Befindlichkeiten

Hallo erstmal

Ich hab kurz überlegt, ob ich dies hier im Brett „deutsche Sprache“ schreibe, aber es ging mir nicht um sprachlich-formale oder etymologische Begriffsbestimmung, sondern um Inhaltliches dabei.

Mir fällt in letzter Zeit auf, dass das Wort „BEFINDLICHKEITEN“

  1. öfter gebraucht wird (auch von Politikern) und
  2. immer polemisch, also im Sinne einer negativen Bedeutungs-Veränderung; so nach dem Motto: „Da stellt sich jemand an, weil ihm ein Furz quer sitzt“ oder „Die sind da so verwöhnt, denen geht es nur um ihre Befindlichkeiten, die sollen doch mal in der Sahil-Zone tagelang nach Wasser suchen“ o.ä.

Ich habe also den Eindruck, dass es sich mit dem polemischen Gebrauch von „Befindlichkeiten“ um eine Abqualifizierung des subjektiven menschlichen Empfindens handelt, insbesondere, was die seelischen Empfindungen betrifft.
Und hier sitzt meines Erachtens der Stachel: Der „kleine Mann“ soll (weiter) verunsichert werden, was seine Gefühle und seine Bedürfnisse betrifft. Er soll sich „nicht so anstellen“, soll Verzicht leisten.
Die ganze Geschichte hat also eine psychisch-politische Dimension, nach meinem Dafürhalten.
Was denkt Ihr arüber?
fragt
Branden

Guten Morgen, Branden!
Du sprichst mir aus der Seele. Wenn ich beispielsweise eine einfache Frage im Forum stelle, bekomme ich keine einzige richtige Antwort, sondern werde als psychisch krank bezeichnet. Dabei will ich nur nicht von Betrügerbanden abgezockt werden, die Unterstützung von Anwälten und Richtern erhalten. Obwohl ich alle Betrüger und Helfer bereits überführen konnte, wollen Richter nichts von meinen Beweisen wissen. Das schlägt natürlich aufs Gemüt, wenn ich allein gegen die Mafia kämpfen muss.
Grüße
Benedikt d. Ä.

Hallo Branden,

Mir fällt in letzter Zeit auf, dass das Wort
„BEFINDLICHKEITEN“

  1. öfter gebraucht wird (auch von Politikern) und
  2. immer polemisch, also im Sinne einer negativen
    Bedeutungs-Veränderung; so nach dem Motto: "Da stellt sich
    jemand an

Und hier sitzt meines Erachtens der Stachel: Der „kleine Mann“
soll (weiter) verunsichert werden, was seine Gefühle und seine
Bedürfnisse betrifft. Er soll sich „nicht so anstellen“, soll
Verzicht leisten.
Die ganze Geschichte hat also eine psychisch-politische
Dimension, nach meinem Dafürhalten.

Ein Faktum ist, dass in Zeiten ökonomischer Rezession, in welcher wir uns seit spätestens Anfang der 80er Jahre befinden, „Befindlichkeiten“ mehr und mehr zum Störfaktor werden für einen Gesamtzusammenhang, dessen oberstes Gebot das reibungslose Funktionieren aller Teile ist (ein manifestes Zeichen dafür ist unser penetrantes Verlangen nach SICHERHEIT, welches in den meisten Fällen als ein Verlangen sich entpuppt, die Reproduktion des Kapitals zu sichern).

Bereits hier haben wir einen ersten wichtigen Aspekt der Psychopolitik (Du erinnerst dich vielleicht an Foucaults Terminus der Biopolitik?):

uns allen wird ein tiefes Verlangen nach Sicherheit suggeriert, alles und jedes wird als unsicher gekennzeichnet.
(ein Beispiel für vieles: obwohl die Raten im Bereich der Schwerkriminalität auf historischen Niedrigständen sich befinden, fordern wir hier immer mehr Sicherheit, bessere Kontrolle, härtere Strafen zur Abschreckung=Sicherheit, etc.)

