzamt wandert. Aber noch mehr bleibt bei Dir hängen! Höre nicht auf mit Deinen Bemühungen des Kostensparens, bis Du irgendwo 50.000 Euro oder besser mehr herumliegen hast. Frei verfügbar!

Noch etwas: Mache unbedingt z. B. an der VHS einen Buchhaltungskursus. Natürlich kannst Du das Führen der Bücher trotzdem vom Steuerberater machen lassen. Aber Du selbst mußt unbedingt die Auswirkungen Deines Tuns auf den Jahresabschluß kennen. Du mußt eine Vorstellung über die Bewertung von Inventurbeständen bekommen. Dann bemerst Du auch, wenn eine Bilanz Dich trotz ordenlichen Verdienstes als armen Teufel ausweist. Du lernst, Deine Vermögensveränderungen einzuschätzen und laufend zu beobachten. Und glaube mir bitte, dann kommst Du von ganz alleine auf die Idee, Kosten zu sparen, statt vermeidbare Kosten zu produzieren.

Was hat das alles mit Immobilienfinanzierung zu tun? Nun, das sind die ersten Schritte zu Eigenkapital, das Du für eine gesunde Hausfinanzierung unbedingt brauchst. Und Du brauchst reichlich davon, weil Du Dir nämlich keine 25-Jahre-Finanzierung aufquatschen läßt, weil Dir der Steuerberater geflüstert hat, daß sich die Zinsen für den gewerblichen Teil der Immobilie steuerlich geltend machen lassen. Pfeife darauf! Tilge nicht mit 1%, tilge mit 3, 4, 5 oder noch mehr Prozenten und komme so schnell es irgend geht damit durch. Das nämlich steuerlich zu optimieren heißt bei Deinem Berater (der Mann hat die Bezeichnung nicht verdient), daß Du zahlst, bis Du alt und grau bist, daß Dir sehr lange Zeit nichts gehört und Du in gefährlicher Abhängigkeit von der Bank gehalten wirst.

Wenn Du Dich etwas tiefer mit der Materie beschäftigst, merkst Du auch, daß man auch ohne das Produzieren von Kosten steuerlich optimieren kann. Vom Geld behalten lebt der Kaufmann, nicht vom Geld ausgeben!

Gruß
Wolfgang

Hallo Heiko,

Danke für die schnelle Antwort.
Also wir könnten monatlich zwischen 900 u. 1000 € aufbringen. Das reicht für ca. 170.000 €.
Das mit dem Risiko ist uns bewußt. Allerdings muß ich dazu sagen, daß wir beide jederzeit wieder Arbeit in unseren „erlernten“ Berufen finden würden, falls es mit der Firma mal nicht mehr hinhaut. Im Moment bin ich offiziell noch im Erziehungsurlaub, werde aber in den nächsten Monaten wieder halbtags in meinem erlernten Beruf arbeiten - aber mehr aus dem Grund, mal wieder woanders reinschnuppern zu können.
Sicherlich können wir in den nächsten Jahren genug eigenkapital ansparen, aber wenn ich sehe, was wir bis dahin wieder an Miete zahlen …

Gruß
Cea

Hallo Cea,

Also wir könnten monatlich zwischen 900 u. 1000 € aufbringen.
Das reicht für ca. 170.000 €.

Dann geht doch aml hin und spart diesen Betrag auf einem Ansparkonto zu Festgeldzinsen z.B.

  1. schafft ihr damit eigenkapital
  2. sieht die Bank, daß ihr die Raten vom täglichen Leben abknöpfen könnt.

Das mit dem Risiko ist uns bewußt. Allerdings muß ich dazu
sagen, daß wir beide jederzeit wieder Arbeit in unseren
„erlernten“ Berufen finden würden, falls es mit der Firma mal
nicht mehr hinhaut.

Das habt ihr hoffentlich auf der Bank nicht auch so gesagt. denn andersrum heißt das, daß ihr von eurem Geschäft nicht überzeugt seid.

