Braucht der Mensch Religion?

Hallo Eli!

Ich danke dir für deine beiden Antworten. Die erste hat mich ziemlich aufgewühlt, die zweite hat mich beruhigt.
Wahrscheinlich hat mich die erste deshalb so aufgewühlt, weil ich anscheinend versuche, mir selbst eine Entscheidung abzuringen, für die es einfach noch zu früh ist. Weil ich mich wohl weiterhin zum Judentum hingezogen fühlen werde, werd ich mich auch weiter damit beschäftigen. Und wenn meine Einsicht in alle Zusammenhänge größer wird, wird es ganz natürlich so geschehen, daß ich auch endlich mal im Alltagsleben die Bekanntschaft von Juden/Jüdinnen mache - in Wien gibt’s dazu eh Gelegenheiten. Wie es dann weiterginge - hmm? Wer weiß. Auf jedenfall wär es besser so, und dann. Ich bin froh das du mir zu der Erkenntnis verholfen hast.
Wer weiß, wohin ER mich führt - irgendwohin sicher.

Viele Grüsse, und Schalom!

Barbara

Hallo Harald.

Wie ist es möglich, eine Stelle der Torah soweit auszulegen,
dass sie dem christlichen Konzept passt, aber nach jüdischer
Überlieferung falsch ist?

Weil das christliche Konzept schon nicht mehr jüdisch ist.

Wenn eine Stelle falsch ausgelegt wird, muss doch bewiesen
werden können, dass die Auslegung falsch ist.

Aus meiner Sicht muss ein Christ die Torah anders auslegen, damit die christliche Botschaft war bleibt. Ansonsten würde die Widersprüche im ‚neuen Testament‘ dazu führen, dass alle Aussage über Jesus negiert werden müssten. Damit würde aber das Christentum als eigentständige Religion seine Basis verliehren. Das was aus meiner Sicht wesentlich für das Christentum ist (Rolle Jesus, G’tt, Sünden, Kirche, etc.), ist halt gerade nicht mit dem Judentum vereinbar.

Na ja, die Bergpredigt, die Lehre Jesu allgemein, die
Botschaft der Apostel und die Briefe des Paulus.
Ist das nichts ??

Ja, wenn dieses übrigbleibt dann stimmt ja wohl die anfängliche Aussage, dass dieses eben nicht mit dem Judentum gleichzusetzen ist.

Vielleicht noch einmal eine Anregen, warum im Christentum kein Judentum mehr zu finden ist: Nach jüdischer Auffassung gibt es neben der Schriftlichen Lehre auch eine mündliche Lehre. Sowei ich das beurteilen kann, kannte Jesus beides, da er einige Dinge praktizierte, welche sich so nur in der mündlichen Überlieferung finden. Letzter fand aber keine Aufnahme in das Christentum, ist aber wesentlich für das heutige (und damalige) Judentum. Ansonsten müssten alle Christen, die zu den ‚Wurzel‘ zurückkehren auch wieder anfangen sich zu steinigen, den Tempel aufzubauen und Opfer darzubringen…

Schalom,
Eli

Hallo Eli.

Vielleicht noch einmal eine Anregen, warum im Christentum kein
Judentum mehr zu finden ist: Nach jüdischer Auffassung gibt es
neben der Schriftlichen Lehre auch eine mündliche Lehre. Sowei
ich das beurteilen kann, kannte Jesus beides, da er einige
Dinge praktizierte, welche sich so nur in der mündlichen
Überlieferung finden.

Natürlich kannte Jesus die mündlichen Überlieferungen.
Er hat auch (zumindest nach Darstellung des NT) einige dieser Überlieferungen kritisiert.
Ganz sicher sind auch seit der Zeit Jesu noch einige dazugekommen.

Letzter fand aber keine Aufnahme in das
Christentum, ist aber wesentlich für das heutige (und
damalige) Judentum.

Warum wurden diese Überlieferungen nicht schriftlich festgehalten?
Und inwiefern wiedersprechen diese dem NT?

Ansonsten müssten alle Christen, die zu
den ‚Wurzel‘ zurückkehren auch wieder anfangen sich zu
steinigen, den Tempel aufzubauen und Opfer darzubringen…

Na ja, die Juden steinigen doch heute auch niemanden mehr, oder?
Und wie verhält es sich mit den Opfern? Die Christen bringen auch Opfer dar.
Und dass wir Christen den Tempel nicht aufbauen, darfst Du uns nicht übel nehmen. Hätten wir dazu Gelegenheit? Bauen die Juden den Tempel in Jerusalem wieder auf?

Nimm mir bitte die beiden letzten Fragen nicht übel. Ich bin sicher, dass es wieder einen Tempel in Jerusalem geben wird, wenn die Zeit reif ist.

Schalom
Harald