Braucht der Mensch Religion?

Was meint ihr? Braucht der Mensch Religion??

Was meint ihr? Braucht der Mensch Religion??

Ich habe neulich eine provokante These gelesen: Religion ist definiert, als ein Versuch, unsere Existenz zu erklären. Warum sind wir? Woher kommen wir? Wozu sind wir?

Nach dieser Definition sind auch die Naturwissenschaften eine Art von Religion.

Ich denke, es lohnt sich mal darüber nachzudenken.

Lässt man diese Definition gelten, kann man Deine Frage glaube ich mit „Ja“ beantworten, jeder stellt sich irgendwann die o.g. Fragen und glaubt an irgendeine Theorie, und seien es die Naturwissenschaften.

Im übrigen: Ich weiß, daß ich nichts weiß. (Sokrates zugeschrieben)

Gruß
Werner

Was meint ihr? Braucht der Mensch Religion??

Meiner Ansicht nach: NEIN!
Nun meint zwar unser großer Weimarer Klassiker:
„Wer Wissenschaft und Kunst besitzt,
der hat auch Religion;
wer jene beiden nicht besitzt,
der habe Religion!“ (Zahme Xenien IX)
Religion scheint also nur als Anhängsel oder Ersatz da zu sein.
Doch ist das eine der unsterblichen Plattheiten, von denen er viele bereithält.
Freilich versucht die Religion, „die Welt“ zu erklären, aber das ist doch wohl eher so zu betrachten, wie wenn ein an Magie glaubender Mensch das Funktioniern des Verbrennungsmotor mit magischen Kräften und der Wirkung von Geistern und Dämonen erklärt.
Ich möchte auch auf meinen Beitrag zu „Mitternachtsgedanken“ von heute um 17:00 Uhr verweisen.
Gruß Fritz Ruppricht

Hallo, ein kluger Mann (Nietsche?) schrieb einmal: Religion ist Opium fürs Volk!

Sagt alles!

Grüße
Raimund

Nietsche richtig: Nietzsche war es nicht; es war Marx. Und er schreibt nicht: Religion ist Opium fürs Volk!, sondern: Opium des Volkes. Also eine Droge, die sich die Armen leisten können, im Unterschied zu den Reichen, die bessere Drogen einnehmen.
Gruß Fritz Ruppricht

Danke für die Korrektur. Nitzsche war ein Tippfehler (Adlersuchsystem: mit den Fingern kreisen, finden und darauf stürzen). Marx stimmt natürlich, nachdem ich Deine Antwort gelesen habe, ist´s mir wieder eingefallen. Hätte aber auch zu Nitzsche gepasst, oder? Und der genaue Wortlaut ist zwar schöner und korrekter, hat aber den gleichen Sinn!
Grüße
Raimund

Scheint so…
Das Bedürfnis nach Religionen zieht sich durch die ganze Menschheitsgeschichte; bräuchte er sie nicht, hätte er sie schon längst entsorgt.
Nun kann man anmerken, viele „ungute Dinge“ wie die Aggressivität hätte die Menschheit auch nicht beiseite gelegt, das ist auch recht, es scheint also im Menschen drinnen zu sein (die Seele?), daß er an etwas Übernatürliches, Spirituelles glauben will.
Selbst in unserer Zeit, wo die Wissenschaft ein Geheimnis nach dem anderen entschlüsselt (ich weiß, längst noch nicht die letzten…), ist ein sehr starker Bedarf an Religionen da, zwar nicht hin zu den traditionellen, aber verstärkt zu Alternativen, Sekten und Seelenfängern.

Nicht zur Erklärung der Welt!
Hallo allerseits.

Ich glaube nicht, daß die Religion die Welt erklären möchte oder sollte. Sie hat den Sinn, den Menschen inneren Halt zu geben und eine Ethik zu formulieren und zu begründen, nach welcher Gsellschaften überlebensfähig sind.

Der Versuch, wirklich etwas zu erklären, also echte argumentative Beweisketten aufzustellen, machte meines Wissens nach nur die christliche Kirche (noch weit entfernt von Naturwissenschaft und auch nicht um des Wissens Willen, sondern um die Macht und Position der Kirche zu festigen) um den freien philosophischen Tendenzen entgegenwirken zu können.

