Hi!
Das Problem in der heutige Zeit ist, dass alle sich für
Experten halten. Nur weil alle mal Schülerinnen und Schüler
waren, denken sie, sie wüssten alles über den Lehrberuf und
nehmen sich Urteile heraus.
Darf ich nicht über Drogendealer urteilen, nur weil ich selbst noch keinen Kontakt zu Drogen hatte oder diesen Berugf noch nie ausgeübt habe…??
Bei Anlagentechnikern untersucht
oder kritisiert niemand die Zeit, die sie im Büro rumsitzen
und Däumchen drehen.
Ich weiss nicht, wie Du auf solche Ideen kommst, aber ich denke man kann mir zustimmen wenn ich sage, dass in Deutschland sehr viele Anlagentechniker bei der Firma Siemens arbeiten, die gerade die dritte Entlassungswelle seit Mitte 2001 startet.
Wer denkst Du, dreht vor diesem Hintergrund dort noch Däumchen…?
Als Lehrer freilich hat man dieses Problem nicht. Wenn man nicht gerade Schülerinnen sexuell belästigt, ist der Job sicher.
Lieber Mathias, ich kenne Dich nicht und weiss nicht, ob Du
zur oberen Bevölkerungsgruppe dazugehörst.
Was ist die „obere Bevölkerungsgruppe“?
Wenn Du die „oben genannte Bevölkerungsgruppe“ meinst, so kann ich Dir bestätigen, dass auch ich deutsche Schulen bis zur 13. Klasse besucht habe.
Ferner erlaube ich mir nochmals darauf hinzuweisen, dass ich niemals behauptet hatte, ein „Experte“ für den Lehrerberuf zu sein. Ich schrieb vielmehr, dass sich in meinem weiteren Bekanntenkreis einige Gymnasiallehrer tummeln, die abends in vertrauter Runde ganz klar sagen, dass sie, da ja ale schon lange im Job und um die 55 Jahre alt, einen klaren Halbtagesjob ausübten.
Dennoch platzt mir
bei Deinen Äußerungen der Kragen. Ich würde vorschlagen, dass
Du mal ein Praktikum in einem Gymnasium unserer Zeit machst,
mal eine Deutsch- und Französischlehrerin begleitest und mal
untersuchst, wie anstrengend und zeitaufwändig der Job
WIRKLICH ist.
Ich muss „nebenbei“ meine 60-70 Stundenwoche machen und wenn ich dann Zeit für ein von Dir vorgeschlagenes Projekt hätte, wären die verehrten Kollegen im Lehramt schon seit Stunden zu Hause…
Für ein "Prktikum wäre ich dann vermutlich auch ein wenig zu alt.
Vielleicht darfst Du dann ja auch unterrichten,
und merkst mal, wie es ist, nach 45 min Schwerstarbeit aus
einer Klasse mit 30 Elfjährigen rauszugehen.
Ich halte desöfteren Präsentationen mit anschließender „Fragestunde“ vor 10-40 Asiaten. Das bedeutet dann 10 Stunden Dauerentertainment mit anschließendem Besäufnis. UInd das oft 4-5 Tage hintereinander. Kommt man dann zurück, wartet das Tagesgeschäft.
Es beendruckt mich also nicht sehr, wenn mir jemand etwas über anstrengende Kinder erzählt.
Dann kannst Du
noch 30 Aufsätze (von wegen Matritze) korrigieren und bist mit
dem offiziellen Teil Deiner Arbeitszeit fertig.
Wie hoch ist der Prozentsatz der Deutschlehrer an der gesamten Lehrerschaft?
Ebendiese Deutschlehrer habe ich übrigens aus meiner Bewertung herausgenommen. Hier wäre doch ein fairerer Diskussionsstil anzuraten.
Meine Mentorin arbeitet allein daran mindestens 60 Stunden in
der Woche.
Das glaube ich höchstens für 4-5 Wochen im Jahr, wenn eben Arbeiten geschrieben werden.
