Buddhismus vs Christentum

Moin,

Ganz im Gegenteil, Götter sind sogar ganz explizit Teil der
ursprünglichen Erleuchtungslehre des Buddha bzw. in dieser als
Bestandteil aufgeführt, auch wenn sie für den eigentlichen
Glauben an sich weitestgehend unbedeutend sind.
Er führt an dass die höchste Existenzebene auf der man
wiedergeboren werden kann die Himmelswelt ist, wo die Götter
wohnen. Jedoch auch diese sei nicht frei von Leid und somit
ist auch ein Gott vor karmischen Auswirkungen nicht gefeit und
seine Erlösung nicht garantiert.
(Quelle: Hans Wolfgang Schumann, Der historische Buddha -
Leben und Lehre des Gotama Seite 158ff)

Zum Einen dürftest du hier selbst deutlich gemacht haben, dass die in der buddhistischen Kosmologie genannten Götter nichts mit der christlichen Vorstellung an einen Gott gemeinsam haben, zum anderen hoffe ich, dass du Schumann auch weiter gelesen hast. Ich zitiere: „Die Namen der Götter sind im Buddhismus weniger Eigennamen als Bezeichnungen bestimmter Posten, welche von wechselnden Personen eingenommen werden, die sich den Rang für einige Zeit verdient haben“. W.W. Schumann, Buddhismus, s. 77. Die Bereiche kennzeichnen also Bewusstseinszustände und es gibt keinen Hinweis darauf, dass z.B. der physikalische Tod eine Voraussetzung ist, um andere Bewusstseinszustände zu erreichen. Die Eigenschaften, welche die Hungergeister ausmachen, dürften z.B. Zustände beschreiben, die auch vielen Menschen nicht ganz unbekannt sind. Entscheident ist, dass diese Zustände Folge karmischen Handelns sind. Und ich möchte mal gerne erleben was passiert, wenn sich ein Christ hinstellt und verkündet, er habe es sich aufgrund seines Lebenswandels verdient, jetzt auch mal Gott zu sein.

Gruß
Marion

Moin,

Ist Dein Karma im Arsch, dann bist Du im nächsten
Leben ein Schleimpilz.

Es ist sogar noch viel schlimmer. Da karmisches Handeln dein Leben ständig beeinflusst, ist sogar mancher Mensch zumindest zeitweise ein Schleimpilz.

Im Buddhismus tut man nur Gutes, um sein eigenes,
ganz persönliches Karma zu verbessern. Das hat für
mich sehr viel von „Jeder ist sich selbst der Nächste.“

Dabei vergisst du aber, dass ein grundsätzlicher Gesichtspunkt des Buddhismus darauf beruht, dass die Unterschiedung zwischen „ich“ und „der nächste“ eine Illusion ist, die es zu überwinden gilt. Karmisches Handeln ist somit überhaupt nichts, was lediglich auf einen selbst bezogen stattfindet sondern immer etwas, was innerhalb eines Systems passiert und immer weitere Wirkungen mit sich bringt, die letztendlich auf einen selbst zurückfallen werden.

Somit gibt es kein isoliertes „eigenes, ganz persönliches Karma“ im Buddhismus, es gibt nur ein Geflecht von Ursachen und Wirkungen, in dem jeder und alles eingebunden ist.

Gruß
Marion

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Ohne jetzt auf alle Details einzugehen, das würde dann wohl auch langsam zu weit führen hier, denke ich ich weiß warum wir hier schlecht auf einen Nenner kommen.
Sicherlich kannst du auf ein gehöriges Maß an Fachwissen zurückgreifen, sowohl über den Buddhismus als auch über das Christentum. Aber Wissen allein reicht eben oft nicht, so auch hier wo du wie ich finde den gelebten Buddhismus als solches eher ein bischen ungewöhnlich (ich sage absichtlich nicht falsch) interpretierst. Eben zu sehr aus der Warte einer westlichen Religion, die der stark philospohisch unterlegte Buddhismus eben einfach nicht ist.
Ich möchte dir jedoch, grade weil dich diese Themen offensichtlich sehr interessieren, nahe legen dich mal gezielt mit der Sicht anderer Religionen und Philosophien aus dem Buddhismus heraus zu beschäftigen. Ich denke du wirst vieles recht erhellend finden.

mfg
Simon

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Du vermischt da glaube ich zweierlei Gottbezüge. Mein Bezug dreht sich um die Götter wie sie eben als Götter auch verehrt wurden. Bei den Äußerungen des Buddha zu diesem Thema ging es so gut wie immer auch um die Frage ob andere Religionen, die z.B. diesen oder jenen Gott anbeten, im Recht oder im Unrecht sind, also erleuchtet werden können.
Der Bezug zum klassichen Gottglauben außerhalb des Buddhismus ist also unbedingt vorhanden.
Dein Bezug richtet sich wenn ich die entsprechende Abhandlung jetzt richtig im Kopf habe (liegt leider seit gestern Abend im verliehenen Auto, kann also grade nicht nachschlagen) auf die Anbetung von Boddhisvatas in der Schule des reinen Landes. Und ja, DIE haben nun nichts mit dem „eigentlichen“ Gottbegriff zu tun.

mfg
Simon

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Moin,

danke, das ist ganz lieb von dir.
Und wenn du etwas Wissen über die buddhistische Lehre angesammelt hast, dann können wir ja mal weiter reden, dann kannst du vielleicht aus der buddhistischen Lehre heraus argumentieren, bzw. zu versuchen, meine Argumente zu widerlegen. Dies ist dir nämlich in keinem Fall gelungen.

Alles Gute auf deinem Weg
Gruß
marion

Das ist keine Frage des reinen Faktenwissens, das ich durchaus auch unter Beweis gestellt habe, es ist eine Frage der Deutung der einzelnen Lehraussagen im Buddhismus. Und du interpretierst einzelne Aspekte des Buddhismus eben sehr „mechanisch“ und sehr isoliert voneinander. Alleine die Ansicht ein Gottglaube könnte ausschließen Buddhist zu sein, und das ist ja so Usus in deinen Beiträgen, dürfte die meisten Buddhisten eher belustigen. Der Buddha hat stets betont, dass sein Weg nur EINE sichere Möglichkeit ist erlöst zu werden, aber nicht die einzige. Zudem hat er jeden der die buddhisten Lehren liest aufgerufen sie für sich selbst zu interpretieren und zu deuten. Und wenn jemand für sich die Schriften so deutet, dass ein Gottglaube dem nicht widerspricht ist das ganz un 100%ig im Sinne Buddhas, der eben diese freie Interpretation durchaus gewollt hat.

mfg
Simon

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Moin,

sicher ist es schön, den buddhistischen Weg zu gehen. Ich bin allerdings der Meinung, man sollte sich schon auch gründlich darüber informieren, welchen Weg man da eingeschlagen hat. Man braucht vielleicht kein umfangreiches Wissen über alle buddhistischen Richtungen und die Grundsätze der buddhistischen Lehre, aber es hilft, in Diskussionen wie dieses argumentativ zu bestehen.

