Hallo
Vor ein paar Tagen führte ich mit meiner Tochter (5 Jahre alt) ein Gespräch das mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Beim zu Bett gehen erzählte sie mir, dass sie oft denke, dass es gar keine Menschen gebe. Dass es auch sie und mich nicht gebe.
Ich habe sie gefragt, ob sie das von jemandem gehört hat. Sie verneinte und sagte, dass es ein Gefühl sei. Auf meine Frage wie sich das Gefühl den anfühle meinte sie: „Als ob mein Körper so pflüdrig (CH-Ausdruck für matschig, weich, kraftlos…) ist. Und als ob mein Wange anschwellen kann bis in den Himmel hinauf.“ Ausserdem empfinde sie das Gefühl nicht als schön, aber auch nicht als besonders unangenehm.
Ich denke jetzt seit einigen Tagen darüber nach. Meiner Meinung nach, würde ich so eine Gefühlslage einem Kind zuschreiben, dass ein bisschen neben sich steht. Sein Körper oder seine Umwelt nicht richtig spürt. Aber das ganze Wesen meiner Tochter entspricht eher dem Gegenteil; sie ist grobmotorisch sowie sozial sehr stark. (So sehe ich sie jedenfalls.)
Was meint ihr dazu? Sind das einfach „philosophische“ Überlegungen einer Fünfjährigen? Was denkt ihr wie ein so kleines Kind darauf kommt sich Gedanken darüber zu machen ob wir Menschen wirklich existieren? Ich weis einfach nicht, wie ich das auffassen und einordenen soll.
Es dankt
Nadia
Hi!
Vorweg: Ich bin kein Experte, ich kann nur schreiben was ich denke.
Also, cih würde mal eine mögliche Allergie abklären lassen. DAs könnte dieses „Wange anschwellen“ erklären, denn dieses Gefühl hatte ich dann auch schon öfters. Dann würde ich mal nebenbei abends testen, ob sie in den Beinen und Armen viel Gefühl hat. Also mit den Fingerspitzen über die Haut streichen und schauen, ob sie reagiert. Deine Kleine klingt ja schon ziemlich erwachsen und darum würde ich mit ihr auch mal besprechen, dass du mit ihr zum Arzt gehen willst, um zu schauen, ob sie gesund ist ( natürlich so verpacken, dass es nicht klingt, als wenn sie totkrank ist ).
Vielleicht hat sie ja eine Allergie entwickelt, vielleicht ist sie in einer Wachstumsphase und dadurch hat sich ein neurologisches Problem entwickelt ( Nerv eingeklemmt, noch nicht richtg mitgewachsen. Bin kein Mediziner ).
Das wären so die Dinge, die mir spontan einfallen.
Tara
Hallo Nadia,
erzählte sie mir, dass sie oft denke, dass es gar
keine Menschen gebe. Dass es auch sie und mich nicht gebe.
Ich habe sie gefragt, ob sie das von jemandem gehört hat. Sie
verneinte und sagte, dass es ein Gefühl sei.
…
Was meint ihr dazu? Sind das einfach „philosophische“
Überlegungen einer Fünfjährigen? Was denkt ihr wie ein so
kleines Kind darauf kommt sich Gedanken darüber zu machen ob
wir Menschen wirklich existieren? Ich weis einfach nicht, wie
ich das auffassen und einordenen soll.
Ich denke mal, das wäre mein Analogieschluss auch gewesen,
wenn man mir von klein auf erzählt hätte, dass es
- den Weihnachtsmann ‚gibt‘
- den Osterhasen ‚gibt‘
- den lieben Gott ‚gibt‘
- den Jesus ‚gibt‘,
also alles Dinge, welche sich nicht mit dem
auserordentlich feinen und zuverlässigen
Werkzeug „Sinneswahrnehmung“ verifizieren
lassen.
Irgendwann setzt dann die Dekonstruktion der
Mythen ein - und ein Analogieschluss kann
eben sein - wenn es „das alles“ nicht gibt,
was kann es denn dann überhaupt geben?
Ist das alles, was hier „geschieht“ eine
Art „unhinterfragbares Theaterspiel“?
‚Gibt‘ es überhaupt irgendwas?
Halte ich durchaus für vernünftige Gedanken
eine(s/r) „hellen“ Fünfjährigen.
Aber am Ende kann man da, so man das Kind
nicht kennt, nur raten 
Grüße
CMБ
hallo nadia,
es mag sein, daß ich jetzt völlig danebenliege, aber mir ist bei der lektüre deines betrags dieser thread eingefallen:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
viele grüße,
raZZmataZZ (ex-miranda)
Erinnerungsvermögen
Hallo
über hundertmal wurde die Frage gelesen, und noch hat keiner gesagt, sich an ähnliches in der eigenen Kindheit zu erinnern.