In einer historischen Situation, in der alles Reibende, alles Störende, den Gesamtzusammenhang nicht nur „reizt“, sondern existenziell gefährdet, wird die Befindlichkeit zur Gefahr, der Befindliche zum Gefährlichen.

Der Gefährliche aber stört unser Bedürfnis nach SICHERHEIT: Planbarkeit, Einplanbarkeit;

darum müssen diese Befindlichkeiten, Individualitäten, „Verzicht leisten“,
mussten Sozialhilfeempfänger „Verzicht leisten“ auf an ihren individuellen Befindlichkeiten-Bedürfnissen ausgerichteten Einmalzahlungen, erhielten dafür zum Ausgleich Pauschalen (durch ALG II nochmals radikalisiert);

müssen Kranke mehr und mehr „Verzicht leisten“ bei individuell an den Ursachen der Erkrankung ansetzenden Behandlungen, erhalten dafür zum Ausgleich standardisierte Symptom-Behandlungen;

müssen Beufstätige mehr und mehr „Verzicht leisten“ bei ihren individuellen und deshalb ortsgebundenen Bindungen an Familien- und Freundeskreise, erhalten dafür zum Ausgleich einen Arbeitsplatz, wie fern auch immer dieser vom Ort ihrer sozialen und psychischen Einbindung entfernt sein mag;
die zunehmende Standardisierung der Wohn- und Einkaufsstätten (Aldi und das Fertighaus) sind beredte Smptome dafür.
etc.

Man täusche sich aber nicht darin, dass Befindlichkeiten als solche abqualifiziert würden:
da, wo sie nicht reiben, sondern schmieren, wird ihnen das Wort geredet, gefordert aber sind dann standardisierte Befindlichkeiten (Wertorientierungen, aber auch: Konsumbedürfnisse, bis hin zur use-and-throw-away-Haltung).

Adorno spricht gerade in diesem Zusammenhang vom (viel missverstandenen) „Tod des Individuums“.

Viele Grüße
franz

Befindlichkeitsrunde
Moin,

Du sprichst mir aus der Seele. Wenn ich beispielsweise eine
einfache Frage im Forum stelle, bekomme ich keine einzige
richtige Antwort, sondern werde als psychisch krank
bezeichnet. Dabei will ich nur nicht von Betrügerbanden
abgezockt werden, die Unterstützung von Anwälten und Richtern
erhalten. Obwohl ich alle Betrüger und Helfer bereits
überführen konnte, wollen Richter nichts von meinen Beweisen
wissen. Das schlägt natürlich aufs Gemüt, wenn ich allein
gegen die Mafia kämpfen muss.

Du Ärmster. Wollen wir eine Befindlichkeitsrunde machen? Uns alle an den Händen fassen und dann darf jeder erstmal sagen, wie’s ihm so gerade geht?

Gruß,

Malte.

PS: Wenn das nicht mal ein anschauliches Beispiel ist…

Hallo,

Ich habe also den Eindruck, dass es sich mit dem polemischen
Gebrauch von „Befindlichkeiten“ um eine Abqualifizierung des
subjektiven menschlichen Empfindens handelt, insbesondere, was
die seelischen Empfindungen betrifft.
Und hier sitzt meines Erachtens der Stachel: Der „kleine Mann“
soll (weiter) verunsichert werden, was seine Gefühle und seine
Bedürfnisse betrifft. Er soll sich „nicht so anstellen“, soll
Verzicht leisten.

Ich denke, daß das eine Gegenreaktion ist, auf die zunehmende Weichspülerei. Allerorten kommt es immer häufiger vor, daß Leute ihre Befindlichkeit in den Vordergrund stellen und daraufhin irgendwelche Rücksichtnahme darauf erwarten. Globalgalaktisch gesehen nimmt das Gejammere einfach zu, und das auch in Situationen, in denen das persönliche Befinden des Einzelnen irrelevant ist.

