Bitte nochmal 'Die Passion Christi'

Hallo!

Wegen diesem Film mit Mel Gibson ueber das Leben von Jesus…
Ich hab das Posting weiter unten schon gesehen aber keine Antwort auf meine (im Geiste gestellte) Frage gefunden.

Leute meinen, dass er Hass gegen Juden erzeugen wuerde, da diese des Mordes an Jesus beschuldigt wuerden.

Ich hab die Bibel nicht gelesen, soviel vorweg, aber ich meine mich doch aus x Jahren katholischer Schule zu erinnern, dass Jesus unter dem ‚Volk der Juden‘ lebte und somit auch dieses ihn gekreuzigt hat. Und war Jesus denn nicht selbst Jude?? Irgendwie bin ich jetzt ganz durcheinander.

Wer hilft mir weiter?
Gruesse,
Bethje

Hallo Bethje.

Ich hab die Bibel nicht gelesen, soviel vorweg, aber ich meine
mich doch aus x Jahren katholischer Schule zu erinnern, dass
Jesus unter dem ‚Volk der Juden‘ lebte und somit auch dieses
ihn gekreuzigt hat. Und war Jesus denn nicht selbst Jude??
Irgendwie bin ich jetzt ganz durcheinander.

Wer hilft mir weiter?

Wobei genau? Bei der Frage warum der Film Hass erzeugen könnte oder bei der Frage was dieser Mord mit den Juden zu tun hat oder… ? Ich würde mich freuen, wenn du noch einmal deutlich deine Frage stellst.

Scholem,
Eli

Hallo!

Wegen diesem Film mit Mel Gibson ueber das Leben von Jesus…
Ich hab das Posting weiter unten schon gesehen aber keine
Antwort auf meine (im Geiste gestellte) Frage gefunden.

Leute meinen, dass er Hass gegen Juden erzeugen wuerde, da
diese des Mordes an Jesus beschuldigt wuerden.

Hallo Bethje,
Durch all die Jahrhunderte wurde die Verfolgung der Juden mit dem Mord an Jesus begründet. Selbst im sogenannten dritten Reich war die Meinung weit verbreitet, dass die Juden Jesus den Christen umgebracht haben. Fakt ist, dass Jesus Jude war, bis zu seinem Tod.Das Urteil für seinen Tod hieß Gotteslästerung. Die Schriftgelehrten und jüdischen Führer hatten aber noch politische Gründe für das Todesurteil.
Ich habe den Film nicht gesehen, aber selbst in den Oberammergauern Passionsspielen wurden erst kürzlich einige antijüdischen Stellen herausgeschnitten.
Monika

Ich hab die Bibel nicht gelesen, soviel vorweg, aber ich meine
mich doch aus x Jahren katholischer Schule zu erinnern, dass
Jesus unter dem ‚Volk der Juden‘ lebte und somit auch dieses
ihn gekreuzigt hat. Und war Jesus denn nicht selbst Jude??
Irgendwie bin ich jetzt ganz durcheinander.

Wer hilft mir weiter?
Gruesse,
Bethje

Ich hab die Bibel nicht gelesen, soviel vorweg, aber ich meine
mich doch aus x Jahren katholischer Schule zu erinnern, dass
Jesus unter dem ‚Volk der Juden‘ lebte und somit auch dieses
ihn gekreuzigt hat. Und war Jesus denn nicht selbst Jude??
Irgendwie bin ich jetzt ganz durcheinander.

Jesus wurde vom Hass getötet, es war der Mob der ihn am Kreuz hängen sehen wollte. Die Intelligenz hat dazu geschwiegen, weil sie ihn auch loswerden wollte. Das es Juden waren, ist eher nebensächlich.

mfg

Hallo!

Jesus wurde vom Hass getötet, es war der Mob der ihn am Kreuz
hängen sehen wollte. Die Intelligenz hat dazu geschwiegen,
weil sie ihn auch loswerden wollte. Das es Juden waren, ist
eher nebensächlich.

