Charaktere selbermachen, aber wie?

Hallo!

Beim Schreiben meines Kinderbuches und Lesen verschiedener Anleitungen, wie man so was macht, bin ich immer wieder darauf gestoßen, dass gute Charaktere besonders wichtig sind, sie müssen interessant sein, identifizierbar, dreidimensional, gut orchestriert sein, usw.

Irgendwie fällt mir das aber etwas schwer. Nachdem ich eine Zusammenfassung im Storybrett gepostet habe, schrieb jemand, die Charaktere seien „austauschbar“, und das sehe ich auch so, würde auch gerne ändern, habe aber irgendwie nicht so die richtigen Ideen.

Bis jetzt bin ich nicht viel weiter gekommen als bis hierher:

Lukas, Hauptfigur, elternlos, sehr ängstlich, gerät immer wieder in Situationen, wo er Mut beweisen muss, den er gar nicht hat.

Mia, zweite Hauptfigur, elternlos, fühlt sich wertlos, weil sie eine schlechte Kindheit hatte, zeigt das aber nie.

Leon, Bruder von Lukas, elternlos, extrem intelligent, kennt keine Furcht, aber beides merkt man ihm nicht an.

Marie, Freundin von Leon, immer nur still und passiv, keiner weiß, warum.

Onkel Otto, Pflegevater von Lukas und Leon arbeitslos, Karatekämpfer, hitzig und gewalttätig, faul und blöde ohne Ende.

Graf G., stinkreicher, schmieriger, arroganter, ewig Zigarre rauchender Boss verschiedener Firmen, protzig, angeberisch, rotzfrech, skrupellos, sadistisch, geldgierig, intelligent, gefährlich, lange Finger, Lieblingsfarbe schwarz.

Irgendwie alles ziemlich öde und unprofessionell, nicht wahr?

Gibt es vielleicht einen Baukasten, wo man richtig gute Charaktere zusammenbasteln kann?

Oder wo finde ich gute und originelle Ideen?

Vielen Dank für eure Hilfe.

Grüße

Andreas

Hallo Andreas,

Beim Schreiben meines Kinderbuches und Lesen verschiedener
Anleitungen, wie man so was macht, bin ich immer wieder darauf
gestoßen, dass gute Charaktere besonders wichtig sind, sie
müssen interessant sein, identifizierbar, dreidimensional, gut
orchestriert sein, usw.

Irgendwie fällt mir das aber etwas schwer.

Ich habe dazu auch keine Rezepte, aber ich glaube, deine Charaktere sind eben keine, sondern bestenfalls Klischees und schon tausendmal benutzt und deswegen auch arg abgegriffen.

Die Kinder: elternlos, ängstlich, muss aber Mut beweisen…, elternlos, schlechte Kindheit, sich wertlos fühlen…; elternlos, intelligent, furchtlos…; still, passiv…
Elternlos mag ja noch angehen, aber muss es denn so in den Extremen pendeln, der eine ist ängstlich, der andere mutig. Sehr einseitige Charaktere, siehst Du doch sicher selbst

Onkel Otto, Pflegevater von Lukas und Leon arbeitslos,
Karatekämpfer, hitzig und gewalttätig, faul und blöde ohne
Ende.

Der Pflegevater, natürlich arbeitslos und wie die Arbeitslosen eben sind, faul, blöde und natürlich gewalttätig. Wundert mich, daß er nicht auch Säufer ist :wink:

Graf G., stinkreicher, schmieriger, arroganter, ewig Zigarre
rauchender Boss verschiedener Firmen, protzig, angeberisch,
rotzfrech, skrupellos, sadistisch, geldgierig, intelligent,
gefährlich, lange Finger, Lieblingsfarbe schwarz.

Der reiche Graf G. (hat er auch einen Namen?), ist das nicht auch die übliche Karikatur eines Millionärs und Bosses, raucht Zigarre (was sonst), protzig, geldgierig usw. Wahrscheinlich ist er auch dick, oder? Da treffen wieder alle Klischees zusammen, die einem so einfallen. Kann er nicht einfach auch positive Seiten haben, charmant sein (aber trotzdem böse), Kunst lieben, Geld spenden für irgendwas und trotzdem bei Gelegenheit andere übers Ohr hauen?

Verstehst Du was ich meine? Kein Mensch ist nur böse, nur gut, nur feige, nur dumm und was weiss ich. Ein extremes Beispiel: Ein KZ-Kommandant, den kann man als elenden Sadisten zeigen und Schluß. Aber besser wäre es, seinen Sadismus zu zeigen und wie er dann nach Hause kommt, und sich unheimlich um sein krankes Kind sorgt. Das eine hebt das andere nicht auf, sondern bringt nur zum Nachdenken: Wie kann ein solcher Mensch so werden und/oder so sein? Und Nachdenken über eine literarische Figur ist doch schon mal nicht schlecht, oder? Über ein Monster oder einen Superhelden brauche ich nicht nachzudenken, das berührt mich auch nicht weiter. Ein Monster ist eben ein Monster und frisst Jungfrauen und ein Superheld macht nichts weiter als solche Jungfrauen zu retten. Fertig. Da interessiert mich höchstens, auf welche Art der Superheld es am Ende schafft, das Monster zu besiegen und die Jungfrau zu heiraten, aber der Superheld als Mensch ist uninteressant, weil kaum sichtbar und austauschbar.

Gibt es vielleicht einen Baukasten, wo man richtig gute
Charaktere zusammenbasteln kann?

Mit einem Baukasten, wenn es denn einen gäbe, würdest Du auch wieder bloss Typen zusammenbasteln, aber keine Menschen, keine Charaktere. Ein Mensch ist viel zu widersprüchlich, als daß er aus Bauklötzern zusammengesetzt werden könnte.

Oder wo finde ich gute und originelle Ideen?