Im übrigen überlass ich die „Deutung“ den buddhistischen Lehrern, die etwas davon verstehen, mir reicht es völlig, ihre Ansichten hier wiederzugeben.

In diesem Sinne wünsch ich dir alles Gute auf deinem Weg.
Gruß
Marion

Moin,

Mein Bezug
dreht sich um die Götter wie sie eben als Götter auch verehrt
wurden.

Welche Götter werden denn im Buddhismus deiner Meinung nach als Götter verehrt ? Kannst du mal ein paar nennen ?

Gruß
Marion

Im übrigen überlass ich die „Deutung“ den buddhistischen
Lehrern, die etwas davon verstehen, mir reicht es völlig, ihre
Ansichten hier wiederzugeben.

Was du einfach nicht getan hast.

mfg
Simon

1 „Gefällt mir“

Moin,

Mein Bezug
dreht sich um die Götter wie sie eben als Götter auch verehrt
wurden.

Welche Götter werden denn im Buddhismus deiner Meinung nach
als Götter verehrt ? Kannst du mal ein paar nennen ?

Na jetzt werde doch bitte mal nicht albern. Ich habe weder geschrieben noch impliziert dass im Buddhismus Götter verehrt werde oder wurden. Das erkennt man auch wenn man nicht bei meinem Beitrag nach Ende des von dir zitierten Satzes aufhört zu lesen. Dort habe ich deutlich und klar Bezug auf andere Religionen genommen. Der erste Satz ist eine allgemeine Aussage ohne Bezug zum Buddhismus, sonst hätte ich das schon geschrieben.

*kopfschüttelnd*
Simon

1 „Gefällt mir“

Moin,

Im übrigen überlass ich die „Deutung“ den buddhistischen
Lehrern, die etwas davon verstehen, mir reicht es völlig, ihre
Ansichten hier wiederzugeben.

Was du einfach nicht getan hast.

Auch wenn es dich jetzt vermutlich erschüttern wird, aber im Allgemeinen kann ich die Aussagen, die ich hier zum Buddhismus mache, durch Quellen in der anerkannten buddhistischen Literatur belegen.

Sorry mate, aber manchmal ist ein aus Büchern bezogenes Fachwissen eben doch von Vorteil und schließt im Übrigen ein gleichzeitiges Praktizieren und Leben des Buddhismus in keinster Weise aus. Ganz im Gegenteil.

Das Ausweichen einer argumentativen Sachdiskussion und Rückzug auf unbegründete Allgemeinplätze wie „alles Quatsch“ zeugt im Übrigen weder vom einen, noch vom anderen.

Falls du noch Sachargumente zum Thema hast, können wir diese Diskussion gerne weiterführen, ansonsten ist diese Diskussion mit dir für mich an dieser Stelle beendet.

Gruß
Marion

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Moin,

Na jetzt werde doch bitte mal nicht albern.

Sind persönliche Angriffe wie obige eingentlich Zeugnisse deiner aufassenden buddhistischen Praxis ?

Ich habe weder
geschrieben noch impliziert dass im Buddhismus Götter verehrt
werde oder wurden. Das erkennt man auch wenn man nicht bei
meinem Beitrag nach Ende des von dir zitierten Satzes aufhört
zu lesen. Dort habe ich deutlich und klar Bezug auf
andere Religionen genommen. Der erste Satz ist eine
allgemeine Aussage ohne Bezug zum Buddhismus, sonst hätte ich
das schon geschrieben.

Dann dürfte dein vorhergehendens Posting in der Diskussion „Buddhismus-Christentum“ auch ohne Belang sein. Ganz genau darauf wollte ich hinaus. Danke, dass du das auch so siehst.

Gruß
Marion

Das Ausweichen einer argumentativen Sachdiskussion und Rückzug
auf unbegründete Allgemeinplätze wie „alles Quatsch“ …

Wenn ich den Thread so hochschaue habe ich als erster eine Quelle angeführt. Und das „Quatsch“ bezog sich stets auf dein Fazit, dass ich auch nach wie vor für eben dieses halte.

mfg
Simon

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Dein Versuch mich hier und im entsprechenden anderen Diskussionarm fachlich zu diskreditieren ist armselig. Insbesondere hier, wo du mir in deinen letzten 2 Beiträgen schlicht das Wort im Munde umgedreht hast, was ja glücklicherweise jeder nachlesen kann.
Da sich nur noch wir beide an dieser Diskussion beteiligen und es dich offensichtlich schon sehr beißt, nicht 100%ig Recht haben zu dürfen werde ich mich was dieses Thema angeht mal ausklinken.

Trolle zum drüber aufregen gibts im w-w-w schon genug, als dass ich mich noch mit einem eigentlich sehr vernünftigen Mitglied auch noch zoffen müsste.

mfg
Simon

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Hi Marion,

Man kann sich nicht innerhalb eines bestimmten Systems
bewegen (Buddhist sein) und sich gleichzeitig außerhalb dieses
Systems bewegen (Christsein).

Das ist die Grundhaltung des Dogmatismus, richtig. Das würde dir also die vatikanistische Glaubenskongregation voll bestätigen! Wer kontrolliert mit Exkommunikationsdrohungen den buddhistischen Dogmatismus, den du hier präsupponierst? *smile*

(Bei allem Respekt: Aus
buddhistischer Sicht würde man Glaubensvorstellungen ähnlich
jenen des Christentums in den Bereich der Sinnestäuschungen
und Illusionen einordnen).

Das siehst du richtig. Im Großen und Ganzen. Kultisches Verhalten um Buddhastatuen in Tempeln übrigens ebenfalls. Aber wen stört das? Wir reden hier über ZENTRALE Begriffe, oder? Z.B. über das christliche „an Gott glauben“ (das du übrigens korrekt formuliertest im Unterschied zu „an EINEN Gott glauben“, was keine christliche Formulierung sein könnte.

Ob „an Gott glauben“ eine Illusion im buddh. Sinne ist, das steht zur Debatte, die ich aber hier keineswegs zu führen beabsichtige - ich erwähne es nur als fraglich, bzw. sage, daß es NICHT so ist.

„An EINEN Gott glauben“ wäre dagegen zweifellos im buddhistischen Verständnis eine Illusion, bzw. eine Falle des „unterscheidenden Denkens“, das siehst du richtig. Im Chan wär es wu. Aber können Menschen, die im Gegensatz zu Erleuchteten noch in Illusionen verstrickt sind, keine Buddhisten sein???

