Hallo Guido,
Ich weiß ehrlich nicht genau, was dran ist - aber ich habe mal
was gelesen von Wirbelsäulenschädigungen bei Schlägen auf das
Gesäß…
Nun, das ist sicher nicht ausgeschlossen. Aber dazu muß ich schon ausgesprochen brutal zuschlagen. Die hier zu Debatte stehenden „Klapse“ sind mit Sicherheit nicht geeignet, die Wirbelsäule zu schädigen.
Auch hier einmal die Reflektion ins Erwachsenenleben. Wenn ich
großen Mist baue, adnn komme ich in den Knast! Das hat mit
Gewaltanwendung erstmal nur sekundär etwas zu tun. Es ist die
logische Konsequenz meines Handelns (was ich zugegeben im
Gegensatz zu einem Kind WEISS!). Die Prügelstrafe würde ich
vielleicht vorziehen - sie ist schnell, schmerzhaft, aber bald
vorbei!
Bei der Reflektion ins Erwachsenenleben halte ich es für sinnvoller im zwischenmenschlichen Bereich zu bleiben (so wie unten - dort mehr) und staatliche Sanktionen auszublenden. Die müssen anderen Regeln folgen und sind in meinen Augen nicht vergleichbar.
Aber mir fällt ein anderes Beispiel dazu ein: wenn eine Frau verbal belästigt wird, nimmt es ihr doch auch Keiner übel, wenn sie als letztes Mittel dem Bedränger eine Ohrfeige gibt. Sicher, manche (viele - leg’ mich nicht fest) Frauen können solche Situationen auch verbal perfekt lösen - aber muß ich das dann auch von Jeder verlangen? Oder ist die, die sich nur noch mit einer Ohrfeige helfen konnte deswegen weniger liebenswert?
Du beantwortest Deine an mich gerichtete Frage doch selbst.
Ohne Gewalt kann ich einem Kind nicht deutlich machen, daß es
Grenzen überschritten hat.STOPP! Wenn ich meinem Kind erkläre, dass es aufgrund seines
Verhaltens für ein oder zwei Tage nicht raus darf, sehe ich
dort keine Gewalt!
Doch, Freiheitsentzug ist eine Gewaltmaßnahme! Und wenn ein Kind verstehen kann, daß diese Gewaltmaßnahme aufgrund seines Verhaltens nötig wurde, kann es auch verstehen, daß der Gefühls- oder Gewaltausbruch nicht aus Aggresivität sondern aus Sorge und Erschrecken entstanden ist!
Mir kommt bei Deinem Vorschlag mein Neffe in den Sinn: Für ihn
ist „Stubenarrest“ eine der schlimmsten Strafen überhaupt. Er
liebt das Toben und Spielen an der frischen Luft über alles,
so daß meine Schwester einen Stubenarrest nur als allerletzte
Strafe (bislang einmal - er wird dieses Jahr 10) einsetzt.
Würde man ihn fragen bin ich mir absolut sicher, daß er einen
Klaps einem Stubenarrest vorziehen würde.
Was mich darin bestätigt, dass ein Klaps sinnlos ist!
Das verstehe ich nicht. Damit behaubtest Du doch, daß eine Strafe sinnlos wird, wenn sie im Vergleich zu einer noch härteren Bestrafung steht.
Um Dein Beispiel von oben doch noch mal aufzugreifen: Du hast nach einem Strafverfahren die Wahl zwischen einer Prügel- und einer Freiheitsstrafe. Du entscheidest Dich für die Prügelstrafe, weil es danach ausgestanden ist.
Wirst Du dann beim nächsten mal diese Straftat wieder begehen, weil Dich ja „nur“ eine Tracht Prügel erwartet?
Der Vergleich mit einer härteren Strafe macht die weniger harte doch nicht sinnlos.
Aber ich komme vom Thema ab. Diese Überlegungen setzten ja vorraus, daß körperliche Züchtigung systematisches Mittel der Erziehung wäre - das dürfen sie aber auch nach meiner Überzeugung nie sein! Deshalb stellt sich diese Alternative erst gar nicht, mich haben Deine Bemerkungen dazu aber etwas gestört.
Ein guter Freund von mir hat zum „Schutz“ vor solchen Gefahren
dauern Klapse verteilt - mit dem Erfolg, dass sein Sohn trotz
allem genau diese körperlichen Erfahrungen gemacht hat -
zusätzlich zu den Klapsen! Da spar ich mir doch lieber die
Klapse…
Völlig Richtig! Hier sind sie nicht nur sinnlos, sondern in meinen Augen auch verwerflich! Ich kann mein Kind nicht vor allen Gefahren schützen - irgendwann wird es diese Erfahrungen ja doch machen. Aber auch hier gilt: dies ist eine systematische Anwendung und die halte ich für falsch!
Jetzt noch einmal zum Erwachsenen - mit einem Beispiel, weil
es einfacher ist! Wenn ein Freund kurz davor ist, sich mit
einem Arnold-Schwarzenegger-Typen auf eine Prügelei
einzulassen - ist es dann „Gewalt“, wenn ich ihn durch
„Festhalten“ davon abhalte?
Das lässt sich sehr gut auf Kinder übertragen, finde ich.