Aber genau das finde ich so eigenartig. Es WAREN Juden und jetzt gibt es Diskussionen, weil in dem Film den Juden die Schuld gegeben werden soll. Aber wo liegt bitte das Problem, wenn ‚sie‘ es ja eh waren?? Dann kann man das in dem Film doch auch zeigen, oder?

Es werden auch NS-Filme gedreht, in denen Deutschland und OEsterreich die Schuld am Tod vieler Juden bekommen. Und (fast) niemand bestreitet, dass sie keine Schuld trifft.

Ich hoffe, das wird jetzt nicht als aggressiv aufgefasst, denn das soll es nicht sein.

Gruesse,
Bethje

Hallo Bethje,

Ich hab die Bibel nicht gelesen, soviel vorweg, aber ich meine
mich doch aus x Jahren katholischer Schule zu erinnern, dass
Jesus unter dem ‚Volk der Juden‘ lebte und somit auch dieses
ihn gekreuzigt hat. Und war Jesus denn nicht selbst Jude??
Irgendwie bin ich jetzt ganz durcheinander.

Datafox hat es unten schon recht gut dargestellt. Es handelt sich um eine Literaturverfilmung. Gemäß dem Bericht dieser Literatur war Jesus Christus war ein Jude der auf das Betreiben der politischen und religiösen Oberschicht seines Volkes hin, hingerichtet wird.
Die römische Besatzungsmacht hat die Hinrichtung zwar durchgeführt, aber dies nur wegen des Drängens der besagten jüdischen Oberschicht.
(Man könnte auch sagen, die Italiener haben Jesus hingerichtet.)

Das eigentliche Problem ist, dass im Johannes-Evangelium explizit steht, dass die Juden Jesus verfolgt und getötet haben. Das stimmt insoweit, als das es weder Griechen, Samariter, Parther oder Galater waren. Genauso gut könnte da stehen, dass „sein Volk“ war. Und abgesehen von den Samaritern, die sowieso ein Sonderfall waren, hat er sich von anderen Völkern ferngehalten. Das Christentum war zunächst einmal eine jüdische Angelegenheit.

Die Konsequenzen sind folgende. Die Christen, die die Evangelien ernst nehmen, sind den heutigen Juden sicher nicht feindseig gegenüber eingestellt. Immerhin sind/waren sie Gottes auserwähltes Volk (das ist ein neues Thema).
Diejenigen, die nicht so viel mit der Bibel und dem Christentum am Hut haben, aber antijüdisch eingestellt sind, ziehen für sich das Argument raus „die Juden haben den Christus umgebracht“. Das sind die gleiche Leute, die Jesus persönlich totschlagen würden, wenn er Ihnen heute begegnen würde.

Ich weiss natürlich nicht, wie es im Film dargestellt ist,
ob dort explizit von „den Juden“ die Rede ist, oder die verschiedenen Volksgruppen dargestellt werden.
Aber was soll nun die Konsequenz sein?
1.) Soll das neue Testament indiziert werden?
2.) Soll das Johannes-Evangelium und einige Briefe indiziert werden?
3.) Soll die entsprechenden Bücher nur noch einen Fachpublikum mit Kommentierung zur Verfügung stehen.
4.) Soll die Verfilmung verboten werden oder nur für ausgewählte Passagen erlaubt sein?

Ich glaube nicht, dass der Film, den Antisemitismus anstachelt. Die antisemitischen Dumpfköpfe werden sich mehrheitlich keine Bibelverfilmung ansehen. Und Jemand keine oder wenig Vorurteile hat, wird er dadurch nicht zum überzeugten Antisemiten.

Gruß
Carlos

Hallo Bethje,

Aber genau das finde ich so eigenartig. Es WAREN Juden und
jetzt gibt es Diskussionen, weil in dem Film den Juden die
Schuld gegeben werden soll. Aber wo liegt bitte das Problem,
wenn ‚sie‘ es ja eh waren?? Dann kann man das in dem Film doch
auch zeigen, oder?

Dein Posting macht für mich ziemlich deutlich wo das Problemgemenge liegt. Du gehtst davon aus, es waren „die Juden“ und man dürfe das offensichtlich so nicht sagen - siehe der Vergleich mit den Nazi-Filmen.

