Um es auf eine ganz einfache Ebene zu bringen: Weshalb ist es relevant, dass z.B. Schüler Bescheid über grammatische Phänomene wie die Kasus haben? Oder ist dies ebenso unwichtig, wie man andere Lehrinhalte der Schule?
Als Deutschlehrer für Ausländer, die die Regeln und Besonderheiten der deutschen Sprache nicht nachahmenderweise von Eltern und Freunden unbewusst übernahmen, sondern bewusst und klar einsehend lernen mussten, wie es funktioniert, habe ich es vieltausendmal erlebt, dass eine richtige Praxis, die auch theoretisch begründet ist, eine viel bessere Basis für ein sicheres Wissen ist als die unbewusste, unbegründete richtige Praxis allein.
Was ich nachahmenderweise kann und weiß, ist nur zufälligerweise richtig - nämlich dann, wenn ich einen Beherrscher der Regeln nachahme.
Wenn aber meine Vorbilder das Wort „Senf“ chronisch „Sembft“ aussprechen, so werde ich auch „Sembft“ schreiben. Und das ist eben leider falsch.
Es ist immer von Vorteil zu wissen, warum etwas so ist, wie es ist, und nicht nur, dass es so ist.
Ich bin sicher, dass viele viele Fragen hier in den Sprachbrettern daher rühren, dass man zwar ein „Gefühl“ hat, aber keine Gewissheit. Und diese Gewissheit bietet erst die Grammatik.
Selbst der Genuss von Musik, Literatur und Malerei ist tiefer und intensiver, wenn ich weiß, wie das Kunstwerk, das ich gerade genieße, entstanden und beschaffen ist.
Gruß Fritz