Hallo Torsten…(Geduld, wird etwas länger)
…ich versuch mich jetzt noch mal an einer Erklärung, warum die Juden so viele Verfolgungen erleiden mussten.
mittlerweile sind wir
schon soweit daß Kammerknecht auch noch eine bessere Stellung
als die Mitgliedschaft in Zünften war.
Wer sagt denn sowas? Du darfst nicht immer nur in schwarzweiss denken und schon gar nicht heutige Denkmuster auf früher übertragen, und für´s Mittelalter brauchst du eine ganz andere Denke.
Beispiel Kammerknecht - läst sich auch umlegen auf Königsbauern, reichsfreie Städte etc. Einerseits war es gut, dem König/Kaiser direkt unterstellt zu sein. Der lokale Fürst konnte einem nicht so einfach an die Wäsche, weil, man hatte ja Rechtsansprüche. Andererseits waren die Könige/Kaiser damals meist weit weg, der Fürst aber sehr nah, und bis der König/Kaiser irgendwas in Gang setzte, um die Rechte seiner Kammerjuden zu verteidigen (wenn er es denn überhaupt wollte), war´s schon längst vorbei.
Und, größter Nachteil, die Kaiser waren oft finanzklamm, was speziell für die Juden Nachteile hatte (siehe Karl IV, der „seine“ Juden in Verdrehung von deren Rechtsanspruch auf Schutz eindfach versetzte - das war z.B. das Ende der Nürnberger Juden).
Und die Zünfte - das war wieder was ganz anderes: Ich versuch´s noch einmal, Dir zu erklären: Das waren abgeschottete Vereinigungen von Handwerksmeistern, die auf diese Weise den heimischen Markt unter sich aufteilen wollten. JEDER, der sich da reindrängen wollte, bekam´s mit dem Kartell der Zünfte zu tun, nicht nur die Juden. Deswegen waren Witwen von Meistern meist nicht lange unbemannt - wer sie heiratete, bekam den Betrieb und die Mitgliedschaft in der Zunft gleich mit…
Vielleicht waren „Zünfte“ dann noch Veranstaltungen unter
ihrer Würde?
Ein geschleckter Schnösel darf auch nicht in jeder
Strassen-Gang mitmachen!
ähm…kein kommentar…
(Die armen armen Juden die keiner Zunft angehörten, jetzt auf
einmal sogar besonderen Schutz des Königs genossen, konnten ja
nichts anderes als Geld verleihen, dessen Herkunft mir bis
jetzt keiner beantworten kann (oder will), das sind doch keine
Erklärungen, das ist Wischi Waschi im Kreisherumgerede,
Nein, das sind historische Fakten, die du nur leider nicht zur Kenntnis nehmen willst. Wie dir hier schon mehrmals klarzumachen versucht wurde.
Wir versuchen dir hier aufzudröseln, dass es nicht so simpel ist, gesellschaftliche Fragen zu klären, die aus dem Mittelalter in die Neuzeit herübergewirkt haben, weil das Mittelalter nicht nur eine andere Zeit als die Neuzeit war, sondern eine komplett andere Welt, mit vollkommen anderen Zusammenhängen.
Es gibt andere Gründe, die hier noch nicht angesprochen
wurden, ich kann sie nicht benennen aber ich fühle, daß sie da
sind und die gehören auf den Tisch!
Weisst du, Gefühle und Geschichte…
Was hinterher (heute) passiert ist stets nur Herumdokterei um
Sympthome aber Ursachenbeseitigung der Ablehnung?
Fehlanzeige.
Ich suche die Kernursache, die es zu identifizieren gilt und
hernach eine Schlichtung ermöglicht!
Die Kernursache ist, ganz ohne Simplifizierung, unter dem Stichwort „Xenophobie“ überall nachzulesen. A propos: Lies mal das heutige Feuilleton in der SZ: Da ist unter der Überschrift „Globalisierung des Hasses“ das Thema sehr gut abgehandelt, zwar für die Moslems, aber auch für die Juden anwendbar. Nach dieser Lektüre ist vielleicht auch die Frage nach der Schlichtung des Problems beantwortet.
Und die Jesusmördergeschichte, mag ich jetzt nicht mehr hören,
so ein bescheidenen Argument schreit ja zum Himmel!
DAS war für die mittelalterlichen Menschen aber REALITÄT!!! Und aus der Zeit stammt schließlich die ganze Judenhassundausrottungsgeschichte, nur wurde sie in der Neuzeit auf ein neues Fundament gestellt: Statt Religion bemühte man nun ein „wissenschaftlich“ erarbeites Konstrukt rund um Rasse, Blut und Vererbung! Die Ingredienz „Neid“ blieb allerdings gleich…
ja dann raus damit, waren sie im Schutz des Kaisers jetzt
besser oder schlechter als die Masse der Bauern/Handwerker
gestellt?
Und woraus resultierte die europaweite einheitliche Ablehnung?
Und waren die Juden, die aus Ägypten vertrieben wurden nicht
ganz andere als die später Leidtragenden?
Mitleidtränendrüsenauslösende Trittbrettfahrer? Kann doch
alles sein!
Not macht erfinderisch!
Und da muß ich nochmal zu den Zigeunern hinschwenken!
Weißt du, du verwurschtelst Zeiten, Themen und Thesen, dass es grad eine Freud ist, und verlangst einfache Antworten auf das Ganze. Das macht´s kompliziert, dir zu antworten. Eigentlich bist du hier der große Übersimplifizierer, der sich dann beschwert, dass die Antworten auf deine Fragen nicht so ausfallen, wie du sie gern hättest.
Also nochmal: Nachlesen unter den Stichworten „Xenophobie“, „Mittelalter“, vielleicht ergänzend im „Lexikon des Mittelalters“ den Artikel „Juden“ und dazu noch was über die Rassentheorien des 19.Jhs., dann wird dir vielleicht einiges klarer.
Und nachdem ich jetz selber ein halbes Buch geschrieben habe, hör ich jetzt auf. Versprochen!
VG
christian