Und umgekehrt: Hindert nicht das kämpferische Festhalten an Unterschieden gerade die Befreiung von Illusion?

Was man vielleicht kann ist, einige
Aspekte der jeweiligen Systeme herausgreifen, die sich nach
eigenen Gusto ergänzen, das heißt aber, wie ich bereits sagte,
fundamentale Unterschiede zu ignorieren, die sich widersprechen.

Ich sprach nicht von irgendwelchen „einigen“ Aspekten, sondern von fundamentalen Begriffen. Ob der christliche Gottesbegriff und Begriff des „Glaubens an“ (ein Spezialterminus) aber mit buddhistischen Konzeptionen der Befreiung im unlösbaren Widerspruch stehe, habe ich gerade in Frage gestellt. Ich sprach die „letzten Ziele“ an, daß diese nicht nur in anderen Sprachen sondern auch in anderen Begriffe formuliert werden, ist unser Ausgangspunkt. Ob sie sich aber ausschließen, ist nur behauptet …

Solange es diese fundamentalen Unterschiede
aber gibt, kann man IMHO nicht sagen, die Lehren von
Christentum und Buddhismus sind grundsätzlich vereinbar.

… zumal es nicht um Vereinbarkeit der Ismen geht, sondern um die Frage, ob einer zugleich (ein noch nicht von Illusionen befreiter) Buddhist sein könne und zugleich Christ.

Damit meine ich, dass der Glaube im Christentum eine
Zentrale Rolle spielt.

Richtig. Aber ob sich das, was im Christentum mit „Glaube an“ gemeint ist, mit buddhistischen Denken nicht vereinbaren ließe, dazu reicht es nicht, wenn ein Buddhismusreferent, der die christlichen Fundamente gar nicht kennt (wie der von dir zitierte, wie ich zeigte), irgendeine Meinung von sich gibt.

Vieles von dem, was das Christentum als
Glaube Voraussetzt (z.B. dass es einen Gott gibt), gilt im
Buddhismus als spekulativ und damit letztendlich
bedeutungslos.

Die Formulierung, daß es EINEN Gott gibt (siehe oben!) wäre im Christentum ebenfalls spekulativ und bedeutungslos - sogar den Grundlagen widersprechend (im Judentum übrigens auch)! Aber Vorsicht allerdings: Der Ausdruck „Gott ist EINER“ (deus unum) besagt etwas anderes.

Oder anders gesagt: Eine Meditation auf der
Grundlage, dass man die Existenz eines Gottes voraussetzt,
dürfte eine ganz andere sein, als eine Meditation, bei der
dieser Gedanke nicht nur keine Rolle spielt sondern eher als
störend empfunden würde.

Meditationen sind eine adaptierte yogische Komponente im Buddhismus. Und in der yogischen Meditation gibt es sogar einen Gott (ishvara), wie du wohl weißt :smile: Allerdings ist der nicht wesentlich, m.a.W. es ist wurscht und stört nicht … Du kannst das bei Patanjali bestätigt finden.

Im Übrigen ist die christliche meditatio ein ganz anderer Prozess als das yogische dhyana und dharana, da stört nix wechselseitig.

Genau aus diesem Grund habe ich zwei wie ich finde
grundlegende Unterschiede genannt.

Eben in diesen grundlegenden Unterschiede sehe ich keine Widerspruch (daher z.B. das Zitat von Meister Eckart, um dir eine Brücke zu schlagen).

Wie ich bereits sagte und Gandalf verdeutlichte: Zen befindet
sich an einem äußeren Rand des Buddhismus.

„Am äußeren Rand“ - du wirst es mir nicht verübeln, daß ich schmunzel muß.

Man kann Zazen praktizieren, ohne Buddhist zu sein, man kann Zazen
praktizieren, und Christ sein. Das steht nicht im Widerspruch
zu meinen Ausführungen.

Seit wann ist Zazen = Zen? *smile*

… und hier würde ich Glauben an Gott und Glauben an eine Seele kaum
als „Kleinigkeiten“ bezeichnen.

Eben. Also haben wir uns ausnahmsweise in diesem Punkt mal verstanden.

Stimmt. Sowas in der Art zählt zuden Unterschieden. Aber nur
oberflächlich betrachtet. „die den Tod überdauert“ wäre
allerdings gar kein christliches Konzept. „die vom physischen
Tod unberührt ist bzw. unabhängig ist“ würde es eher treffen.
Ist der physische Tod im Buddhismus etwas Wesentliches?

Im Buddhismus gibt es nichts , was von irgend etwas
„unberührt“ oder „unabhängig“ ist. Das ist ein zentraler
Lehrsatz des Buddhismus!

Das beantwortet zwar nicht meine Frage, aber dennoch sprichst du hier etwas aus, dem ein Christ nicht widersprechen würde :smile:

Der Buddhismus lehrt nicht nur den Weg aus dem Leid heraus,
sondern er benennt auch ganz konkret Ursachen für
dieses Leid und der Weg beinhaltet das Überwinden dieser
Ursachen.

Stimmt ebenfalls. Und wo widerspricht der Christ hier???

Im Christentum gibt es kein Analogon zum brahmanistischen
Begriff „atman“ (auch wenn „atman“ und „anima“ sprachlich
verwandt sind). Was ein „Wesenskern“ ist, ist mir
schleierhaft, ein kurioses Begriffsmonstrum. Und darüber
hinaus gibt es im Christentum keine „Wiedergeburt“ und ein
„nächstes“ Leben ebenfalls nicht.

Richtig, für einen Christen muss die obige Aussage sehr
fremdartig anmuten

Komisch. Du hattest doch diese Stelle von deinem Autor gerade zitiert, um zu zeigen, daß es für den Buddhisten ein solches „atman“ ebenfalls nicht gibt - hä?

Ich wäre dir allerdings Dankbar, wenn du
etwas, was dir „schleierhaft“ ist, nicht als „kurioses
Begriffsmonstrum“ abklassifizierst. Für mich ist eine
Grundvoraussetzung der Gespräche über andere Religionen immer
ein Mindestmaß an Respekt.

Ich halte es eher für respektlos, mir Respektlosigkeit im hier Diskutierten vorzuhalten. Daß da ein Autor mit „Wesenskern“ ein Begriffsmonstrum bastelt, ist doch nicht meine Schuld. Du würdest auch erwarten, daß niemand hier Sanskrit- oder Pali-Wörter konstruiert, die keinen Sinn machen. „Wesen“ (je nach Kontext substantia oder essentia) in der christlichen Philosophie (erst recht im Kontext von Gottesbegriffen und Seelenbegriffen) ist nun mal ein Begriff, zu dem die Erweiterung „Wesenskern“ purer nonsense ist. Der Autor zeigt damit, daß er nicht weiß, wovon er redet.