Ich hab den Eindruck, daß das echt zu einer Seuche geworden ist. „Hach, mir geht’s psychisch so schlecht, da ist mir Arbeit grad echt nicht zuzumuten…“, „Hach, ich bin psychisch so schlecht drauf, da muß man doch Rücksicht drauf nehmen…“. NEIN, muß man nicht. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, und selbst für sein Befinden verantwortlich.

Um als willkürliches Beispiel mal dieses Forum zu nehmen: Wenn hier jemand irgendetwas schreibt, was objektiv kritikwürdig ist, dann muß man das auch so sagen dürfen. Wenn jemand Scheiße schreibt, dann sagt man halt „Hör mal, das ist ganz großer Mist, und zwar aus diesem und jenem Grund.“. Du kannst aber sicher sein, daß sich irgendjemand aus der Rosa-Wattebäuschen-Fraktion zu Wort meldet und das total unsensibel findet.

Die Menschen sind so generell betrachtet einfach überhaupt nicht mehr kritikfähig und reden sich gegenseitig zuviel schön. Klar muß ich auch erstmal schlucken, wenn mir jemand ein „Du, das war jetzt aber nur Müll, was Du da fabriziert hast!“ vor den Latz knallt. Aber so ist das eben, und nach dem Schlucken kann man sich dann der Sache zuwenden und was dran ändern. Das geht aber nur mit klaren Ansagen.

Das private Befinden schleicht sich in alle Bereiche ein und wird thematisiert, auch dort, wo es unangebracht ist. Ich will damit nicht einer gefühllosen Gesellschaft das Wort reden, auch nicht das Einfühlungsvermögen als hohes Gut herabwürdigen und erst recht nicht psychische Krankheiten verharmlosen, aber ein bißchen mehr Eigenverantwortung schadet nicht, mein ich wohl.

Gruß,

Malte.

Hallo Malte

Ich hab den Eindruck, daß das echt zu einer Seuche geworden
ist. „Hach, mir geht’s psychisch so schlecht, da ist mir
Arbeit grad echt nicht zuzumuten…“, „Hach, ich bin psychisch
so schlecht drauf, da muß man doch Rücksicht drauf nehmen…“.
NEIN, muß man nicht. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied,
und selbst für sein Befinden verantwortlich.

Ja, das ist natürlich die andere Seite der Medaille. Damit hast Du auch recht, aber im Wesentlichen schafft es nicht meine Fragestellung aus der Welt.
Mal abgesehen von dem „Jammern auf hohem Niveau“ , was jetzt fast jedem Kritiker auch schon schnell mal so bescheinigt wird, obwohl er vielleicht nur Missstände aufzeigt, sehe ich eine Tendenz (wiegesagt insbesondere bei Politikern und höherem Management), das persönliche Befinden von vornherein zu diskriminieren. Hier ist möglicherweise eine Gegenbewegung im Spiel, wie Du auch schon annimmst, aber nicht nur eine Gegenbewegung zu den „Jamerern“, sondern auch eine zu der „Hippie-Bewegung“, die Emotionen und subjektives Erleben zum ersten Mal seit langer Zeit (seit den verkrusteten Bismarck- und Hitler-Zeiten) wieder ernst nahm.
Gruß,
Branden

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Hallo, Branden,
momentan ist es leider so, dass die Mehrheit nur an ihre Altersversorgung denkt und dabei das verdiente Geld an Politiker, Energieversorger, Restaurantbesitzer, usw. verschenkt, wo es doch viel lukrativer wäre, selber Politik zu betreiben, sparsam zu sein und zuhause zu essen. Dann bräuchte man auch kein Auto. Jeder sollte seine eigenen Gesetze aufstellen dürfen und danach handeln. Ich möchte keine Politiker sehen, die auf meine Kosten Weltreisen unternehmen, wenn Welt-, Auslands- und Inlandspolitik online stattfinden können. Das Gleiche gilt für Millionäre. Spontan fällt mir hier Michael Jackson ein, der immer noch über seine Verhältnisse lebt und psychische Probleme hat. Da wäre auch sein Vater zur Verantwortung heranzuziehen, der nicht erkennen wollte, dass das Böse im Geld steckt.
Benedikt

