BSE über Schaf-Fleisch?

Angeblich ist der Rinderwahnsinn doch eine Form von einer ähnlichen Krankheit, die eigentlich nur Schafe befällt bzw. nur bei diesen bekannt war. Und mit der Verarbeitung dieser kranken Schafe zu Tiermehl und das wieder verfüttert an Rinder und diese wieder gegessen von Menschen führt letztlich zum Menschenwahnsinn.

Aber, was ich dabei nicht verstehe: Wieso braucht es diesen Umweg??? Kann man sich nicht auch beim Verzehr von Schaffleisch direkt anstecken??? Scheint doch recht logisch zu sein…

Help!

Hi Fish,

Aber, was ich dabei nicht verstehe: Wieso braucht es diesen
Umweg??? Kann man sich nicht auch beim Verzehr von
Schaffleisch direkt anstecken???

Nein, weil Scrapie - bzw. im Klartext Traberkrankheit - offensichtlich nicht auf den Menschen übertragbar ist. Möglicherweise liegt es an der unterschiedlichen Genstruktur.

Scrapie (seit ca. 250 Jahren bekannt) befällt ausschließlich Schafe und Ziegen (selten!), wobei BSE keine Form davon ist. Die beiden Krankheiten haben aber ähnliche Symptome und einen ähnlichen Verlauf.

Der Erreger von Scrapie, es sind weder Viren noch Bakterien sondern körpereigene Eiweißbausteine (Prione), die sich im Gehirn, im Rückenmark und - sofern vorhanden - im Bries finden, wurde aber in den 80ern in der Tat durch verseuchtes Tiermehl (die Prione wurden nicht abgetötet) von Schaf auf Rind übertragen. Durch den sog. Artensprung mutierten die Prione und führten schließlich zu BSE bei Rindern.

Menschenwahnsinn.

Es gibt keinen Menschewahnsinn! Bei Menschen gibt es lediglich vier Formen spongiformer Enzephalopathien:

Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJK) ist wohl die bekannteste, wenn auch extrem seltene (Wahrscheinlichkeit 1:1.000.000) Erkrankung, läßt sich nicht unbedingt auf BSE zurückführen, weil sie in 10 - 15 % aller Fälle genetisch bedingt ist. Übertragung durch z. B. Blutkonserven und Augengewebe sind allerdings ebenfalls möglich.

Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom (GSS) und
Fatal Familial Insomnia (FFI) sind ebenfalls extrem selten und werden ausschließlich vererbt.

Kuru trat bei Kannibalen in Neuguinea auf, die rituell Gehirne ihrer verstorbenen Stammesbrüder/Häuptlinge verspeisten, um sich deren Weisheit anzueignen. Seit das fragwürdige Ritual vor 43 Jahren abgeschafft wurde, ist auch Kuru beinhahe ausgerottet.

Übrigens ist bis heute noch kein eindeutiger wissenschaftlicher Beweis dafür erbracht worden, daß BSE auf den Menschen übertragbar ist. Sicher, Versuche am Menschen sind in Deutschland verboten. Allerdings ist es auch nicht gelungen, den Erreger auf Menschenaffen zu übertragen.

So long

Tessa

…auch mein Senf
… dass BSE übertragbar ist scheint aber zwangsläufig so zu sein, weil der Erreger der Creutzfeld-Jacob-Welle in GB einen kleinen Unterschied hat zum bisher bekannten. Diesen Unterschied kennt man aber bereits vom BSE-Erreger. Und BSE führt man in der Tat auf gemahlene Schafe zurück.
Mein Neuropathologie-Prof hat gemeint, er persönlich würde kaum noch Fleisch essen und wenn einmal, dann nur vom Bauern bei seinen Eltern um die Ecke, den er schon seit 40 Jahren kennt.
Besonders hüten tut der sich vor sachen, wo besonders viel Nerven/Hirn drin is: zB. Gelbwurst oder Weisswurst (wo haben die wohl ihre Farbe her…).
Er hat gemeint, auch das ausweichen auf Schweinefleisch wär nicht unbediungt das Gelbe vom Ei, weil de Schweine wohl nicht so lange leben, daß eine Alterserkrankung wie BSE bzw C-J bei ihnen zum Ausbruch kommen könnte.
Das is aber auch pervers, wenn man sich überlegt, was alles ins Tiermehl reinkommt (Tote Haustiere etc).
Chris (wirdjetztvegetarier)

