Befreiung Buchenwald

Hallo.

Der Radio sagt, heute sei Gedenktag für die Befreiung des Kz Buchenwald durch die Alliierten.
Mit diesen beiden Wörtern als Suchbegriff führt Google direkt zu einem Aufsatz in shoa.de. Dazu hätte ich ein paar Fragen:

Demnach seien es mitnichten „die Allierten“ gewesen, sondern Captain Ketter mit 3 oder 4 GIs, die Buchenwald vor genau 60 Jahren befreit haben.
Wie soll man sich diese Befreiung szenisch vorstellen?
Haben die Nazi-Schergen Widerstand geleistet oder versucht, schnell noch möglichst viele Insassen zu ermorden?
Haben die Insassen etwa unter der Führung der 4 Amerikaner die Nazischergen niedergekämpft?
Sind die Nazischergen hinten davongelaufen, als die Befreier vorne am Tor geläutet haben?
Haben die Nazischergen schon vor der Befreiung Insassen entlassen?
Hat vielleicht der Obernazischerge des Lagers das Lager kampflos und förmlich übergeben?
Erhielten die befreiten Insassen Unterstützung für ihren Heimweg? Hatten die Nazischergen Habseligkeiten der Insassen gelagert, die ihnen von den Befreiern zurückerstattet werden konnten?
Sind nach der Befreiung Insassen freiwillig im Lager geblieben oder gar unfreiwillig? Wenn ja, wurden diese dann besser versorgt als vorher? Besser versorgt als die restliche Bevölkerung? Ab wann?

Gruß

Gabi

Hallo !

Niemand hat das Lager Buchenwald befreit. Das taten die Häftlinge selbst. Die Wachmannschaft war längst über alle Berge, als die Alliierten kamen :

Bewaffnete KZ-Häftlinge in Buchenwald übernehmen das Lager und übergeben es den anrückenden Amerikanern. Ähnliches ereignet sich auch in anderen Lagern.
[Deutsche Geschichte von Tag zu Tag: 11. April 1945. Deutsche Geschichte von Tag zu Tag, S. 13040 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 602) © Droste/Directmedia]

mfgConrad

Hallo.

Niemand hat das Lager Buchenwald befreit. Das taten die
Häftlinge selbst. Die Wachmannschaft war längst über alle
Berge, als die Alliierten kamen

Wieso „längst“? Das geschah doch alles noch ganz früh am morgen!

Bewaffnete KZ-Häftlinge in Buchenwald übernehmen das Lager und
übergeben es den anrückenden Amerikanern. Ähnliches ereignet
sich auch in anderen Lagern.
[Deutsche Geschichte von Tag zu Tag: 11. April 1945. Deutsche
Geschichte von Tag zu Tag, S. 13040 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 602)
© Droste/Directmedia]

Soll das heißen, die Nazischergen haben, als sie sich davonmachten, den Kz-Häftlingen Waffen und Schlüssel dagelassen?

Gruß

Gabi

Bewaffnete KZ-Häftlinge in Buchenwald übernehmen das Lager und
übergeben es den anrückenden Amerikanern. Ähnliches ereignet
sich auch in anderen Lagern.
[Deutsche Geschichte von Tag zu Tag: 11. April 1945. Deutsche
Geschichte von Tag zu Tag, S. 13040 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 602)
© Droste/Directmedia]

Soll das heißen, die Nazischergen haben, als sie sich
davonmachten, den Kz-Häftlingen Waffen und Schlüssel
dagelassen?

Die „Nazischergen“ !

Das waren zum Schluß alte Veteranen, die nichts überließen, sondern von den Häftlingen verjagt wurden. Und aus Angst vor den Alliierten flohen.
Es gab nicht nur diese ausgemergelten Häftlinge, die man immer wieder sieht. Das waren die Kranken und Bettlägerigen. Man darf nicht vergessen, das waren Arbeitslager!

Ich war selbst 1945 in einem dieser Lager in der Nähe von Hamburg. Ich glaube es war Neuengamme. Die Häftlinge, die dort weiter von den Alliierten hinter Gittern gehalten wurden, waren keine so dünnen, ausgemergelten Menschen, wie uns immer wieder gezeigt wird. Mit diesen hätte man die Werften in HH nicht betreiben können.

mfgConrad

Das waren zum Schluß alte Veteranen, die nichts überließen,
sondern von den Häftlingen verjagt wurden. Und aus Angst vor
den Alliierten flohen.