Was macht ihr denn und wielange seid ihr schon selbständig? Hat euer „toller“ Steuerberater euch denn auch gesagt, daß Rücklagen steuerlich nicht berücksichtigt werden? Habt ihr rücklagen? Frag den Mann doch mal, wie ihr euch bei einer 3monatigen flaute ernähren sollt? Hat er euch nicht empfohlen betriebliche Altersvorsorgen abzuschließen? Die wären als eigenkapital durchaus anzurechnen! Was ist überhaupt mit eurer Altersversorgung? Was ist mit einer GF-Versicherung? Kannst du den Betrieb alleine leiten, wenn dein Mann nicht da sein sollte?
Kann dein Mann den Betrieb alleine leiten, wenn du nicht da sein solltest? Habt ihr eine Gütertrennung? einen Ehevertrag? Wem soll das Haus gehören? Beiden? zu welchen Anteilen? Was habt ihr für eine Gesellschaftsform?

Alles Fragen, die ihr klären solltet, bevor ihr eine Immobilie kauft oder baut.

Oder einen guten Berater suchen, der nicht Steuerverräter ist.

Im Moment bin ich offiziell noch im

Erziehungsurlaub, werde aber in den nächsten Monaten wieder
halbtags in meinem erlernten Beruf arbeiten - aber mehr aus
dem Grund, mal wieder woanders reinschnuppern zu können.

Bist du nun mit deinem Mann selbständig oder nicht. Solange ihr selbst das so schwammig haltet, hat JEDE Bank angst daß ihr eure Zins-/Tilgungen nicht tragen könnt und es dann zu einer Verwertung der Sicherheiten kommen muß. für euch und für die Bank ein zu hohes Risiko.

Sicherlich können wir in den nächsten Jahren genug
eigenkapital ansparen, aber wenn ich sehe, was wir bis dahin
wieder an Miete zahlen …

Was machst du denn in der Bauphase, da werden unter Umständen Miete und erste Zinslasten fällig?

gruss
winkel

eigenkapital ansparen, aber wenn ich sehe, was wir bis dahin
wieder an Miete zahlen …

Hallo,

zum Rest möchte ich mich nicht äußern.
Diese Aussage muss ich aber korrigieren.
Es ist ein verbreiteter Irrglaube, die Miete sei „weg“, während einen das eigene Haus nichts koste.
Fürs Wohnen muss immer bezahlt werden. Entweder Miete, oder Zinsen an die Bank, oder Verlust von Zinsen, die man für das Geld bekommen würde, das jetzt im Haus steckt.
Es gibt viele gute Gründe sich ein Haus zu kaufen.
„Um die Miete zu sparen“ ist keiner!

Max

Hallo Cea,

ganz ehrlich: Ich würd es nicht machen!

Wir arbeiten beide vollzeit und verdienen normal bis gut. Wir hatten ca. 30 % Eigenkapital über Bausparverträge bzw. aus dem Verkauf einer Wohnung.

Unsere WOhnung hat damals 365.000 DM gekostet. Denk an die Nebenkosten, der Notar will Geld (waren bei dem Kaufpreis ca. 6.000 DM), der Staat will 3,5 % Grunderwerbssteuer - also auch knapp 10.000 DM, Grundbucheintrag war dagegen billig mit vielleicht 1000 DM. Einen Makler hatten wir nicht, falls ihr den braucht, der will auch 3,48 % = 10.000 DM. Das müßt Ihr dazurechnen!

Denkt dran, auch eine Eigentumswohnung hat Nebenkosten - wie eine Mietwohnung! Wir haben ca. 420 DM Nebenkosten + Strom etc. Es läuft darauf raus, daß wir jeden Monat 800 DM auf ein Konto zahlen, wo Kosten wie Telefon/Strom/Grundsteuer etc. weggehen. Das Geld wird gebraucht - mal nicht ganz, dafür auch mal mehr!

An Zins und Tilgung haben wir am Anfang 2000 DM im Monat aufgebracht, weil wir möglichst schnell tilgen wollten.

Man sollte die Kosten wirklich nicht unterschätzen!

Wendy

Wow, so viele Antworten …
Also ersteinmal ein großes Danke, Ihr habt uns wirklich einige Denkanstöße gegeben.

