Bessere Fremdsprache, wenn angetrunken -> Warum?

Halli Hallo…

ich bin im Austauschjahr in einem Spanisch-sprachigen Land. Mittlerweile bin ich seit 5 Monaten hier und spreche im Altag zwar gut, aber nicht fehlerfrei und perfekt (hatte vorher nie Spanisch).
Wenn ich mich jetzt mit Freunden treffe und wir gemeinsam etwas trinken, spreche ich auf einmal annähernd perfekt. Dieses Phänomen trifft nicht nur auf mich zu sondern auch auf viele andere Austauschschüler, die mir das selbe berichten.

Womit hängt das zusammen? Gibt es eine wissenschaftliche Erklärung dafür?

Hallo,

neenee, ganz falsch. Erstens sprichst du angeheitert nicht nahezu perfekt, sondern Freund Alkohol senkt deine Kritikfähigkeit dahingehend, dass du nämliches glaubst.

Womit wir beim zweiten Punkt wären, denn die klassische Wirkung von Alkohol ist eben auch eine gewisse, fortschreitende Enthemmung.

Da du im nüchternden Zustand dieser Sprache nicht in vollster Gänze mächtig bist, hast du denne naturgegebenermassen auch gewisse Hemmungen, frank und frei draufloszuquasseln, die in betrunkenem Zustand halt wegfallen.

Gegenbeispiel: einer meiner besten Freunde, ein Ire, lebt seit fast 20 Jahren in D, spricht eigentlich ein nahezu fehlerfreies Deutsch somit.

Ruhiger, besonnener Typ. Nach dem 4. Hefeweizen allerdings überkommt ihn der Laberflash und eins weiter neige ich dann eher dazu, ins Englische zu wechseln, da ich im deutschen Idiom irgendwie langsam echt Verständnisprobleme habe mit dem Guten.

Gruß

Annie

Auch Hallihallo

Im Gegensatz zu meinem Vorredner halte ich das schon für möglich. Alkohol läßt Hemmungen verschwinden. Fremdsprachen zu sprechen hat viel mit Selbstbewußtsein zu tun. Je mehr man sich selbst kontrolliert und Angst vor Fehlern und falscher Aussprache hat, desto schlechter spricht man. Wenn du angeheitert bist, ist dir das alles egal und dann sprichst du lockerer, was wahrscheinlich natürlicher rüberkommt und somit „besser“. Einen ähnlichen Effekt hat Singen. Meistens singt man akzentfreier als man spricht, verspricht sich nicht, stottert nicht usw.

Grüße Bellawa.

Servus,

ich denke, die Wahrheit liegt in der Mitte zwischen A.'s und B.'s Antworten:

Das Sprachvermögen wird objektiv nicht besser. Weil man aber als Schüler immer ein mehr oder weniger ausgeprägtes Gruseln vor irgendwelchen Tests und Bewertungen im Kopf hat, hilft die Enthemmung durch Alkohol dabei, den Wunsch zur Verständigung (um die es beim Sprechen wesentlich geht) ohne diese Bremse in den Vordergrund treten zu lassen. Das Vermögen, sich zu verständigen, kann also objektiv durchaus besser werden, alldieweil dieses von Fall zu Fall nicht so sehr von richtig gesetzten Genera und sauberer Grammatik und Syntax abhängt.

Die ambiance conviviale bei einem Ostermahl in der Provence oder bei einer Hochzeit in der Bresse oder bei einer Fest-Noz in der Bretagne kann, mit oder ohne Wein, Pastis und Calva ein sehr guter Türöffner sein; wenn man sich mal vorstellt, wie sehr wenig man im Schulunterricht überhaupt zum aktiv Sprechen kommt, ist ein einziges Dîner Dansant incl. etlicher Dorfschönheiten nur fürs Sprechen viel mehr wert als einige Monate Sprachunterricht. Aber „perfekt“ wird die Sprache davon nicht, dafür muss man sich halt schon auf den Hosenboden setzen.