Wirkliche Erklärungen haben immer nur Philosophen gesucht (die auch zu oft von der rReligion beeinflußt waren, was aber nicht bedeutet, daß die Religion Grundlage der Philosophie ist). Mit der klaren Formulierung eines logischen Systems und der Forderung nach der Kontrollierbarkeit einer Theorie durch das Experiment war die Naturwissenschaft das Instrument oder auch die Bewegung, welche eine Erklärung für die Welt sucht.

Gruß,
Jochen

Nach dieser Definition sind auch die Naturwissenschaften eine
Art von Religion.

Religion gibt ein Welt-/Glaubensbild vor, lässt meist auch keinen Zweifel daran zu, versucht häufig auch die beobachteten Dinge in dieses Schema hinein zu pressen. Das ist in den grossen Religionen wie in denen der Naturvölker so. Neueres Beispiel ist die „Schöpfungstheorie“, die die Evolutionslehre (und den Urknall) bezweifelt und alles Beobachtete aus den Vorgaben der Bibel zu erklären versucht (Schöpfung des Lebens, Erschaffung des Universums vor ca. 6000 Jahren innerhalb von drei Tagen usw.).
Naturwissenschaft geht umgekehrt vor, versucht ein Weltbild, eine Theorie aus den Beobachtungen aufzustellen.
Insofern ist Naturwissenschaft natürlich keine Religion, auch wenn manche Leute Erklärungen der Naturwissenschaften hinnehmen wie eine „Bibel“. Naturwissenschaft stellt i.d.R. auch keine Sinnfragen nach z. B. dem Leben. Auch werden in der Naturwissenschaft Weltbilder/Theorien in einer offenen Diskussion immer wieder verworfen oder den Beobachtungen angepasst.
Gruss, Stucki

Ich glaube nicht, daß die Religion die Welt erklären möchte

oder sollte.

Liebe Diskussionsteilnehmer,
es wäre sicher hilfreich, wenn wir uns einigten, worüber wir sprechen.
„die Welt erklären“ - um das klar zu stellen - meint nicht nur und eher weniger, wissenschaftliche Erklärungen zur Astronomie, Chemie, Physik und Biologie zu geben, sondern erklären, warum es Krankheit und Tod und Schuld und Unglück und Katastrophen in der Welt gibt; und warum gerade ich kurzsichtig, fettleibig und klein bin, während mein Bruder groß und schlank und dazu noch blond ist; warum habe ich Krebs, was ist nach dem Tod und was der kleinen Alltagssorgen noch mehr ist in der Welt.

Außerdem:
Ist mit Religion, das Phänomen gemeint, das etwa die Vergleichende Religionswissenschaft, die Soziologie oder die Psychologie zu beschreiben versuchen; also ein Phänomen, das es zu allen Zeiten und allen Kulturen gab?
Oder reden wir von Religionen, wie sie sich heute im Islam, der auch nicht als homogenerer Block zu betrachten ist, in den verschiedenen christlichen Spielarten und gar noch in all den neuzeitlichen Sekten zeigen?

Gruß Fritz Ruppricht

Hallo auch!

Ja:

erklären, warum es Krankheit und Tod …
und Katastrophen in der Welt gibt;

gibt, ist EINE Sache,

und Schuld und Unglück

ist eine ANDERE Sache.
Die muß man auseinanderhalten. Während dei eine Sache naturwissenschaftlich erklärt werden kann, ist das mit der anderen prinzipiell nicht möglich.

und warum gerade ich
kurzsichtig, fettleibig und klein bin, während mein Bruder
groß und schlank und dazu noch blond ist;

Diese Fragen gehören in dem Kontext wohl zur „anderen“ Sache und zeigen, daß hier eigentlich eine SINNFRAGE gestellt wird. Das ist auch der Grund, warum derartige Fragen von der Naturwissenschaft nicht beantwortet werden können: Sie kann den (absoluten) SINN von etwas nicht finden oder beschreiben. Der wäre nur dann aus wissenschaftlichen Aussagen zu erhalten, wenn diese „wahr“ sind und man die „Wahrheit versteht“. Eine Erklärung haben heißt eben NICHT, daß man etwas versteht. Erklärungen sind nur Beschreibungen eines Phänomens auf einer tieferen, grundlegenderen Ebene. Zu jeder Ebene gibt es aber eine noch tiefere… und selbst wenn es eine tiefste gäbe, bezweifele ich, daß wir damit etwas anfangen könnten (so in der Art wie „42“ in „Per Anhalter durch die Galaxis“).

