… unser Steuerberater hat uns immer geraten: Kosten, Kosten, :Kosten - daran haben wir uns gehalten.
Hallo Cea,
Deine erste Tat: Anlauf nehmen und dem Steuerberater an eine Stelle treten, wo es besonders weh tut.
Deine nächste Tat: Nachdenken und nicht alles der Steuer unterordnen.
Wer dem Steuerberater gehorcht, least seinen Kopierer, hat Kredite laufen, hat Wartungsverträge ohne Ende, tätigt Neuanschaffungen, obwohl das alte Gerät noch gut, aber abgeschrieben ist, hat keinen Pfennig auf der Naht, eine gefährlich niedrige Eigenkapitalquote für sein Geschäft und das Wort Reserve gehört nicht zum Wortschatz. Ach, wie steuerlich optimal das doch alles ist! Das nächste quer laufende Ereignis schmeißt Euch aus der Bahn und der bisher freundlich grinsende Banker dreht die Daumenschrauben zu.
Natürlich ist es vernünftig, steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen. Das darf aber nicht zum Selbstzweck und einzigen Aspekt der Bilanzierung werden. Von Kosten kann man nicht abbeißen und im Zweifel nicht den Kühlschrank füllen! Wer nur die Steuer im Auge hat, wird blind für alles andere. Der Steuerberater, der solches Tun gutheißt, muß ein unerfahrener Hohlkopf sein. Jede, aber auch ausnahmslos jede Erfahrung lehrt, daß Du zur Unabhängigkeit über kurz oder lang Eigenkapital brauchst und zwar unabhängig von der Steuerlast. Was nützt Dir die steuerliche Optimierung, wenn Du blank bist, weil der größte Kunde plötzlich nicht mehr zahlt oder Du wirst krank oder es passiert irgend ein dusseliges Mißgeschick? Dann unterschreibst Du die Formulare mit selbstschuldnerischer Bürgschaft, Sicherungsübereignung des Inventars und (vorerst) stiller Abtretung aller bestehenden und zukünftiger Forderungen zu Gunsten der Bank, damit es überhaupt weiter geht. Natürlich steuerlich optimiert das Ganze. Du merkst nur noch nicht, wie dünn die Luft wird.
Fange unbedingt an, selbst nachzudenken! Kaufmännische Sparsamkeit hört sich zwar für manche Leute altbacken an, ist aber ein höchst aktueller Rat. Durchforste unbedingt Deine Kosten! Alle! Natürlich muß das Geschäft zeitgemäß und leistungsfähig ausgestattet sein. Was darüber hinaus geht, schaffe Dir schnellstens vom Hals. Halte laufende Kosten klein! Es mag sein, daß dann mancher Euro mehr ans Finanzamt wandert. Aber noch mehr bleibt bei Dir hängen! Höre nicht auf mit Deinen Bemühungen des Kostensparens, bis Du irgendwo 50.000 Euro oder besser mehr herumliegen hast. Frei verfügbar!
Noch etwas: Mache unbedingt z. B. an der VHS einen Buchhaltungskursus. Natürlich kannst Du das Führen der Bücher trotzdem vom Steuerberater machen lassen. Aber Du selbst mußt unbedingt die Auswirkungen Deines Tuns auf den Jahresabschluß kennen. Du mußt eine Vorstellung über die Bewertung von Inventurbeständen bekommen. Dann bemerst Du auch, wenn eine Bilanz Dich trotz ordenlichen Verdienstes als armen Teufel ausweist. Du lernst, Deine Vermögensveränderungen einzuschätzen und laufend zu beobachten. Und glaube mir bitte, dann kommst Du von ganz alleine auf die Idee, Kosten zu sparen, statt vermeidbare Kosten zu produzieren.
Was hat das alles mit Immobilienfinanzierung zu tun? Nun, das sind die ersten Schritte zu Eigenkapital, das Du für eine gesunde Hausfinanzierung unbedingt brauchst. Und Du brauchst reichlich davon, weil Du Dir nämlich keine 25-Jahre-Finanzierung aufquatschen läßt, weil Dir der Steuerberater geflüstert hat, daß sich die Zinsen für den gewerblichen Teil der Immobilie steuerlich geltend machen lassen. Pfeife darauf! Tilge nicht mit 1%, tilge mit 3, 4, 5 oder noch mehr Prozenten und komme so schnell es irgend geht damit durch. Das nämlich steuerlich zu optimieren heißt bei Deinem Berater (der Mann hat die Bezeichnung nicht verdient), daß Du zahlst, bis Du alt und grau bist, daß Dir sehr lange Zeit nichts gehört und Du in gefährlicher Abhängigkeit von der Bank gehalten wirst.
Wenn Du Dich etwas tiefer mit der Materie beschäftigst, merkst Du auch, daß man auch ohne das Produzieren von Kosten steuerlich optimieren kann. Vom Geld behalten lebt der Kaufmann, nicht vom Geld ausgeben!
Gruß
Wolfgang