zu diskriminieren. Hier ist möglicherweise eine Gegenbewegung
im Spiel, wie Du auch schon annimmst, aber nicht nur eine
Gegenbewegung zu den „Jamerern“, sondern auch eine zu der
„Hippie-Bewegung“, die Emotionen und subjektives Erleben zum
ersten Mal seit langer Zeit (seit den verkrusteten Bismarck-
und Hitler-Zeiten) wieder ernst nahm.
Gruß,
Branden

Hi Malte,

PS: Wenn das nicht mal ein anschauliches Beispiel ist…

… auch noch, nachdem Du Dir mal den Namen des Beispielgebers (bzw. neuerdings die Email-Adresse unseres Schatten-Rambos) angeschaut hast?..

Viele Grüße
franz

Hi,

PS: Wenn das nicht mal ein anschauliches Beispiel ist…

… auch noch, nachdem Du Dir mal den Namen des Beispielgebers
(bzw. neuerdings die Email-Adresse unseres Schatten-Rambos)
angeschaut hast?..

GERADE nachdem ich das getan habe (vor dem Verfassen meines Artikels).
Es zeigt nämlich, daß das Relativieren von Befindlichkeitsgedöns mitunter einen Grund hat.

Gruß,

Malte.

Hallo Bene

momentan ist es leider so, dass die Mehrheit nur an ihre
Altersversorgung denkt und dabei das verdiente Geld an
Politiker, Energieversorger, Restaurantbesitzer, usw.
verschenkt, wo es doch viel lukrativer wäre, selber Politik zu
betreiben, sparsam zu sein und zuhause zu essen.

Mag sein, aber ich denke, das ist ein anderes Thema. Zwar gibt es einen Zusammenhang zwischen Befindlichkeiten und Bedürfnissem, aber ich hatte jetzt weniger die reine Ökonomie im Auge. :wink:
Gruß,
Branden

Hallo Ben

… „Befindlichkeiten“ mehr und mehr zum Störfaktor
werden für einen Gesamtzusammenhang, dessen oberstes Gebot das
reibungslose Funktionieren aller Teile ist

Genau. Damit hast Du einen wesentlichen Aspekt benannt.

In einer historischen Situation, in der alles Reibende, alles
Störende, den Gesamtzusammenhang nicht nur „reizt“, sondern
existenziell gefährdet, wird die Befindlichkeit zur Gefahr,
der Befindliche zum Gefährlichen.

So ist es.

Der Gefährliche aber stört unser Bedürfnis nach SICHERHEIT:
Planbarkeit, Einplanbarkeit;

darum müssen diese Befindlichkeiten, Individualitäten,
„Verzicht leisten“,

Auch ich empfinde diese Nähe von „Befindlichkeiten“ zu „Individualismus“; vielleicht wollte ich auch deswegen hier mal eine Lanze für die „Befindlichkeiten“ brechen :wink:

müssen Kranke mehr und mehr „Verzicht leisten“ bei
individuell an den Ursachen der Erkrankung ansetzenden
Behandlungen, erhalten dafür zum Ausgleich
standardisierte Symptom-Behandlungen;

Wie sehr recht Du hast, Ben!

müssen Beufstätige mehr und mehr „Verzicht leisten“ bei ihren
individuellen und deshalb ortsgebundenen Bindungen an
Familien- und Freundeskreise, erhalten dafür zum Ausgleich
einen Arbeitsplatz, wie fern auch immer dieser vom Ort
ihrer sozialen und psychischen Einbindung entfernt sein mag;
die zunehmende Standardisierung der Wohn- und Einkaufsstätten
(Aldi und das Fertighaus) sind beredte Smptome dafür.
etc.