… und eine Pseudokonfrontation gegen einen
zurechtgebastelten „Gegner“.

hä ? Falscher Film ?

Nein. Ich meinte damit, daß Peter Gäng christliche Begriffe anspricht, die es in der christlichen Philosophie und Thelogie gar nicht gibt.

Meister Eckhart dagegen

spricht von der Gottheit, die Gottheit IST, weil sie nicht
Gottheit BLEIBT. Das hat schon eher mit Nicht-Konstanz zu tun,
oder nicht?

Das kannst du hier gerne mit den Kollegen von der christlichen
Fraktion erörtern.

Wozu sollte ich? *g*
Ich hab es DIR zitiert!
Nur, weil du hier ein genuin christliches Zitat hört, daß deinem „Denken in Unterschieden“ die Grundlage nimmt, kneifst du?

*argh* im Buddhismus gibt es den „Kontext des Absoluten“
nicht. „Absolutes“ kommt im Buddhismus nicht vor.

Insofern es die VOKABEL „Absolutes“ im Sanskrit nicht gibt, richtig, ebensowenig wie „Wesenskern“ in christl. Kontexten :smile:

Aber daß es Absoluta im Buddhismus nicht gibt, zeigt, wie gründlich du den Grundlagen nachgehst.

… nämlich dass alles was der Mensch denkt, macht, redet etc. eine :::Ursache darstellt, die irgend eine Form von Wirkung hervorrufen wird,
also den Menschen als handelndes Wesen in das Geflecht von
Ursache und Wirkung mit einflicht.

Neugierig wäre ich nun, zu welchem christlichen Konzept
menschlichen Handels das ein unauflösbarer Widerspruch sein
soll?

Es ist ein Widerspruch zu der christlichen Vorstellung, dass
es etwas geben könnte, was diesem Geflecht nicht unterworfen
ist. Ansonsten verweise ich in diesem Punkt auf Harald.

Ich verweise auf wichtigere Interpreten christlicher Inhalte :smile:
Angelus Silesius: „Ohne mich wäre Gott nicht Gott - er wäre ein bloßes Nicht“

Im Christentum ist von einem Gott, der außerhalb dieses
Geflechts steht ebenfalls nichts zu sehen. Inbesondere wendet
sich die katholische Dogmatik sogar explizit gegen deistische
Vorstellungen.

Du meinst, der christliche Gott ist aufgrund seiner karmischen
Handlungen einem ständigen Wandeln, Werden und Vergehen
unterworfen ? Ähem…das wäre so ziemlich das neueste, was
ich vom Christentum hörte und das hätte ich doch gerne von ein
paar Christen hier bestätigt, bevor ich das glaube.

Nun ja, man formuliere sich eine Vogelscheuche und bestreite sie. So einfach ist das nicht, Marion. Ich reagiere mal mit einer Gegenfrage: Gibt es im Buddhismus eine letztliche Befreiung von Wiedergeburt, Illusion und der Welt des Werdens und Vergehens? ist nir-vana nicht nirvana? :smile:

Ich hoffe, diesbezüglich jetzt etwas hilfreicher gewesen zu
sein.

Der abwegige Zynismus entgeht mir nicht, Marion. Ich frage mich nur … naja, jedenfalls weiß ich jetzt mehr - über dies und das :smile:

Gruß

Metapher

Hast du den Artikel vollständig gelesen? Besonders das Manuskript des Herrn Himis Klosters halte ich für sehr bedenklich und frage mich ernsthaft, ob solche Schríften in diesem Forum Platz finden dürfen…
Ich möchte hier kein Zitat aus dem, meines Erachtens, antisemitischen Text als Argument meiner Meinung in dieses Forum schreiben, sondern lediglich auf Kapitel 1 Punkt 1 des Manuskriptes verweisen…

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Moin,

Man kann sich nicht innerhalb eines bestimmten Systems
bewegen (Buddhist sein) und sich gleichzeitig außerhalb dieses
Systems bewegen (Christsein).

Das ist die Grundhaltung des Dogmatismus,

Das kann schon allein deshalb kein Dogmatismus sein, weil es hier nicht um einen Glaubenssatz geht, sondern lediglich um die Abgrenzung der buddhistischen Lehre zu einer anderen Lehre.

Wenn du meinst, dass ich Dogmatismus betreibe, weil ich mich dagegen verwehre, dass man dem Buddhismus alle möglichen Aussagen unterzuschieben versucht, dann kann ich damit gut leben.

(Bei allem Respekt: Aus
buddhistischer Sicht würde man Glaubensvorstellungen ähnlich
jenen des Christentums in den Bereich der Sinnestäuschungen
und Illusionen einordnen).

Das siehst du richtig. Im Großen und Ganzen. Kultisches
Verhalten um Buddhastatuen in Tempeln übrigens ebenfalls.

Wie kann ein Verhalten eine Sinnestäuschung oder Illusion sein ?

Ob „an Gott glauben“ eine Illusion im buddh. Sinne ist, das
steht zur Debatte, die ich aber hier keineswegs zu führen
beabsichtige - ich erwähne es nur als fraglich, bzw. sage, daß
es NICHT so ist.

Diese Diskussion werde ich erst dann führen, wenn sich die Christen ertmal untereinander geeinigt haben, wer oder was Gott eigentlich ist.

„An EINEN Gott glauben“ wäre dagegen zweifellos im
buddhistischen Verständnis eine Illusion, bzw. eine Falle des
„unterscheidenden Denkens“, das siehst du richtig. Im Chan wär
es wu.

„Wu“ bezeichnet die Abwsenheit von etwas, sei es eine Form, Eigenheit, Beschaffenheit etc. Wenn du den christlichen Gott so bezeichnen willst, ok., einem Buddhisten wird das nicht weiter interessieren. Ob diese Vorstellung jedoch mit der Vorstellung des Christentums von Gott übereinstimmt, kann ich nicht im Detail beurteilen, aber ich hab hier so meine Zweifel.

Aber können Menschen, die im Gegensatz zu
Erleuchteten noch in Illusionen verstrickt sind, keine
Buddhisten sein???

Als Buddhisten bezeichnen sich normalerweise Menschen, die versuchen dem Weg zu folgen, den Buddha aufgezeichnet hat. Sicher können diese Menschen in Illusionen verstrickt sein, aber das heißt nicht automatisch, dass diese Illusionen dann auch mit der buddhistischen Lehre vereinbar sind.

Und umgekehrt: Hindert nicht das kämpferische Festhalten an
Unterschieden gerade die Befreiung von Illusion?

Pardon, aber mir geht es hier um den Abgrenzung der buddhistischen Lehre von anderen Lehren. Man kann Aussagen darüber machen, was Bestandteil der buddhistischen Lehre ist, und was nicht Bestandteil der buddhistischen Lehre ist. Sowas erleichtert die Kommunikation. Natürlich kannst du auch ablehnen, dass man zwischen Möbelstücken differenziert, weil das in deinen Augen ein „kämpferisches Festhalten an Unterschieden“ ist, aber dann wunder dich bitte nicht, wenn du ein Möbel verlangst, und statt einem Stuhl einen Kleiderschrank bekommst.