Von mir selbst auf andere schließend würde ich Dir sagen, mach Dir keine Sorgen. Es ist schön, daß Dir Deine Tochter das so gut beschreiben kann. Bei mir war es weniger linear, ich könnte es heute noch nicht genau beschreiben - als ich es aber damals meinem Vater erzählte, wußte er, was gemeint war. Einen Fachausdruck dafür kenne ich nicht.
Diese Empfindung wird sie jahrelang begleiten, besonders nachts, aber Du bist nicht betroffen und nicht gefragt, denn es ist ihr eigenes Ding. Es ist sicherlich nicht rational und entstammt nicht dem Räsonieren über die Dekonstruktion des Weihnachtsmannmythos. Es wird nicht ins Schreckliche eskalieren und ist auch nicht der frühreife Beginn einer Philosophenkarriere.
Gruß
Ze
Hallo, Nadia!
Kinder haben oft für uns sehr seltsame Vorstellungen von der Welt.
Ich kann mich noch erinnern, daß ich eine Zeitlang geglaubt habe, ohne Blut seien die Menschen flach wie leere Wasserbälle, und ich hatte mir vorgestellt, wie papierdünne Leute durch die Stadt laufen.
Kinder machen sich eben auch ihre Gedanken über die Welt und die Menschen darin, aber sie sind gottseidank noch nicht so „aufgeklärt“ und „verständig“ wie wir große Leute.
Keinesfalls würde ich sagen, daß Deine Tochter „neben sich ist“; Kinder denken nur völlig anders als wir; nutze es als Chance, die Welt ein bißchen aus ihrer Sicht zu sehen und nicht nur aus der Perspektive eine rationell denkenden, gebildeten Erwachsenen.
Hast Du „Der kleine Prinz“ gelesen? Kennst Du die Zeichnung von der Schlange, die einen Elefanten gefressen hat? Falls nicht, hol es schleunigst nach.
Grüßle
Regina
allgemeine Rückmeldung
Danke vorerst für die zahlreichen Antworten, die für mich eigentlich alle richtig sind und zum Denken anregen. Denn ich glaube darum geht es hier; sich mit der Gedankenwelt einer Fünfjährigen auseinanderzusetzen und nicht etwa die krankhafte Suche nach einem Problem und seiner Beseitigung. Nun doch noch einige Rückmeldungen zu euren Antworten.
@ Semion: Ich gebe dir recht. Nur trifft es auf uns nicht zu. Ich habe meiner Tochter immer die Entscheidung überlassen daran zu glauben woran sie glauben will. Na gut ich geb`s zu: Osterhasenverstecken haben wir auch zelebriert, aber ich bausche so was nicht wirklich auf und ich glaube kaum, dass ein Kind daran Schaden nimmt. Ich lerne auch heute noch im Physikunterricht (oder anderswo) Dinge die vorher Gelerntes völlig über den Haufen werfen weil früher gelerntes einer Modellvorstellung entsprach um eine komplexe Sache begreifbar zu machen. Und trotzdem fühle ich mich nicht gleich so als ob alles bisher Dagewesene in Frage gestellt werden muss. Und ich glaube auch, dass das ein Kind nicht tut.
@ Tara: In der Tat hatte sie dieses Frühjahr das erste mal Anzeichen auf eine Allergie (Sonnencreme und Heuschnupfen). Das könnte tatsächlich so etwas wie ein Taubheitsgefühl hervorrufen. Danke für den Tipp, ich werde der Sache nachgehen.
@ Ze Rotonin: Danke für dein Blick in die Vergangenheit. Deine Antwort bringt mir eigentlich am meisten. Es wird wohl einfach ein Gemütszustand meiner Tochter sein, in den ich nicht einzugreifen habe - ein Körpergefühl – eine sich entwickelnde Sicht auf die Welt – die man einfach annehmen und akzeptieren sollte. Ich finde es beruhigend, dass du es nicht als etwas Negatives erlebt hast.
Nadia
Hallo Nadja,
mein Sohn (5,5 Jahre) stellt auch manchmal Fragen, wo ich mich widerum frage, wie er gerade darauf kommt. Da bin ich auf den Link gestoßen
http://www.wdr5.de/sendungen/lebensart/manuskript/la…
Da sind auch Buchtipps dabei. Vielleicht ist da was für Dich/Euch dabei :o)
LG
Bärchen