Bundesbahn-Deutsch

Hallo liebe Leute.

„Der Zug VON Köln fährt AUS Gleis 9“, heißt es am Bahnhof.

Geht Euch das auch so, dass ihr die Präpositionen lieber vertauscht hören würdet??? Ist das spezielles Deutsch, das man nur als Bahner begreift?

500 Meter entfernt vom Fernbahnhof wohnend und langsam verzweifelnd: Hope

„Der Zug VON Köln fährt AUS Gleis 9“, heißt es am Bahnhof.

Der Zug Dresden-Paris Abfahrt war 8:53 fährt heute um 9 Uhr 10 am Bahnsteig 2 aus. Er wird am Ende verstärkt. Wir bitten alle Passagiere am Bahnsteig 2 nicht einzusteigen sondern bitte um den Ersatzzug abzuwarten.

Wichtig, bei der deutschen Bahn schaffen zu dürfen, ist nicht so sehr der vollständige Verzicht auf Logik und Grammatik. Man sollte v. a. Satzzeichen nicht korrekt anbringen können.

Noch ungeübt
Schorsch

Servus,

der Zug fährt von Köln z.B. nach Aachen.

„Der Zug fährt aus Köln ins Aachen hinein“ ist irgendwie seltsam, finde ich.

Und im Bahnhof wird seine Ausfahrt aus dem Bahnhof aus dem Ausfahrgleis freigegeben, wenn die Fahrgasse geschaltet ist und der davor liegende Block frei ist. Ein „Vonfahrsignal“ steht an diesem Ausfahrgleis nicht.

Wo genau ist das Problem?

Schöne Grüße

MM

Servus Schorsch,

wie hört man gesprochene Satzzeichen?

Schöne Grüße

MM

Hallo Schorsch,

Wichtig, bei der deutschen Bahn schaffen zu dürfen, ist nicht
so sehr der vollständige Verzicht auf Logik und Grammatik. Man
sollte v. a. Satzzeichen nicht korrekt anbringen können.

Ich höre am Hauptbahnhof in Köln oft so schöne Sätze wie:

„Auf Gleis 6 fährt jetzt ein: Verspäteter ICE 503 von Hannover nach Basel, planmäßige Abfahrt war acht Uhr 54”

Ich bin dann immer überrascht, dass ich dennoch ich diesen planmäßig bereits abgefahrenen Zug einsteigen könnte, wenn ich wollte.

http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ver…

Gruß Gernot

Moin Martin,

wie hört man gesprochene Satzzeichen?

Man hört sie in der Satzmelodie (Hebung der Stimme zum Komma hin, Senkung zum Satzende hin).

Gruß
Cassius

Hallo Gernot,

Ich höre am Hauptbahnhof in Köln oft so schöne Sätze wie:

„Auf Gleis 6 fährt jetzt ein: Verspäteter ICE 503 von
Hannover nach Basel, planmäßige Abfahrt war acht Uhr 54”

Das ist natürlich logisch nicht korrekt, aber ein praktischer Kompromiß, kurz und v.a. eindeutig, was in dieser Situation schon von Wert ist.
„…Planabfahrt acht Uhr 54“ hat den selben Informationsgehalt ohne logischen Knick.

Ich bin dann immer überrascht, dass ich dennoch ich diesen
planmäßig bereits abgefahrenen Zug einsteigen könnte, wenn ich
wollte.

Wer hindert Dich?

Gruß
Cassius

„Auf Gleis 6 fährt jetzt ein: Verspäteter ICE 503 von
Hannover nach Basel, planmäßige Abfahrt war acht Uhr 54”

Ich bin dann immer überrascht, dass ich dennoch ich diesen
planmäßig bereits abgefahrenen Zug einsteigen könnte, wenn ich
wollte.

ja, das ist der Bahnjunktiv - die sogenannte Unmöglichkeitsform. verwendet in sogenannten Banausalsätzen: „Sie hätten lieber warten sollen, um den Zug nicht verpassen zu brauchen.“

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Servus,

dieses:

Man hört sie in der Satzmelodie (Hebung der Stimme zum Komma
hin, Senkung zum Satzende hin).

in Verbindung mit einem Diktiergerät dürfte die Quelle der allermeisten Kommafehler sein…

Schöne Grüße

MM

Hallo Cassius,

Das ist natürlich logisch nicht korrekt, aber ein praktischer
Kompromiß, kurz und v.a. eindeutig, was in dieser Situation
schon von Wert ist.

