hallo,
ich habe mich mal für Bestattungen interessiert.
Ein riesen Geschäft!
Doch seit ein paar Jahren gibt es einen Kartonsarg: biologisch innerhalb von 3 Monaten abbaubar. Auch weniger umweltbelastend bei Verbrennungen.
Dazu gibt es die Friedwaldmöglichkeiten (Bestattungen unter einem Baum - als Asche).
Nun klagt verständlicherweise die Bestattungsindustrie, das würde die Entsorgungsmentalität fördern.
Da habe ich eine andere Vorstellung von Pietät.
Für mich ist der Körper nur eine Hülle dessen, was der Mensch eigentlich ist. Geht diese Hülle kaputt, wird sie entsorgt (hört sich schlimm an). Ich will mich nicht an die Leiche erinnern, ich erinnere mich an den Lebenden. Durch meine Großmutter bin ich mindestens 3 mal wöchentlich mit Leichen „zusammen gekommen“, soll heißen: sie ging mindestens 3 mal wöchentlich auf den Friedhof (München) und zwar erst in die Aussegnungshalle. Das ist in München so ein „Verkaufsladen“. Eine Halle mit großen Glasflächen, hinter denen die offenen Särge aufgebahrt sind. Mich hat das als Kind gelangweilt. Aber ich musste halt mit.
Vielleicht kommt daher meine Einstellung zur Leiche. Ich liebe ja auch nicht eine Frau, weil sie geile Titten hat (entschuldigt meine Ausdruckweise) sondern weil ich den Mensch der in dem Körper steckt sympathisch finde.
Ich habe zu meiner Süßen schon gesagt: wenn ich mal abkratze, dann ab in den Friedwald, Seebegräbnis oder meinetwegen Müllverbrennung. Nur bitte nicht auf den Friedhof.
Zum Glück denk meine Frau genauso.
Und wie denkt Ihr darüber?
Grüße
Raimund
Hallo Raimund,
ich schließe mich Deiner Meinung vollkommen an.
Ich kann den Totenkult auch nicht verstehen. Jedenfalls nicht in dem Ausmaß, in dem er praktiziert wird.
Für mich ist der Körper auch nur die äußere Form und eine Hülle,
die nicht das Wesentliche des Menschen ausmacht.
Ich habe dabei immer die Allegorie der Metamorphose der verpuppten Raupe in einen
Schmetterling im Kopf.
Gruß
Merkur
Mat 8,22
Hallo Raimund,
in diesem Punkt bin ich als praktizierender Katholik deiner Meinung.
Ich halte es da mit Matthäus 8:
18 Als Jesus die vielen Menschen sah, die um ihn waren, befahl er, ans andere Ufer zu fahren.
19 Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
20 Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
21 Ein anderer aber, einer seiner Jünger, sagte zu ihm: Herr, lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben!
22 Jesus erwiderte: Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben!
Gruß, Joe
Hallo,
Ich kann den Totenkult auch nicht verstehen. Jedenfalls nicht
in dem Ausmaß, in dem er praktiziert wird.
Ich finde Friedhöfe sind etwas sehr schönes, da will ich nicht nur zu traurigen Anlässen hin. Es sagt viel über die Menschen aus, das verdrängen des Todes empfinde ich als falsch. Ich möchte einen Ort haben, wo ich mit mir wichtigen Toten reden kann. Ich glaube nicht an Gott und ewiges Leben. Ich brauche einen Platz für die Trauer. Dabei ist es egal ob das eine grüne Wiese, ein Friedwald oder ein Friedhof ist. Persönlich würde ich ein altmodisches Erdbegräbnis bevorzugen. Aber da das zu teuer ist, gebe ich mich auch mit einer billigen Version zufrieden - z.b. Asche im Weltall verstreuen per aldebaranerischem Raumschiff oder so 
Ich habe dabei immer die Allegorie der Metamorphose der
verpuppten Raupe in einen
Schmetterling im Kopf.
Und ich bei solchen Sprüchen, das der Tod immermehr aus dem Blickfeld verschoben wird. Warum ist es so schwer zu akzeptieren das Leben endlich ist? Wieso muss es unbedingt etwas danach geben?
Gruss Jan - „Gibt es ein Leben vor dem Tod?“
Hallo,
Ich kann den Totenkult auch nicht verstehen. Jedenfalls nicht
in dem Ausmaß, in dem er praktiziert wird.Gruss Jan - „Gibt es ein Leben vor dem Tod?“
Sicher doch, wir alle leben, bevor wir sterben.
Für mich ist Plastination in Verbindung mit Organspende das Optimale.
Auf ein langes und gesundes Leben
Franz
das verdrängen des Todes empfinde ich als falsch.