Also bei diesem Thema sind die von Dir immer wieder geposteten
Lehrbuchweisheiten wirklich so nicht angebracht,denn alles was Du mit einer solchen Antwort tust,ist rationalisieren und verharmlosen.
Wenn es um eine sich anbahnende Seuche geht,die genauester kritischer Aufklärung bedarf,geht es eben um genau das bisschen mehr,was nicht schon vor Jahren in den Büchern stand.
Mina

Immer wieder???
Hi Mina,

welche „Lehrbuchweisheiten“ soll ich bitte schön „immer wieder“ zum Thema BSE gepostet haben??? Seitdem ich dabei bin, ist es das erste Mal, daß das Thema überhaupt zur Diskussion gestellt wurde.

Es ist auch nicht meine Absicht, das Problem zu verharmlosen bzw. das Vorhandensein desselbigen abzustreiten. Allerdings wundert es mich schon, daß Du als Wissenschaftlerin Probleme mit rationellem Herangehen an die Sache hast.

Was kritische Aufklärung betrifft, stimme ich Dir durchaus zu, bin jedoch trotzdem der Meinung, daß diese nicht in unkontrollierte Panikverbreitung (á la Berichterstattung durch BILD) und wilde Vermutungen, Ahnungen und Spekulationen ausarten sollte.

So long

Tessa

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REs kommt noch schärfer…
Schau mal bei Yahoo:
http://de.news.yahoo.com/001129/3/17dvi.html

Mittwoch 29. November 2000, 17:07 Uhr

Neuer Alarm: BSE-Erreger kann auch in Böden lauern

Bonn (dpa) - Ein neuer Alarm von Wissenschaftlern kann den BSE- Gefahren eine noch weit breitere Dimension geben: Nach «hinreichendem und begründeten Verdacht» von deutschen Wissenschaftlern könnte der BSE-Erreger langfristig in Böden und Weiden überdauern und von dort auch übertragen werden.

Dies berichtete der Wissenschaftliche Beirat Bodenschutz beim Bundesumweltministerium am Mittwoch in Bonn. Damit wäre auch Fleisch von biologisch-artgerecht auf Weiden gehaltenen Rindern nicht sicher.

«Wir können nicht sagen, dass es dieses Risiko vom Boden nicht gibt», erklärte der Beirats-Vorsitzende Prof. Hans-Willi Thoenes nach einer Expertentagung in Bonn. Es gibt nach Angaben des Expertengremiums «begründete Hinweise», dass sich die krankhaft veränderten Prionen, die als Ursache für BSE gelten, im Boden nicht nur halten, sondern sogar noch «anreichern» könnten.

Das neue Horrorszenario sieht nach Angaben der Wissenschaftler so aus: Wenn im Futter oder Tiermehl krankhafte Prionen enthalten sind, dann kommt ein gewisser Teil von ihnen über die Exkremente der Tiere auch in die Ställe - und von dort als Dünger wieder auf Böden oder Weiden. Das hieße auch, krankhafte Prionen in an Schweine verfüttertem Tiermehl könnten über Ausscheidung und Dung wieder auf Felder landen und von Pflanzen aufgenommen werden - und damit wieder in die Nahrungskette der Tiere - und nicht auszuschließen auch von Menschen - gelangen.

Die Wege der Ausbreitung und Übertragung von BSE wären bei einem festen Nachweis dieses Kreislaufs noch weit größer und unkontrollierbarer, als bislang gedacht. Was etwa ist mit freilaufenden Hühnern, die Würmer aus BSE-verseuchten Böden aufpicken?