Naja, Waffen haben die ja wohl zurückgelassen…

Hamburg. Ich glaube es war Neuengamme. Die Häftlinge, die dort
weiter von den Alliierten hinter Gittern gehalten wurden,

Wie bitte? Wir feiern den Jahrestag einer Befreiung von Häftlingen, die sich vor dieser Befreiung bereits selbst von ihren Peinigern befreit hatten und (nach der heute gefeierten Befreiung) von den „Befreiern“ zu inhaftierten Zwangsarbeitern gemacht wurden?

Die Kz-Häftlinge waren doch über jeden Nazi-Mitläuferverdacht erhaben! Wenn nicht die, wer denn sonst?

Mein lieber Herr Gesangsverein, da schwirrt mir aber der Kopf.

Gruß

Gabi

Wie bitte? Wir feiern den Jahrestag einer Befreiung von
Häftlingen, die sich vor dieser Befreiung bereits selbst von
ihren Peinigern befreit hatten und (nach der heute gefeierten
Befreiung) von den „Befreiern“ zu inhaftierten Zwangsarbeitern
gemacht wurden?

Die Kz-Häftlinge waren doch über jeden Nazi-Mitläuferverdacht
erhaben! Wenn nicht die, wer denn sonst?

Ist wohl schwer zu verstehen.
Man vermied damit das unkontrollierte Herumlaufen in Deutschland. Jeder Häftling wollte nach Haus.
Nach dem 8.Mai ging eine große Gefahr von zigtausend Fremdarbeitern aus, die plündernd und auch mordend durch die gegend zogen. Frag Jeden, der damals lebte.
Also behielt man die meisten erstmal in den Lagern. Natürlich wurden sie mediz. behandelt und verpflegt.

mfgConrad

Anmerkung Anzahl Fremdarbeiter
Hallo,

Nach dem 8.Mai ging eine große Gefahr von zigtausend
Fremdarbeitern aus, die plündernd und auch mordend
durch die gegend zogen. Frag Jeden, der damals lebte.

IIRC waren das rund eine Million oder noch mehr.
Wer weiss genaueres?

CMБ

Hallo,

Nach dem 8.Mai ging eine große Gefahr von zigtausend
Fremdarbeitern aus, die plündernd und auch mordend
durch die gegend zogen. Frag Jeden, der damals lebte.

IIRC waren das rund eine Million oder noch mehr.
Wer weiss genaueres?

Zigtausende zogen aber durch Deutschland. Deshalb hielt man die große Mehrzahl unter Kontrolle.
Auch die Fremdarbeiter waren keine Engel. Unsere Häuser wurden jede Nacht festungsartig verbarrikatiert.

mfgConrad

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So,so…Arbeitslager!?
Ist das geschichtliche Verblendung oder nur Naivität? Ja natürlich wurde in den Lagern gearbeitet, aber zu welchem Preis? Allein in Neuengamme sind ungefähr 55000 Menschen ums Leben gekommen. Jämmerlich verreckt, zu Tode getrampelt, erschossen, verhungert oder sich zu Tode gearbeitet!
Vernichtung durch Arbeit, das galt nicht nur für die europäischen Juden, sondern auch für die einsitzenden Häftlinge in den Konetrationslagern im Reich. Und wenn deiner Meinung nach ein Häftling nur gut genährt arbeiten konnte, dann frag dich mal warum im KZ Mittelbau-Dora, der größten Fertigungsfabrik für die V2 ,ca. 20000 Menschen ums Leben gekommen sind.
Im übrigen, zu behaupten, die Zwangsarbeiter wären neben der medizinischen Notwendigkeit(was ja uach absolut stimmt) auch deswegen in den Lagern festgehalten worden; weil sie, Zitat:„mordend und plündernd durch die Gegend zogen.“,ist doch schon sehr merkwürdig.
Komisch, ich habe mich schon mit vielen Menschen( die damals lebten) unterhalten. Und keiner hat mir von solchen Vorkommnissen berichtet.
Das es zu Vorfällen kam, bestreite ich gar nicht, aber nur punktuell Aber die freigelassenen Zwangsarbeiter als plündernde und mordenden Horden darzustellen, ist eine historische Unwahrheit!
Die Wachen der Konzentrationslager, in diesem Fall Buchenwald, als alte betagte Veteranen zu bezeichnen, ist nun ebenso falsch. Es waren reguläre Teile SS-Totenkopfverbände. Fakt ist, das im Laufe des Krieges Angehörige der Wehrmacht(Verwundete,Überflüssiges Marine- und Luftwaffenpersonal)an die SS überführt wurden. Aber deswegen mussten sie sich den Gefangenen gegnüber nicht unbedingt besser verhalten. Das Stammpersonal aber, tat schon seit Jahren Dienst in den KZ’s, mal hier, mal dort. So gesehen kann man sie als Veteranen bezeichnen, aber anders als du es meinst!