Um ein paar Fragen zu beantworten. Unsere Firma gibt es seit 1997. Ich bin Angestellte meines - seit Mai- Mannes.
Wir haben unsere monatliche Kreditrate schon so kalkuliert, daß wir die üblichen Nebenkosten berücksichtigt haben (im Bekanntenkreis ein wenig herumgefragt, wie es bei denen so aussieht).
Der mögliche Kreditrahmen von 170000 war inklusive aller Maklergebühren, Notar, Steuer und einer ersten Renovierung etc.
Am Aufschlußreichsten war für mich das „Runtermachen“ unseres Steuerberaters - Danke! Da sind einige Nachfragen fällig.

Nochmal ein großes DANKE!!

Wir halten jetzt Kriegsrat.

Cea

Hallo,

Es ist ein verbreiteter Irrglaube, die Miete sei „weg“,
während einen das eigene Haus nichts koste.
Fürs Wohnen muss immer bezahlt werden. Entweder Miete, oder
Zinsen an die Bank, oder Verlust von Zinsen, die man für das
Geld bekommen würde, das jetzt im Haus steckt.

Nicht zu vergessen: Nebenkosten, die bei einer Mietwohnung der Vermieter zahlt und die der Mieter normalerweise nicht mitbekommt. Als Eigentümer einer selbstgenutzten Immobilie muß man sie aber bezahlen (z.B. Instandhaltungsrücklage).

Grüsse

Sven

Wer dem Steuerberater gehorcht, least seinen Kopierer,

Hallo Wolfgang und alle Anderen,

die o. a. Aussage stimmt in den meisten Fällen nicht. Leasing (und nicht nur das von Kopierer) verhält sich Bilanzneutral. Dies bedeutet für einen Steuerberater folgendes:

Wenn ein Mandant eine neue Maschine anschafft geht die bei Barzahlung ins Anlagevermögen und bei einer Finanzierung erhöht sich die betriebliche Verschuldung. Auf jeden Fall erhöht sich die Bilanzsumme und nach der rechnen viele (die meisten?) ihre Honorare ab. Deshalb empfehelen viele Steuerberater kein Leasing.

Ansonsten stimme ich mit Deinem Posting überein.

Gruß

Friedrich

P. S.: Der Name „Steuerberater“ ist in den meisten Fällen sowieso völlig falsch. Die richtige Bezeichnung wäre eigentlich „Belegsortierer für das Finanzamt“ oder „Bilanzersteller“. Mit Beratung haben es die meisten Steuerberater nicht weil ihnen dazu die Zeit fehlt.

Im übrigen sind aber auch viele Steuerberater mit den Mandantenerwartungen völlig überfordert, denn er soll sich im Steuerrecht, Bankgewerbe, bei Fördermittel und weiss Gott wo noch überall auskennen. Dabei ist er er ja schon mit dem beachten von immer neuen Steuergesetzen hoffnungslos überfordert.

Es ist ein verbreiteter Irrglaube, die Miete sei „weg“…

Hallo Max,

30 Jahre Miete diverser Privatwohnungen und 20 Jahre Gewerbemiete in verschiedenen Objekten habe ich hinter mir. Alle Vermieter lebten hervorragend von meiner Miete, bei einigen war es die einzige nennenswerte Einnahmequelle. Es reichte für die Damen und Herren jährlich für 3 bis 4 Urlaubsreisen und Kreuzfahrten. Dafür, daß man zahlen muß und zwar bis zum letzten Atemzug, muß man sich auch noch jeden Kleinkram genehmigen lassen. Man ist nicht frei (wobei man natürlich lange über den Begriff „Freiheit“ philosophieren könnte). Am Ende ihres Lebens sind viele immer noch arme Teufel, eben Mieter ihrer Etagen-Intensivhaltungsbude, gehen dann ins Altenheim, werden Taschengeldempfänger, weil der Platz so viel Geld kostet, daß man dafür auch eigenes Personal einstellen könnte.