Ich würde sagen, laufe mit offenen Augen durchs Leben. Betrachte deine Nachbarn, unterhalte dich mit Leuten in der Kneipe, auf dem Sportplatz. Aber tue das so gut es eben geht, ohne vorgefasste Meinungen. Versuche im Penner an der Ecke nicht nur den Penner zu sehen, sondern auch den Menschen dahinter, wie ist er in diese Situation gekommen. Warum ist der unerträgliche Meckerer von nebenan so unerträglich und welche netten Seiten hat er, die Du noch nicht gesehen hast…
Und vor allem, lege dich nicht zu sehr fest mit dem Charakter deiner Figuren. Laß sie leben, laß sie sich entwickeln, so wie es im täglichen Leben auch ist.
Warst Du schon mal auf einem Klassentreffen und hast dich gewundert, wie aus dem netten Paul aus deiner Klasse so ein arroganter Schnösel werden konnte? Oder die unscheinbare Marion sprüht jetzt, 20 Jahre nach dem Abi, plötzlich vor Leben und ist irgendwie attraktiv geworden, obwohl sie äußerlich nicht so sehr verändert ist.
Kommt natürlich auch drauf an, was Du schreiben willst. Ein Märchen verträgt, oder verlangt sogar, mehr Typen als ein Entwicklungsroman. Im Märchen dürfen die Bösen noch richtig böse sein und für den guten Prinzen reicht es aus, wenn er schön, gut und tapfer ist und rechtzeitig das Zauberschwert findet. Für eine Geschichte über ein junges Paar in Köln ist es irgendwie langweilig, wenn sie aus nichts als zwei schönen und jungen Verliebten, einer bösen Nebenbuhlerin und/oder zwei verfeindeten Familien besteht, die das junge Glück bedrohen. Da muss man schon Shakespeare sein, um das ordentlich hinzukriegen.

Viele Grüße
Marvin

Hallo Marvin!

Vielen Dank für deinen sehr ausführlichen Beitrag.

Du schreibst, meine Figuren seien Klischees, und hast damit völlig Recht.

Die nächste Frage wäre, ob in einem KINDERBUCH Klischees vorkommen dürfen. Ob für KINDER Schwarz-Weiß-Denken in Ordnung ist.

Oder ob auch KINDER unbedingt vielschichtige Figuren, die ihren Charakter ändern von gut zu böse und umgekehrt, bis hin zu Intriegen, vorgesetzt kriegen müssen und auch verstehen.

Ist nur eine Frage.

Grüße

Andreas

hausaufgaben
zu nächsten mittwoch:

  1. BE-schreibe 3 menschen aus deiner umgebung so, dass sie dem leser lebendig vor augen stehen.

  2. wiederhole das ganze mit 5 weiteren personen und nimm ihre haustiere dazu.

  3. ein mann ging um die ecke. er hatte einen grünen hut auf.
    schreibe die geschichte zuende. (1 - 3 normseiten)

  4. befasse dich eingehende mit den seiten http://www.prosaschmiede.de

  5. halte schriftlich fest, warum deine geschichte mit dem grünen hut nicht „funktioniert“.

  • große pause -

Hallo Ann!

Danke für die Hausaufgaben. Ich werde versuchen, sie bis Mittwoch fertigzukriegen.

Grüße

Andreas

Hallo Andreas,

Die nächste Frage wäre, ob in einem KINDERBUCH Klischees
vorkommen dürfen. Ob für KINDER Schwarz-Weiß-Denken in Ordnung
ist.

Wie schon gesagt, kommt es auch auf die literarische Form an. Märchen und märchenähnliches, da denke ich ja. Sowas lebt von vorgeprägten Figuren, bösen Drachen (obwohl ich mir auch mal einen guten Drachen vorstellen kann), tapferen Prinzen usw.
Aber bei Literatur, die das tägliche Leben der Kinder behandelt, denke ich nein. Man sollte Kinder ernst nehmen. Ihr Leben ist durchaus nicht nur schwarz-weiss. Sie erleben auch Enttäuschungen, auch und gerade vom besten Freund, der sie vielleicht im entscheidenden Moment in Stich lässt. Sie sehen, daß die geliebten Eltern sich streiten und vielleicht sogar trennen. Sie merken irgendwann, daß die vermeintlich beste Freundin nur deshalb die beste Freundin sein möchte, weil sie so an die Playstation herankommt, usw.
Ich glaube, daß Kinder es auch merken, wenn man ihnen Klischees vorsetzt. Warum sollte der Klassenprimus immer etwas dicklich sein, eine Brille tragen und unsportlich sein? Sie erleben es selbst, daß das nicht so sein muss, und daß ein intelligenter Schüler durchaus auch ein guter Fußballspieler sein kann.
Da ich in der DDR groß geworden bin, ist es wahrscheinlich schwer, unsere Kinderlektüre zu vergleichen. Ich weiss jedenfalls wie langweilig es war, sobald ein Amerikaner oder ein Westdeutscher (=BRD) im Buch auftauchte, dann war er entweder ein Bösewicht oder ein Dummkopf oder beides. Und die strahlenden Helden, ein Komsomolze, der beide Beine verloren hatte und trotzdem ein großer Fliegerheld wurde, nur weil er unverbrüchlich an den Kommunismus glaubte… Furchtbar und verlogen, auch für mich als Kind von 12-13 Jahren. Die Pionierleiterin oder die Lehrerin, an die man sich immer wenden konnte, weil sie in der Partei war und deshalb immer einen guten Rat wusste und einen mit Hilfe der Pioniergruppe aus allen Schwierigkeiten herausholte; der Stiefvater, der eine kleine, noch private Schlosserwerkstatt hatte, nichts von der neuen sozialistischen Zeit begriff und deshalb seinem Sohn das Leben schwer machte, der zu den Pionieren wollte usw., das alles waren Klischees, die ich (und nicht nur ich), vielleicht nicht voll durchschaute, aber ich begriff, das war nicht die Wirklichkeit, das war nicht das Leben, wie ich es täglich erlebte.

Oder ob auch KINDER unbedingt vielschichtige Figuren, die
ihren Charakter ändern von gut zu böse und umgekehrt, bis hin
zu Intriegen, vorgesetzt kriegen müssen und auch verstehen.