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Buchtipp
Hi
Lies
Kogon: der SS-Staat
Einiges an generellen Aussagen über die SS ist zwar umstritten, aber der Autor war dabei.
(Der Autor war ausserdem kein Kommunist)

Kurzfassung: In dem Lager wurde (meist durch Kommunisten) ein „Lagerschutz“ und eine „Lagerpolizei“ aufgebaut, wodurch der SS der Einblick in die inneren Angelegenheiten des Lagers weitgehend verbaut wurde… Solange es lief, lies die SS es laufen.
Dieser Lagerschutz konnte sich durch einschmuggeln aus umliegenden Industriebetrieben und durch bestechliche SS-Chargen Waffen und Sprengstoff in nicht unerheblicher Menge verschaffen.

Als die US-Army nahe genug herangerückt war, war bereits die Entscheidnung gefallen, eine Liquidierung des Lagers durch die SS mit Waffengewalt zu verhindern. Die wachmannschaften zogen es aber vor, den kampf zu vermeiden und gaben das lager kampflos kurz vor dem Eintreffen der US-Truppen auf. Der lagerschutz besetzte die Wachtürme und übergab das bereits befreite Lager der US-Army.

Gruß
Mike

mussten sie sich den Gefangenen gegnüber nicht unbedingt

besser verhalten. Das Stammpersonal aber, tat schon seit
Jahren Dienst in den KZ’s, mal hier, mal dort. So gesehen kann
man sie als Veteranen bezeichnen, aber anders als du es
meinst!

Irgendetwas hast Du nicht kapiert!
Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass diese Veteranen sich menschlicher verhielten. Ich habe nur damit gesagt, dass diese Leute sich leichter von den Insassen übertölpeln liessen, mehr nicht.

Hallo.

Danke für die Zusammenfassung.
Demnach waren es die Nazis selber, die das Kz Buchenwald „befreiten“, bzw. freiließen, indem sie ihre Oberherrschaft über den Lagerschutz aufgaben (irgendwann vor dem 11. April). Das befreite, also in der Hand von Kommunisten befindliche Lager unterstellte sich dann seinen amerikanischem Verbündeten, jedoch ohne vorher seine Insassen freizulassen. Auch die Amerikaner haben die Insassen erst einmal nicht freigelassen und - nur so ein Verdacht von mir - auch nicht besser versorgen können als es vorher die Nazis getan hatten.

Der Begriff „60. Jahrestag der Befreiung des Kz Buchenwald durch die Allierten“ ist somit ziemlich kreativ.

Gruß

Gabi

Hallo,

Erstmal muß unterschieden werden zwischen ARBEITSlager und VERNICHTUNGSlager.
Dann sollte nicht vergessen werden, daß die Sowjets die KZs übergangslos weiterführten, teils mit den selben Insassen. Merkwürdigerweise wird das heute gerne vergessen. Dann stellt sich die Frage, was z.B. die Rheinwiesenlager waren. Weiterhin hatten die Alliierten handfeste Interessen, keiner hat aus humanistischen Gründen gehandelt. Wer das noch immer glaubt, muß sehr naiv sein. Weshalb waren die großen KZs in Polen? Alle hatten Dreck am Stecken (Deutsche Amis, Briten, Franzosen, Russen, Polen, Niederländer, Japaner etc.pp.). Es gibt zu viele Fragen, die nicht beantwortet werden, weil nur die deutschen Archive restlos geöffnet wurden und die Nachkriegs-PR noch heute arbeitet (z.B. band of brothers u. a. Spielberg- Filme). Dies wird viel zu wenig hinterfragt.

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Hallo.

Danke für die Zusammenfassung.
Demnach waren es die Nazis selber, die das Kz Buchenwald
„befreiten“, bzw. freiließen, indem sie ihre Oberherrschaft
über den Lagerschutz aufgaben (irgendwann vor dem 11. April).

Na ja, sie wollten halt nicht mehr für den geliebten Führer ein Risiko eingehen. In anderen lagern mit weniger ausgebautem internen lagerstrukturen haben sie das sehr wohl gemacht.

Das befreite, also in der Hand von Kommunisten befindliche
Lager unterstellte sich dann seinen amerikanischem
Verbündeten, jedoch ohne vorher seine Insassen freizulassen.