Fraglos kann man den Erwerb von Eigentum auch so gestalten, daß damit kein Gewinn an Freiheit und Unabhängigkeit und letztlich auch kein Spareffekt einher geht. Das Finanzkorsett muß nur eng genug sein, um für den Rest des Lebens einen großen Teil des Einkommens bei der Bank abzuliefern. Wer aber nicht 30 Jahre lang zahlt, weil er höher als das übliche, geradezu lächerliche 1% tilgt, ist damit in der Hälfte der Zeit oder noch schneller durch. Dann gehört u. a. dazu, daß man nicht für jeden tropfenden Wasserhahn und jede quietschende Tür das örtliche Handwerk beauftragen muß. So vorgegangen wird die selbst genutzte Immobile zur Sparbüchse, zum Sockel für soliden Wohlstand. Nicht mit Geld aufzuwiegen, ist der Gewinn an Unabhängigkeit. Kein Eigentümer, der gefragt werden will, kein Hausmeister, kein Verwalter. Ob man solche Leute als störend empfindet, ist aber gewiß eine Mentalitätsfrage.

Gruß
Wolfgang

Es ist ein verbreiteter Irrglaube, die Miete sei „weg“…

Hallo Wolfgang,

ich bestreite ja überhaupt nicht daß es gute Gründe gibt in der eigenen Immobilie zu wohnen.
Ich mache das auch. Ich möchte mich auch hier nicht in eine lebenslange Rechnung begeben, welches Wohnmodell letzlich finanziell günstiger ist.
Zweifellos ist ein Vertragsverhältnis über eine so intime Sache wie die eigene Wohnung kritisch.
Der Vorwurf an die Vermieter aber, sie würden davon gut leben, ist nicht tragbar. Sie haben nuneinmal die Immobilie erworben, geerbt oder sind sonstwie daran gekommen. Würden sie sie verkaufen, könnten sie eben von den Zinsen, den Dividenden oder sonstwie vom Kapital leben. Daran ist doch nichts anrüchiges.

Nur ist die Miete eben nicht „weg“.
Man erhält ja eine Gegenleistung dafür. Und würde man keine Miete mehr zahlen, sondern die Immobilie kaufen, müsste man die Leistung (Nutzung der Immobilie) eben anderweitig finanzieren.

Max

Der Vorwurf an die Vermieter aber, sie würden davon gut leben,
ist nicht tragbar.

Hallo Max,

das muß ein Mißverständnis sein. Wenn ein Eigentümer von der Vermietung lebt, ist das natürlich kein Vorwurf, schon ganz und gar nichts Anrüchiges. Ich wollte nur feststellen, daß sich eine solide finanzierte Immobilie zur eigenen Nutzung auf die Dauer gegenüber einer Miete durchaus rechnen kann.

Es gibt aber auch Mieten, die sich für den Vermieter nie und nimmer rechnen. Ich habe vor ein paar Wochen ein sanierungsbedürftiges Haus gekauft. Um während der Sanierung lange Anfahrtswege zu sparen, habe ich in der Nähe eine Wohnung gemietet - 105 qm für 100 Euro. So viel kostet schon die Miete einer Dixi-Toilette und auch ein Zeltplatz wäre teurer - da lacht das Mieterherz.

Gruß
Wolfgang

moin wolfgang,

das ist zwar etwas off-topic aber wo krieg ich 105qm für 100 eur? ich zahle ihn karlsruhe für 84qm 700 eur!

mit herzlichem dank linus

…aber wo krieg ich 105qm für 100 eur? ich zahle ihn karlsruhe :für 84qm 700 eur!

Hallo Linus,

das gibts im „wilden Osten“, wo es Leerstand gibt. Dort, wo in einigen Landstrichen die Arbeitslosigkeit der Normalzustand ist, wo es kaum noch junge Leute und so gut wie keine Arbeit gibt, wo sich die Ortschaften langsam entvölkern, wo Du zur nächsten Einkaufsmöglichkeit eine halbe Stunde mit dem Auto unterwegs bist, wo das Branchenbuch eines ganzen Landkreises über die Dicke eines Schulheftchens nicht hinaus kommt, wo Du einen Wohnblock mit 50 Wohnungen für wenige zig tausend Euro kaufen kannst, wo es den Quadratmeter Land und Wald ab 10 Cent gibt (den man dann hektarweise kauft), wo der örtliche Elektriker mit 2 Aushilfen der größte Arbeitgeber der Region ist, da vermietet man lieber für unter 1 Euro/qm. Damit die Bude nicht leer steht. Ich hätte noch handeln können, aber der Preis erschien mir auch so fast peinlich. Der Leerstand ist keine Frage des Preises. Die Wohnungen sind zu keinem Preis an den Mieter zu bringen. Es gibt dort einfach zu wenig Menschen für den vorhandenen Gebäudebestand, aber immer noch zu viele Menschen für die vorhandene Arbeit.