Das Neue Testament ist kein Geschichtsbuch, auch wenn es historische Details enthält. Es ist keine Biografie, auch wenn sich Biografisches darin spiegelt. Evangelium (griech. euangelion, wörtl. "gute Botschaft) ist eine literarische Stilform, wie „Brief“ oder „Kochrezept“ oder „Kurzgeschichte“ oder „Gleichnis“ eine literarische Stilform ist. Der Aussageabsicht eines Evangeliums ist, dass Menschen zum Glauben an Jesus als Messias finden. Davon ist natürlich die Art geprägt, wie es geschrieben wird, also wie bestimmte vorliegende Stoffe aus verschiedenen Quellen komponiert werden (Gleichnissammlungen, Aussprüche von Jesus, Wundererzählungen, Heilungsgeschichten etc.).

Die Evangelien wurden niedergeschrieben zwei Generationen nach dem Tod von Jesus. In ihnen spiegeln sich die Konflikte zwischen Juden dieser Zeit untereinander und mit der Besatzungsmacht viel stärker, als die Gegebenheiten zur Lebenszeit Jesu.

Die junge christliche Kirche hatte ein massives (Überlebens-)Interesse daran, Pilatus besser darzustellen (ein bißchen softie und unentschlossen) und ihn zu entlasten auf Kosten der Juden bzw. des Hohepriesters Kaiphas.

Außerdem fließt in die Niederschrift der Evangelien sehr stark ein, daß der Tempel 70 unserer Zeitrechnung zerstört wurde, was dahingehend gedeutet wurde, „die Juden“ seien verstockt, weil sie Jesus nicht als Messias anerkennen.

Wenn nun jemand einen Film dreht oder ein Passionsspiel verfaßt, steht er vor einigen Problemen, denn es gibt - im Hinblick auf die Evangelien - nur einige Eckpunkte:

  • jüdische Führungspersönlichkeiten hatten mit der Verhaftung zu tun
  • Jesus wurde angeklagt von jüdischen Führern
  • Petrus streitet ab, dass er Jesus kennt
  • Pilatus verhört Jesus
  • Jesus wird angeklagt und verurteilt
  • Jesus wird gekreuzigt mit zwei anderen, die als politische Aufwiegler gelten
  • Soldaten verteilen unter sich die Kleidung von Jesus
  • Jesus stirbt an einem Kreuz und darauf wurde geschrieben: „König der Juden“.

Und selbst bei diesen Fixpunkten findet man bei einigen in unterschiedlichen Evangelien unterschiedliche Darstellungen:

  • der Hohepriester klagt Jesus an oder auch nicht
  • nur bei Johannes wird davon ausgegangen, dass Pharisäer eine Rolle spielten
  • die Anklage erfolgt nachts oder morgens, im Haus des Hohenpriesters oder auch nicht
  • der Vorschlag der Freilassung von Barabbas kommt von jüdischen Führungspersönlichkeiten oder von Pilatus
  • Jesus wird ein bitteres Getränk angeboten vor oder während er am Kreuz hängt und er nimmt es an oder lehnt es ab
  • seine Kleidung wird zerteilt und verlost oder sein Übergewand bleibt ganz
  • die beiden, die neben ihm Gekreuzigen beschimpfen ihn oder einer beschimpft ihn und der andere sucht seine Zuwendung
  • Jesus wird nach dem jüdischen Kalender am 14. oder 15. Nissan getötet.

Daraus kann man keinen in sich konsistenten Film machen. Jeder Regisseur entscheidet sich für bestimmte Details, läßt andere weg und nimmt möglicherweise noch andere Motive aus Tradition / Legende / Visionen um den Stoff umzusetzen. Und genau diese „Unterfütterung“ bringt eine Tendenz in der Aussage mit sich. Jedes Passionsspiel und jeder Film über die Leidensgeschichte Jesus ist eine Kombination aus Fakten, Glaubensüberzeugungen und darstellerischen Mitteln (Spannungsaufbau etc.).