Unbedingt sollte man für Kinder so schreiben, daß es sie fesselt, es sie interessiert, daß sie ihre Probleme und ihre Freuden wiedererkennen und ich denke, da unterscheidet sich Kinderliteratur nicht von Literatur für Erwachsene. Und eine Figur, von der man gleich von Anfang an sieht, welche Rolle sie spielen wird, gut oder böse, ist nicht unbedingt so spannend und wird spätestens bei der dritten Erzählung langweilig. Was die Wandlung betrifft, so muss es ja nicht sein, daß sich der Bösewicht zum guten Held wandelt (oder umgekehrt). Natürlich kann ich mir ein Buch vorstellen (auch für Kinder), wo der „Böse“ zum Schluss einsieht, das es nicht richtig war, was er getan hat. Das sollte aber auch glaubhaft vermittelt werden, warum diese innere Wandlung stattgefunden hat.
Aber das was ich meine ist mehr dies, daß der Böse nicht gleich so deutlich und plakativ als Böser auftritt. Nehmen wir als Beispiel mal Tim Thaler (das Buch, die Serie habe ich nicht gesehen). Da findet Tim den Grafen, der ihm sein Lachen abkauft, am Anfang auch sehr nett, und merkt erst nach und nach, was dahinter steckt. Ist vielleicht ein nicht so ganz gutes Beispiel, weil ein Erwachsener natürlich sofort sieht, wer Graf Lefuet (=Teufel) ist. Aber mir fällt gerade nichts anders ein und es soll nur zur Illustration dienen, was ich meine. Ein Charakter kann sich durchaus erst entfalten und nach und nach merkt man, mit wem man es zu tun hat. Ich denke, daß das auch Kinder nachvollziehen und begreifen können. Soviel sollte man ihnen schon zutrauen. Da muss nicht jede literarische Figur ein Schild vor sich hertragen, auf dem deutlich seine Rolle drauf steht.
Aber gut, ich höre jetzt auf. Ist schon viel zu lang geworden. Aber schließlich ist das ein Thema, über das man ganze Bücher schreiben könnte.

Viele Grüße
Marvin

3 „Gefällt mir“

Hallo Marvin!

Vielen Dank für diesen wirklich hervorragenden Artikel, von dem ich positiv überrascht bin.

Du hast mich, jetzt doch noch, überzeugt.

Ich denke, jetzt, daß ich doch nicht zu sehr an meinem Schwarz-Weiß-Denken festhalten sollte.

Aber gut, ich höre jetzt auf. Ist schon viel zu lang geworden.

Nein, Marvin, gar nicht, es gerne noch länger sein dürfen.

Aber schließlich ist das ein Thema, über das man ganze Bücher
schreiben könnte.

Wie wahr!

Grüße

Andreas

Hallo Marvin und Andreas,

Aber das was ich meine ist mehr dies, daß der Böse nicht
gleich so deutlich und plakativ als Böser auftritt. Nehmen wir
als Beispiel mal Tim Thaler (das Buch, die Serie habe ich
nicht gesehen). Da findet Tim den Grafen, der ihm sein Lachen
abkauft, am Anfang auch sehr nett, und merkt erst nach und
nach, was dahinter steckt. Ist vielleicht ein nicht so ganz
gutes Beispiel, weil ein Erwachsener natürlich sofort sieht,
wer Graf Lefuet (=Teufel) ist. Aber mir fällt gerade nichts
anders ein

Dazu fällt mir ein fabelhaftes Beispiel ein.
Man mag von Harry Potter denken was man will… aber neben all den klischeehafte schwarz-weiß-Charakteren der Geschichte sticht als einer der schönsten und absolut gelungensten Professor Snape hervor, der fürchterliche Bösewicht (der jawohl jedem Klischee entspricht), von dem man sich bis zu Schluss fragt, ob er’s denn nun wirklich ist oder vielleicht doch nicht? Der so fürchterlich gemein ist, und doch muss man manchmal Sympathie, Mitleid empfinden. Und irgendwie ertappt man sich auch mal dabei, zu hoffen, dass er vielleicht doch zu den „Guten“ gehört.
Es wird mit einem Klischee gespielt, erst aufgebaut und dann in Frage gestellt. Der Leser wird jetzt selber verunsichert und will natürlich rausfinden, wie böse oder gut Snape ist und will ihn auch irgendwie einordnen… Und das können auch Kinder nachvollziehen, kein Problem.

Viele Grüße von Kati

Hallo Andreas,

Die nächste Frage wäre, ob in einem KINDERBUCH Klischees
vorkommen dürfen. Ob für KINDER Schwarz-Weiß-Denken in Ordnung
ist.

Wie schon gesagt, kommt es auch auf die literarische Form an.
Märchen und märchenähnliches, da denke ich ja. Sowas lebt von
vorgeprägten Figuren, bösen Drachen (obwohl ich mir auch mal
einen guten Drachen vorstellen kann), tapferen Prinzen usw.
Aber bei Literatur, die das tägliche Leben der Kinder
behandelt, denke ich nein. Man sollte Kinder ernst nehmen. Ihr
Leben ist durchaus nicht nur schwarz-weiss. Sie erleben auch
Enttäuschungen, auch und gerade vom besten Freund, der sie
vielleicht im entscheidenden Moment in Stich lässt. Sie sehen,
daß die geliebten Eltern sich streiten und vielleicht sogar
trennen. Sie merken irgendwann, daß die vermeintlich beste
Freundin nur deshalb die beste Freundin sein möchte, weil sie
so an die Playstation herankommt, usw.
Ich glaube, daß Kinder es auch merken, wenn man ihnen
Klischees vorsetzt. Warum sollte der Klassenprimus immer etwas
dicklich sein, eine Brille tragen und unsportlich sein? Sie
erleben es selbst, daß das nicht so sein muss, und daß ein
intelligenter Schüler durchaus auch ein guter Fußballspieler
sein kann.
Da ich in der DDR groß geworden bin, ist es wahrscheinlich
schwer, unsere Kinderlektüre zu vergleichen. Ich weiss
jedenfalls wie langweilig es war, sobald ein Amerikaner oder
ein Westdeutscher (=BRD) im Buch auftauchte, dann war er
entweder ein Bösewicht oder ein Dummkopf oder beides. Und die
strahlenden Helden, ein Komsomolze, der beide Beine verloren
hatte und trotzdem ein großer Fliegerheld wurde, nur weil er
unverbrüchlich an den Kommunismus glaubte… Furchtbar und
verlogen, auch für mich als Kind von 12-13 Jahren. Die
Pionierleiterin oder die Lehrerin, an die man sich immer
wenden konnte, weil sie in der Partei war und deshalb immer
einen guten Rat wusste und einen mit Hilfe der Pioniergruppe
aus allen Schwierigkeiten herausholte; der Stiefvater, der
eine kleine, noch private Schlosserwerkstatt hatte, nichts von
der neuen sozialistischen Zeit begriff und deshalb seinem Sohn
das Leben schwer machte, der zu den Pionieren wollte usw., das
alles waren Klischees, die ich (und nicht nur ich), vielleicht
nicht voll durchschaute, aber ich begriff, das war nicht die
Wirklichkeit, das war nicht das Leben, wie ich es täglich
erlebte.