Das wär doch mal ne Ansage:

„Meine Damen und Herren, liebe Kinder an Gleis sechs: Aufgrund einer Störung im Betriebsablauf fährt der heutige ICE 503 zwar immer noch -wie vorgesehen- von Hannover über Köln nach Basel. Wir bitten aber zu entschuldigen, dass dadurch weder die Planmäßigkeit der Ankunfts- noch diejenige der Abfahrtszeit des Zuges mehr gewährleistet werden können und diese sich jeweils voraussichtlich um die Dauer dieser Ansage verzögern werden. Im Namen des gesamten Bahnsteigpersonals versichere ich Ihnen, dass wir bemüht sind, die mit der Verspätung des Zuges einhergehenden Unannehmlichkeiten für Sie so gering wie möglich zu halten und Ihnen einen etwa erforderlichen Gleis- oder Bahnsteigwechsel zu ersparen. Damit komme ich auch schon zum Ende meiner Ausführungen, denn auf Gleis sieben, ich wiederhole auf Gleis sieben statt auf Gleis sechs am selben Bahnsteig gegenüber erhält nun Einfahrt: Verspäteter ICE 503 von Hannover nach Basel, dessen Abfahrt planmäßig bereits um 8:54 Uhr auf Gleis sechs hätte stattfinden sollen, was aus bereits erwähntem Grund leider nicht zu erfüllen war. Auch wenn der Zug nun auf Gleis sieben statt auf Gleis sechs am selben Bahnsteig gegenüber einfährt, werden sich die Wagen der ersten Klasse des Zuges, sobald dieser auf seine planmäßige Halteposition eingefahren sein wird, voraussichtlich weiterhin im Abschnitt A und B des Bahnsteiges befinden und die Wagen der zweiten Klasse in den entsprechenden Abschnitten C bis E. Das BordRestaurant wird sich dann aller Voraussicht nach in der Mitte des Bahnsteigs ungefähr an der gedachten mittleren Grenzlinie zwischen Abschnitt B und C befinden. Wir weisen Sie jedoch darauf hin, dass diese Halteposition aus technischen Gründen nicht immer exakt einzuhalten ist und es zu Abweichungen um einige Meter kommen kann. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Faltblatt „Ihr Bahnof“, das Ihnen ein Mitarbeiter des ServicePoints dieses Bahnhofs auf Nachfrage gerne kostenlos überrreicht. Wenn Sie über ein wap-fähiges Mobiltelefon oder mit einem nicht-wapfähigen Mobiltelefon in Verbindung mit einem Laptop-Rechner über einen mobilen Zugang zum WorldWideWeb verfügen, können Sie diese Informationen auch unter http://www.bahn.de/p/view/mdb/pv/pdf/diverse/handica… abrufen. Ich buchstabiere: HeinrichTheodorTheodorPaulaDoppelpunktDoppelslashWilhe… ”

„…Planabfahrt acht Uhr 54“ hat den selben Informationsgehalt
ohne logischen Knick.

Ja, das gefällt mir gut.

(…) diesen (…) Zug einsteigen könnte, wenn ich
wollte.

Wer hindert Dich?

Der schnöde Mammon!

Gruß Gernot

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Der Zug endet hier
Hallo Hope,

deine Überschrift ist etwas unglücklich gewählt. Seit dem 01.01.1994, also seit mehr als 13 Jahren, gibt es keine Deutsche Bundesbahn mehr. Also wenn es typische Eisenbahn-Fehler gibt, dann gibt es auch typische Fahrgast-Fehler, wie etwa die ununterbrochene Weiterbenutzugn des Begriffes Bundesbahn.

Tatsächlich gibt es so eine Art von spezieller Eisenbahnersprache. Die Hauptursache dafür liegt - wie Martin bereits angedeutet hat - in den speziellen Abläufen und Begriffen des Betriebsdienstes. Basian Sick, den ich ansonsten sehr schätze, hat mal aus meiner Sicht in unangebrachter Weise die Aussage „Der Zug endet hier“ kritisiert.