Wenn man aber das Bedürfnis hat, eine Antwort auf Sinnfragen zu haben, hat man nur einen Ausweg: Man setzt sich einen absoluten Sinn, der nicht hinterfragt werden kann und hält dies für die Wahrheit. Sowas führt zu mystischen und religiösen Weltbildern. Das SETZT aber einen Sinn in die Dinge; es ERKLÄRT nicht.

OK ?

Gruß Jochen

Hallo Anna,

Was meint ihr? Braucht der Mensch Religion??

Interessante Frage.

Auf Anhieb würde ich sagen: NEIN. Allerdings schlagen auch in meiner Brust die sprichwörtlichen zwei Herzen - auf der einen Seite die Realistin (Medizinerin); auf der anderen Seite die Mystikerin (in x-ter Generation Hexe).

Die andere Frage ist natürlich, wie man „Religion“ überhaupt definieren will.

Blinder Glaube, an Etwas/Jemanden, nur weil das seit Jahrtausenden so Tradition ist - und von dem man sich kein „Bildnis“ machen darf und in „Dessen“ Namen man mordet - bzw. an Jemanden, für den man sich bereitwillig in die Luft jagen läßt - „Allah´u Akbar“ (schreibt man das so??? In Arabisch bin ich nicht besonders…) - ist für mich keine eigentliche Religion. Natürlich könnte ich noch weiter aufzählen.

Ich persönlich glaube zwar an ein Höheres Wesen (damit meine ich nicht den christlichen Gott), halte das aber nicht unbedingt für eine Religion. Und wenn überhaupt, dann für meine ganz persönliche.

Vielmehr gehe ich davon aus, daß der Mensch etwas braucht, woran er sich „hochziehen“ kann. Andererseits - da spricht wieder die Realistin in mir - wenn es den im Christentum so vielbeschworenen gütigen „Gott“ gäbe, würden auf dieser Welt nicht tagtäglich Millionen von Kindern wegen der andauernden Hungersnot sterben. Ein gnädiger Gott dürfte so etwas nicht zulassen, die Kinder können schließlich am Wenigsten dafür. Um das festzustellen, brauche ich keine Religion.

Darüber könnten wir aber noch stundenlang diskutieren…

Viele Grüße

Tessa

Was meint ihr? Braucht der Mensch Religion??

Meine Meinung JA.

Natürlich hängt es davon ab, wie man Religion genau definiert. Hier ein paar Versuche:

  • Religion ist die Zusammenfassung eines Glaubens. Glauben ist das Für-Wahr-Halten von etwas, was man - im wissenschaftlich, mathematischen Sinn - nicht beweisen kann. Damit ist eine Vorstellung von einem höheren Wesen bereits Religion. Bei Aussagen wie „ich glaube, daß meine Frau mich liebt“ kommen die ersten Probleme.

  • Religion ist die Zusammenfassung von ethischen und weltanschaulichen Vorstellungen. Damit wäre Naturwissenschaft bereits eine Religion, zumindestens von der weltanschaulichen Sicht her. Und an Versuchen, eine Ethik darauf zu begründen, fehlt es ja auch nicht.

Da jeder Mensch eine Ethik und eine Weltanschauung besitzt und auch eine Vorstellung von höheren Wesen besitzt (und wenn es nur die - unbeweisbare - Vorstellung ist, daß es keine gibt), besitzt auch jeder Mensch eine Religion.

