zuerst Mal, es ist nicht wirklich MEIN Thema, denn ich bin nur die Freundin vom Papa, aber trotzdem würde mich interessieren, wie ihr so eine Situation angehen würdet. Außerdem bin ich diejenige, die das Buch kennt und dadurch das Thema aufgebracht hat.
Die Geschichte: Der 14jährige Sohn meines Liebsten ist absoluter Science-Fiction Fan und zieht sich die Dinger ständig rein. Jetzt liegt auf seinem Nachttisch ein Buch („Profit“ von Richard Morgan ISBN-10: 3453522028 Buch anschauen), das ich gerade gelesen habe und das ich für nicht altersgemäß halte.
Ich finde das Buch nicht schlecht. Aber ich frage mich, ob ein Jugendlicher schon so differenzieren kann, dass er die Hauptfigur, die geld- und machtgeil ist, ständig tötet, Frauen nur körperlich ernst nimmt und am Schluss in einem Showdown seinen besten Freund abschlachtet, nicht doch bewundert. Das Buch vermittelt ein Menschenbild, in dem die „Guten“ die Loser sind und zu Recht sterben müssen. Und der Held steht am Ende einsam und bewundert, aus 1000 Wunden blutend da. Wenn er wenigstens gestorben wäre …
Naja, ich will ja keine Buchbesprechung schreiben.
Jedenfalls würde ich bei meinem Kind wissen wollen, wie er das sieht, ob das nicht Spuren in seiner Seele hinterlässt. Oder bin ich einfach absolut hinter dem Mond und das ist ganz normal, dass Kinder (Jugendliche) solche Sachen lesen? Ich weiß, „Hellboy“ ist jetzt auch kein Dornröschenfilm, aber das scheint mir irgendwie nicht so gefährlich, weil offensichtlich Comic. Und hier (wie im TV auch) haben Moral, Liebe und Fairness wenigstens eine Chance.
Was tut ihr in so 'ner Situation? Bin gespannt, was ihr zu sagen habt.
Hallo, Trilli,
na, erstmal würde ich mit dem Vater des Jungen sprechen und so wie hier eine Inhaltszusammenfassung geben. Ich würde ihn fragen, ob er ein solches Menschenbild für passend und vorbildhaft für seinen Sohn hält.
Je nachdem wie seine Antwort ausfällt, würde ich das nächste Gespräch mit dem Sohn führen, um zu erfahren, wie er diese Figur sieht und versuchen die Wertigkeit dieses Weltbildes zu hinterfragen.
Sollte allerdings der Vater des Sohnes diesen Lebensentwurf für seinen Sohn als passend erachten, würde ich - wäre ich seine Gefährtin - meine Verbindung zu ihm überdenken.
Jetzt liegt auf seinem Nachttisch ein Buch
(„Profit“ von Richard Morgan ISBN-10: 3453522028 Buch anschauen), das ich
gerade gelesen habe und das ich für nicht altersgemäß halte.
Ich finde das Buch nicht schlecht. Aber ich frage mich, ob ein
Jugendlicher schon so differenzieren kann, dass er die
Hauptfigur, die geld- und machtgeil ist, ständig tötet, Frauen
nur körperlich ernst nimmt und am Schluss in einem Showdown
seinen besten Freund abschlachtet, nicht doch bewundert.
Was tut ihr in so 'ner Situation? Bin gespannt, was ihr zu
sagen habt.
Zu meinem Verständnis. Wenn Du das Buch kennst und
er der deutschen Sprache mächtig ist, dann könntest
Du Dir doch das Buch bzw. die Handlung von ihm er-
klären lassen? Was ist denn dabei rausgekommen?
es handelt sich um ein Buch. Einem 14jaehrigen traue ich durchaus Urteilsvermoegen zu.
Vor allem einem 14jaehrigen, der liest.
Bei einem Film haette ich andere Bedenken.
Oder bei manchen Musiktexten.
Die Idee mit ihm ueber das Buch zu reden, finde ich schonmal gut. Das kann ganz „unpaedagogisch“ vonstatten gehen - schliesslich kennst du das Buch und ihr koennt euch ueber das Genre, den Autor, diesen speziellen Roman unterhalten.
Ich habe in dem Alter auch teilweise Science Fiction gelesen (wenn auch nicht exklusiv) und mit zum Teil kritischerem Blick als heute (wenn ich meinen Tagebucheintraegen glauben darf), allerdings auch mit mehr Pathos und Gehabe.
Hauptfigur, die geld- und machtgeil ist, ständig tötet, Frauen
nur körperlich ernst nimmt und am Schluss in einem Showdown
seinen besten Freund abschlachtet, nicht doch bewundert. Das
Buch vermittelt ein Menschenbild, in dem die „Guten“ die Loser
sind und zu Recht sterben müssen. Und der Held steht am Ende
einsam und bewundert, aus 1000 Wunden blutend da. Wenn er
wenigstens gestorben wäre …
Hm, interessant. Wieso müssen in dem Buch die Guten zu Recht sterben? -
Jugendliche (Jungs jedenfalls) bewundern fast immer die Bösen, da kann man nichts machen. Normalerweise können sie aber zwischen Buch und Wirklichkeit unterscheiden.