Wenn man sich nun die historische Seite ansieht, wird folgendes deutlich:

  • Jesus war Jude, und viele Juden folgten seinen Lehren - wie es eben zu der Zeit viele Wanderprediger mit entsprechender Anhängerschaft gab.

  • Pilatus hatte unter seinen Zeitgenossen den Ruf sehr grausam und brutal zu sein. Seine politische und militärische Macht waren absolut.

  • der Hohepriester wurde von der Besatzungsmacht ernannt und kontrolliert und konnte nur solange in seinem Amt zugange sein, wie er das Volk ruhig hielt und solange er sich der römischen Obrigkeit gegenüber loyal verhielt.

  • die Kreuzigung war eine übliche Hinrichtungsmethode, die denen gegenüber von Rom angewandt wurde, die sich politischer Vergehen schuldig gemacht hatten. Jüdische Führer konnten innerjüdisch Recht Sprechen, wenn jüdisches Recht gebrochen wurde.
    Über Volksverhetzer, Revolutionäre, Attentäter und sonstige politische Rechtsbrecher konnten sie nicht Recht sprechen.

Wer also die Juden als die Schuldigen am Tod Jesu darstellt, geht an diesen historischen Tatsachen vorbei.

Man wird den Film von Gibson danach beurteilen müssen - oder ich werde es zumindest tun - wie er diesen Dingen gerecht wird und mit ihnen umgeht.

Ich habe bis jetzt so einiges in der Presse über den Film gelesen, und in der deutschsprachigen Berichterstattung fallen mir zwei Besonderheiten auf:

  1. Es wird immer nur darauf hingewiesen, daß jüdische Organisationen / Einzelpersonen Vorbehalte gegen den Film haben. In Amerika ist es aber durchaus so, daß auch aus unterschiedlichen christlichen Kreisen diese Vorbehalte geteilt werden. Warum wird das in Deutschland verschwiegen? Will man wieder mal das Stereotyp bedienen, daß die Juden wieder mal überempfindlich sind?

  2. Mel Gibson scheint in seiner Darstellung ganz wesentlich von den Visionen einer deutschen Augustinernonne, die Anfang des 19. Jahrhunderts lebte, inspiriert zu sein - Anna Katharina Emmerich.
    Da wäre dann zu fragen, wovon diese Frau geprägt ist.

Schließlich haben die Darstellungen in den Evangelien auch eine Wirkungsgeschichte, die für Juden - besonders um die Osterzeit - häufig unheilvoll war.

Als der Staat Israel gegründet wurde, war eine der ersten juristischen Anfragen die von einigen evangelischen theologen, die wünschten, daß der Justizirrtum im Falle Jesu rückgängig gemacht würde. Die israelische Gerichtsbarkeit fühlte sich nicht zuständig.

Chajm Cohn hat sich 20 Jahre in seiner Freizeit mit dem Thema beschäftigt und zwar als jemand, der Rabbiner und Jurist war.
Er hat also die Details, die wir aus den Evangelien kennen, jüdische quellen und andere zeitgenössische Quellen ausgewertet.
Das ist in seinem sehr interessanten Buch „der Prozess Jesu“ (jüdischer Verlag im Suhrkampverlag) nachzulesen.

Viele Grüße

Iris

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Aber genau das finde ich so eigenartig. Es WAREN Juden und
jetzt gibt es Diskussionen, weil in dem Film den Juden die
Schuld gegeben werden soll. Aber wo liegt bitte das Problem,
wenn ‚sie‘ es ja eh waren?? Dann kann man das in dem Film doch
auch zeigen, oder?

Wir Deutsche haben ein schwieriges Verhältnis dazu, warum brauch ich wohl nicht zu sagen. Der Fall Möllemann beweist das auch wieder.

Aber es ist ansich eine Frage der Objektivität. Wir Deutsche können (dürfen) nicht objektiv sein. Unmöglich. Immer artet es in Subjektivität aus. Letztlich ist es auch eine Frage der Intelligenz. Eine gewisse Schicht, wird halt immer mit Steinen werfen.

