Hallo pendragon,
tatsächlich kann ich Dir fundiert nur Auskunft über die Zeit der frühen Christen geben, da mein Gebiet die Patristik ist…
Für das AT ist wohl wichtig zu wissen, daß es sich nicht um ein monolithisches Gebilde handelt. Das, was wir heute vorliegen haben, ist über mehrere Jahrhunderte gewachsen. Das AT wird zumindest von christlichen Theologen gerne als „Geschichte des Volkes Gottes mit Gott“ bezeichnet. Darin kommt zum Ausdruck, daß unterschiedliche historische Erfahrungen, daraus resultierende Glaubenszweifel und die jeweiligen theologischen „Lösungen“ in den Büchern des AT zu finden sind. D.h. letztlich, daß jeder Leser (ob nun religionsimmanent oder nicht) in den Büchern der Bibel eine Diskussion über das richrige Gottesverständnis und das dem darin bekannten Gott entsprechende Leben geführt wird.
Für die frühen Christen war das „AT“ die heilige Schrift, schon allein deshalb, weil es die heilige SChrift Jesu Christi und der Apostel war. In dem erwähnten Werk Contra Celsum findest Du auch eine intensive Diskussion über die Glaubwürdigkeit des AT. Da in der Antike „Alter“ ein entscheidendes Kriterium war, ging es z.B. darum, wie alt das Judentum ist, wann Mose gelebt hat etc.
Natürlich haben die frühen Christen das AT nicht in unserem Sinne als ein historisch gewachsenes Buch verstanden, auch wenn sie darin Informationen über historische Epochen gesucht haben. Das zeiugt besonders der Umgang mit den kultischen GEboten: Darin sahen sie Vorschriften, die für die damaligen Juden notwendig und richtig waren, für die Christen aber nach Jesus Christus nicht mehr einzuhalten waren.
Hoffe, wenigstens etwas weiter Auskunft gegeben zu haben,
Grüße,
Taju