Oder ob auch KINDER unbedingt vielschichtige Figuren, die
ihren Charakter ändern von gut zu böse und umgekehrt, bis hin
zu Intriegen, vorgesetzt kriegen müssen und auch verstehen.

Unbedingt sollte man für Kinder so schreiben, daß es sie
fesselt, es sie interessiert, daß sie ihre Probleme und ihre
Freuden wiedererkennen und ich denke, da unterscheidet sich
Kinderliteratur nicht von Literatur für Erwachsene. Und eine
Figur, von der man gleich von Anfang an sieht, welche Rolle
sie spielen wird, gut oder böse, ist nicht unbedingt so
spannend und wird spätestens bei der dritten Erzählung
langweilig. Was die Wandlung betrifft, so muss es ja nicht
sein, daß sich der Bösewicht zum guten Held wandelt (oder
umgekehrt). Natürlich kann ich mir ein Buch vorstellen (auch
für Kinder), wo der „Böse“ zum Schluss einsieht, das es nicht
richtig war, was er getan hat. Das sollte aber auch glaubhaft
vermittelt werden, warum diese innere Wandlung stattgefunden
hat.

und es soll nur zur Illustration dienen, was ich

meine. Ein Charakter kann sich durchaus erst entfalten und
nach und nach merkt man, mit wem man es zu tun hat. Ich denke,
daß das auch Kinder nachvollziehen und begreifen können.
Soviel sollte man ihnen schon zutrauen. Da muss nicht jede
literarische Figur ein Schild vor sich hertragen, auf dem
deutlich seine Rolle drauf steht.
Aber gut, ich höre jetzt auf. Ist schon viel zu lang geworden.
Aber schließlich ist das ein Thema, über das man ganze Bücher
schreiben könnte.

Viele Grüße
Marvin

1 „Gefällt mir“

Hallo Katharina!

Ja, jetzt, wo du mich darauf hinweist, fällt es mir auch wieder ein, Snape ist ein sehr gutes Beispiel.

Vielen Dank!

Grüße

Andreas

Hallo Andreas,

Oder ob auch KINDER unbedingt vielschichtige Figuren, die
ihren Charakter ändern von gut zu böse und umgekehrt, bis hin
zu Intriegen, vorgesetzt kriegen müssen und auch verstehen.

wie vielschichtig die Charaktere sein müssen, ist abhängig von der Geschichte, die erzählt wird.

Was Kinder in der Altersgruppe, die Du wohl anpeilst (ich gehe jetzt einmal frech davon aus, dass Du Leser im Alter von 10 bis 14 im Hinterkopf hast), aber auf jeden Fall brauchen, sind Figuren, mit denen sie sich identifizieren können.

Und dies ist einer der Gründe, warum ich mich an der Überhand nehmenden Elternlosigkeit störe - Waisen gibt es hier und heute nicht gar so viele, Patchwork-Familien und damit verbundene Probleme aber zuhauf.

Wenn den beiden Brüder unbedingt die Eltern abhanden gekommen sein sollen, so sei’s drum - dann musst Du aber auch den Hintergrund mitliefern. Für alle anderen in dem Buch vorkommenden Kinder solltest Du Dir aber andere Familienkonstellationen zusammenbasteln.

Beste Grüße

=^…^=
Katze
*optischetäuschung*

1 „Gefällt mir“

Hallo KamikazeKatze!

Was Kinder in der Altersgruppe, die Du wohl anpeilst (ich gehe
jetzt einmal frech davon aus, dass Du Leser im Alter von 10
bis 14 im Hinterkopf hast)…

Richtig, das war ja nicht schwer zu erraten.

… aber auf jeden Fall brauchen, sind
Figuren, mit denen sie sich identifizieren können.

Logisch. Sehe ich auch so.

Und dies ist einer der Gründe, warum ich mich an der Überhand
nehmenden Elternlosigkeit störe.

Ich verstehe. Aber Mia muss auf jeden Fall elternlos sein, das ist ja der Grund, warum Lukas sie im Geheimversteck unterbringen muss. Und als 11jähriger ein Mädchen in einem unterirdischen Geheimversteck zu haben, das hat doch was. Ich meine, so was hat nicht jeder, oder?

Aber damit es nicht überhand nimmt, schreibe ich, dass Lukas elternlos ist, sein Bruder Leon aber nicht, einverstanden? Und Marie hat ja sowieso Eltern.

Du weißt, ich respektiere deine Ratschläge mehr als fast alle anderen, aber ich dachte, als ich das Buch schrieb z.B. an:

Harry Potter
Tick Trick und Track
Pippi Langstrumpf (dessen Vater fast nie zu Haus ist.)
Heidi
Karlsson vom Dach

Und all diese Bücher sind erfolgreich.

Was mir auffällt ist aber nicht nur der Erfolg der Bücher sondern auch, dass die Autoren wohl nicht nur zufällig Weisen wählten, sondern einen Grund dafür hatten. Der Grund liegt auf der Hand, Weisenkinder dürfen alles machen, was sie wollen, allein sein, alleine wohnen, aufstehen, wann sie wollen, schlafen, wann sie wollen, Schule schwänzen, den Pfannkuchen so backen, dass er beim Umdrehen an der Decke kleben bleibt usw., und müssen nie unter strenger Erziehung leiden, werden nie bestraft, können sich richtig frei entfalten.

