Hallo,
auch wenn es einige noch immer nich glauben wollen: Es gibt keine Anzeigepflicht - für niemanden - außer zur Strafverfolgung berufener Organe. Und es steht selbstverständlich jedem Opfer frei sich selbst (bzw. dessen Eltern, …) an Polizei oder Staatsanwaltschaft zu wenden. D.h. es gibt auch kein Anzeigeverbot.
Und auch wenn ich überhaupt nichts von Versetzungen halte, die neue Delinquenz eher ermöglichen als behindern, steht dies auf einem vollkommen anderen Blatt als die Frage einer Strafanzeige. Wenn ein Opfer selbst den Weg zur Polizei/StA nicht gehen will, dann sollte man dies respektieren, und nicht hinter seinem Rücken die Sache öffentlich machen, denn dies würde bedeuten auch das Opfer öffentlich zu machen. Das Opfer muss hier „Herr des Verfahrens“ sein, und weder das Bistum noch sonstwer.
Die ganze Diskussion um eine „Anzeigepflicht“ der Kirche geht doch in eine vollkommen falsche Richtung, und es wird zunehmend so getan, dass nur die Kirchen die Möglichkeit hätten Anzeige zu erstatten, und das Strafverfolgung dadurch unterbliebe, weil die Kirchen keine Anzeigen erstatten. Das ist doch vollkommener Unfug. Wenn das Opfer Strafverfolgung wünscht, dann kann es diese jederzeit in Gang setzen, und niemand wird es daran hindern. Und im Einvernehmen mit Opfern haben durchaus auch Bistümer oft genug Anzeigen erstattet.
Eine gewisse Kuriosität hat die aktuelle Situation insoweit, dass sich jetzt jede Menge Opfer outen, die nie eine Anzeige erstattet haben, und dies auch jetzt nicht tun, aber außerhalb rechtsstaatlicher Verfahren nur auf bloße Anschuldigungen hin Konsequenzen fordern. Wenn man Dir dein Auto geklaut hat, stellst Du Dich doch auch nicht auf die Straße und lamentierst und forderst Bestrafung deines Nachbarn, sondern gehst zur Polizei und erstattest Anzeige. Und wenn dann genug Fleisch an der Sache ist, gibt es ein rechtstaatliches Verfahren, in dem dein Nachbar alles vorbringen kann, was ihn ggf. entlastet. Und zum Schluss spricht dann ein unabhängiger Richter ein Urteil, was so oder so ausfallen kann, und dann haben wir auch noch ein paar Rechtsmittelinstanzen.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich empfinde überhaupt keine Sympathie mit den Tätern von Kindesmissbrauch, sehe hier durchaus auch problematische Aspekte im Umgang der Kirchen mit Missbrauchsfällen, … aber es gibt saubere Möglichkeiten diese Dinge aufzuarbeiten und dann auch zu Strafen zu kommen.
Gruß vom Wiz