Ausserhalb des lagers waren keine Strukturen vorhanden, durch die die meist stark ausgezehrten und erschöpften Gefangenen geschützt werden konnten.

Auch die Amerikaner haben die Insassen erst einmal nicht
freigelassen

logisch, eine anständie ,medizinische Versorgung war am besten dadurch möglich, dass man die Insassen auf einem haufen zusammenhielt, Man musste die Insassen ja auch erst mal registrieren…

und - nur so ein Verdacht von mir - auch nicht
besser versorgen können als es vorher die Nazis getan hatten.

Witzbold
Die Versorung wurde schlagartig und signifikant besser.
Lesen Bildet
Versuchs mal

Mike

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Die Versorgung wurde schlagartig und signifikant besser.

Shoa.de und der anwesende Zeitzeuge sind da anderer Ansicht.

Hallo!

Weshalb waren die großen KZs in Polen?

Hast du eine Antwort auf deine Frage, die dir gefällt? Die Frage lasse ich erstmals so stehen…

Gruß

Wenn ich die Geschichte richtig zusammen bekomme, haben sich die Häftlinge selber befreit und die Amerikaner bekamen das Lager am 11.04.45 „nur“ übergeben. Das Denkmal am Glockenturm zeigt auch eine Gruppe bewaffneter Häftlinge.

Hallo Gabi,

die Angaben sind wohl nicht ganz eindeutig - bedingt durch Veränderungen in der Geschichtsschreibung in den letzten Jahren.
Ich habe zum beispiel nochgelernt, daß sich die Häftlinge selbst befreit haben - unter der Führung einer Gruppe kommunistischer Häftlinge.

Die Wahrheit ist wohl viel einfacher, ich bin aus der Nähe von Weimar. Es gab hier einfach zu Kriegsende keinen nennenswerten Wiederstand mehr gegen die Alliierten. Es fanden keinen Kämpfe statt - weil es an der Westfront in diesem Raum nichts ernstzuinehmendes mehr gegeben hätte, was Wiederstanmd hätte leisten können.
Die Bewacher des KZ werden bei Annäherung der Allierten zum großen teil einfach davongelaufen sein, auch aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen. Und in dieser Lage haben die Häftlinge die restlichen Wachen dann schliechtweg überrannt, so daß die Allierten (und das war echt nur ein kleiner Trupp, der da zufällig auf das Lager stiueß) tatsächlich ein schon befreites Lager vorfanden.

Nun war aber bei dieser Art Befreiung die Lage in der Umgebung den Insassen des Lagers weitgehend unbekannt. Das war damals schließlich der Zusammebruch jeglichen geordneten Lebens, es gab weder Post noch Verkehrsmittel. Und ein Teil Deutschlands war ja trotzdem noch nicht bfereit. Unter diesen bedingungen war an eine sofortige Räumung des Lagers nicht zu denken.
Meines Wissens hat die sich langsam konsolidierende Besatzungsmacht versucht, so guit als möglich die Versorgung des Lagers sicherzustellen. Und so nach und nach haben die Häftlinge dann das Lager verlassen. Zum Teil zu Fuß - mir ist bekannt, daß Häftlinge auf dem Haimmarsch zur Übernachtung einfach bei den Bauern in den Dörfern der Umgebung einquartiert wurden, die diese dann auch zu verpflegen hatten.

Ein recht rauriges Kapitel dabei ist die Heimreise ausländischer Häftlinge, die wohl teilweise noch wochenlang herumgeirrt sind um irgendwie Papiere für die heimreise und überhaupt eine Möglichkeit dazu zu erhalten. Die Armeen der Breier haben wohl schlichtweg im Vorfeld einfach nicht damit gerechnet, auch dieses Problem lösen zu müssen, da gab es wohl kaum vorbereitete Aktionen.

Gernot Geyer

Hallo Landfrau,

habe sicherheitshalber Dein Posting gelesen,um Dir nicht zu Unrecht im ALK-Brett geantwortet zu haben.
Wer die Message von Deinem Posting nicht versteht, dem kann keiner helfen.
Bin froh daß ich mich zu recht aufgeregt habe.

grüßend,oK

Doch,doch, hab ich kapiert! Ich bin nämlich ein ziemlich intelligenter Mensch.
Nur leider stimmt das einfach nicht. Vielleicht sollte man sich einfach besser informieren, wenn man sich über so heikle Themen wie Konzentrationslagern äußert.

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