Und Bücher sind auch dazu da, mal dem Alltag zu entfliehen in eine Traumwelt, in der sich die Frage stellt: „Was wäre, wenn ich keine Eltern hätte?“

So sehe ich das.

Sehe ich das falsch? (Wäre nicht das erste Mal.)

Grüße

Andreas

Hallo Andreas,

Ich verstehe. Aber Mia muss auf jeden Fall elternlos sein, das
ist ja der Grund, warum Lukas sie im Geheimversteck
unterbringen muss.

nicht zwingendermaßen.

Wenn Graf G. ihr Stiefvater ist, dann ist er ja wohl mit ihrer Mutter verheiratet… ;o)

Und wenn sie einfach wie vom Erdboden verschluckt verschwindet, ist dies eine nette Gelegenheit, seiner Person Charakter und Tiefe zu geben.

Du weißt, ich respektiere deine Ratschläge mehr als fast alle
anderen, aber ich dachte, als ich das Buch schrieb z.B. an:

Harry Potter

Harry Potter ist aber nahezu der Einzige ohne Eltern, alle anderen haben eine mehr oder weniger üppige Familie im Hintergrund.

Tick Trick und Track

In Entenhausen ist die Veronkelung üblich.

Pippi Langstrumpf (dessen Vater fast nie zu Haus ist.)
Heidi
Karlsson vom Dach

Und all diese sind so alt, dass sie imho sowieso in einer anderen Liga spielen (und von heute real existierenden Kindern oft als langweilig empfunden werden, auch wenn deren bildungsbürgerlichen Anverwandten nicht aufhören können, die lieben Kleinen damit zu beglücken).

Was mir auffällt ist aber nicht nur der Erfolg der Bücher
sondern auch, dass die Autoren wohl nicht nur zufällig Weisen
wählten, sondern einen Grund dafür hatten.

Was mir auffällt. ist, dass weise Kinder etwas anderes sind als Waisenkinder… ;o)) SCNR

Und Bücher sind auch dazu da, mal dem Alltag zu entfliehen in
eine Traumwelt, in der sich die Frage stellt: „Was wäre, wenn
ich keine Eltern hätte?“

Wenn Du Kinder der heutigen Zeit ‚kriegen‘ willst, wäre eine geeignete Alltagsflucht vielleicht eine Antwort auf die Frage ‚Was wäre, wenn ich in einer intakten Familie leben würde?‘

BTW: Hast Du Dir schon Gedanken um den Hintergrund von Marie gemacht?

Beste Grüße

=^…^=

Hallo KamikazeKatze!

Ich verstehe. Aber Mia muss auf jeden Fall elternlos sein, das
ist ja der Grund, warum Lukas sie im Geheimversteck
unterbringen muss.

nicht zwingendermaßen.

Nein, das nicht, aber es muss einen zwingenden Grund geben, warum sie nicht zu ihren Eltern zurück kann und will.

Wenn Graf G. ihr Stiefvater ist, dann ist er ja wohl mit ihrer
Mutter verheiratet… ;o)

Wenn die Mutter noch lebt, wovon ich nicht ausgehe. Graf G. kann aber nicht ihr Stiefvater sein, sonst wäre es nicht logisch, dass sie durch den Schornstein eindringt und Lukas die Tür sprengt. Würde Mia in dem Haus wohnen, wäre sie sicher leichter rein und raus gekommen, aber dann wäre ja die ganze Dramatik im Eimer. Ich habe mir Graf G. ja nur ausgedacht, damit er den Hund wegnimmt und Lukas eine Möglichkeit hat, all seine technischen Spielereien zum Einsatz zu bringen. Die meisten Ideen dafür habe ich übrigens von Phantomias (LTB 41).

Und wenn sie einfach wie vom Erdboden verschluckt
verschwindet, ist dies eine nette Gelegenheit, seiner Person
Charakter und Tiefe zu geben.

Ja, das ist eine gute Idee!

Harry Potter ist aber nahezu der Einzige ohne Eltern, alle
anderen haben eine mehr oder weniger üppige Familie im
Hintergrund.

Stimmt. Werde ich mal drüber nachdenken.

Was mir auffällt. ist, dass weise Kinder etwas anderes sind
als Waisenkinder… ;o)) SCNR

Ja, sehr weise! SCNR ebenfalls.

Und Bücher sind auch dazu da, mal dem Alltag zu entfliehen in
eine Traumwelt, in der sich die Frage stellt: „Was wäre, wenn
ich keine Eltern hätte?“

Wenn Du Kinder der heutigen Zeit ‚kriegen‘ willst, wäre eine
geeignete Alltagsflucht vielleicht eine Antwort auf die Frage
‚Was wäre, wenn ich in einer intakten Familie leben würde?‘

Hm…

BTW: Hast Du Dir schon Gedanken um den Hintergrund von Marie
gemacht?

Ja. Sie lebt in einer intakten Familie. Und ich denke, es ist besser, wenn sie anstelle von Leon die logisch denkende Intelligenzbestie ist und sich „Detektivin“ nennt, sonst hat Lukas ja gar keine Chance gegen seinen Bruder. Und so hat auch Marie eine wichtige Funktion.

Aber wenn sie schon intelligent ist, kann sie natürlich nicht auch noch mutig sein, beides geht nicht.

Also wäre das Ergebnis die folgende Zusammenstellung der Grundeigenschaften:

Lukas: Hartnäckig und neugierig aber feige.
Mia: Hilfsbereit und geschickt.
Leon: Mutig und entschlossen.
Marie: Intelligent aber etwas unpraktisch.

Hm, noch nicht das gelbe vom Ei, nicht wahr?