Ich hoffe Du verstehst was ich sagen will.

mfg

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Aber genau das finde ich so eigenartig. Es WAREN Juden und
jetzt gibt es Diskussionen, weil in dem Film den Juden die
Schuld gegeben werden soll. Aber wo liegt bitte das Problem,
wenn ‚sie‘ es ja eh waren?? Dann kann man das in dem Film doch
auch zeigen, oder?

Und ich dachte wir würden in der Moderne leben und so etwas wie Sippen- oder gar Volkshaft würden heute nur noch in Geschichtsbüchern auftauchen. Wie dem auch sei, ich kennen keinen Juden, der heute mit dieser Tat im Zusammenhang steht. Warum also müssen wir uns nach 2.000 (!) Jahren im Namen von Nächstenliebe und Barmherzigkeit immer wieder unsere Schul an diesem einen Mord anhören?

Ein trauriger Eli

Hallo Bethje,

neben den sehr guten Erläuterungen von iris hilft dir vielleicht diese Fikmkritik weiter:
http://www.faz.net/s/RubF7538E273FAA4006925CC36BB8AF…

Ein Abnschitt daraus, der deine Frage beantwortet:

[…]
Der zweite Vorwurf gegen den Film lautete auf Antisemitismus. Er ist falsch und wahr zugleich. Auf den ersten Blick ist „The Passion“ nicht mehr und nicht weniger antisemitisch als die Evangelien, aus denen die Geschichte stammt. Da schreit das Volk „Kreuzige ihn!“, da wäscht Pilatus seine Hände in Unschuld, da fordern die jüdischen Hohepriester die Freilassung des Barrabas und den Tod Jesu, ganz so, wie es Matthäus und Markus erzählen. Auf den zweiten Blick freilich erkennt man, daß die Färbung solcher Einzelheiten mit dem Licht wechselt, das durch die umgebende Erzählung auf sie fällt. Da es aber bei Mel Gibson so gut wie keine Umgebung gibt, keinen Kontext, der das Geschehen erhellt, ist sein dramaturgisches Kolorit von brutaler Eindeutigkeit: hier der Blutdurst der Juden, dort Jesus und die Seinen, dazwischen, als zaudernder Kosmopolit, Pontius Pilatus.

[…] Sein Blick auf die Heilsgeschichte ist zutiefst mittelalterlich, von Wut, Scham und Inbrunst getragen wie die Prozessionen, die durch die Städte der Gotik zogen. So könnte er auch die Emotionen von damals wieder heraufbeschwören. Der Haß auf die Juden gehörte dazu.

Viele Grüße,

Barbara

*die nicht in den Film gehen wird, weil der mir einfach zu blutig und brutal ist*

Vollkommen richtig…
Hallo Eli,

Aber genau das finde ich so eigenartig. Es WAREN Juden und
jetzt gibt es Diskussionen, weil in dem Film den Juden die
Schuld gegeben werden soll. Aber wo liegt bitte das Problem,
wenn ‚sie‘ es ja eh waren?? Dann kann man das in dem Film doch
auch zeigen, oder?

Ich versteh Deine Antwort gut. Ich denke aber schon, dass genau diese verkürzte Antwort ziemlich sophistisch wirken kann. Du willst doch wohl nicht abstreiten, dass jeweils (auch in obiger Aussage) „die Juden“ eliptisch für ‚die zur Zeit Christi am Prozess beteiligten Juden‘ steht, oder?

Und ich dachte wir würden in der Moderne leben und so etwas
wie Sippen- oder gar Volkshaft würden heute nur noch in
Geschichtsbüchern auftauchen. Wie dem auch sei, ich kennen
keinen Juden, der heute mit dieser Tat im Zusammenhang steht.
Warum also müssen wir uns nach 2.000 (!) Jahren im Namen von
Nächstenliebe und Barmherzigkeit immer wieder unsere Schul an
diesem einen Mord anhören?