Gruß
Wolfgang

off-topic

das ist zwar etwas off-topic aber wo krieg ich 105qm für 100
eur? ich zahle in karlsruhe für 84qm 700 eur!

Hallo,
700 € (knapp)zahle ich in Paris fuer meine 12m²! Kann das jemand ueberbieten? Vielleicht w-w-w’ler aus London?
Gruss, Marcus

700 € (knapp)zahle ich in Paris fuer meine 12m²! Kann das
jemand ueberbieten? Vielleicht w-w-w’ler aus London?

Hallo Marcus,

vermutlich hast Du Dich in einem Pariser Stundenhotel eingemietet. Oder Du hast die ganze Hütte gekauft. Dafür gehen 700 € in Ordnung. *g*

Gruß
Wolfgang

Miete - Eigentum: Die größten Irrtümer
Die größten Irrtümer und damit auch die falschesten Gründe, ein Eigentum zu kaufen, sind:
1.) „Die Miete ist weg, aber beim Eigentum zahle ich in die eigene Tasche. Somit ist Eigentum günstiger für mich.“
->> Der erste Satz ist FALSCH, der zweite TEILWEISE AUCH! Beim Eigentum zahlt man den Großteil (Zinsen) in die Taschen der BANKEN! Lediglich der geringe Tilgungsanteil geht wirklich in die eigene Immobilie. Über eine lange Zeit gerechnet kommt es sehr auf den Einzelfall an, was aus rein materieller Sicht lohnender ist.
Viele vergessen, dass man als Mieter einen immer einwandfreien Zustand der Mietsache mietet. Das heißt in der Praxis, dass der Vermieter einem den ordnugsgemäßen Zustand der Wohnung/Hauses schuldet: Wenn nun der Mieter bei einem sanierungsbedürftigen Dach den Vermieter anruft, der sich darum kümmern muss, kostet das dem Mieter nur ein paar Cent.
Dem Eigentümer eines eigenen Hauses kostet ein neues Dach dagegen viele tausend Euro!
Nur ein Beispiel für die vielen Erhaltungsmaßnahmen, die dem Eigentümer im Laufe der Jahrzehnte große finanzielle Löcher ins Portemonnaie reißen können. Der Mieter dagegen ist fein raus.
Die Liste ließe sich endlos fortsetzen!
Diese Kosten tauchen in den seltensten Fällen in Vergleichen Mieter - Eigentümer auf (vor allem bei Banken/Bausparkassen, die am liebsten sogar einem Sozialhilfeempfänger einen Immobilienkredit aufschwatzen würden), und das mit gutem Grund: die Situation des Eigentümers würde ja dadurch in einem schlechteren Licht erscheinen… (was aber eher der Wirklichkeit entspricht)
Also wenn rein marteriell vergleichen, dann bitte ALLE Kosten des Eigentums berücksichtigen oder es bleiben lassen!

2.) „Als Eigentümer bin ich endlich frei und unabhängig. Ich brauche keinen Vermieter, keinen Hausmeister mehr wegen jedem Mist zu fragen.“
->> FALSCH! Fragen muss man oft immer noch - den Nachbarn, oder z.B. die Baubehörde, oder das Ordnungsamt.
DENN: Erst als Eigentümer fällt einem auf, dass es anstatt einer Hausordnung des Mietshauses nun immer noch genügend Verordnungen gibt, die beachtet werden müssen: Nachbargesetze, Lärmschutzverordnungen, örtliche und Landesbauordnungen, die beachtet werden müssen z.B. bei Umbaumaßnahmen, Gartenanlage, lärmerzeugenden Heimwerkerarbeiten, etc.
UND: Nachbarn haben Sie weiterhin. Und da ist auch als Eigentümer ein Zusammenleben, Rücksichtnahme, etc. gefragt.
Was ist, wenn Sie so ein richtiges A…loch als Nachbar erwischen? Als Mieter können Sie die Miete mindern und den Vermieter um Abstellung der widrigen Umstände auffordern. Ansonsten können Sie ruckzuck kündigen und ausziehen, ohne großes finanzielles Risiko.
Als Eigentümer dagegen haben Sie in so einem Fall das Haus als Klotz am Bein und müssen erst mal dafür einen Käufer finden! Sie können es dann u.U. unter großem Verlust verkaufen, vor allem wenn es erst ein wenig Jahre alter Neubau ist.
Gleiches gilt übrigens auch für Wohnortwechsel wegen dem Arbeitsplatz, was heutzutage wohl kaum noch einer ausschließen kann.
Fazit:
MAN IST ALSO ALS EIGENTÜMER BEI KEINESWEGS FREIER UND UNABHÄNGIGER ALS MAN ES NOCH ALS MIETER WAR! Vor allem unter den letztgenannten Gesichtspunkten ist ein Mieter oft sogar noch FLEXIBLER und daher UNABHÄNGIGER!