Grüße

Andreas

Lieber Herr Hillerkus,

zunächst einmal: Vielen Dank! Ja wirklich, denn Sie/du (wie spricht man sich hier eigentlich an? Ich habe in verschiedenen Posts das „du“ gelesen, dachte aber eigentlich, dass das „Sie“ zunächst sinnvoller sei. Aber egal, da wir alle hier sind, um voneinander zu lernen, ist das „du“ vielleicht doch ganz angebracht.), also wie gesagt, vielen Dank, denn du hast mich dazu getrieben, mich hier anzumelden. Ich habe deine Aufrufe hier und dein „Expose“ im Story-Board gelesen und dachte, dass ich darauf einmal antworten müsste.
Zunächst: Das geht so alles gar nicht. Die Gründe dafür wurden ja schon genannt: Die Geschichte ist hanebüchen, die Protagonisten sind Schablonen, ja schlimmer, es sind Klischees durch und durch und schreiben kannst du leider gar nicht (zumindest nicht, wenn der „Roman“ genauso formuliert wurde, wie dein „Expose“).
Irgendjemand wurde mal gefragt, wie man für Kinder zu schreiben habe und die Antwort darauf lautete: „So wie für Erwachsene. Nur besser.“ Kinder lassen sich nunmal nicht veräppeln. Und ich befürchte leider auch, dass du mit deinem Anspruch, unbedingt Harry Potter und alle anderen erfolgreichen Kinderbücher der letzten Zeit zu kopieren, nicht weit kommen wirst. Denn das Geheimnis eines guten Buches liegt nicht darin, die Bestseller zu imitieren, aber nichts eigenes zu sagen. Und genau da sehe ich dein Problem: Du scheinst so auf den Erfolg verstiegen zu sein, dass dir abhandengekommen ist, was ein gutes Kinderbuch ausmacht: Interessante, „echte“, liebenswerte Charaktere, eine packende Story (die ich nach mehrmaligem Lesen deiner Story nicht entdecken konnte) und eine Sprache. Ja, die Sprache ist wohl das wichtigste. Kennst du die Bücher von Phillip Ardagh? Dort sind die Geschichten auch recht hanebüchen und absurd, aber die Sprache. Die Sprache! Der weiß, wie mit Worten umgegangen werden muss. Zudem bietet er im Dutzend geniale Ideen.

Also ich will die nicht entmutigen. Wenn es dein Traum ist, ein Kinderbuch zu schreiben und damit genauso reich zu werden, wie J.K. Rowling, dann wünsche ich dir natürlich viel Glück. Aber wie es gerade aussieht, fehlt es noch an Allem. Weder Story, noch Protagonisten, noch Stil überzeugen.

P.S.: Wenn du wissen willst, wie man schreibt, dann suche den Artikel im Story-Board, der als Antwort auf eine deiner Anfragen gepostet wurde. Da imitiert jemand deinen Stil. Es ging los mit: „Ein Hund kam in einen Laden und er bellte…“ oder so. Du hast auch darauf geantwortet, also werde ich mal ganz frech annehmen, dass du so ungefähr weißt, was ich meine. An diesem Artikel siehst du, wie man witzig schreibt, wie man Ideen einbringt und das Ganze auch noch zu Ende führt.

MfG
Cormac

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Cormac!

Vielen Dank für deinen Beitrag, über den ich mich sehr gefreut habe, weil du deine Kritik gut begründet hast, so kann ich wenigstens draus lernen.

Aber ein paar Fragen habe ich noch:

Die Geschichte ist hanebüchen.

Was meinst du damit? Die schon angesprochenen angeblichen Logikfehler oder was?

Das Geheimnis eines guten Buches liegt
nicht darin, die Bestseller zu imitieren, aber nichts eigenes
zu sagen.

Jedes Ziegelhaus ist aus den selben Steinen gebaut, aber jedes sieht anders aus.

Du scheinst so
auf den Erfolg verstiegen zu sein, dass dir abhandengekommen
ist, was ein gutes Kinderbuch ausmacht: Interessante, „echte“,
liebenswerte Charaktere, eine packende Story (die ich nach
mehrmaligem Lesen deiner Story nicht entdecken konnte) und
eine Sprache. Ja, die Sprache ist wohl das wichtigste.

In allem hast du völlig Recht. Genau so ist es.

Kennst
du die Bücher von Phillip Ardagh? Dort sind die Geschichten
auch recht hanebüchen und absurd, aber die Sprache. Die
Sprache! Der weiß, wie mit Worten umgegangen werden muss.
Zudem bietet er im Dutzend geniale Ideen.

Vielen Dank für diesen guten Tipp! Ich werde mir auf jeden Fall ein Buch von ihm kaufen.

Also ich will die nicht entmutigen. Wenn es dein Traum ist,
ein Kinderbuch zu schreiben und damit genauso reich zu werden,
wie J.K. Rowling, dann wünsche ich dir natürlich viel Glück.

Nicht ganz. Außerdem, auch wenn ich damit viel Geld verdienen will, schreibe ich doch aus einem ganz anderen Grund. Und auch aus echter Leidenschaft.

Aber wie es gerade aussieht, fehlt es noch an Allem. Weder
Story, noch Protagonisten, noch Stil überzeugen.

Na, dann kann es ja nur besser werden.

P.S.: Wenn du wissen willst, wie man schreibt, dann suche den
Artikel im Story-Board, der als Antwort auf eine deiner
Anfragen gepostet wurde. Da imitiert jemand deinen Stil. Es
ging los mit: „Ein Hund kam in einen Laden und er bellte…“
oder so. Du hast auch darauf geantwortet, also werde ich mal
ganz frech annehmen, dass du so ungefähr weißt, was ich meine.
An diesem Artikel siehst du, wie man witzig schreibt, wie man
Ideen einbringt und das Ganze auch noch zu Ende führt.

Danke auch für diesen Tipp! Ja, finde ich auch, und endlich bestätigt das mal jemand. Ich werde versuchen, einiges davon zu lernen.

Grüße

Andreas

Hausaufgaben teilweise fertig.
Hallo Ann!

Ich kann es gar nicht fassen! Irgendwas ist anders! Irgendwas hat sich verändert! In meinem Kopf. Ich sehe Dinge, die ich nie zuvor gesehen habe. Ich sehe meinen Buchtext plötzlich mit ganz anderen Augen. Und er kommt mir auf einmal so grauenvoll vor.

Aus diesem Grund kann ich mit den Hausaufgaben erstmal nicht weitermachen, aber das meiste habe ich auch schon fertig.

