Berufliche Weiterbildung als Helfer?

Guten Abend,

ich hab vor einiger Zeit meine Ausbildung beendet und habe 2-3 allgemeine Fragen dazu.

Leider ist es nur eine „Helfer“-Ausbildung und keine Fachhelfer-Ausbildung gewesen.

Ich hab davor ohne Ausbildung 1-2 Jahre gearbeitet.

Danach hab ich mich für eine entschieden, weil gefühlt jeder gemeint hat, man soll unbedingt eine machen, weil man danach viele Vorteile hätte wie

mehr Auswahl bei der Wahl zukünftiger Arbeitgeber, z. B. mindestens doppelt so viele Arbeitsangebote, weniger Kündigung oder auch

wenn man nach 4. Lohnstufen

  1. Stufe = Mindestlohn

  2. Stufe = Niedrigverdiener (leicht über Mindestlohn)

  3. Stufe = mittlerer Lohn

  4. Stufe = normaler durchschnittlicher Lohn

ausgeht und man Stufe 1 verdient, man nach einer Ausbildung mit Stufe 3 einsteigt und sich nach 3-4 Jahren auf Stufe 4 hocharbeitet, sobald man zumindest ein bisschen Berufserfahrung hat, so nach 2,5-3 Jahren.

Meine Frage ist, ob man mit einer Helferausbildung Karriere oder auch Weiterbildungen, z. B. sowas wie

Zerspanungsmechaniker oder CNC-Fräsen, CNC-Programmieren, also seinen Fachhelfer mit einer Verkürzung, dass man es in 1,5 oder 1 Jahr lernen kann

Sowie wie die allgemeinen Chancen als leicht angelernter Produktionshelfer/Maschinenhelfer so sind …

Hallo,

zu Deinen Fragen ist der erste Ansprechpartner die örtliche Arbeitsagentur, die Dich dazu sehr sachkundig beraten kann - auch in Hinblick auf mögliche Förderungen von Weiterqualifizierung:
[Berufsberatung im Erwerbsleben | Bundesagentur für Arbeit]

(Berufsberatung im Erwerbsleben | Bundesagentur für Arbeit)
Deine angeführten „Lohnstufen“ sind in keinster Weise repräsentativ. In Betrieben, für die kein Tarifvertrag gilt, ist es Sache des Arbeitgebers, seine Entlohnungsgrundsätze zu definieren. Gibt es in dem Betrieb einen Betriebsrat, hat dieser bei den Entlohnungsgrundsätzen Mitbestimmungsrechte. In diesen betrieben gibt es eine Vielzahl von Entlohnungsgrundsätzern, die völlig unterschiedlich und meistens selbst innerhalb derselben Branche nicht vergleichbar sind.

In Betrieben, für die ein Tarifvertrag gilt, beinhaltet dieser Tarifvertrag auch immer eine „Entgeltordnung“, in der festgelegt ist, welche Voraussetzungen für welche Tätigkeit erfüllt sein müssen und wie dann diese Tätigkeit vergütet wird. Und wie ich Dir schon in Deinem anderen Post geschrieben habe, gibt es zT erhebliche Unterschiede zwischen „Helfer“-Ausbildung und mindestens 3-jähriger Ausbildung.
Dies gilt auch für die Zeitarbeit. Dort gibt es einen sog. „allgemeinverbindlichen“ Tarifvertrag - d.h., alle Zeitarbeitsunternehmen müssen diesen Tarifvertrag einhalten:
randstad-tarifvertrag-zeitarbeit.pdf
Und in dem Link kannst Du auf Seite 24 nachlesen, daß für Dich mit 2-jähriger Helferausbildung in der Entgeltgruppe 3 Schluß ist.
Mit einer 3-Jährigen Ausbildung würdest Du bei entsprechender Tätigkeit in die Entgeltgruppe 4 oder 5 eingruppiert werden.
Auf der Seite 29 kannst Du dann nachlesen, daß die Differenz zwischen EG 3 und EG 4 aktuell mindestens 0,96€/Stunde beträgt und zwischen EG 3 und EG 5 sogar 3,09€/Stunde und die Differenz in zwei Stufen weiter ansteigt.
Da in den allermeisten Fällen (nicht nur in der Leiharbeit) Zuschläge prozentual vom Grundlohn gerechnet werden, erhöhen Zuschläge diese Differenz noch.