Gruß
Thomas

Nicht jeder Mensch braucht Religon

Du sollst dir kein Bildnis machen
Hallo!
Ich will mich hier nur auf eines in deinem Artikel beziehen: das „Bild-Verbot“. Stört dich das wirklich? Wenn ja würde mich interessieren, wie du das Verbot für dich interpretierst.
Ich finde es nämlich im Grunde als eine der besten Sachen am christlich-jüdischen Glaubensbereich. „Bildnis“ bezieht sich in meinem Verständnis auf die Menschen, denn ich interpretire „Gott“ als Begriff für die gesamte Menschheit, oder besser gesagt für all die Möglichkeiten dieser Welt. Wenn man sich von Gott, und nach meiner Interpretation also vom Menschen kein Bild machen soll ist daß für mich insofern „gut“, als man somit niemandem sagen oder vorschreiben darf/kann wie denn Gott (oder sein Wille eben) aussehe, und damitz verbietet sich vonb selbst jede normative Vorstellung davon, was ein Mensch ist/zu sein hat. Ich glaube sowieso, wir können weder das eine noch das andere mit Worten oder Bildern erfassen. Wirkönnens probieren, aber als was anderes als unseren subjektiven Versuch, die Wahrheit darzustellen, „dürfen“ wir es diesem Gebot gemäß nicht ausgeben.
Was meinst du dazu?

Barbara

Die Religionen brauchen Menschen…?

Was meint ihr? Braucht der Mensch Religion??

Hallo Barbara,

na da haben wir uns ja auf ein Thema eingelassen… Finde ich trotzdem gut.

Stört dich das wirklich?

Iwo, nicht die Bohne! Nun würde ich mich allerdings persönlich nicht unbedingt als ein Musterbeispiel eines gläubigen Menschen bezeichnen, obwohl ich das ganze katholische „Pflichtprogramm“ (Taufe, Erstkommunion & Firmung) hinter mir habe.

Wenn ja würde mich
interessieren, wie du das Verbot für dich interpretierst.

Ich sagte zwar nein, möchte dazu aber noch folgendes sagen. Die Leute - auch die Christen - scheren sich - nach meiner Erfahrung - grundsätzllich herzlich wenig um dieses Verbot. Aber: ist es eigentlich überhaupt ein von Gott ausgesprochenes Verbot???

Wie würdest Du Dir erklären, daß Gott im Relionsunterricht (ok, meistens nur in der Kindergartenstufe, die Vorstellung bleibt aber hängen) als ein freundlicher älterer Herr mit Rauschebart dargestellt wird? Und die Sixtinische Kapelle wird schließlich auch nicht abgerissen, nur weil Michelangelo - im Auftrag von Julius II. - die Erschaffung Adams (mit einem Bildnis des lieben Herrgott) dahingepinselt hat. Na, wenn sich ein Papst einen Dreck um die Ge- bzw. Verbote schert…

Natürlich kann man das Pferd auch von Hinten aufzäumen: ein Bildnis brauchen wir ja im Grunde genommen nicht, weil der Mensch doch durch Gott nach seinem eigenen Vorbild geschaffen wurde. Ehrlich gesagt, bin ich der Evolution doch schon sehr dankbar, daß sie mir wenigstens den Rauschebart erspart hat (sorry, kleiner Scherz am Rande).

Andererseits - und da wird die ganze Sache meines Erachtens geradezu paradox! - regt sich niemand über die Bilder, Skulpturen oder sonstige Darstellungen des gekreuzigten Jesus Christus auf und ebensowenig über die Darstellung des Heiligen Geistes als Taube. Wo bleibt da bitte schön die Theorie/These der Heiligen Dreifaltigkeit (Gott = Jesus Christus = Heiliger Geist)? Wenn man nämlich danach geht, dürften sich der Mensch doch auch keine Bildnisse der beiden Letztgenannten machen, tut er aber trotzdem.

Ich finde es nämlich im Grunde als eine der besten Sachen am
christlich-jüdischen Glaubensbereich. „Bildnis“ bezieht sich
in meinem Verständnis auf die Menschen, denn ich interpretire
„Gott“ als Begriff für die gesamte Menschheit, oder besser
gesagt für all die Möglichkeiten dieser Welt.