3.) „Beim eigenen Haus kann ich mich selbst verwirklichen und alles so gestalten, dass es so ist wie ICH es will.“
->> SO GENERELL AUCH NICHT RICHTIG! Wenn´s ans Neubauen geht ist da einem oft der Geldbeutel im Weg. Und schon landet man beim 0815-Typen-Bauträgerhaus, ein Haus von der Stange und Standard-Billigausstattung. Vielleicht sogar nur als Reihenhaus mit all seinen möglichen typischen mietwohnungsähnlichen Nachbarschaftsproblemen…
Nach ein paar Jahren, wenn man´s wieder nüchterner betrachtet, merkt man oft, dass der einstige Traum vom eigenen Haus schon lange keiner mehr ist.
Und man fragt sich dann:
Warum hab ich das eigentlich gemacht?
Antwort:
„Naja, dafür ist es MEINS.“ - wahrscheinlich oft der einzige wirkliche und nicht widerlegbare Grund für eine eigene Immobilie…

(dies schreibt übrigens ein Hauseigentümer…)

1.) „Die Miete ist weg, aber beim Eigentum zahle ich in die
eigene Tasche. Somit ist Eigentum günstiger für mich.“
->> Der erste Satz ist FALSCH, der zweite TEILWEISE
AUCH! Beim Eigentum zahlt man den Großteil (Zinsen) in die
Taschen der BANKEN! Lediglich der geringe Tilgungsanteil geht
wirklich in die eigene Immobilie. Über eine lange Zeit
gerechnet kommt es sehr auf den Einzelfall an, was aus rein
materieller Sicht lohnender ist.

Die bösen Zinsennehmer!!!
damit du es mal selber rechnen kannst, folgende Aufgabe:

Lege ein Sparsumme fest, die du monatlich sparen mußt, um ein Haus kaufen zu können!

Nehme an das Haus kostet „heute“ 200.000 Euro. Rückwärts betrachtet verdoppelt sich der Hauspreis alle 10 Jahre.
Beispiel hausbau 1963 Kosten 63.000 incl. 750qm Grund.
Verkauf 1998 für DM 318000. also in 35 jahren verfünffacht.

Betrachte nun den Aufwand für Miete „Kaltmiete ohne NK“, incl. Preissteigerungsrate nach Inflation 1,5% über die Ansparzeit per anno.

Addiere Mietaufwand und Sparaufwand und stelle gegen:

Hauskauf heute 200.000 euro 15 Jahre fest, 100% finanziert, tilgung 1%, Zinsen 8%.

Wetten du kommst aus dem rechnen garnicht mehr raus, weil dir die Preise weglaufen!

gruss
winkel

PS: Wetten du hast in Differenz soviel Kapital, daß du ein 2. Haus heute bauen könntest!

Banken drängen Kredite auf?

Diese Kosten tauchen in den seltensten Fällen in Vergleichen
Mieter - Eigentümer auf (vor allem bei Banken/Bausparkassen,
die am liebsten sogar einem Sozialhilfeempfänger einen
Immobilienkredit aufschwatzen würden),

Darf ich darauf hinweisen, daß sich der ganze Thread daraus entstand, daß die Banken eben keinen Kredit geben wollten?

Ansonsten wurde ich mich, weil sonst allen Banken den Vorwurf gemacht wird, sie würden keine Kredite vergeben.

So, ich muß noch mal raus, ein paar Sozialhilfeempfänger jagen.

Gruß
Christian