Exempel für erfolgreiche Kommunikation mit rudimentären Sprachkenntnissen:

  • Jérome Bonaparte, Napoleons Bruder, war den diesseitigen Genüssen sehr zugetan und ungern nüchtern, und er hatte wohl nicht grad das Pulver erfunden. Als König von Westphalen wurde er bekannt dadurch, dass sich seine deutschen Sprachkenntnisse im Wesentlichen auf den Spruch „Morgen wieder lustik!“ beschränkten. Das ist ziemlich falsches Deutsch, aber es wurde verstanden, und der kasseläner Volksmund bewahrt bis heute die Erinnerung an „König Lustik“. Wenn Jérome sich nicht getraut hätte, wenigstens die drei Worte Deutsch zu sprechen, hätte sich wohl das Zerrbild eines wilden Despoten im Dienst der welschen Besatzer herausgebildet.

  • Mein Gartennachbar Hüseyin, der nach einigen Jahrzehnten in Deutschland immer noch wenig Deutsch kann (dafür sind bei ihm Frau und Kinder zuständig), drückt seine Sympathie für meine (und seine) standhafte Wühlerei trotz wenig Zeit immer mit den gleichen Sprüchen aus: Wenn er um halbsechse heimgeht, verabschiedet er sich mit den Worten „Fünfe - Feierowend - Iberstunde verbotte!“, und wenn wir im Sommer beide noch wursteln bis es dunkel wird, mit den Worten „Nix hier schloffe - sonst zahle Extramiete!“; und wenn ich am Sonntagmittag etwas mache, während er mit seinem Kumpel Karten spielt, kommt jedesmal: „Heid Sonndag - heid nix schaffe - bloß esse, trinke, schloffe!“ - Das ist alles eigentlich kein Deutsch, aber wir verstehen uns prima. Ungefähr so funktioniert die „perfekte Fremdsprache“, mit oder ohne Wein.

Schöne Grüße

MM

nebenfrage

Servus,

ich denke, die Wahrheit liegt in der Mitte zwischen A.'s und
B.'s Antworten:

kann mir jemand sagen, warum hier apostrophe?

„As“ sieht ja wirklich nicht gut aus.

A’s…

dankt
tilli

Ruhiger, besonnener Typ. Nach dem 4. Hefeweizen allerdings
überkommt ihn der Laberflash und eins weiter neige ich dann
eher dazu, ins Englische zu wechseln, da ich im deutschen
Idiom irgendwie langsam echt Verständnisprobleme habe mit dem
Guten.

was die frage aufwirft: hast du auch dann 5 hefe intus?
und: kannst du dann besser englisch, oder denkt dein ire das nur?
oder: verstehst du (nüchtern) ihn dann nur besser?
redet er dann weiter deutsch (oder so) und du englisch?

vielleicht gibt es einen point of break even, an dem man die fremdsprache am besten spricht?

laberflash ist übrigens sehr schön. schöner noch als logorrhoe…

lg
tilli

Servus,

Punkt und Apostroph zusammen sind hier überflüssig. Beide stehen für „hier ist etwas ausgelassen“. Weil der Punkt eigentlich nur heißt „hier ist das Wortende nicht ausgeschrieben“, nehme ich die beiden Punkte hiermit förmlich zurück und freue mich, zwei Apostrophen gesetzt zu haben, die auf den ersten Blick ausschauen wie Deppenapostrophen, aber in Wircklichkeit ganz rechtschaffene sind.

Schöne Grüße

MM

Aber „perfekt“ wird die Sprache davon
nicht, dafür muss man sich halt schon auf den Hosenboden
setzen.

Was ist für dich perfekt?

Grüße Bellawa.

Hallo Tilli,

wie zur Hölle… 5 Hefeweizen. Wer soll denn das bitte schaffen?

Servus,

je nach Kontext verhandlungssicher oder annähernd muttersprachlich.