Ich sprach nicht von irgendwelchen „einigen“ Aspekten, sondern
von fundamentalen Begriffen. Ob der christliche Gottesbegriff
und Begriff des „Glaubens an“ (ein Spezialterminus) aber mit
buddhistischen Konzeptionen der Befreiung im unlösbaren
Widerspruch stehe, habe ich gerade in Frage gestellt.

Das ist doch mal ein Ansatz. Dann möchte ich dich bitten, dies auch zu begründen.

Ich
sprach die „letzten Ziele“ an, daß diese nicht nur in anderen
Sprachen sondern auch in anderen Begriffe formuliert werden,
ist unser Ausgangspunkt. Ob sie sich aber ausschließen, ist
nur behauptet …

Immerhin hab ich meine Behauptung begründet. Auf deine Begründung warte ich noch.

… zumal es nicht um Vereinbarkeit der Ismen geht, sondern um
die Frage, ob einer zugleich (ein noch nicht von Illusionen
befreiter) Buddhist sein könne und zugleich Christ.

Natürlich kann sich jeder nennen wie er will. Nur ich denke nicht, dass man dafür dann hier eine Diskussion führen müsste.

Damit meine ich, dass der Glaube im Christentum eine
Zentrale Rolle spielt.

Richtig. Aber ob sich das, was im Christentum mit „Glaube an“
gemeint ist, mit buddhistischen Denken nicht vereinbaren
ließe, dazu reicht es nicht, wenn ein Buddhismusreferent, der
die christlichen Fundamente gar nicht kennt (wie der von dir
zitierte, wie ich zeigte), irgendeine Meinung von sich gibt.

Vielleicht ist dir entgangen, dass Gäng in dem Zitat gar keine Aussage über das Christentum trifft, in sofern kannst du ihm auch nicht vorwerfen, eine Meinung zu „christlichen Fundamenten“ zu tätigen.

Die Formulierung, daß es EINEN Gott gibt (siehe oben!) wäre im
Christentum ebenfalls spekulativ und bedeutungslos - sogar den
Grundlagen widersprechend (im Judentum übrigens auch)! Aber
Vorsicht allerdings: Der Ausdruck „Gott ist EINER“ (deus unum)
besagt etwas anderes.

Mag ja sein, hat aber mit buddhistischer Denkweise nun absolut nicht das geringste zutun, ob das Christentum nun an einen, zwei oder viele Götter glaubt.

Meditationen sind eine adaptierte yogische Komponente im
Buddhismus.

Tatsächlich ? Und ich hätte doch glatt angenommen, Yoga sei seinerseits vom Spätbuddhismus beeinflusst worden *schmunzel*

Und in der yogischen Meditation gibt es sogar
einen Gott (ishvara), wie du wohl weißt :smile: Allerdings
ist der nicht wesentlich, m.a.W. es ist wurscht und stört
nicht … Du kannst das bei Patanjali bestätigt finden.

Vor allem finde ich das bei Glasenapp (Die Philospophie der Inder, S. 223-224). Aber du hast recht, in dieser Diskussion spielt es eh keine Rolle, da das Yoga des Patanjali nicht Bestandteil der Buddhistischen Lehre ist. Vielleicht findet sich jamand mit Interesse an einer Diskussion Patanjali vs. Christentum :smile:

Im Übrigen ist die christliche meditatio ein ganz
anderer Prozess als das yogische dhyana und
dharana, da stört nix wechselseitig.

Fein. Dann kann man also vielleicht gleichzeitig Christ und Yogi nach Patanjali sein :smile:

Eben in diesen grundlegenden Unterschiede sehe ich keine
Widerspruch (daher z.B. das Zitat von Meister Eckart, um dir
eine Brücke zu schlagen).

Hm…welches Zitat von Meister Eckart ?

Stimmt. Sowas in der Art zählt zuden Unterschieden. Aber nur
oberflächlich betrachtet. „die den Tod überdauert“ wäre
allerdings gar kein christliches Konzept. „die vom physischen
Tod unberührt ist bzw. unabhängig ist“ würde es eher treffen.
Ist der physische Tod im Buddhismus etwas Wesentliches?

Im Buddhismus gibt es nichts , was von irgend etwas
„unberührt“ oder „unabhängig“ ist. Das ist ein zentraler
Lehrsatz des Buddhismus!

Das beantwortet zwar nicht meine Frage, aber dennoch sprichst
du hier etwas aus, dem ein Christ nicht widersprechen würde

-)

Jetzt widersprichst du dir aber selbst, weil du einen Absatz vorher geschrieben hast, dass die Seele in der Vorstellung des Christentums etwas sei, dass sehr wohl von etwas „unberührt“ oder „unabhängig“ ist, nämlich vom physischen Tod.

Der Buddhismus lehrt nicht nur den Weg aus dem Leid heraus,
sondern er benennt auch ganz konkret Ursachen für
dieses Leid und der Weg beinhaltet das Überwinden dieser
Ursachen.

Stimmt ebenfalls. Und wo widerspricht der Christ hier???

Der Weg im Christentum ist ein anderer als der Weg im Buddhismus. Auch dürfte das, was jeweis als Ursachen für das Leid angesehen wird, etwas anderes sein. Im Buddhismus werden die Ursachen sehr genau mit Gier/Anhaftung, Hass/Ablehnung und Verblendung/Unwissenheit genannt. Sieht das Christentum diese ebenfalls als die zentralen Ursachen für das Leid ?

Im Christentum gibt es kein Analogon zum brahmanistischen
Begriff „atman“ (auch wenn „atman“ und „anima“ sprachlich
verwandt sind). Was ein „Wesenskern“ ist, ist mir
schleierhaft, ein kurioses Begriffsmonstrum. Und darüber
hinaus gibt es im Christentum keine „Wiedergeburt“ und ein
„nächstes“ Leben ebenfalls nicht.

Richtig, für einen Christen muss die obige Aussage sehr
fremdartig anmuten

Komisch. Du hattest doch diese Stelle von deinem Autor gerade
zitiert, um zu zeigen, daß es für den Buddhisten ein solches
„atman“ ebenfalls nicht gibt - hä?

Mit „Wesenskern“ ist genau das gemeint, was du oben als christliche Vorstellung des durch den physischen Tod „unabhängig“ und „unberührt“ beschrieben hast. Es ist (wie das Wort schon sagt), das, was übrig bleibt, wenn alles andere entschwindet. Das wesentliche Kriterium ist hier das Konstante.