Ich hoffe, Du nimmst mir die Frage nicht übel, aber: bist Du Jüdin?

Wenn man sich
von Gott, und nach meiner Interpretation also vom Menschen
kein Bild machen soll ist daß für mich insofern „gut“, als man
somit niemandem sagen oder vorschreiben darf/kann wie denn
Gott (oder sein Wille eben) aussehe, und damitz verbietet sich
vonb selbst jede normative Vorstellung davon, was ein Mensch
ist/zu sein hat. Ich glaube sowieso, wir können weder das eine
noch das andere mit Worten oder Bildern erfassen. Wirkönnens
probieren, aber als was anderes als unseren subjektiven
Versuch, die Wahrheit darzustellen, „dürfen“ wir es diesem
Gebot gemäß nicht ausgeben.

Hoppla, hier gleiten wir schon kräftig ins Philosophische ab. Darüber müßte ich mir erst einmal Gedanken machen (geht im Büro leider nicht so gut). Deine These ist allerdings mehr als interessant.

Bis bald & viele Grüße

Tessa
*die gleich mal zu haGalil flitzt und das Thema dort zur Diskussion stellt*

Hallo Tessa,

Ich sagte zwar nein, möchte dazu aber noch folgendes sagen.
Die Leute - auch die Christen - scheren sich - nach meiner
Erfahrung - grundsätzllich herzlich wenig um dieses Verbot.
Aber: ist es eigentlich überhaupt ein von Gott ausgesprochenes
Verbot???

Eindeutig JA !!
Dieses Gebot wurde am Berg Sinai im Zuge der 10 Gebote gegeben.

Wenn man sich vor Augen hält, dass Gott unsichtbar ist, ist es ja auch völlig sinnlos, ein Bild anzufertigen.

Na, wenn sich
ein Papst einen Dreck um die Ge- bzw. Verbote schert…

Das ist leider wahr. Aber die Päpste haben sich nie sonderlich um Gottes Willen gekümmert. ;-((

Andererseits - und da wird die ganze Sache meines Erachtens
geradezu paradox! - regt sich niemand über die Bilder,
Skulpturen oder sonstige Darstellungen des gekreuzigten Jesus
Christus auf und ebensowenig über die Darstellung des Heiligen
Geistes als Taube. Wo bleibt da bitte schön die Theorie/These
der Heiligen Dreifaltigkeit (Gott = Jesus Christus = Heiliger
Geist)? Wenn man nämlich danach geht, dürften sich der Mensch
doch auch keine Bildnisse der beiden Letztgenannten machen,
tut er aber trotzdem.

Im Grunde stimme ich Dir zu. Nur dass Jesus sichtbar auf dieser Erde gelebt hat, und zwar als Mensch, und bei der Darstellung des Hl.Geistes es sich nur um Symbol-Bilder (Taube, Feuer) handelt.

Gruss Harald

.

Aber: ist es eigentlich überhaupt ein von Gott ausgesprochenes
Verbot???

Hallo

Bei solchen Fragen ist es immer sinnvoll, nach dem Kontext und Sinn eines solchen Ge- oder Verbotes zu fragen.

Zu der Zeit als dieses Verbot ausgesprochen wurde, war es bei den Israel umgebenden Völkern üblich, sich selbst Götter als Standbilder herzustellen, so z.B. Stierfiguren, Katzenfiguren usw. Diese Bilder wurden als Gott angebetet. Das durfte in Israel nicht geschehen und daher das Verbot sich ein Abbild herzustellen.

In unserer heutigen Zeit besteht das Problem nicht mehr so stark, da sich die Vorstellung eines unsichtbaren, allgegenwärtigen Gottes durchgesetzt hat. Trotzdem hat das Verbot einen Sinn, indem man sich nicht eine bestimmte Vorstellung von Gott machen soll (ein Bild) und dann annehmen kann, das sei Gott in allem, was ihn ausmacht.

In beiden Interpretationen sehe ich keine Probleme mit künstlerischen Darstellungen.

Gruß
Thomas

Hallo Harald,

freut mich, wieder von Dir zu hören.