  1. BE-schreibe 3 menschen aus deiner umgebung so, dass sie dem
    leser lebendig vor augen stehen.

Gute Idee, aber ich bin noch am überlegen, welche.

  1. ein mann ging um die ecke. er hatte einen grünen
    hut auf.

    schreibe die geschichte zuende. (1 - 3 normseiten)

Habe ich, doch es ist so ein Humbug, dass ich das nicht posten kann. Wie bist du nur auf so eine Idee gekommen?

  1. befasse dich eingehende mit den seiten
    http://www.prosaschmiede.de

Habe ich.

  1. halte schriftlich fest, warum deine geschichte mit dem
    grünen hut nicht „funktioniert“.

Habe ich. Es ist völlig logisch.

So, jetzt muß ich erst mal ein paar Tage oder Wochen an meinem Text arbeiten.

Grüße

Andreas

Hallo Andreas,

ein weiteres Mal will ich mich in Einzelheiten vezetteln… ;o)

Nein, das nicht, aber es muss einen zwingenden Grund geben,
warum sie nicht zu ihren Eltern zurück kann und will.

Auch ein schlimmer Streit (z.B. wenn der Stiefvater gar grauslich ist, die Mutter aber zu ihm hält) mag einem Kind das Fernbleiben vom elterlichen Haus zwingend erscheinen lassen.

Wenn Graf G. ihr Stiefvater ist, dann ist er ja wohl mit ihrer
Mutter verheiratet… ;o)

Wenn die Mutter noch lebt, wovon ich nicht ausgehe. Graf G.
kann aber nicht ihr Stiefvater sein, sonst wäre es nicht
logisch, dass sie durch den Schornstein eindringt und Lukas
die Tür sprengt. Würde Mia in dem Haus wohnen, wäre sie sicher
leichter rein und raus gekommen, aber dann wäre ja die ganze
Dramatik im Eimer.

Aber nicht doch - wer sagt denn, dass sie einen Haustürschlüssel hat? Und wenn sie sich in dem Haus auskennt, wirkt die ganze Aktion sogar einen Hauch plausibler… ;o)

Ich habe mir Graf G. ja nur ausgedacht,
damit er den Hund wegnimmt und Lukas eine Möglichkeit hat, all
seine technischen Spielereien zum Einsatz zu bringen. Die
meisten Ideen dafür habe ich übrigens von Phantomias (LTB 41).

Na, ob das die geeignte Grundlage für ein literarisches Meisterwerk ist… ;o))

Also wäre das Ergebnis die folgende Zusammenstellung der
Grundeigenschaften:

Lukas: Hartnäckig und neugierig aber feige.
Mia: Hilfsbereit und geschickt.
Leon: Mutig und entschlossen.
Marie: Intelligent aber etwas unpraktisch.

Hm, noch nicht das gelbe vom Ei, nicht wahr?

Wenn Du derlei während des Schreibens im Hinterkopf hättest, wäre dagegen nichts zu einzuwenden - allerdings solltest Du es tunlichst vermeiden so etwas zu schreiben wie ‚Lukas ist ängstlich‘. Erlaube Deinen Charakteren, dass sie ihre Persönlichkeit langsam entfalten, indem Du beschreibst, wie sie handeln.

_Lukas war ängstlich.

Lukas ging vorsichtig näher an die Tür heran und lauschte mit angehaltenem Atem. Es war nichts zu hören; auch wenn das Licht noch brannte, war Onkel Otto wohl nicht mehr im Haus. Lukas spähte durch das Schlüsselloch. „Nichts zu sehen,“ meinte er, „sollen wir wirklich?“ Mia nickte energisch, also legte der Junge seine Hand auf den Türgriff und drückte ihn ganz sachte herunter. Das alte Türschloss reagierte darauf mit einem Quietschen; erschrocken ließ Lukas los, drehte sich zu Mia um und fragte flüsternd: „Sollten wir nicht erst noch einmal versuchen, einen anderen Ausgang zu finden?“_

Beste Grüße

=^…^=
Katze

PS: Wurde Dir schon einmal http://www.schreibwerkstatt.de/ empfohlen?

1 „Gefällt mir“

Hallo KamikazeKatze!

Das ist, mal wieder, so was von genial!

Auch ein schlimmer Streit (z.B. wenn der Stiefvater gar
grauslich ist, die Mutter aber zu ihm hält) mag einem Kind das
Fernbleiben vom elterlichen Haus zwingend erscheinen lassen.

Wenn ich mir so überlege, WIE grauslich Graf G. ist,… ja, da hast du Recht.

Aber nicht doch - wer sagt denn, dass sie einen
Haustürschlüssel hat?

Stimmt, wer wie Dreck behandelt wird, hat keinen.

Und wenn sie sich in dem Haus auskennt,
wirkt die ganze Aktion sogar einen Hauch plausibler… ;o)

Ja, das ist logisch.

Ich habe mir Graf G. ja nur ausgedacht,
damit er den Hund wegnimmt und Lukas eine Möglichkeit hat, all
seine technischen Spielereien zum Einsatz zu bringen. Die
meisten Ideen dafür habe ich übrigens von Phantomias (LTB 41).

Na, ob das die geeignte Grundlage für ein literarisches
Meisterwerk ist… ;o))

Ich denke, ja, ganz sicher! Und zwar, weil Technische Spielereien bei Kindern gut ankommen. Der Beweis ist Harry Potter. Verkauft sich gut, weil so viel Zauberei drin vorkommt. Zauberei ist, von der Verwendung her, nichts anderes, als Technik. Ob Phantomias mit seinem Raketengürtel fliegt, oder Harry Potter auf seinem Besen oder Lukas auf seiner Platte, ist im Prinzip das gleiche, auch wenn die Erklärungen unterschiedlich sind. Ein Raketengürtel ist noch halbwegs realistisch (so was gibt es wirklich, in Schleudersitzen von Düsenpiloten), die Platte mit ihrem Anti-Schwerkraft-Feld ist schon etwas weniger realistisch (aber nicht nachweisbar unmöglich), und der Besen ist gar nicht realistisch, sondern magisch. Aber der Effekt, nämlich dass man fliegen kann, ist immer der gleiche. Und Kinder lieben es, zu fliegen, das ist nun mal so. Ich habe dafür und auch für die anderen technischen Spielereien nicht nur ein Buch als Beleg, sondern sehr viele Bücher.