Ich wäre dir allerdings Dankbar, wenn du
etwas, was dir „schleierhaft“ ist, nicht als „kurioses
Begriffsmonstrum“ abklassifizierst. Für mich ist eine
Grundvoraussetzung der Gespräche über andere Religionen immer
ein Mindestmaß an Respekt.

Ich halte es eher für respektlos, mir Respektlosigkeit im hier
Diskutierten vorzuhalten. Daß da ein Autor mit „Wesenskern“
ein Begriffsmonstrum bastelt, ist doch nicht meine Schuld.

Genau so könnt ich behaupten, dass es nicht die Schuld des Autors ist, wenn du dir unter „Wesenskern“ nichts vorstellen kannst.

Du
würdest auch erwarten, daß niemand hier Sanskrit- oder
Pali-Wörter konstruiert, die keinen Sinn machen. „Wesen“ (je
nach Kontext substantia oder essentia) in der
christlichen Philosophie (erst recht im Kontext von
Gottesbegriffen und Seelenbegriffen) ist nun mal ein Begriff,
zu dem die Erweiterung „Wesenskern“ purer nonsense ist.
Der Autor zeigt damit, daß er nicht weiß, wovon er redet.

Ähem…mag ja sein, dass der Begriff „Wesen“ in der christlichen Philosophie auf eine bestimmte Art und Weise besetzt ist. Da es sich hier aber um einen Text über den Buddhismus handelt, kannst du getrost davon ausgehen, dass der Autor diesen Begriff nicht im Sinne der christlichen Philosophie verwandt hat und diese hat meines Wissens das Wort auch nicht für sich gepachtet: http://de.wikipedia.org/wiki/Wesen

Der Buddhismus lehrt, dass Name und Form durch Bewusstsein bedingt ist, aber auch, dass Bewusstsein durch Name und Form bedingt ist(Dighanikaya, 15. Sutra). Körperliche Form und Bewußtsein bilden eine untrennbare Einheit. Name und Form bedingen ebenfalls die sechs Wahrnehmungsfelder, von denen das Denken eines ist etc…

Wie willst du hier die christliche Vorstellung von „Seele“ reinpassen ?

… und eine Pseudokonfrontation gegen einen
zurechtgebastelten „Gegner“.

hä ? Falscher Film ?

Nein. Ich meinte damit, daß Peter Gäng christliche Begriffe
anspricht, die es in der christlichen Philosophie und Thelogie
gar nicht gibt.

Gäng spricht keine christlchen Begriffe an, sondern du unterstellst ihm, dass er in einem Text über den Buddhismus Begriffe angeblich im Sinne der christlichen Philosophie verwendet, was in meinen Augen völlig absurd ist. Vielleicht solltest du dein „Feinbild“ nochmal überprüfen.

Meister Eckhart dagegen

spricht von der Gottheit, die Gottheit IST, weil sie nicht
Gottheit BLEIBT. Das hat schon eher mit Nicht-Konstanz zu tun,
oder nicht?

Das kannst du hier gerne mit den Kollegen von der christlichen
Fraktion erörtern.

Wozu sollte ich? *g*
Ich hab es DIR zitiert!
Nur, weil du hier ein genuin christliches Zitat hört, daß
deinem „Denken in Unterschieden“ die Grundlage nimmt, kneifst
du?

Ich werde diese Diskussion deshalb nicht führen, weil die Frage, welche unterschiedlichen Vorstellung es innerhalb des Christentums von „Gott“ gibt, erstmal die unterschiedlichen Vertreter innerhalb des Christentums für sich klären sollten. Was soll ein Nicht-Christ sich in diese Diskussion einmischen ?

Aber eine Verständnisfrage sei mir erlaubt. Meint Eckart, dass der christliche Gott den karmischem **Mechanismen>/b> im Sinne das Buddhismus unterworfen ist, und somit andauernd neu entsteht, sich verändert und wieder vergeht, genau wie jeder Mensch oder Schleimpilz ?

Es ist ein Widerspruch zu der christlichen Vorstellung, dass
es etwas geben könnte, was diesem Geflecht nicht unterworfen
ist. Ansonsten verweise ich in diesem Punkt auf Harald.

Ich verweise auf wichtigere Interpreten christlicher Inhalte

-)

Angelus Silesius: „Ohne mich wäre Gott nicht Gott - er wäre
ein bloßes Nicht“

Das verstehe ich aber so, dass Gott „mit“ ihm ist, also immer noch etwas von ihm getrenntes, also nicht Angelus und Gott sind eins. (o.T.: hat man ihn für diesen Ausspruch geteert und gefedert ? :smile:)

Du meinst, der christliche Gott ist aufgrund seiner karmischen
Handlungen einem ständigen Wandeln, Werden und Vergehen
unterworfen ? Ähem…das wäre so ziemlich das neueste, was
ich vom Christentum hörte und das hätte ich doch gerne von ein
paar Christen hier bestätigt, bevor ich das glaube.

Nun ja, man formuliere sich eine Vogelscheuche und bestreite
sie.

Das was du als Vogelscheuche bezeichnest ist eine der Grundlagen der Buddhistischen Lehre und meine Frage zielte darauf ab, ob sie mit dem Verständnis des Christentums vereinbar ist, darum geht es doch in diesem Thread.

So einfach ist das nicht, Marion. Ich reagiere mal mit
einer Gegenfrage: Gibt es im Buddhismus eine letztliche
Befreiung von Wiedergeburt, Illusion und der Welt des Werdens
und Vergehens? ist nir-vana nicht nirvana? :smile:

Frag mich das doch nochmal wenn ich erleuchtet bin :smile:

Der abwegige Zynismus entgeht mir nicht, Marion. Ich frage
mich nur … naja, jedenfalls weiß ich jetzt mehr - über dies
und das :smile:

Vielleicht entgeht dir auch das ein oder andere nicht, wenn du deine eigenen Postings nochmal liest. Das haben wir doch schon besser gekonnt, oder nicht ?

Gruß
Marion**

Moin,

Alles Doin

Wenn man die Aspekte bei Religionen außer Acht lässt, die
nicht vereinbar sind, dann kann man natürlich immer sagen,
zwei Religionen seien vereinbar :smile:

Es kommt drauf an ob die korumpierbarkeit berührt wird,oder nicht.

Gruß
Marion

Hi Marion
Du bringst mich grad auf die Idee nachzuschauen wer eigentlich das Lineal erfunden hat.?-))

mfg,oK

Hallo Panrilk,
kurze Antwort: Nein.