Man täusche sich aber nicht darin, dass Befindlichkeiten als
solche abqualifiziert würden:
da, wo sie nicht reiben, sondern schmieren, wird ihnen das
Wort geredet, gefordert aber sind dann standardisierte
Befindlichkeiten (Wertorientierungen, aber auch:
Konsumbedürfnisse, bis hin zur use-and-throw-away-Haltung).

Adorno spricht gerade in diesem Zusammenhang vom (viel
missverstandenen) „Tod des Individuums“.

Einmal mehr möchte ich Dir für diese geistreiche und wahre Antwort danken, lieber Ben!
Es grüßt Dich Branden

Hallo, Branden,
wir sind doch alle Sklaven des schnöden Mammons. Mit viel Geld lässt sich alles kaufen, sogar Glück. „Ein bescheidener Mensch ist schon glücklich, wenn er zufrieden ist“, darf ich mal behaupten. Ein erfolgreicher Seelenklempner ist schon für 100000 € zu haben. Manager, die Tausende von Arbeitern ohne Gewissensbisse entlassen können, brauchen gute Psychiater. Wir wissen doch alle mehr als Politiker und Richter. Trotzdem sind wir Sklaven geblieben. Nicht einmal Eltern dürfen die Leute bestrafen, die ihre Kinder misshandelt und getötet haben. Gefühllose Paragraphenreiter und Strafverteidiger sorgen immer wieder für ungerechte Strafen durch falsche Gesetze.
Benedikt

GERADE nachdem ich das getan habe (vor dem Verfassen meines
Artikels).
Es zeigt nämlich, daß das Relativieren von
Befindlichkeitsgedöns mitunter einen Grund hat.

… hast Du dann natürlich Recht (aber ich glaube nicht, dass Branden solche Befindlichkeiten in erster Linie gemeint hat).

…(aber ich glaube nicht, dass
Branden solche Befindlichkeiten in erster Linie gemeint hat).

Et voilà - ich kann mich der Antwort meines Anwaltes nur anschließen :wink:
Gruß,
Branden

…(aber ich glaube nicht, dass
Branden solche Befindlichkeiten in erster Linie gemeint hat).

Et voilà - ich kann mich der Antwort meines Anwaltes nur
anschließen :wink:

Ich hab das schon verstanden, aber ich mag konkretere Diskussionen lieber als abstraktere :smile:

Was Du in Bezug auf das Große Ganze meinst, hat Ben weiter oben imho sehr schön beantwortet. Meine Antwort fügt sich in die seine ja als kleiner Unterpunkt auch hervorragend ein :smile:

Gruß,

Malte.

Viele Grüße

Hallo, Franz,
danke für vielen guten Argumente und Sternchen für die Aufmerksamkeit! Ich darf zusammenfassen, dass wir uns zuviele Sorgen über Sachen machen, die irrelevant für unsere Gesundheit sind. Dabei wäre es so einfach, nicht auf das zu hören, was uns über die Medien suggeriert wird, wenn die Gesellen unserer Gesellschaft kritischer wären: Abzocke bei Telefongewinnspielen, neue Klingeltöne, Zeitschriften, um nur einige zu nennen. Ein aufgeklärter Bürger bräuchte sich nicht sagen lassen, was man alles braucht. Dann gibt es noch alle möglichen Versicherungen für alles und gegen alles. Wohin die Zahlungen fließen, können wir alle nachlesen und anschauen. Alle Werbung sollte übrigens verboten werden. Zuschauerfreundliches Fernsehen könnte von den Zuschauern selbst gestaltet werden. Wir brauchen keine millionenschweren Moderatoren, Schauspieler und Sänger.
Benedikt