Natürlich beeinflussen Bücher und Filme, und zwar nicht zu wenig, aber ich habe meine Kinder bisher - soweit ich micht erinnere - auch nie direkt davon abgehalten, etwas zu lesen, was sie lesen wollten. Der Hauptgrund war zwar, dass sie letzten Endes sowieso alles lesen was sie wollen, und dass ich so wenigstens noch die Chance habe, mit ihnen darüber zu sprechen. Abgesehen davon fand ich das, was sie teilweise in der Schule lesen oder sich angucken müssen, wesentlich schwieriger zu verdauen.
Was für mich selber sehr schwer zu verarbeiten war, waren die bilblischen Geschichten, die wir in der Schule durchgenommen hatten (Kreuzigungsgeschichte und anderes). Das ist ja auch nicht gerade alles besonders harmlos, was da vorkommt.
Die Geschichte: Der 14jährige Sohn meines Liebsten ist
absoluter Science-Fiction Fan und zieht sich die Dinger
ständig rein. Jetzt liegt auf seinem Nachttisch ein Buch
(„Profit“ von Richard Morgan ISBN-10: 3453522028 Buch anschauen), das ich
gerade gelesen habe und das ich für nicht altersgemäß halte.
Also einem 14jährigen sind in der heutigen Zeit in den Medien mit Sicherheit schon ganz andere Dinge untergekommen als ein mittelmäßiges Sci-Fi Buch. (Ja, ich habe es gelesen)
Dornröschenfilm,
Ist Dir bewußt wie brutal Märchen eigentlich sind? Da wird gemordet, intrigiert… aber kaum jemand findet etwas dabei, sondern die Geschichten werden seit Generationen schon Kleinkindern vorgelesen und größere Schäden scheinen dadurch nicht verursacht zu werden.
Was tut ihr in so 'ner Situation? Bin gespannt, was ihr zu
sagen habt.
Zurückdenken, was meine Altersgenossen und ich in dieser Zeit an Büchern alles verschlungen habe.
Zurückdenken, wie wir empfunden haben und mir überlegen, ob die heutige Jugend nicht schon in jüngeren Jahren mit viel schlimmeren Dingen (Fernsehen und Internet lassen grüßen) konfrontiert wird als in diesem Sci-fi Roman vorkommen.
Ich wäre sehr froh, daß er überhaupt liest. So selbstverständlich ist das heutzutage ja nicht mehr.
Mit dem Jugendlichen reden und feststellen, ob er wirklich nicht imstande ist einen Roman (noch dazu einen Sci-Fi) als das zu nehmen was es ist: eine fiktive Geschichte, die nichts mit den Realitäten zu tun hat, die ihm tagtäglich aus den Medien entgegenknallt.
Ich kenne das Buch leider nicht. Aber wenn das stimmt, was du schreibst (wovon ich natürlich ausgehe), dann ist das Weltbild, das dort vermittelt wird, schon sehr bedenklich.
Natürlich werden Kinder und Jugendliche sowieso mit viel Gewalt konfrontiert (Märchen etc. wurden schon genannt). In der Regel siegt dort aber das Gute. Die Botschaft dieses Buches scheint dagegen zu sein: „Mit Bosheit und Grausamkeit kommt man weiter im Leben“ - zumindest oberflächlich und wenn man nicht zwischen den Zeilen liest.
Ob der 14-jährige, über den wir hier sprechen, schon in der Lage ist „zwischen den Zeilen zu lesen“, kannst du nur rausfinden, wenn du mit ihm drüber sprichst. Verbote nutzen in solchen Fällen (und in diesem Alter) wenig, denn dann wird er es heimlich erst Recht lesen und du hast gar keinen Einfluss mehr.
Sollte allerdings der Vater des Sohnes diesen Lebensentwurf
für seinen Sohn als passend erachten, würde ich - wäre ich
seine Gefährtin - meine Verbindung zu ihm überdenken.
Gruß
Eckard
Hi Eckard,
danke für die Antwort. Das hab ich natürlich gemacht und der Vater wird jetzt als erstes auch das Buch lesen. Aber wenn wir nicht das gleich Verständnis in dieser Sache hätten, wären wir auch nicht zusammen.
Ich kenne das Buch zwar nicht, aber wenn ich bedenke, dass ich in dem Alter jeden Steven-King-Roman mindestens einmal gelesen habe, dann würde ich es als „nicht so schlimm“ einstufen. Weiter unten wurde schon gesagt, dass Filme da viel schlimmer wären (mein 13jähriger darf zB keine Filme ab 16 oder 18 gucken; jedenfalls nicht, wenn ich es mitkriege). Aber solange das Kind liest, lass ihn
Wie gesagt, in „Todesmarsch“ von King wird auch nicht gerade ein korrektes Weltbild vermittelt, aber geschadet hat es mir nicht.
LiGrü, finnie
(die es gut findet, dass du dir Gedanken machst, auch wenn du NUR die Freundin vom Papa bist!!)
ich habe in dem Alter Bücher wie z.B. ‚Krieg und Frieden‘, ‚Wuthering Heights‘ und ‚Quo vadis?‘ gelesen - das halte ich für viel bedenklicher.
Solange der Junge liest und sich nicht vor die Glotze hängt oder das Gehirn mit sinnlosen Ballerspielen abtötet, ist eigentlich alles im grünen Bereich; so ein paar ‚schlimme‘ Phantasien gehören zum Erwachsenwerden dazu. :o)
wenn ich mir überlege, mit welcher realistischen Gewalt Kinder und Jugendliche tagtäglich konfrontiert werden, z.B. durch Fernsehnachrichten usw., die sie durchaus mitbekommen, muss ich sagen, daß ich das Buch, so wie Du es beschreibst, als verhältnismäßig „harmlos“ ansehe und glaube, das der Junge schon weiß, daß er ein Buch liest und kein Realitätsbericht.
Wenn er nicht „süchtig“ nach so einer Art Literatur ist, hätte ich keine Bedenken, würde aber auch mit ihm darüber sprechen.
auch wenns vielleicht nicht ganz zum Thema passt, aber zumindest liest der Junge überhaupt etwas. Die meisten Gleichaltrigen ziehen sich reihenweise DVDs und Videospiele rein und haben Bücher (abgesehen vom Schulunterricht) nur von außen gesehen.
Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass Bücher durchaus einen bleibenderen Eindruck hinterlassen als Filme… sofern sie gut geschrieben sind. Von daher sind deine Bedenken sicher gerechtfertigt.
Ist Dir bewußt wie brutal Märchen eigentlich sind? Da wird
gemordet, intrigiert… aber kaum jemand findet etwas dabei,
sondern die Geschichten werden seit Generationen schon
Kleinkindern vorgelesen und größere Schäden scheinen dadurch
nicht verursacht zu werden.
Da hast Du absolut Recht. Was mich an der Story aber - im Gegensatz zu Märchen - nachdenklich macht, ist, dass dieser Typ, der langsam immer mehr abdreht und irgendwann sofort zuschlägt/schießt, wenn er wütend wird, am Ende als Held „in den Sonnenuntergang reitet“. Beim Märchen, so brutal es ist, gewinnen die Guten. Oder wenigstens die Moralischen. Hier gewinnt der, der am schnellsten tötet und am meisten Geld hat.
Ich wäre sehr froh, daß er überhaupt liest.
Naja, er liest, weil er nicht mehr als 2h am Tag am Rechner spielen darf. Aber natürlich sind wir froh, dass er liest.
Mit dem Jugendlichen reden und feststellen, ob er wirklich
nicht imstande ist einen Roman (noch dazu einen Sci-Fi) als
das zu nehmen was es ist: eine fiktive Geschichte, die nichts
mit den Realitäten zu tun hat, die ihm tagtäglich aus den
Medien entgegenknallt.
Das wird geschehen, sobald mein Freund das Buch auch kennt. Nochmal zum Buch: Ich finde, das Buch führt eine Entwicklung in der Realität konsequent zu einer sehr denkbaren Moral in der Zukunft weiter. Es ist nicht so, dass es darin keine Verbindung zur heutigen Lebensrealität gibt.
auch wenns vielleicht nicht ganz zum Thema passt, aber
zumindest liest der Junge überhaupt etwas.
Hi Bernd,
danke für Deine Antwort. Ich habs unten schon geschrieben, er liest „leider“, weil er nur eine bestimmte Zeit mit DVDs und Computerspielen am Tag zubringen darf. Aber trotzdem, er könnte auch nur Computerzeitschriften oder so lesen.
Natürlich werden Kinder und Jugendliche sowieso mit viel
Gewalt konfrontiert (Märchen etc. wurden schon genannt). In
der Regel siegt dort aber das Gute. Die Botschaft dieses
Buches scheint dagegen zu sein: „Mit Bosheit und Grausamkeit
kommt man weiter im Leben“ - zumindest oberflächlich und wenn
man nicht zwischen den Zeilen liest.
Ich weiß nicht, was daran schädlich für den Jungen sein soll, wenn er mal diese Sichtweise zu lesen bekommt. Ich gehe nicht davon aus, dass er das Gelesene einfach wie ein Roboter 1:1 umsetzt, sondern sich aus allem Gelesenen und Erlebtem ein differenziertes Weltbild zusammensetzt, jedenfalls wenn das nicht zu einseitig war.
Ich kann mich jedenfalls daran erinnern, wie ich mal verzweifelt versucht habe, mit besonders viel „Gutheit“ im Leben weiterzukommen, und natürlich ohne Erfolg. Diese ständigen stereotypen Happy-Ends von immer dem gleichen Typus Mensch in der Kinderliteratur halte ich nicht für besonders hilfreich.
Quatsch, sie haben nur sehr viel weniger Text als Bücher.
Naja, also wenn ich mir da einige Calvin&Hobbes-Bände in meinem Kopf abrufe, war da schon verdammt viel Text - und das, obwohl ich eigentlich was zum _Abschalten_ wollte … und außerdem wären diese wesentlich bedenklicher