Lange Antwort: zunächst einmal ist es richtig, dass in den buddhistischen Sutren die Existenz von ‚Göttern‘ (devas) nicht bestritten wird - im Gegenteil, der Palikanon enthält einige nette Stellen, wo Buddha dem obersten Gott Brahma mal freundlicherweise erklärt, wie der Hase läuft. Wir haben ja einen geistesgeschichtlichen Kontext, also kann Buddha natürlich - ein halbes Jahrtausend vor Christi Geburt - nicht von dem Gott sprechen, von dem etwa Papst Benedikt spricht. Und auch dieser Gott ist ja wiederum ein anderer, als der Gott, von dem der sog. Deuterojesaja (möglicherweise ein Zeitgenosse Shakyamunis) spricht und erst recht ein anderer als der, von dem die älteren Bibeltexte sprechen. Wenn wir jedoch ‚Gott‘ ganz allgemein und undifferenziert als Chiffre für ein persönliches (im theistischen Sinne) höchstes Wesen verstehen - dann trifft dies auch auf Brahma zu und Buddha hat darüber durchaus Aussagen gemacht. Sicher ist ‚Brahma‘ kein monotheistisches Konzept, aber das war der Gott Israels vor dem Deuterojesaja auch nicht und die christliche Trinitätslehre wiederum unterscheidet sich stark vom jüdischen Monotheismus - was Christen nicht davon abhält, da einen Zusammenhang zu sehen.

Jedenfalls wird aus den ‚Dialogen‘ Buddhas mit Brahma deutlich, dass im Dharma sämtliche Götter keinerlei soterologische Rolle spielen - jedenfalls nicht im Sinne des buddhistischen Heilsziels, des endgültigen Überwindens von Leid. Darüber hinaus treffen auf alle Götter die allgemeinen Seinsmerkmale (trilakshana) zu: ihre Existens ist - wenn auch sehr subtil - duhkha (dem ‚Leid‘) unterworfen, sie sind - wenn auch extrem ‚langlebig‘ - der Vergänglichkeit (anitya) unterworfen und sie sind ‚zusammengesetzt‘ (samskrta), d.h. Bedingungen unterworfen. Letzterer Punkt bedeutet, dass sie nicht aus sich selbst heraus existieren - das ist das weiter unten angesprochene ‚anatman‘. Wie weit ein solcher ‚buddhistischer Gottesbegriff‘ mit dem christlichen vereinbar ist, soll von mir aus jeder für sich selbst beurteilen. Ob ein Gott Jehovah seine gläubigen Anhänger mit einem Aufenthalt im Paradies belohnen kann - diese Frage hätte Buddha als völlig irrelevant für das Anliegen des Dharma abgetan, allenfalls hätte er die Ewigkeit bzw. Überzeitlichkeit dieses Paradieses (und die Gottes) bestritten.

‚Anatman‘ auf den Menschen angewandt steht wiederum in deutlichem Widerspruch zum christlichen Konzept einer ‚unsterblichen Seele‘. Sicher ist ‚atman‘ und ‚Seele‘ nicht ohne weiteres gleichzusetzen, doch gibt es zweifellos eine große inhaltliche Nähe zwischen beiden Konzepten. Buddha hat nicht nur das Konzept eines transzendenten Schöpfergottes verworfen (und es durch das Modell des Entstehens in gegenseitig bedingter Abhängigkeit, pratityasamutpada, ersetzt), sondern auch das einer den Tod überdauernden ‚Essenz‘ der Person explizit verworfen.

Gelegentlich wird versucht, den Begriff ‚Seele‘ mit (vor allem im Mahayana zentralen) Begriffen wie ‚Geist‘ oder ‚Bewusstsein‘ gleichzusetzen - was ich für reichlich unverdaulichen Synkretismus halte. Die mahayanische Psychologie ist äußerst differenziert, allein für den Begriff ‚Bewusstsein‘ kämen drei Entsprechungen in Frage: citta, manas und vijnana (jeweils mit diversen Unterformen). ‚Unsterblichkeit‘ käme allenfalls dem alaya-vijnana zu - einem Konzept, das wiederum bei aller Gewalt nicht mit dem der ‚Seele‘ in Deckung zu bringen ist. Zur Erinnerung: die Lehre Buddhas ist der anatmavada; anatman ist die Kerndroktrin des Dharma. Eine Lehre, die die Existenz einer Seele akzeptiert, ist daher ebensowenig buddhistisch wie eine Lehre sich christlich nennen kann, die bestreitet, dass Jesus der Messias ist.

Da wiederholt hier von Zen gesprochen wurde, einige Anmerkungen dazu.

  1. Bei Meister Eckart kann man tatsächlich einige interessante Parallelen zu Aussagen verschiedener Zenmeister antreffen. Wieweit Eckarts Thesen noch im Rahmen der christlichen Religion sind (also mit - sagen wir - dem Symbolum Nicaenum vereinbar sind), mag jeder für sich beurteilen. Die Kirche hat seinerzeit ihr Urteil über Eckart gesprochen und seine Thesen teilweise als häretisch, teilweise als häresieverdächtig verurteilt. Eckart ist für mich nicht mehr als ein (durchaus interessantes) Kuriosum.

  2. Wer sich mit Daisetzu Teitaro Suzuki etwas näher beschäftigt, dem wird seine Tendenz nicht entgehen, Zen als genuin japanische geistige Leistung von seinen chinesischen und indischen Wurzeln zu lösen - und damit von seinem buddhistischen Substrat. Das hat einen durchaus chauvinistischen Hintergrund und ist wahrlich kein Ruhmesblatt in der Biografie dieses manchmal sehr schätzenswerten Autors (dessen Essays über den Schwertweg ich persönlich z.B. ausgesprochen widerlich finde). Glücklicherweise ist solche ideologische Vereinnahmung (deren prominentestes Beispiel Suzuki war) Episode geblieben - auch wenn sie immer noch insofern nachwirkt, dass manche Leute (z.B. Pendragon) Zen ‚am Rande des Buddhismus‘ ansiedeln. ME zu Unrecht, versteht sich. Ich empfehle als Lektüre zu diesem unerfreulichen Thema ‚Zen, Nationalismus und Krieg‘ von Brian Victoria.

  3. Die angesprochenen christlichen Zenlehrer (ich verweise hier zusätzlich auf den noch wirkenden Pallotinerpater Johannes Kopp und den Benediktiner Willigis Jäger) stammen alle aus einer in Japan sehr marginalen (ca. 3000 Anhänger) Zen-Laienorganisation, der Sanbo Kyodan. Gemäß der klassischen fünfstufigen Einteilung Einstufung Zongmis (780-841) handelt es sich bei dem ‚christlichen Zen‘ um sog. ‚Gedo-Zen‘. Das rangiert irgendwo zwischen Wellness- und Manager-Zen (Bompu-Zen) und buddhistisch-hinayanischen Praktiken (Shojo-Zen).