Dies würde laut Sick so klingen, als ob das Fahrzeug nun aufhören würde zu existieren, praktisch also der Triebwagen bzw. Reisezugwagen einfach verschwinden würde. Aber jeder Fahrgast weiß, was wirklich damit gemeint ist. Daneben bezeichnet der Begriff „Zug“ nicht wie angenommen das Wagenmaterial, sondern tatsächlich eine Zugfahrt. Zug 123 hat immer einen vorgezeichneten Anfangs- und Endbahnhof. Am Endbahnhof endet also die Zugfahrt („Zug“) zwingend. Im Anschluss daran ist immer entweder eine Rangierfahrt oder eine neue Zugfahrt erforderlich.

Natürlich ist es immer eine andere Frage, ob man die Kommunikation gegenüber den Kunden nach betrieblichen Begrifflichkeiten ausrichtet. Wichtigstes Ziel der Durchsagen sollte es sein, den Kunden in kürzester Zeit prägnante und eindeutige Informationen zu übermitteln. Es ist besser, wenn eine Durchsage vielleicht sprachlich nicht ganz korrekt ist, aber alle Fahrgäste wissen, wie die Situation ist, als wenn man eine Durchsage korrekt gestaltet, die Leute aber in den falschen Zug steigen

Viele Grüße
Ultra

Servus,

betreffend Eindeutigkeit war das Bundesbahn-Deutsch sogar dem heutigen Dehback-Schwalldeutsch klar überlegen. Nicht immer so grinsend und servil powedelnd vielleicht, aber jedenfalls eindeutig.

Es ist mir egal, ob sich jemand für irgendwas entschuldigt oder nicht oder irgendwas bedauert oder nicht, wenn durch das Getöne eine wichtige Information überdeckt wird. Und es ist mir auch egal, ob mich das Sörwiss-Tihm gerne oder gelangweilt oder missmutig erwartet, wenn vor lauter Reklamegeschwalle die Information untergeht, was jetzt mit meinem Anschluss in Mainz ist.

Weils so schön ist, noch ein nettes Exempel aus der frühen Bundesbahn-Zeit, als ein ordentlicher Heckeneilzug noch mit fünf Mann (Lokführer, Heizer, Zugführer, Schaffner, Gepäckschaffner) gefahren wurde und ein ordentlicher Bahnhof mit wenigstens zwei bis drei Mann besetzt war, von denen einer - das „Rotkäppchen“ - das Abfahrsignal gab.

Der Zugführer, dem das alles zu langsam ging und der auf der eingleisigen Strecke nicht noch mehr Verspätung haben wollte: „Ferdigg!“

Darauf der Gepäckschaffner brüllend: „Waas isch ferdig - nix isch ferdig - i sag ferdig - ferdigg!“

In diesem Sinne

MM

Hallo Martin,

Und im Bahnhof wird seine Ausfahrt aus dem Bahnhof aus
dem Ausfahrgleis freigegeben, wenn die Fahrgasse
geschaltet ist und der davor liegende Block frei ist. Ein
„Vonfahrsignal“ steht an diesem Ausfahrgleis nicht.

Wo genau ist das Problem?

Weil das „aus“, von dem Du sprichst, keine Präposition ist, sondern ein Bestandteil des Verbs „ausfahren“.

„Der Zug … fährt aus Gleis 3.“ ist meinem Sprachgefühl nach einfach falsch. Wenn man Deiner Argumentation folgen möchte, sollte man sagen: „Der Zug … fährt von Gleis 3 aus.“

Was mir am Wochenende in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgefallen ist:

In Hannover will der "Fahrkarten-"Automat von einem wissen, ob man ein „Ticket“ oder eine „Card“ lösen möchte. War da mal wieder jemand zu faul, sich einen deutschen Begriff zu überlegen, oder glaubte mal wieder einer, dass die Anglizismen cooler klingen als „Eintageskarte“ und „Mehrtageskarte“ (was letztendlich gemeint war)?

Apropos Anglizismen. In Zügen der Bahn wird man schon seit einiger Zeit mit Durchsagen begrüßt. Natürlich finden diese Durchsagen mittlerweile auch auf Englisch statt. Mir ist jedoch aufgefallen, dass die Höflichkeitsfloskeln „Welcome on board of ICE …“ brav auf Englisch daher gezwischert werden. Die wichtigen Informationen (Verspätungen, Anschlusszüge, …) gibt es aber nur auf Deutsch. Ich habe den leisen Verdacht, dass die Englischen Durchsagen gar nicht an die internationalen Fahrgäste gerichtet sind, sondern dass sich die Bahn nur ein weltmännisches Image zulegen möchte, wie es die Airlines seit jeher haben. Leider steht dieses angestrebte Image in scharfem Kontrast zu den Service-Leistungen und dem Wagenmaterial.