ICH habe den Tod jeden Tag in meinem Leben ( Krankenschwester zur Zeit in der Altenpflege ) Es fällt mir nicht ein , ihn zu verdrängen.
Ich möchte einen Ort haben, wo ich mit mir wichtigen Toten reden
kann.
Was glaubst Du auf einem friedhof zu finden ? Dort sind „sie“ bestimmt nicht mehr .
Ich glaube nicht an Gott und ewiges Leben. Ich brauche
einen Platz für die Trauer.
Das ist Deine Sichtweise , die ich respektiere.
Ich habe dabei immer die Allegorie der Metamorphose der
verpuppten Raupe in einen
Schmetterling im Kopf.Und ich bei solchen Sprüchen, das der Tod immermehr aus dem
Blickfeld verschoben wird.
Oh , nein , gewiß nicht . ICH habe ihn immer genau im Blick.
Noch mehr Sprüche gefällig ß Ich habe mich nämlich eingehendst damit beschäftigt :
" Im tod das leben finden und im Leben den Tod. "
" Sterbe bevor Du stirbst."
„Gibt es ein Leben vor dem Tod?“
Genauso wie danach
Gruß
Merkur
Und wie denkt Ihr darüber?
daß man weniger egoistisch sein sollte.
klar daß DIR es wurst sein kann, was mit dir nachher passiert, denn du bist ja nicht mehr da. aber was ist mit den kindern, enkeln?
ein ort der erinnerung ist wichtig. ein ort, wo der körper mit respekt behandelt wird. ein leichnam ist kein abfall.
warum gibt es nur zwei extreme - entweder totenkult mit leichenschau oder abfallentsorgung?
gruß
datafox
Hallo datafox,
ein ort der erinnerung ist wichtig. ein ort, wo der körper mit
respekt behandelt wird. ein leichnam ist kein abfall.
Ich habe meinen Vater sehr geliebt. trotzdem war ich nur einmal bei ihm auf dem Friedhof. Gut, ich wohne auch 200 km davon entfernt.
Trotzdem: der dort beerdigt ist, ist nicht mein Vater. Der bei mir im Kopf ist, das ist er! Lebendig! Immer jung (er ist mit 39 gestorben).
Ich möchte nicht, dass die Zurückgebliebenen aus Pflichterfülliung an meinem Grab mehrmals jährlich stehen, dass sie einen Kleingärtnerbetreib aufziehen, dass das Wettrennen beginnt: wer hat das schönste Grab, wer liebt seine Verstorbenen mehr!
Für mich ist der abgestorbene Körper Abfall. Vom religiösen her: die Seele ist der Mensch, nicht der Leib. Die Seele lebt weiter. Sie ist immer gegenwärtig.
Drum will ich kein Grab haben. Ich will als (hoffe ich) schöne erinnerung in den Köpfen meiner Zurückgebliebenen bleiben. So wie ich war. Vielleicht etwas egoistisch, mag sein.
Und wer mich nicht mag, der soll auch nicht am Grab Liebe oder Trauer heucheln.
Ein andreres Problem: so wie ich jetzt gelesen habe, ist im Judentum das Grab die ewige Ruhestätte des Toten. Das würde aber heißen: irgend wann ist die Erde nur noch ein riesiger Friedhof. Können wir uns das leisten? Bei den Christen wird das Grab, wenn niemand mehr sich darum kümmert (und nicht mehr die irren Gebühren dafür bezahlt) für die nächte Leiche freigegeben. dies wird unweigerlich irgend wann so sein. Familien sterben aus. Das ist nun mal so. Wir (meine Frau und ich) haben mit meinem Schwager verinbart, dass wir ab 2005 das Grab meiner schiedereltern frei geben. also die nächsten dort beerdigt werden können. Wenn mein Schwager es evtl. haben möchte, dann kann er es haben. Wir wollen es nicht.
Ich hoffe, das alles hört sich nicht als kalt und berechnend an. Denn da soll es wirklich nicht sein.
warum gibt es nur zwei extreme - entweder totenkult mit
leichenschau
Furchtbar. eine einzige Geldmacherei mit der Trauer.
oder abfallentsorgung?
auch das wäre falsch. Zumindest so, wie sich dieses Wort anhört.
Grüße
Raimund
Hallo Raimund,
ich komm zum Zerschnipseln ins Anatomische Institut der Medizinischen Fakultät.
Was danach übrigbleibt, kommt zwar auch auf den Friedhof, aber in ein Ehren-(Sammel-?)grab des Anatomischen Instituts, der Name kommt auf eine lange Liste. Allfällige Hinterbliebene werden davon nur kurz verständigt.
Gruß
Barney
Hallo, Jan
Und ich bei solchen Sprüchen, das der Tod immermehr aus dem
Blickfeld verschoben wird.