Ich respektiere und bewundere die Arbeit dieser Lehrer - unter den stets misstrauischen Augen ihrer Vorgesetzten (Jäger ist suspendiert) - sehr, aber ich halte sie offen gesagt auch ein wenig für ‚neuen Wein in alten Schläuchen‘. Es wundert mich ein wenig, dass man zur Wiederbelebung christlicher Spiritualität nicht auf die ja nach wie vor existierenden franziskanischen oder ignatianischen (jesuitischen) Exerzitien zurückgreift. Wohl, weil mit ‚Zen‘ mehr Interessierte anzulocken sind, was ich durchaus als Vorteil ansehe. Aber ich sehe da auch einen Nachteil.

Ich denke, dass es bei diesem ‚gemischten‘ Weg ab einer gewissen Reife zu Schäden kommen kann, weil sich unweigerlich ein Widerspruch auftut. Man kann die christliche Lehre eine ganze Weile mit exegetischen Manövern (Stichwort Anagogik) halbwegs konsistent mit der Erfahrung in der Praxis halten, aber irgendwann verliert der Schüler den Boden unter den Füßen. Die Gefahr dabei ist, dass der Wegsucher in ein existentielles Loch fällt - und es bedarf eines sehr fähigen Lehrers, ihn da wieder herauszuholen. Für jemanden, der Zen aus dem christlichen Glauben an einen persönlichen Gott und eine unsterbliche Seele heraus praktiziert, kann es etwas Schreckliches und Entwurzelndes sein, plötzlich einen Einblick in Anatman (einen Durchbruch, ‚Kensho‘) zu erfahren - in ‚leere Weite, nichts Heiliges‘, wie wir Zen-Leute sagen. Oder aber anders herum wird es einem Anderen womöglich nie gelingen, anatman oder die Leere (shunyata) tatsächlich zu erfahren - weil ihn das christliche Dogma (anders als der Dharma) nicht dabei unterstützt, die Vorstellung einer Seele loszulassen. So bleibt er in seiner Entwicklung auf halbem Weg stecken.

Das Heilsziel des Dharma ist die Überwindung von Verblendung, und der tiefste Kern dieser Verblendung ist eine kognitive Fehlhaltung - die Ansicht von der Existenz einer Seele, eines Persönlichkeitskerns. Das Heilsziel eines ‚ewigen Lebens‘ oder einer ‚Wiederauferstehung‘ (womöglich gar noch ‚im Fleische‘) dagegen ist in dieser Beziehung geradezu diametral entgegengesetzt - es ist Ausdruck der Sehnsucht nach einer fortgesetzten, den Tod überdauernden Existenz des Ich.

Das ‚existentielle Loch‘, von dem ich oben gesprochen habe, ist die Einsicht in die ungeschminkte Wahrheit, dass dieses mein kostbares „Ich“ unwiderruflich sterben wird - dass alles, was von ihm bleibt, die Bedingungen sind, die es für die Existenz eines anderen „Ich“ geschaffen hat. Eines Ich, das seinerseits wieder unweigerlich Alter, Krankheit und Tod erfahren wird. Das ‚ewige Leben‘ ist ein ewig dem Leiden unterworfenes Leben, ist nichts anderes als ewiger Tod. Das ist Samsara, Leben-und-Tod.

Noch eine abschließende Bemerkung. Man ist meiner Meinung nach gut beraten, wenn wenn man sich um ein Verständnis des Dharma bemüht, indem man sich dem Dharma nicht von außen her nähert, sondern sich mit buddhistischen Autoren beschäftigt (von der ebenfalls notwendigen ethischen und meditativen Praxis einmal ganz abgesehn). Der Blick des Außenstehenden kann manchmal hilfreich sein, um einen blinden Fleck zu erkennen, aber das ist auch schon alles. Jemandem, der ernsthaft die christliche Lehre und Theologie kennen lernen möchte, würde man ja wohl auch nicht eine Darstellung aus Sicht eines indischen Hindu, eines konfuzianischen Chinesen oder eines japanischen Zen-Buddhisten empfehlen. Somit kann ich bei modernen Autoren, zumal populären westlichen, nur zu Vorsicht und Zurückhaltung raten. Man lese den Palikanon, am besten in Verbindung mit einer systematischen Einführung (z.B. Nyanatiloka oder Bhikku Bodhi). Auf dieser Grundlage könnte man sich dann den Mahayana-Sutren zuwenden, am besten in kommentierten Übersetzungen. Das ergäbe ein Grundgerüst, das als Basis einer Entscheidung für das tiefer gehende Studium einer bestimmten Schule dienen könnte. Beim Theravada käme dann z.B. als nächster Schritt das Studium von Buddhaghosas Visuddhimagga, beim Mahayana das Mahayana Shraddhotpada Shastra von Asvagosha, Nagarjunas Mulamadhyamakakarikas oder Shantidevas Bodhicaryavatara. Dann fällt es einem auch leichter, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu anderen Religionen - etwa dem Christentum - wahrzunehmen.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Marco,
einmal davon abgesehen, dass Du hier eine Erfahrungsreligion undifferenziert mit einer Glaubensreligion vergleichst - es kann ja wohl kein Kriterium zur Bewertung einer Religion sein, welche Religion nun die geringeren Anforderungen stellt und die größeren Versprechungen macht. Wenn man schon glaubt, Religionen vergleichend bewerten zu müssen, dann ist ja wohl eher entscheidend, ob die jeweiligen Heilsversprechen eingelöst werden - nicht ob diese schöner, begehrenswerter oder bequemer zu erlangen sind.

Darüber hinaus hast Du ein grundlegendes Fehlverständnis vom buddhistischen Karma-Begriff (der sich deutlich vom hinduistischen unterscheidet). ‚Karma‘ ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis willentlichen Handelns. Also wirkt auch ein Schäflein, das reumütig zur Herde zurückkehrt, positives karma (oder glaubt es zumindest).

Reue ist daher auch im Buddhismus ein wichtiges Element - die Formel heisst allerdings ‚Reue und Umkehr‘ und nicht ‚Reue und Vergebung‘. Nach buddhistischem Verständnis ändert Vergebung nur etwas für den, der vergibt, nicht für den, dem vergeben wird. Der muss schon selbst ein bißchen was tun. Reue und Umkehr wirkt heilsames karma, das jedes unheilsame karma überwinden kann - und zwar noch zu Lebzeiten. Das ‚klassische‘ Beispiel in den Sutren ist der Massenmörder Angulimala, der auf Grund von Reue und Umkehr ins Nirvana einging, statt als Schleimpilz wiedergeboren zu werden.

Weisst Du, wenn nur jeder nur Gutes tun würde, um sein eigenes karma zu verbessern - damit wäre schon eine ganze Menge getan. Aber auch da sitzt Du einer ganz gewaltigen Fehlinterpretation auf. Aber darüber hat Dich Pendragon ja schon aufgeklärt.

Freundliche Grüße,
Ralf

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