&tschüß
Wolfgang

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Nachtrag:
Im Internet finden sich viele Statistiken, nach denen das Risiko der Arbeitslosigkeit umso höher ist, je geringer die Berufsqualifikation ist - gerade in Krisenzeiten wie aktuell.

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Das mag jetzt böse klingen, aber alles was sich “Helfer” nennt, steht in der Nahrungskette ganz unten, ist jederzeit schnell und problemlos ersetzbar, und hat daher nicht nur offiziell eine ganz schlechte Eingruppierung in jedem Vergütungssystem, sondern auch kaum Argumente, mehr Geld zu verlangen.

Es ist nicht jeder zum Akademiker oder Meister geschaffen. Das ist auch nicht schlimm. Aber man sollte alles daran setzen, aus der Masse herauszukommen, die keine wirkliche Perspektive hat, und immer wieder zusehen muss, “irgendetwas” zu finden, und dabei das akzeptieren zu müssen, was freiwillig gezahlt wird.

Die Arbeitsagentur, IHK und natürlich auch der eigene Betrieb können Dir sicher Möglichkeiten aufzeichen, wie Du Dich in überschaubaren Schritten entwickeln kannst. Und gerade in der aktuellen Zeit, in der es in vielen Branchen nicht wirklich gut aussieht, kann ein solches proaktives Zugehen auf Vorgesetzte schon mitentscheidend sein, ob man bei der nächsten Runde des Personalabbaus nur eine Nummer von vielen ist, oder man sich an Dich an denjenigen erinnert, der Interesse daran gezeigt hat, dem Unternehmen einen zusätzlichen Mehrwert zu verschaffen, indem er nicht einfach nur die ganze Schicht durch aufs Knöpfchen drückt.

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Seltsam das es dann so viele Helferausbildungen und Berufe gibt…

Ich bin mir gar nicht mal so sicher, dass es „so viele“ Ausbildungsberufe gibt, die man mit dem Titel ~helfer abschließt, aber das nur nebenbei. Der Punkt ist, dass Arbeitgeber für das ausbilden, was sie hinterher brauchen und das sind halt nicht nur Meister, sondern auch Leute, die irgendwo anpacken und nach Ansage Arbeiten ausführen können. Das ist die Arbeitgeberperspektive.

Die andere Perspektive ist die der Mitarbeiter. Will man der sein und bleiben, der macht, was einem gesagt wird und ansonsten das Gehirn möglichst wenig behelligen oder will man sich aktiv einbringen und z.B. mithelfen, Abläufe zu optimieren usw. und so ggfs. nicht nur mehr Verantwortung übernehmen und Ansehen aufbauen, sondern am Ende eben auch mehr Kohle nach Hause tragen.

Nein, das ist überhaupt nicht seltsam, denn diese Helfer-Ausbildungen sind zumindest eine minimale Qualifikation, und somit schon mal besser als gar keine Qualifikation für diejenigen, die sonst komplett untergehen würden. Und insoweit haben sie absolut ihre Berechtigung. Einmal als Einstieg in den regulären Arbeitsmarkt, für diejenigen, die dort sonst kaum einen Platz finden würden, andererseits eben auch als erster Schritt, um dann doch noch weiter zu kommen, wenn es mit einer höher qualifizierenden Ausbildung nicht auf Anhieb geklappt hat.

Aber das ändert nichts an dem, was ich dazu geschrieben habe. Wenn Du auf dieser Stufe stehen bleibst / bleiben musst, weil es für mehr leider nicht reicht, dann musst Du mit all den Nachteilen leben, die ich beschrieben habe, und trägst insbesondere das Risiko bei weiterer Automatisierung, … ganz schnell überflüssig zu werden, und deinen Job zu verlieren.

Ich hatte in der Schule einen Klassenkameraden, der an seinem Vater verzweifelt. Der hatte zwar mal irgendwann eine höherwertige Ausbildung gemacht, war aber letztendlich als Maschinenbediener über viele Jahre beim größen Automobilzulieferer in der Stadt tätig gewesen. Man bot ihm Fortbildung nicht nur an, sondern drängte sie ihm regelrecht auf. K.A. was den Mann ritt, er sah seelenruhig zu, wie eine Produktionsstraße nach der anderen höher automatisiert wurde, und viele Kollegen, die vorher das ein oder andere Knöpfchen gedrückt hatten wegrationalisiert wurden. Bis er schließlich selber dran war, und mit über 50 mit einem Ausbildungsabschluss von anno tobac ohne Berufserfahrung und einem Zeugnis für “hat zu unserer vollsten Zufriedenheit täglich acht Stunden Knöpfchen gedrückt”, auf der Straße stand.