Ja, es ist Gewalt, sogar körperliche! Aber sie ist positiv und sinnvoll! Versuche mal Deinen Freund in der Situation mit Argumenten von der Schlägerei abzuhalten…
Ich sehe, daß wir den Gewaltbegriff unterschiedlich weit fassen. Für mich ist jede Handlung gewaltsam, die jemanden unter psychischen Druck setzt, ihn einschüchtert, ihn an der Ausübung seines freien Willens hindert, die physischen Druck ausübt oder die jemanden körperlich beeinträchtigt oder schädigt.
Dies ist jedoch erst einmal eine wertfreie Definition. Gewalt ist hier nicht zwangsweise negativ zu sehen. Eine Wertung der Gewaltmaßnahme ergibt sich erst aus der konkreten Situation, aus der Art der Maßnahme und aus dem Adressaten. Ich kann nicht nur die Art der Gewaltmaßnahme beurteilen und dabei die Aspekte Adressat und konkrete Situation außen vor lassen.
Ich denke, hier liegt das Hauptproblem dieser Diskussion: Du verurteilst eine konkrete Gewaltform in absoluter Weise ohne die dazugehörigen Aspekte zu würdigen. Ich vermute zwar ernsthaft, daß Du in der Beurteilung einer konkreten Situation letztlich Deinen Absolutheitsanspruch nicht aufrechterhalten würdest (Du scheinst ja wirklich einfühlsam zu sein), aber Deine pauschale Verdammung wird hier immer wieder Widerspruch provozieren.
Das bringt mich zurück zum Beispiel Straße (ich nehme jetzt
mal das Beispiel von Userine): Beide Kinder haben körperlich
gespürt, daß sie sich falsch verhalten haben. Während der eine
dies nach einer relativ harmlosen Gewaltanwendung seiner
Mutter gelernt hat, mußte der andere die Erfahrung mit dem
Fahrzeug machen (die auch tödlich hätte enden können). Die
Frage ist jetzt zum einen ob ein Stubenarrest die gleiche
Wirkung gehabt hätte, und welche der zwei möglichen Strafen
(Arrest und Schlag) die leichter zu ertragende ist.Beim Arrest wäre es schilcht nicht möglich gewesen, dass er
auf die Straße läuft!
Aber nur, solange der Arrest dauert…
Bei der ersten Frage bin ich sehr unsicher, da hier die Strafe
(und es ist eine erhebliche Strafe, da sie dem Kind seine
Freiheit entzieht) eben nicht mehr im direkten Zusammenhang
zum Fehlverhalten steht. Ich bezweifele, daß ein Fünfjähriger
nach ein oder zwei Tagen noch den direkten Bezug zu seinem
Fehlverhalten herstellt.Du kannst mir glauben - mein Zwerg ist viereinhalb - sie
verstehen es! Besonders dann, wenn man ihnen das erklärt,
sprich: das Gespräch sucht!
Asche aufs Haupt - hier habe ich wirklich verquer, inkonsequent und letztlich falsch argumentiert 
Hausarrest muss nicht zwangsläufig eine Strafe sein! Wenn er
Kameraden zum Spielen empfangen kann (nur in der Wohnung!),
dann solle ein Kind einsehen können, dass da durchaus ein
Zusammenhang besteht und ich ihm nichts Böses will!
Nun, je nach Adressat kann er eben sehr wohl (auch bei „angenehmster“ Ausgestaltung) eine Strafe sein, die als nahezu unerträglich empfunden wird.
…
Klar gehen mir manchmal die Nerven durch! Aber ich kann mich
doch soweit kontrollieren, dass ich ein Kind nicht schlage!
Wie gesagt: Notfalls der Sandsack im Keller oder die
Wohnzimmerwand!
Ist das aber auch in jedem Fall sinnvoller? Kann nicht auch mal ein Gewitter die Luft reinigen? Wird dadurch die Agressivität des Kindes gefördert?
Diese Fragen beantworten wir wohl unterschiedlich…
Der besseren Lesbarkeit willen, habe ich hier einiges gelöscht. Meine Antwort bezieht sich aber natürlich nicht nur auf die paar Zeilen:
Spätestens wenn sie ihren „eigenen Kopf“ bekommen, wird es
schwierig, Dinge, die man selbst tut zu verbieten (aktuelles
Beispiel: Mein Sohn fragt mich JEDEN Abend, warum er schon ins
Bett muss und ich noch nicht!)!
Solange ich gute Argumente habe kann ich das meinem Kind doch auch erklären.
Genauso, wie ich einem Kind begreiflich machen kann, daß es mit seinen vier Jahren einfach aus biologischen Gründen sehr viel mehr Schlaf benötigt, begreift es auch den Unterschied zwischen dem Streit um ein Spielzeug und dem Gewaltausbruch nachdem es ein oft verbotenes und lebensgefährliches Verhalten zeigte!
Wir sind uns doch einig, daß Kinder sehr viel mehr begreifen, als manche Erwachsene ihnen offenbar zutrauen.
Euch ein schönes Wochenende (mein Sohn verlangt nach mir und die Mama braucht dringend eine Pause - außerdem wird es langsam Zeit sich ums Abendessen zu kümmern…)
Gruß Goosi