Schöne Grüße

MM

Ach, und ich vergaß:

die „perfekte Fremdsprache“ habe ich in Gänsefüßchen gesetzt.

Das bedeutet, dass ich den Begriff vom UP aufgegriffen habe, und dabei versuche, seiner Vorstellung zu folgen, d.h. mir die fremdsprachliche Kompetenz eines leicht angedüdelten Austauschschülers vorzustellen, die er als perfekt erlebt. Mit allen negativen (sie ist halt ganz und gar nicht perfekt, die Fremdsprache) und positiven (in lehrerfreier Zone gedeihen Intelligenz und Kompetenz viel besser) Aspekten.

Schöne Grüße

MM

Servus,

das ist von abends neune bis John-Lennon-Time nicht so besonders viel, deucht mir.

When I’m out 'till quarter to three/
Will you lock the door?
Will you still need me/
will you still feed me
When I’m sixty-four?

Danach hat Weizen eh nichts mehr verloren: Der Morgen graut - Campari-O kommt…

Sehr zum Wohle

MM

je nach Kontext verhandlungssicher oder annähernd
muttersprachlich.

Hallo, und das soll deiner Meinung nach nur durch akademisches Erlernen erreichbar sein? (Also Unterricht in einer Schule, Kurse, Lehrer). Oder ich hab dich total falsch verstanden.

Grüße Bellawa.

Servus,

das soll deiner Meinung nach nur durch akademisches
Erlernen erreichbar sein?

Nein, keineswegs. Aber jedenfalls nicht allein durch Konversation im freundlichen Feuchten.

„Auf den Hosenboden setzen“ heißt im besprochenen Fall Spanisch, dass man sich eben nicht damit zufrieden gibt, dass man in den Ramblas von Barcelona tatsächlich einen Sangria bekommt, wenn man einen Sangria ordert, sondern dass man in Gottes Namen auch ein paar Kapitelchen Cervantes nicht bloß liest, sondern auch versteht, und sich klar macht, warum da was wie steht. Und das geht halt bloß mit Vokabular, Grammatik, Syntax.

„Cervantes“ lässt sich ersetzen durch z.B. El Pais, Mayáns el Siscar, Lluís Companys etc. etc.

Schöne Grüße

MM

5 Hefeweizen. Wer kann das schaffen?
z.B. ein geübter Urinierer.
Auch die eigentlich krankhafte Polyurie [„Die Polyurie (griechisch πολυουρία, poliuría, „viel Harn“) ist die medizinische Bezeichnung für eine krankhaft erhöhte Urinausscheidung“, http://de.wikipedia.org/wiki/Polyurie ] kann dabei eine willkommene Hilfe sein.
Ist doch nur Pipikram!

Grüße
Pit

Hallo Martin,

„Cervantes“ lässt sich ersetzen durch z.B. El Pais, Mayáns el
Siscar, Lluís Companys etc. etc.

Lluís Companys würde ich zum Spanischlernen nicht empfehlen. Meines Wissens hat er außer einigen Reden und Artikeln kein nennenswertes schriftliches Werk hinterlassen, und das meiste davon dürfte im Original in Katalanisch sein.

http://www.youtube.com/watch?v=FpTA3p282Vg (ab 00:53)

Grüße
Rainer

Servus,

Punkt und Apostroph zusammen sind hier überflüssig.

ja, so sehe ich es auch.
nur: was dann schreiben?

As?
Behs?
Be seins?

elegant oder richtig ist das ja alles nicht.

tilli

Hallo Tilli,

wie zur Hölle… 5 Hefeweizen. Wer soll denn das bitte
schaffen?

Der Ire scheint es zu schaffen. UND noch einigermaßen deutsch sprechen zu können.

*wurgs*

Tilli

Servus,

nur: was dann schreiben?

wie beschrieben:

A’s und B’s

(Apotstroph zur Kennzeichnung einer Auslassung im Wortinneren)

Schöne Grüße

MM

Werter MM,

McCartney-Time, wenn schon.

Herzlichste Grüße

Annie