Aber: ist es eigentlich überhaupt ein von Gott ausgesprochenes
Verbot???

Eindeutig JA !!
Dieses Gebot wurde am Berg Sinai im Zuge der 10 Gebote
gegeben.

Einverstanden. Während der „10 Gebote“ mit C. Heston bin ich trotz der hervorragenden Special-Effects zwar immer wieder eingeschlafen, hier ist trotzdem der überlieferte O-Ton aus dem Buch Deuteronomium (Kap. 5, Verse 6-21):

  1. Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.
  2. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
  3. Du sollst dir kein Gottesbildnis machen, das irgend etwas darstellt am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.
  4. Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen und an der dritten und vierten Generation;
    bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.
  5. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der Herr läßt den nicht ungestraft, der seinen Namen mißbraucht.
  6. Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat.
  7. Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.
    Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du.
  8. Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat dich der Herr, dein Gott, mit starker Hand und hoch erhobenem Arm dort herausgeführt. Darum hat es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht, den Sabbat zu halten.
  9. Ehre deinen Vater und deine Mutter, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat, damit du lange lebst und es dir gut geht in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.
  10. Du sollst nicht morden,
  11. du sollst nicht die Ehe brechen,
  12. du sollst nicht stehlen,
  13. du sollst nicht Falsches gegen deinen Nächsten aussagen,
  14. du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, und du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren, nicht sein Feld, seinen Sklaven oder seine Sklavin, sein Rind oder seinen Esel, nichts, was deinem Nächsten gehört.

Hoppla! Da zähle ich doch tatsächlich 14 (!!!) Gebote - wo in aller Welt ist das Dekalog geblieben??? - und entdecke so einiges, was mir nicht unbedingt behagt (weiter unten mehr dazu).

Wenn ich mir nun die „aktuellen“ Gebote ansehe und durchlese, so sind doch einige der ursprünglichen auf quasi wundersame Weise einige verschwunden:

  1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.
  2. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen.
  3. Du sollst den Feiertag heiligen.
  4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
  5. Du sollst nicht töten.
  6. Du sollst nicht ehebrechen.
  7. Du sollst nicht stehlen.
  8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
  9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
  10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib.

Na hallo! Aus wohl verständlichen Gründen lasse ich hier die Sklaven, Rinder und Esel weg. Aber wo ist bitte schön z. B. das Bildnis-Verbot abgeblieben?!

Interessant finde ich auch die Änderung von „Du sollst nicht MORDEN“ in „Du sollst nicht TÖTEN“. Für mich sieht es so aus, als ob das Töten seinerzeit Gang und Gäbe wäre, nur einen Mord durfte man nicht begehen, sonst wäre die Absolution in größter Gefahr.

Nicht minder spannend finde ich die Geschichte vom „eifersüchtigen Gott“, der diejenigen, die sich vor anderen Göttern niederwerfen, bis in die vierte Generation zu verfolgen beabsichtigt. Auch das ist aber aus den aktuellen christlichen Geboten verschwunden.

Wenn man sich vor Augen hält, dass Gott unsichtbar ist, ist es
ja auch völlig sinnlos, ein Bild anzufertigen.

Nix da, siehe meine Ausführungen zum Thema „und Gott schuf Adam nach seinem Vorbild“ (meines Erachtens: mangels eines besseren Musters).

Das ist leider wahr. Aber die Päpste haben sich nie sonderlich
um Gottes Willen gekümmert. ;-((

Angesichts des Ämterkaufs und der Einsetzung von Kleinkindern als Bischöfe, Kardinäle, etc., ist es allerdings wahrlich kein Wunder, oder?

Das letzte - nicht offizielle Gebot - wird in der ganzen Diskussion ohnehin gerne vergessen. Es kommt zwar von Jesus, also von einem Teil der Heiligen Dreifaltigkeit, ist aber nicht minder wichtig.

„Liebet Eueren Nächsten, wie Euch selbst.“

Für mich persönlich ist ohnehin ein anderes Gebot wesentlich wichtiger.

Bis bald & viele Grüße

Tessa