Vollkommen richtig, ich kann ja schliesslich auch nichts für die Kreuzzüge oder die Inquisition, auch wenn ich noch so katholisch bin. Für etwas woran ich nicht beteiligt war, kann ich mich nicht entschuldigen und die Beweggründe und Sinnerklärungen vergangener Generationen zu verurteilen ist immer zu einfach, in jedem möglichen Fall. Ob es nun Cortes Massaker der Indios, die Versklavung der Afro-Amerikaner, die Kreuzzüge oder der Tod Christi, ist. Weder können sich die heutigen Juden für die Kreuzigung entschuldigen, noch kann ich mich für das Matthäus-Evangelium entschuldigen.
Der einzige Weg ist, dass man sich der Mechanismen immer wieder bewusst wird und erneutes Unrecht damit verhindert. Verbote, Zensur und Geschichtskritteleien bringen uns in dieser Aufgabe dem aufgeklärten Individuum keinen Schritt weiter.

Ein trauriger Eli

*tröst* Ich hab Dich dennoch lieb Eli, gerade weil wir anderen Glaubens sind…

Alles Liebe

Y.-

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Moin babs,

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.
Sollen die Juden in diesem Zusammenhang doch so blutrünstig oder gewaltätig gewesen sein wie sie wollen. Das rechtfertigt immer noch keinen Antisemitismus. Eine „vorteilhaftere“ Darstellung der Juden jener Zeit schießt doch um Längen am Problem des Antisemitismus vorbei.

Eine andere Sicht der Dinge hieße nach meinem Verständnis, die Juden der damaligen Zeit (und ihre Taten) für den christlichen Antisemitismus verantwortlich zu machen. Das kann es ja wohl nicht sein. Die Ursachen für Antisemitismus liegen nach meinem Verständnis immer in demjenigen begründet, der ihn hat, und nie irgendwo außerhalb, auch nicht in einer bestimmten Art der Berichterstattung oder Fiktion.

Gruß
Marion

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Hallo!

Leute meinen, dass er Hass gegen Juden erzeugen wuerde, da
diese des Mordes an Jesus beschuldigt wuerden.

Hab ich auch schon gehört, kann ich aber nicht beurteilen, da ich ihn selbst nicht gesehen hab.

ich meine
mich doch aus x Jahren katholischer Schule zu erinnern, dass
Jesus unter dem ‚Volk der Juden‘ lebte

richtig.

und somit auch dieses
ihn gekreuzigt hat.

Nein, das waren die Römer (falls man „die Römer“ sagen kann, auf jeden Fall gab den Befehl _ein_ Römer), die hatten damals das Sagen.

Und war Jesus denn nicht selbst Jude??

richtig.

Wer hilft mir weiter?

HTH,
Bettina

Warum also müssen wir uns nach 2.000 (!) Jahren im Namen von
Nächstenliebe und Barmherzigkeit immer wieder unsere Schul an
diesem einen Mord anhören?

Vielleicht deshalb, weil das Problem mit der Ratio nicht zu lösen ist, sondern spirituelle Ursachen hat, die sehr tief gehen. Schließlich gibt es sowas wie eine Kollektivschuld oder ein Karma für eine ganze Nation. Ihr habt euch da was ganz schönes aufgebrummt. Und in neuerer Zeit sind wir Deutschen ein gutes Beispiel dafür.

mfg

Stuss!

Schließlich gibt es sowas wie eine Kollektivschuld oder
ein Karma für eine ganze Nation. Ihr habt euch da was ganz
schönes aufgebrummt. Und in neuerer Zeit sind wir Deutschen
ein gutes Beispiel dafür.

Das ist doch Unfug!
Ein Volk kann sich niemals als Ganzes schuldig machen. Und vor allem wird Schuld nicht vererbt! Und „Karma“ in dem Zusammenhang ist einfach nur Blech!

Mike

Remojn Marion:smile:,

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.

ich weiß nicht, ob man von „Aufregung“ sprechen kann, habe das Ganze aber in den Feuilletons nicht verfolgt.

Sollen die Juden in diesem Zusammenhang doch so blutrünstig
oder gewaltätig gewesen sein wie sie wollen. Das rechtfertigt
immer noch keinen Antisemitismus.

