Mir kommt es auf die Sinnlichkeit eines Buches an - wer jemals
in der linken Hand einen Band der „Anderen Bibliothek“ und in
der rechten Hand ein Bastei Lübbe-Taschenbuch vergleichgefühlt
hat, wird wissen, was ich meine. Lesen ist auch ein haptischer
Vorgang, und ich möchte mir die Freude, ein wirklich gutes
Buch immer wieder neu erwandern zu dürfen, nicht durch Macken
verderben.
Schöne Bücher (weiter unten hab ich sie in meine Kategorie „Freunde“ eingeordnet) sind mit vier Sinnen zu erfassen. Schmecken laß ich außen vor. Aber ein schön in Leder gebundenes Buch riecht gut, fühlt sich einmalig an (da kann nur noch die Haut meiner Frau und der Kinder mithalten) und das Blättern darin klingt wunderbar. Wie gesagt schmecken geht nicht (wegen der Spuren!!!)
Für mich sind geliebte Bücher (der Lord of the Rings ist ein
gutes Beispiel) Orte, die ich immer wieder aufsuche. Darin
darf sich so nach und nach ein Trampelpfad bilden (übersetzt:
wenn das Buch nach und nach ein wenig abgegriffen ist, macht
es nix), aber die Speisereste vom letzten Picknick (übersetzt:
Kritzeleien, Knicke, Fettflecken) möchte ich bei der
Wiederkehr ungern darin finden.
Gelesene ( nicht zerlesene!!) Bücher sind mir die liebsten. Bücher nur zu kaufen um sie ins Regal zu stellen finde ich einfach gemein (dem Buch gegeüber), obwohl ich auch viele solcher Exemplare habe.
Ähnlich ist ein Lexikon oder Fachbuch für mich einer Werkstatt
ähnlich: man darf sehen, daß dort gearbeitet wird, aber allzu
unaufgeräumt sollte es dort nicht sein.
Wirklich schön gesagt. Ettliche meiner viel benutzten Lexika haben deutliche Gebrauchspuren, aber wenn sie solide gefertigt sind, machen solche Spuren (in Maßen!) ein Buch nur schöner. Genauso finde ich Hände von alten Menschen, die ein Leben lang körperlich gearbeitet haben unvergleichlich schön.
Zur Ordnung: zwar führe ich Kartei über meine Bücher (muß ich
auch, weil’s ca. 5000 Stück sind), aber in den Regalen stehen
sie eher nach anderen Kriterien: wie oft ich sie brauche, was
zusammenpaßt & hübsch aussieht - denn meine Wohnung wird immer
noch von mir und nicht von Büchern bewohnt (obgleich ich ihnen
gerne viel Platz überlasse - ein Zimmer ohne Bücher ist für
mich irgendwie nicht eingerichtet); und die Platznot tut auch
ein übriges. Ein bißchen gewachsenes Durcheinander ist
heimelig, solange es nicht in Chaos ausartet.
Karteikarten habich mal angefangen, aber aus Trägheit wieder sein gelassen. Daher weis ich auch nicht genau wie viele ich besitze (ändert sich schließlich ständig). Vor etwa 10 Jahren hat ein Freund mir die Frage nach der Anzahl gestellt und war verwundert, daß ich sie nicht beantworten konnte. Er hat sich damals drangegeben und gezählt; er ist damals auf ca. 1500 gekommen. Heute sind es wohl gut doppelt so viele.
In den letzten Jahren habe ich begonnen, mehr und mehr Bücher
auszusortieren, weil ich zu der Überzeugung gelangt bin, das
ich dann besser würdigen kann, was ich bewußt behalte. Ich bin
sehr gespannt, bei welchen 10 oder 50 oder 100 Büchern ich
zuletzt verweile.
Das hab ich ein mal gemacht, als ich umgezogen bin. Die Dame der Stadtbücherei hat ganz schön verwundert geschaut, als ich mit drei großen Umzugkartons ankam. Aber ein schlechtes Gewissen hatte ich schon, wer setzt denn Kinder aus? Die Gefahr, daß ich irgendwann mal nur 100 oder weniger Bücher besitzen werde, sehe ich eher nicht. Obschon ich mir des öfteren die Inselfrage gestellt habe, welche 3 (10 oder 100) Bücher ich mitnehmen würde. Aber die Antwort ändert sich auch im Laufe der Zeit.
Gandalf