Es ist doch ein kleiner Unterschied, ob das Sterben ängstlich ausgegrenzt wird oder ob das Danach zum gesellschaftlichen Muß wird. Riten finde ich wichtig, nur leider verkommen sie zur Show, wo sie der inneren Kraft entbehren.
Warum ist es so schwer zu
akzeptieren, dass Leben endlich ist?
Wenn mensch nur mit der eigenen Erinnerung plaudern möchte, brauchte es nicht den Aufwand um die Toten, Platzverschwendung und so.
Wieso muss es unbedingt
etwas danach geben?
MUSS es doch nicht. Gibt es eben. Und davor auch. Weißt du nicht mehr?
Gruss Jan - „Gibt es ein Leben vor dem Tod?“
Klar, hier im w.w.w.
Gruß, Geris
Ach Du meine Güte, der allgegenwärtige Forentroll.
der allgegenwärtige Forentroll.
angenehm, datafox!
irgend wann ist die Erde nur noch ein riesiger
Friedhof.
warum? den meisten liegt doch nichts daran, daß ihr toter auf ewig begraben liegt. viele lassen sich verbrennen oder (weiter oben) „zerschnipseln“. also ich seh da kein akutes platzproblem.
Familien sterben aus. Das ist nun mal so.
Ich hoffe, das alles hört sich nicht als kalt und berechnend
an. Denn da soll es wirklich nicht sein.
es ist eine private entscheidung. darüber zu urteilen ist etwas schwierig.
gruß
datafox
hallo, Raimund
wenn ich mal abkratze,
dann ab in den Friedwald, Seebegräbnis oder meinetwegen
Müllverbrennung. Nur bitte nicht auf den Friedhof.
Zum Glück denk meine Frau genauso.
Und wie denkt Ihr darüber?
Dann solltest du das zu Lebzeiten regeln.
Am billigsten ist ein Abgabevertrag mit der Uni-Pathologie, dann kostet es alles nichts. Sie haben aber (in München) ein solches Überangebot, dass es Wartezeiten gibt.
By the way - abkratzen willst du? Also, als mein Mann gestorben ist, war es ein so grandioses Geschehen, dass ich, bei aller Spottlust, dieses Wort nicht mehr gebrauche. Es hat meinen Lebens-Erfahrungsschatz mehr bereichert als vorstellbar gewesen wäre.
Gruß, Geris
Ich hab zwei Brüder durch Suizid verloren. Nicht lustig. Mein Lieblingsbruder hat sich im KH verbrennen lassen.
Menschenwürde in einem Pappkarton?
Mann weiss ja nie, was es zwischen Himmel
und Erde alles gibt, deshalb:
Wenn jemand versuchen sollte, meinen
Körper nach meinem Tod in einem Pappkarton
zu verbrennen, würde ich ihn auf übelste
Weise heimsuchen, falls mir das möglich sein
sollte. Magengeschwüre, Schlafstörungen
und Hirntumor wären dem sicher …
Gruss, Marco
ist doch alles hypothetisch
Hallo Marco,
Wenn jemand versuchen sollte, meinen
Körper nach meinem Tod in einem Pappkarton
zu verbrennen, würde ich ihn auf übelste
Weise heimsuchen, falls mir das möglich sein
sollte. Magengeschwüre, Schlafstörungen
und Hirntumor wären dem sicher …
Da ich vorhabe mindestens 85 alt zu werden,
stellt sich dann diese Frage gar nicht mehr.
Ich sage nur: Soylent green.
Gruesse Elke
(die Raimund nicht allzuoft zustimmt, aber
diesmal schon)
ich bevorzuge Soylent rot!
hat mehr Energie
Grüße
Raimund
hallo marco,
was spricht gegen eoinen Pappkarton?
Der Karton sieht aus wie Holz. Er bereichert nicht auf Kosten meiner Erben den Unternehmer.
Er belastet weitaus weniger die Umwelt, beim Verbrennen, wie auch beim Beerdigen.
Und wärmt mindestens genauso gut, wie Holz! *g*
Grüße
Raimund
Das Einzige, was nach dem Tod auf der Erde von
mir zurückbleibt, sind Erinnerungen.
Mir ist lieber die Erinnerung an ein
ordentlichen Begräbnis als an einen Pappkarton,
der wie ein ordentlicher Sarg *aussieht*.
Der Pappkarton ist ein Schritt in Richtung Plastiktüte
oder zum Mülleimer.
Ich befürchte allerdings der Pappkarton wird
sich durchsetzen, denn:
So würdelos, wie heute die Alten im Altenheim
entsorgt werden, so werden morgen vermutlich
die Toten entsorgt.
Gruss, Marco
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