Hallo, Branden,
in meinem philosophischen Übereifer und mit Hilfe des philosophischen Quartetts bin ich zu folgenden Überlegungen gekommen. Da gibt es das Verhalten des Löwen, der ein weiter Verwandter von uns ist und 23 Stunden herumdöst, nur eine Stunde jagt, weil die Steppe sehr übersichtlich ist und er keine Feinde außer dem Menschen hat. Für ihn gibt es eigentlich nur die Tätigkeiten Finden, Nehmen und Halten. Er findet, dass er nach langem Dösen wieder Hunger hat, nimmt sich in der Steppe etwas Fleisch und muss es natürlich festhalten, bevor er es verspeisen kann. Das funktioniert jetzt schon seit Millionen Jahren. Der heutige Mensch jedoch findet nicht einfach etwas, nimmt es sich und behält es. Er findet viel mehr, findet manches falsch, einiges richtig. Er nimmt auch nicht einfach, er benimmt sich laut Knigge, manchmal falsch, auch mal richtig. Und dann hält er nicht einfach etwas in der Hand. Er behält es für sich, verhält sich oft daneben, behält sich etwas vor, findet das sogar in Ordnung, wenn er sich daneben verhält. Jedenfalls entstehen alle Sorgen aus der Unübersichtlichkeit des Lebens. Wir sollten wieder zurück in die Natur.
Benedikt

Ach, wir Armen!
Hallo Bene

Da Du -bewußt oder unbewußt- aus dem FAUST zitierst, möchte ich -der INHALTLICHEN Vollständigkeit halber- den Satz fertig zitieren:
„Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles - ach, wir Armen!“
sagt Gretchen da, wenn ich mich recht erinnere. Und der letzte Teil scheint mir der wesentliche!

Gruß,
Branden

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Hallo, Branden,
das Thema Geld beherrscht schon seit über tausend Jahren die Welt. Natürlich sind die arm dran, die ohne Geld nicht leben können.
Benedikt

Hi zusammen!

Grundsätzlich beobachte ich eine starke Tendenz hin zu einer Maximierung des persönlichen Gewinns/Vorteils und einer Minimierung des zu erbringenden Aufwand/Einsatz.

Mit Gewinn/Vorteil meine ich Vergnügen, Geld, Freizeit, Rechte, Freiheit, …

Mit Aufwand/Einsatz meine ich so Dinge wie Anstrengung, Opferbereitschaft, Arbeitszeit, Geduld, Verzicht, Rücksicht, …

Diese egoistische Entwicklung ist mitschuld an vielen momentanen Problemen. Diese Probleme lassen sich nur lösen, wenn jeder Mensch einen Schritt zurück tritt, ein bisschen Gewinn/Vorteile aufgibt und ein bisschen mehr Aufwand/Einsatz einbringt. Den Leuten das so klar zu machen, dass es wirklich jeder macht, halte ich für die schwerste Aufgabe überhaupt. Viele Leute beharren ja richtiggehend auf ihrem Status Quo. Außerdem ist das ein Dilemma, weil wenn einige weniger Gewinn/Vorteile erwarten, nimmt sich jemand anderer alle diese, hat damit viel mehr Gewinn/Vorteile, und das ist noch ungerechter („Prisoners Dilemma“).

Ich denke, dass die Formulierungen mit dem Wort „Befindlichkeit“ genau dieses Missverhältnis aus Gewinn/Vorteilen und Aufwand/Einsatz ansprechen. Wegen der notwendigen sprachlichen Knappheit in den Medien und der unpopulären Botschaft (siehe vorheriger Absatz) wird es nicht deutlich gesagt.

Dadurch gerät das ursprünglich neutrale (und für Psychologen nützliche Wort) „Befindlichkeit“ in Verruf, weil es immer mit negativer Konnotation benutzt wird. Deiner Beobachtung kann ich voll zustimmen. Leider.

Aber um das wieder gerade zu rücken: Auch andere Wörter werden (vorallem in der Politik und den Medien) mit negativen Konnotationen versehen gebraucht. Mist, jetzt fallen mir keine ein. :frowning: Aber um 19:30 beim Nachrichten-Schauen werden mir bestimmt wieder 2-3 auffallen. :smile:

Bye
Hansi