Noch sind die Wissenschaftler vorsichtig: «Feste Beweise nach wissenschaftlichen Kriterien» für den Übertragungsweg Boden oder Weidegräser sowie für das Verbleiben oder Anreicherung der Prionen im Boden gebe es noch nicht, erklärten sie. Dass sie in den Boden über die Ausscheidung der Tiere eingetragen werden, sei aber «eindeutig», betonte Prof. Werner Klein (Fraunhoferinstitut). «Wir müssen auch davon ausgehen, dass es die Gefahr einer Anreicherung gibt.»

Die Erkenntnisse erscheinen dem Wissenschaftler-Gremium aber bereits als derart erhärtet, dass es «erheblichen Grund zur Besorgnis» sieht und empfiehlt, als Vorsorgemaßnahme bei positiv BSE- getesteten Rindern die Ställe und jeweiligen Weideflächen unter sofortige Quarantäne zu stellen. Auch die geplante Entsorgung von Tiermehl müsse unter den neuen Erkenntnissen, die europaweit erstmals vorgelegt würden, geprüft werden.

Die BSE-Forschung habe sich bislang nur auf die Tiere, Fleisch und Tiermehl konzentriert, erläuterte Prof. Dietrich Henschler von der Universität Würzburg das Versäumnis: «Auf den Boden hat bislang keiner geachtet.» An den Verdachtmomenten müsse nun mit Hochdruck geforscht werden, betonte Thoenes. Um die Kernfragen zu beantworten, werde höchstenfalls noch ein Jahr benötigt.

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also doch kein Vegetarier werden?!

Zauberm@us

Danke
Hi Tessa,

danke, jetzt kenn ich mich aus. (Naja, so gut’s halt geht. Woraus back ich nur in Zukunft meine Wiener Schnitzel?)

Und: Zu Menschenwahnsinn fallen mir durchaus noch mehr Kategorien ein… *g*

Fish

Hallo Tessa,
mit immer wieder meinte ich nicht nur dieses Thema.Von Dir kommt zu ziemlich jedem Thema irgendwas,was fundiert ist,aber auch den eindruck erweckt,nicht auf echter Erfahrung und tiefem Wissen begründet zu sein,sondern eher angelesen wirkt.Ist ja auch ausreichend und hilfreich in den meisten Fällen,aber in diesem eben eher nutzlos.
Mit rationalem Rangehen habe ich keine Probleme,nur müsste man auf diesem Feld schon ein echter Experte sein,damit es weiterhilft,und selbst die Experten stehen in diesem Fall vor vielen Rätseln.
Es ist sehr wenig gesichert zu diesem Thema,ausser,daß es nicht fein ist diese Krankheit zu bekommen und ein Zusammenhang mit dem „Rinderwahn“ besteht.
Und viele Verdachtsmomente,die zu belegen noch eine ganze Weile dauern wird.
Und angesichts der Bequemlichkeit und Verdrängungstendenzen der meisten Menschen,finde ich es gerade hier wirklich existenziell wichtig,sie nicht darin zu bestärken(zumal der Zusammenhang Scrapie/BSE einfach da ist,und es mehr als wahrscheinlich ist,daß auch andere Säugetiere infizierbar sind),sondern die traurige Gelegenheit zu nutzen,daß sich in möglichst vielen Köpfen endlich mal was verändert.
Mein Gedanke zum Thema ist,nein,unser schönes Leben auf Kosten unserer Mitgeschöpfe und unserer Lebensgrundlage Natur muss definitiv ein Ende haben,und Fleischfressen ist in der dekadenten Form,wie wir es bisher getan haben einfach nicht angesagt.Das ist eine andere Ebene,aber um die geht es,nicht um Lehrbuchweisheiten.
Grüsse,Mina

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Holla

Hallo Tessa,
mit immer wieder meinte ich nicht nur dieses Thema.Von Dir
kommt zu ziemlich jedem Thema irgendwas,was fundiert ist,aber
auch den eindruck erweckt,nicht auf echter Erfahrung und
tiefem Wissen begründet zu sein,sondern eher angelesen
wirkt.Ist ja auch ausreichend und hilfreich in den meisten
Fällen,aber in diesem eben eher nutzlos.