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Verkäufer oder VErkäuferin

Fachkraft für Metalltechnik

Industrieelektriker

oder Maschinenbediener um 4 zu nennen - gibt bestimmt noch viele mehr.

Ja, vier sind eine ganze Menge bei den hunderten von Ausbildungsberufen, die es gibt. Ich bin allerdings etwas davon überrascht, wie viel Energie Du dafür aufbringst, uns davon zu überzeugen, dass es eine gute Sache ist, eine möglichst niedrige berufliche Qualifikation anzustreben.

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Wenn man die Definition genau nimmt, ist das gar nicht möglich, denn ein Helfer ist eigentlich jemand, der keine Ausbildung hat und vom Betrieb für den spezifischen Teilbereich geschult wird, in dem der Arbeitnehmer zum Einsatz kommt. Vgl. Hilfsarbeitskraft – Wikipedia

Leider halten sich nicht mal die offiziellen Stellen daran. So gibt es z. B. das Berufsbild der „Fachlagerist-Helfer“ und meint die Variante mit verkürzter Ausbildungszeit.

Ja, so kannte ich das eigentlich auch, aber nun bin ich aus dem Ausbildungsthema seit ein paar Jahren raus und hatte mit gewerblichen Ausbildungen ohnehin nie etwas zu tun. Insofern nahm ich das, was er erzählte für bare Münze, bin aber froh, dass Du das jetzt geradegerückt hast.

Deswegen hatte ich schon damals in Frage gestellt, dass es eine Helfer-Ausbildung gibt.:sweat_smile:

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Also normal wird das so gesehen

Keine Ausbildung/Studium = ungelernter Helfer

2-Jährige Ausbildung = leicht angelernter Helfer

3-4-Jährige Ausbildung = Fachhelfer

Masterstudium = voll ausgelernte Fachkraft, sowas wie Fachärzte, Ingenieure, Fachanwälte, Chirurgen oder Chefarzt einer Uniklinik.

Von wem…?

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Es gibt Leute, die sich das so definieren. Das ist aber weit weg von „normal(erweise)“.

Besonders ist es anzutreffen, wenn es wissenschftlich betrachtet wird … da ist aber auch der erfolgreiche Selbständige „ungebildet“, wenn er kein Abi hat, während derjenige mit Abi, aber unfähig einen Arbeitsplatz zu finden, zu den „Gebildeten“ gezählt wird.

Es ist daher IMHO zu vermeiden, die wissenschaftliche Sprachnutzung in der Umgangssprache einzusetzen.

Und so kenne ich so einige Unternehmen aus Handel und Logistik. In keinem davon ist mir untergekommen, dass jemand mit Ausbildung als Helfer bezeichnet wurde. Das war Ungelernten und Zeitarbeitern „vorbehalten“.

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Eher nein. Auf zwei Jahre kann bspw. eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich bei entsprechender Schulbildung reduziert werden.

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Ok.

Aber es gibt doch auch jene die ohne Verkürzung 2-Jahre dauern, wie Fachlagerist, Verkäufer und andere.

Arbeitgebern und meine Leihfirma bei der ich angestellt war.

Eine zweijährige Ausbildung hat nichts mit einer verkürzten (dreijährigen) Ausbildung zu tun.

Zweijährige Ausbildungsberufe sind z. B. (in Klammern die dazugehörige dreijährige Ausbildung): Fachlagerist (Fachkraft für Lagerlogistik), Verkäufer (Kaufmann im Einzelhandel), wobei es hierzu zweijährig auch noch den „Fachpraktiker im Verkauf“ für Menschen mit Behinderungen gibt, Servicekraft für Schutz und Sicherheit (Fachkraft für Schutz und Sicherheit).

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Du vergleichst Äpfel mit Glühbirnen. Jemanden mit einer drei- oder vierjährigen Ausbildung wird niemand, der ein bisschen bei Verstand ist, als Fachhelfer bezeichnen. :woman_facepalming:t2: Natürlich ist so jemand auch eine voll ausgebildete Fachkraft!

Es gibt übrigens neben dem Masterabschluss auch z. B. Staatsexamina, und ein Arzt braucht nach seinem Studium ungefähr nochmal so lange, um Facharzt zu werden. Oder ist für dich ein Arzt nach dem Studium auch nur ein Helfer? :joy: