Moin,
Da hast du wohl etwas falsch verstanden. Aufgrund der
buddhistischen Lehre wäre spekulative Kontemplation oder gar
„Glauben“ an einen Gott schlicht aus dem Rahmen oder anders
gesagt: Es bewegt sich außerhalb der buddhistischen
Lehre.
Ist das nicht grade dasselbe, was Simon sagt, nur mit andern
Worten: ES IST EGAL?
Nein. Man kann sich nicht innerhalb eines bestimmten Systems bewegen (Buddhist sein) und sich gleichzeitig außerhalb dieses Systems bewegen (Christsein). (Bei allem Respekt: Aus buddhistischer Sicht würde man Glaubensvorstellungen ähnlich jenen des Christentums in den Bereich der Sinnestäuschungen und Illusionen einordnen). Was man vielleicht kann ist, einige Aspekte der jeweiligen Systeme herausgreifen, die sich nach eigenen Gusto ergänzen, das heißt aber, wie ich bereits sagte, fundamentale Unterschiede zu ignorieren, die sich widersprechen. Solange es diese fundamentalen Unterschiede aber gibt, kann man IMHO nicht sagen, die Lehren von Christentum und Buddhismus sind grundsätzlich vereinbar.
Außerdem: Was meinst du mit „spekulativer Kontemplation“?
„Kontemplation“ ist zwar ein Begriff aus der christlichen
Philosophie, ebenso wie „Meditation“, aber was ist
„Spekulation“ in diesem Zusammenhang?
Damit meine ich, dass der Glaube im Christentum eine Zentrale Rolle spielt. Vieles von dem, was das Christentum als Glaube Voraussetzt (z.B. dass es einen Gott gibt), gilt im Buddhismus als spekulativ und damit letztendlich bedeutungslos. Oder anders gesagt: Eine Meditation auf der Grundlage, dass man die Existenz eines Gottes voraussetzt, dürfte eine ganz andere sein, als eine Meditation, bei der dieser Gedanke nicht nur keine Rolle spielt sondern eher als störend empfunden würde.
Für das Christentum ist das Glaube an Gott jedoch eine notwendige
Voraussetzung.
Klar, wenn es keine Unterschiede gäbe, wäre es sinnlos für
Buddh-isten und Christ-isten zwei verschiedene Namen zu haben.
Die Frage war aber, ob sich irgendetwas in diesen beiden
Denkweise wechselseitig ausschließt, und zwar derart, daß ein
Christ nicht Buddhist sein könnte und eine Buddhist nicht
Christ.
Genau aus diesem Grund habe ich zwei wie ich finde grundlegende Unterschiede genannt.
Und wenn es nicht, wie ich oben sagte, um Kleinlichkeiten
geht, sondern um das, was man in beiden Konzeptionen als
„letztes Ziel“ bezeichnen könnte, dann sehe ich tatsächlich
Unterschiede in den Begriffen, aber keine unvereinbaren
Widersprüche. Im Gegenteil sogar erstaunliche Parallelen
(siehe die Abhandlung von Suzuki über Meister Eckhart und
Zen).
Wie ich bereits sagte und Gandalf verdeutlichte: Zen befindet sich an einem äußeren Rand des Buddhismus. Man kann Zazen praktizieren, ohne Buddhist zu sein, man kann Zazen praktizieren, und Christ sein. Das steht nicht im Widerspruch zu meinen Ausführungen. Allerdings lautete die Frage nicht, ob man als Christ Zazen praktizieren kann. Ich habe den Ursprungsposter zumindest so gedeutet, dass es hier um grundlegende Unterschiede in der jeweiligen Lehre geht, und hier würde ich Glauben an Gott und Glauben an eine Seele kaum als „Kleinigkeiten“ bezeichnen.
Ein zweiter zentraler Punkt ist der Glauben des Christentums an eine Seele, die den Tod überdauert.
Stimmt. Sowas in der Art zählt zuden Unterschieden. Aber nur
oberflächlich betrachtet. „die den Tod überdauert“ wäre
allerdings gar kein christliches Konzept. „die vom physischen
Tod unberührt ist bzw. unabhängig ist“ würde es eher treffen.
Ist der physische Tod im Buddhismus etwas Wesentliches?
Im Buddhismus gibt es nichts , was von irgend etwas „unberührt“ oder „unabhängig“ ist. Das ist ein zentraler Lehrsatz des Buddhismus!
Dies wird vom Buddhismus grundsätzlich abgelehnt.
Wird im Buddhismus irgendetwas „grundsätzlich abgelehnt“?
Ja, natürlich. Es ist ein Irrtum zu glauben, nur weil der Buddhismus seine Anhänger nicht zum Glauben an irgenwas verdonnert, würde er alles irgendwie tolerieren. Der Buddhismus lehrt nicht nur den Weg aus dem Leid heraus, sondern er benennt auch ganz konkret Ursachen für dieses Leid und der Weg beinhaltet das Überwinden dieser Ursachen. Keiner muss diesem Weg folgen, aber warum sollte jemand, der diesem Weg nicht folgen will, sich dann Buddhist nennen ? Weil es grade „chic“ ist ?
Du zitierst: „Der Buddhismus lehnt die Theorie eines Selbst
(atman) ab, das sozusagen als konstanter Wesenskern eines
Menschen von seiner Geburt bis zu seinem Tod und der
Wiedergeburtslehre zufolge über seinen Tod hinaus in einem
nächsten Leben existiert.“
Im Christentum gibt es kein Analogon zum brahmanistischen
Begriff „atman“ (auch wenn „atman“ und „anima“ sprachlich
verwandt sind). Was ein „Wesenskern“ ist, ist mir
schleierhaft, ein kurioses Begriffsmonstrum. Und darüber
hinaus gibt es im Christentum keine „Wiedergeburt“ und ein
„nächstes“ Leben ebenfalls nicht.
Richtig, für einen Christen muss die obige Aussage sehr fremdartig anmuten und ich sehe obiges als Bestätigung an für das, wofür es gedacht war, nämlich dass es hier grundlegende (und nicht vereinbare) Unterschiede zwischen Buddhismus und Christentum gibt. Ich wäre dir allerdings Dankbar, wenn du etwas, was dir „schleierhaft“ ist, nicht als „kurioses Begriffsmonstrum“ abklassifizierst. Für mich ist eine Grundvoraussetzung der Gespräche über andere Religionen immer ein Mindestmaß an Respekt.
„…Der Buddhismus geht grundsätzlich davon aus, dass es
überhaupt keine konstanten Dinge oder Gegebenheiten gibt …“
Tja, aber seltsamerweise etwas, das er „grundsätzlich
ablehnt“.
Das ist kein Widerspruch und das ist auch nicht „selbsam“ (siehe oben).
Das scheint mir ein recht salopper Rundumschlag über
Buddhismus zu sein und eine Pseudokonfrontation gegen einen
zurechtgebastelten „Gegner“.
hä ? Falscher Film ?
dass sich das Christentum ganz sicher nicht mit der
Vorstellung anfreunden kann, sein Gott sei wie alles dem
Prozess des Entstehens und Vergehens nach buddhistischer Lehre
unterworfen.
Ein netter religionsphilosophischer Witz,
Das ist kein netter Witz sondern die Vorstellung, dass alles dem Prozess des Entstehens und Vergehens unterworfen ist, ist eine grundsätzliche Lehre des Buddhismus. Du darfst das ja gerne witzig finden, aber hier geht es nicht um ein Lächerlichmachen des Buddhismus oder Christentums, sondern um die Frage, ob es grundlegende Unterschiede gibt.
klar, wenn man aus
Unkenntnis christlicher Konzeptionen an Unterschieden
festhalten möchte - im Widerspruch zu buddhistischem Denken,
das Nicht-Festhalten empfiehlt. Meister Eckhart dagegen
spricht von der Gottheit, die Gottheit IST, weil sie nicht
Gottheit BLEIBT. Das hat schon eher mit Nicht-Kostanz zu tun,
oder nicht?
Das kannst du hier gerne mit den Kollegen von der christlichen Fraktion erörtern.
Also m.a.W. so eindeutig ist das alles nicht, zumal die
Begriffe des Entstehens und Vergehens im Kontext des Absoluten
eh mit Vorsicht zu verwenden sind …
*argh* im Buddhismus gibt es den „Kontext des Absoluten“ nicht. „Absolutes“ kommt im Buddhismus nicht vor.
… Der Christliche Gott ist eine feste
Konstante, die sich jedem menschlichen Handeln und Tun
entzieht, ja die allenfalls ihrerseits Einfluss auf das
menschliche Handeln haben kann. Der buddhistische Begriff von
Karma betrifft genau das Gegenteil
Also was hat denn der christliche Gott mit dem buddhistischen
Karma zu tun?
Nichts, genau das habe ich Simon zu erläutern versucht, der diesen Vergleich anbrachte. Danke, dass du mir hier zustimmst.
… nämlich dass alles was der Mensch denkt, macht, redet etc. eine Ursache
darstellt, die irgend eine Form von Wirkung hervorrufen wird,
also den Menschen als handelndes Wesen in das Geflecht von
Ursache und Wirkung mit einflicht.
Neugierig wäre ich nun, zu welchem christlichen Konzept
menschlichen Handels das ein unauflösbarer Widerspruch sein
soll?
Es ist ein Widerspruch zu der christlichen Vorstellung, dass es etwas geben könnte, was diesem Geflecht nicht unterworfen ist. Ansonsten verweise ich in diesem Punkt auf Harald.
Von einem Gott der lenkt, waltet oder gar außerhalb dieses Geflechts steht, ist beim Buddhismus nichts zu sehen.
Im Christentum ist von einem Gott, der außerhalb dieses
Geflechts steht ebenfalls nichts zu sehen. Inbesondere wendet
sich die katholische Dogmatik sogar explizit gegen deistische
Vorstellungen.
Du meinst, der christliche Gott ist aufgrund seiner karmischen Handlungen einem ständigen Wandeln, Werden und Vergehen unterworfen ? Ähem…das wäre so ziemlich das neueste, was ich vom Christentum hörte und das hätte ich doch gerne von ein paar Christen hier bestätigt, bevor ich das glaube.
Also, damit keine Mißverständnisse aufkommen: Unterschiede der
Begriffe - ja. Unvereinbare Widersprüche seh ich nicht.
Ich hoffe, diesbezüglich jetzt etwas hilfreicher gewesen zu sein.
Gruß
Marion