Hm, kommt drauf an, wenn jemand gezielt nach einer Sachlage fragt, und er bekommt eine neutrale Antwort, die den derzeitigen Wissensstand wiederspiegelt ist das OK. Der Fragesteller wollte ja nichts uber Risikoeinschaetzung wissen. Und meines Wissens nach waren die Aussagen korrekt.

[…]

sind),sondern die traurige Gelegenheit zu nutzen,daß sich in
möglichst vielen Köpfen endlich mal was verändert.

Da gebe ich dir eigentlich Recht, die Frage ist nur, wo und wie. Hier bei w-w-w bin ich z.B. der Meinung, das es keinen Sinn macht, bei einer Sachfrage das Thema zu wechseln und versuchen, andere zu „belehren“, sondern dafuer sollte es einen neuen Thread geben. Das sorgt vielleicht auch dafuer, das sich viel mehr Leute zu diesem Thema aeussern.

Mein Gedanke zum Thema ist,nein,unser schönes Leben auf Kosten
unserer Mitgeschöpfe und unserer Lebensgrundlage Natur muss
definitiv ein Ende haben,und Fleischfressen ist in der
dekadenten Form,wie wir es bisher getan haben einfach nicht
angesagt.Das ist eine andere Ebene,aber um die geht es,nicht
um Lehrbuchweisheiten.

Erstmal zum letzen Satz:
Ich glaube nicht, das sich jemand anmassen sollte, zu bestimmen, welche Information, welches Thema, einzig wichtig fuer die Allgemeinheit ist.
Es gibt Sachthemen, ueber die man informieren kann, und andere Themen, ueber die man reden kann, oder vielleicht sogar versuchen, andere zu ueberzeugen. Uebertriebenes Beispiel: fragt hier jemand nach dem chemischen Aufbau dieser Prione macht es keinen Sinn eine Diskussion ueber Fleischverzehr zu starten.
So, genug der Schelte :smile:

Du hast geschrieben: „Fleischfressen ist in der dekadenten Form,wie wir es bisher getan haben“; lehnst du generell den Fleischverzehr ab, oder geht es dir um die momentane Lage, z.b. Aufzucht, Mast? Es gibt oekologische und oekonomische Gruende, die jetzige Situation kritisch zu betrachten, aber bei der moralischen Seite wird es schwierig.

Einige sind der Meinung, das es generell verwerflich ist, Tiere zum Verzehr zu schlachten, aber wie soll man da einen Konsenz finden? Wie Leute ueberzeugen, die eben andere Meinung sind, fuer die Tiere, speziell fleischliefernde Tiere, nur ein „Produkt“ sind.
Darf man das ueberhaupt? Wer hat recht? Wer bestimmt was moralisch und ethisch ist? Ich finde, das ist ein sehr schwieriges Thema, und ne Loesung hab ich auch nicht.

Mir wuerde nichts fehlen, wenn ich kein Fleisch mehr bekomme, ich esse sowieso sehr wenig. Aber ganz ehrlich, wenn ich ein Schnitzel sehe, mache ich mir keine Gedanken, ueber das arme Tier… Zu abgestumpft? Zu oberflaechlich?
Bin aber bereit drueber nachzudenken!

Gruss, Lutz

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Hi Mina,

halbwegs richtig dürften meine Antworten auf diverse medizinische Fragen schon sein, denn ansonsten a) wäre ich ganz sicher nicht durch die Abschlußprüfung gekommen und b) hätten mich meine Ausbilder garantiert nicht auf die Menschheit losgelassen.

An Fieber, Lungenentzündung & Co. dürfte sich seit meiner Ausbildung nicht sonderlich viel geändert haben; BSE hingegen war damals noch kein Bestandteil des Lehrplans.

Übrigens: wenn meine Antworten auf Dich angelesen wirken, dann liegt es wahrscheinlich daran, daß ich nicht unbedingt die perfekte „Erklärerin“ bin; als Lehrerin wäre ich eine Niete.

Ciao

Tessa