In den Ferien entwirft sie Abiturvorschläge (Die
Vorschläge haben dreimal Hausarbeitsumfang), beschäftigt sich
mit neuen Lehrbüchern, besorgt Material, das sie in der Schule
auch immer mit sich rumschleppt. Nur um das Bild in Deinem
Kopf zu berichtigen: Die Frau ist 62 Jahre alt. Und sie macht
verdammt guten Unterricht.
Schön. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Normalerweise sind Lehrer mit 62 schon seit Jahren am Wohnmobilpolieren bzw. Nachhilfe erteilen (womit man locker das Gehalt eines mittleren Managers erreichen kann) da sie „ausgeburnt“ sind.
Der durchschnittliche Beamte geht mit 59 in Pension, habe ich vor einigen Wochen in der SZ gelesen. Meinst Du, dass die Lehrer eher zur Hebung oder zur Senkung dieses Schnittes beitragen…?
Die inoffiziellen Arbeitszeiten: Hauptkonferenz,
Gesamtkonferenz, Fachkonferenz, Zeugniskonferenz,
Klassenkonferenz, Elternabend, Elternsprechtag,
Ausschussarbeit, was noch konnte ich als Praktikantin nicht
überblicken.
Weshalb empfiehlst Du mir dann ein Praktikum an der Schule…?
Desweiteren: Arbeitsgemeinschaften, Lehrmittel- und
Schülerbibliothek, Laborarbeiten, Schüleraustausche,
Schulfeste, Sonderprogramme für Ausländerkinder,
Fördergemeinschaften und anderes.
Hier ist eine Differenzierung nötig, denn viele dieser Aufgaben sind freiwillig und werden somit von den meisten Lehrern nicht ausgeübt.
Ferner sind Lehrerkonferenzen, Laborarbeiten, Schüleraustausche u.ä. keineswegs „inoffiziell“, sondern gehören schlichtweg zum Berufsbild und können summiert vielleicht mit 3 Wochen p.a. angesetzt werden, was an der Gesamtsituation des Halbtagesjobs nichts ändert.
Und da sind die ganzen Halb-privatgespräche mit verzweifelten
Schülerinnen, die sich umbringen wollen, den Kollegen, deren
Schülerinnen sich umbringen wollen und den Eltern, deren
Töchter sich umgebracht haben noch nicht mit drin.
Extrembeispiele.
Wieviele sind das pro Berufsleben? 3?
Und das alleranstrengendste sind die ganzen Dummschwätzer, die
die geleistete Arbeit abwerten und abqualifizieren.
Das kenne ich.
Mich kannst Du damit ja nicht meinen, denn ich qualifiziere nicht die Arbeit der Lehrer ab, sondern lege dar, dass hier Leute für einen Halbtagesjob voll bezahlt werden.
Ich habe in meiner Schulzeit auch gedacht, Lehrer seien
Lauschepper- und habe mich für ein Diplomstudium entschieden.
Mittlerweile habe ich großen Respekt vor den Leuten.
Ich habe ebenfalls Respekt vor den allermeisten Lehrern.
Mathias, Ausnahmen gibt es leider überall. Gerade in der
freien Wirtschaft herrscht das Peter-Prinzip, das die Arbeit
abwertet.
s.u.
Pauschalaussagen sind jedoch immer überflüssig.
Keineswegs immer. Hier lebt ein ganzer Berufsstand ein lockeres Leben auf kosten des Steuerzahlers.
Aktuell wird ja in Presse und Gesellschaft unheimlich viel über das Thema Gehältergerechtigkeit diskutiert, es geht hierbei, wie in unserer Neidgesellschaft mittlerweile leider üblich, nur um Gehälter der Topmanager. Ist Klaus Essers Arbeit die 6 Mio. Euro Abfindung wert gewesen?
Warum darf ich denn diese Frage nicht auch für andere Berufszweige stellen, wo den Bürger das deutlich mehr Geld kostet?
Viele Grüße,
Mathias