? Natürlich rechtfertigt das keinen Antisemitismus. Der Vorwurf, die Juden hätten Jesus ermordet, war aber eines der christlichen Hauptmotive, sie im christlichen Mittelalter entsprechend zu behandeln. Keine Sache, die eine Buddhistin aufregen muss:smile:, aber als getaufte Christin erwarte ich, dass andere Christen da einen etwas differenzierten Zugang zu dem Thema Kreuzigung und Passion hat. Ist für mich hier aber klar ein innerchristlichen Problem und eine innerchristliche Diskussion.

_Eine „vorteilhaftere“

Darstellung der Juden jener Zeit schießt doch um Längen am
Problem des Antisemitismus vorbei._

Es geht eher darum, dass alte Vorurteile scheinbar unausrottbar sind. Ob das im Film der Fall ist, kann ich nicht sagen, da ich ihn nicht kenne.

Eine andere Sicht der Dinge hieße nach meinem Verständnis, die
Juden der damaligen Zeit (und ihre Taten) für den christlichen
Antisemitismus verantwortlich zu machen.

? eine sehr verquere Sichtweise, die Opfer und Täter verwechselt. Das entspricht dem Denken, ein junges Mädchen wollte ja vergewaltigt werden, weil es liebreizende Röckchen trägt oder so.

_Das kann es ja wohl

nicht sein. Die Ursachen für Antisemitismus liegen nach meinem
Verständnis immer in demjenigen begründet, der ihn hat, und
nie irgendwo außerhalb, auch nicht in einer bestimmten
Art der Berichterstattung oder Fiktion._

Naja, für so autonom halte ich keinen Menschen:smile:,

viele Grüße,

barbara

*die zu dem Film damit nichts gesagt hat, weil sie ihn nicht kennt.*

Hallo Rolf,

Aber genau das finde ich so eigenartig. Es WAREN Juden und
jetzt gibt es Diskussionen, weil in dem Film den Juden die
Schuld gegeben werden soll. Aber wo liegt bitte das Problem,
wenn ‚sie‘ es ja eh waren?? Dann kann man das in dem Film doch
auch zeigen, oder?

Wir Deutsche haben ein schwieriges Verhältnis dazu, warum
brauch ich wohl nicht zu sagen. Der Fall Möllemann beweist das
auch wieder.

liegt das am „Karma“?

Aber es ist ansich eine Frage der Objektivität. Wir Deutsche
können (dürfen) nicht objektiv sein. Unmöglich. Immer artet es
in Subjektivität aus. Letztlich ist es auch eine Frage der
Intelligenz. Eine gewisse Schicht, wird halt immer mit Steinen
werfen.

Ich hoffe Du verstehst was ich sagen will.

Ist das, wie ich verstehe, was hier so zwischen den Zeilen vermittelt wird, auch eine Frage des Karmas?

fragt sich

Iris

Hallo Rolf.

Vielleicht deshalb, weil das Problem mit der Ratio nicht zu
lösen ist, sondern spirituelle Ursachen hat, die sehr tief
gehen. Schließlich gibt es sowas wie eine Kollektivschuld oder
ein Karma für eine ganze Nation.

Aha.

Ihr habt euch da was ganz schönes aufgebrummt.

Was habe ich mir aufgebrummt?

Und in neuerer Zeit sind wir Deutschen ein gutes Beispiel dafür.

Wofür sind wir Deuntschen ein gutes Beispiel?

Schalom,
Eli

1 „Gefällt mir“

hallo,

Warum also müssen wir uns nach 2.000 (!) Jahren immer
wieder unsere Schul an
diesem einen Mord anhören?

entschuldige mal… aber seit wann glauben juden an den historischen gehalt des neuen testaments? nirgends sonst steht, daß es diese „tat“ jemals gegeben hat. aus jüdischer sicht ist jede diskussion darüber müßig und jede aufregung über diesen film absurd. darüberhinaus handelt es nicht nicht um einen mord, sondern um eine hinrichtung nach römischem gesetz. wenn wer schuld in der story hat, dann wohl die italiener…

gruß
datafox

Und in neuerer Zeit sind wir Deutschen
ein gutes Beispiel dafür.

mein gott du willst allen ernstes den holocaust mit einer religiösen legende vergleichen?

datafox