Wenn Du derlei während des Schreibens im Hinterkopf hättest,
wäre dagegen nichts zu einzuwenden - allerdings solltest Du es
tunlichst vermeiden so etwas zu schreiben wie ‚Lukas ist
ängstlich‘. Erlaube Deinen Charakteren, dass sie ihre
Persönlichkeit langsam entfalten, indem Du beschreibst, wie
sie handeln.

Ja, das ist eine sehr gute Idee! Das mache ich!

Lukas ging vorsichtig näher an die Tür heran und lauschte mit
angehaltenem Atem. Es war nichts zu hören; auch wenn das Licht
noch brannte, war Onkel Otto wohl nicht mehr im Haus. Lukas
spähte durch das Schlüsselloch. „Nichts zu sehen,“ meinte er,
„sollen wir wirklich?“ Mia nickte energisch, also legte der
Junge seine Hand auf den Türgriff und drückte ihn ganz sachte
herunter. Das alte Türschloss reagierte darauf mit einem
Quietschen; erschrocken ließ Lukas los, drehte sich zu Mia um
und fragte flüsternd: „Sollten wir nicht erst noch einmal
versuchen, einen anderen Ausgang zu finden?“

Fantastischer Text! Man kann sich richtig hineinsteigern und die Situation emotional nachfühlen mit dem Gedanken: „Nun sei doch nicht so zaghaft und mach endlich!“ Ich wünschte, ich könnte so schreiben, wie du. Du musst, wenn es so weit ist, unbedingt mein Manuskript redigieren.

Das aber auch ausgerechnet Lukas, der so ängstlich ist, immer der ist, der in so bedrohliche Situationen kommt, besonders in der Waldhütte, wo es spukt. Bin ich nicht gemein, dass ich immer den, der am wenigsten Mut hat, zu etwas zwinge, was Mut erfordert?

PS: Wurde Dir schon einmal http://www.schreibwerkstatt.de/
empfohlen?

Ja, und ich habe dort schon ausgiebig herumgesurft.

Nochmals vielen, vielen Dank, deine Beiträge sind immer super, super hilfreich!!!

Grüße

Andreas

Hallo Andreas,

Und zwar, weil Technische
Spielereien bei Kindern gut ankommen. Der Beweis ist Harry
Potter. Verkauft sich gut, weil so viel Zauberei drin
vorkommt. Zauberei ist, von der Verwendung her, nichts
anderes, als Technik.

und hier, denke ich, irrst Du.

Was Harry Potter - und auch die meisten anderen verkaufsträchtigen Jugendbücher der letzten Jahre - so erfolgreich gemacht hat, sind nicht irgendwelche wie auch immer gearteten technischen Spielereien, sondern das magische Element in diesen Geschichten, die Verquickung des Wunderbaren mit dem u.U. selbst erlebbaren Alltag.

Schau Dir vielleicht bei Gelegenheit speziell unter diesem Blickwinkel noch einmal ein paar Bücher an, die derzeit bei der von Dir anvisierten Zielgruppe besonders beliebt sind; meine Vorschläge wären:

http://de.wikipedia.org/wiki/Eragon

http://www.phantastik-couch.de/stephenie-meyer-biss-…

Wenn das Ganze nicht zu techniklastig ist, hat es auch den Vorteil, dass vielleicht das eine oder andere Mädchen das Buch lesen will… ;o)

Fantastischer Text!

Humbug! Es ist völlig zweckfrei, mir Honig um den Bart schmieren zu wollen - ich habe nämlich keinen.

Du musst, wenn es so weit ist, unbedingt mein Manuskript redigieren.

Jetzt schreib erst einmal ein Weilchen, dann klappt das auch mit dem Lektorat… ;o)

Beste Grüße

=^…^=

Hallo KamikazeKatze!

Danke für diesen Beitrag!

Und zwar, weil Technische
Spielereien bei Kindern gut ankommen. Der Beweis ist Harry
Potter. Verkauft sich gut, weil so viel Zauberei drin
vorkommt. Zauberei ist, von der Verwendung her, nichts
anderes, als Technik.

und hier, denke ich, irrst Du.

Natürlich kann ich auch mal irren, aber ich kenne noch sehr viel mehr erfolgreiche Bücher, in denen Technik vorkommt, aber keine Zauberei.

Was Harry Potter - und auch die meisten anderen
verkaufsträchtigen Jugendbücher der letzten Jahre - so
erfolgreich gemacht hat, sind nicht irgendwelche wie auch
immer gearteten technischen Spielereien, sondern das magische
Element in diesen Geschichten, die Verquickung des Wunderbaren
mit dem u.U. selbst erlebbaren Alltag.

Ja, das ist AUCH ein Faktor.

Schau Dir vielleicht bei Gelegenheit speziell unter diesem
Blickwinkel noch einmal ein paar Bücher an, die derzeit bei
der von Dir anvisierten Zielgruppe besonders beliebt sind;
meine Vorschläge wären:
http://de.wikipedia.org/wiki/Eragon
http://www.phantastik-couch.de/stephenie-meyer-biss-…

Habe ich mir angesehen. So was liegt mir überhaupt nicht. Ich könnte nie über Zauberei schreiben, und Bücher über Zauberei und Fantasy gibt es auch schon reichlich. (Ja, ich weiß, kein gutes Argument.)

Wenn das Ganze nicht zu techniklastig ist, hat es auch den
Vorteil, dass vielleicht das eine oder andere Mädchen das Buch
lesen will… ;o)

Das wäre schön. Ich habe die Technik ja auch extra auf lediglich vier Dinge begrenzt, die Platte, den Laser, das Auto und das Dynamit.

Fantastischer Text!

Humbug! Es ist völlig zweckfrei, mir Honig um den Bart
schmieren zu wollen - ich habe nämlich keinen.

Würde ich nie tun, war nur meine ehrliche aber leider nicht maßgebliche Meinung.

Grüße

Andreas