Michael

off topic

Apropos Anglizismen.

Apropos Anglizismen!

ein weltmännisches Image
die Airlines
angestrebte Image
Service-Leistungen

Ironische Absicht?

Fritz

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off topic (

ein weltmännisches Image
die Airlines
angestrebte Image
Service-Leistungen

Ironische Absicht?

Teilweise:
Bei „Airlines“ durchaus, weil man bei denen schon immer vom Check-In durch den Security Check zum Gate geschickt wird, damit man rechtzeitig zum Boarding da ist.

„Service-Leistungen“ ist halbironisch. Da habe ich einfach einen Begriff der Bahn selbst aufgegriffen.

Image ist mir selbst nicht aufgefallen. Das Wort „Image“ halte ich aber im Gegensatz zu den meisten Pseudo-Anglizismen (Card, Ticket, Service, Airline, …) für eine sinnvolle Bereicherung unserer Sprache. Oder gibt es eine 1:1-Übersetzung von „Image“?

Ich bin auch kein genereller Anglizismen-Hasser. Ich finde es genauso albern, wenn man Anglizismen krampfhaft durch deutsche Wortungetüme ersetzt. Um im Beispiel der Fluggesellschaften zu bleiben: Düsenflugzeug statt Jet, Flugbegleiterin statt Stewardess, Pilotenkanzel statt Cockpit.

Michael

Deutsche-Bahn-‚Englisch‘
Hallo Michael,

Apropos Anglizismen. In Zügen der Bahn wird man schon seit
einiger Zeit mit Durchsagen begrüßt. Natürlich finden diese
Durchsagen mittlerweile auch auf Englisch statt.

Apropos Germanismen: Ich habe eben mal den Begriff exit to the left in the direction of travel bei Google eingegeben, den man neuerdings bei Einfahrt mit der S-Bahn in Köln Hauptbahnhof, Bahnhof Deutz/Messe und Flughafen Köln/Bonn hört. Google hat genau zwei deutsche Webseiten gefunden, auf denen man sich auch nur kritisch mit dieser Übersetzung auseinandersetzt, unter anderem diese hier:

http://www.puls200.de/?p=260

Bei exit to the right in the direction of travel spuckt Google auch eine englischsprachige „Web 2.0?“- Dot-Com-Seite ähnlich wie YouTube aus, auf die man seine eigenen Dateien hochladen kann. Bestimmt hat da ein Deutscher einen entsprechenden Text hochgeladen.

Gruß Gernot

ach, manchmal ist es schon eine Freude :smile: OT

Off topic

Der Zugführer, dem das alles zu langsam ging und der auf der
eingleisigen Strecke nicht noch mehr Verspätung haben wollte:
„Ferdigg!“

Darauf der Gepäckschaffner brüllend: „Waas isch ferdig - nix
isch ferdig - i sag ferdig - ferdigg!“

In diesem Sinne

Servus Martin,

habe ich diesen Dialog nicht - gezeichnet von Eduard Thöny - im Simplizissimus gesehen?

Kai

Hallo Kai,

folgenden Dialog einschließlich Zeichnung kenne ich von Olaf Gulbransson:

_Der Sommerfrischler und die Lokalbahn:

Sommerfrischler (aus dem Zugfenster): Ja zum Donnerwetter noch mal, sollen wir denn ewig hier stehen bleiben? Fertig!!!

Schaffner (auf dem Bahnsteig): Wer sagt fertig? - Was ist fertig? - Nix ist fertig!!! Sag’n Sie fertig? - Oder sag i fertig? - An Dreck ist fertig!!! (Hebt die Kelle) F e r t i g !_

Aus: Der lachende Lesering (Bertelsmann). Darin wird als Quelle „Idyllen und Katastrophen“ von Gulbransson angegeben. Laut Wikipedia war Gulbransson Zeichner bei Simplicissimus, mehr weiß ich nicht darüber.

Viele Grüße
Ultra

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

folgenden Dialog einschließlich Zeichnung kenne ich von Olaf
Gulbransson:

Sigst as, und i hät gmoant es waar der Thöny gwesn. Knapp vorbei is aa danebn.
Dankschön und servus!

Kai