Vom Sprachgefühl her hänge ich bei einigen Wörtern ein -chen ran, um es kleiner zu machen, bei anderen ein -lein, bei wieder anderen ist es mir egal, was drankommt. Besteht ein Unterschied zwischen -chen und -lein oder ist das ein ganz individuelles Gewöhntsein?
(Letztes kann ich mir schwer vorstellen, wer redet schon von einem „Küsslein“ oder einem „Stücklein Kuchen“?)
Wie ist das denn bei Dialekten, das süddeutsche -le, das österreichische -l oder -erl, die scheinen mir ja mit dem -lein verwandt zu sein, aber auch bei den -chen-Wörtern verwendet zu werden?
Hallo, Martina,
die Diminutivsuffixe -chen und -lein sind gleichbedeutend. Dabei hat sich allerdings die nördliche Form -chen erst nach Luther gegen die südliche Form -lein durchgesetzt.
Die ursprüngliche Form des -chen als -ken bzw. -kin hat sich im niederdeutschen noch erhalten.
Das -lein ist in den süddeutschen Dialekten noch das ursprüngliche -la, -le oder -li(n).
Zur ersten Frage kann ich wenig sagen. Ich vermute mal, dass es Geschmackssache ist. „-chen“ scheint in der modernen Hochsprache häufiger zu sein als „-lein“. Aber das „ch“ macht bei der Aussprache bei manchen Wörtern Probleme, deshalb „Bächlein“ statt „Bächchen“.
Wie ist das denn bei Dialekten, das süddeutsche -le, das
österreichische -l oder -erl, die scheinen mir ja mit dem
-lein verwandt zu sein, aber auch bei den -chen-Wörtern
verwendet zu werden?
Im Schwäbischen gibt es nur das „-le“, auch bei Wörtern, die im Hochdeutschen mit „-chen“ stehende Begriffe bilden: „Bissle“, „Stickle“, …
Übrigens am Rande: „-le“ ist nur die Endung für Singular. Im Plural heißt es „-la“. Korrekt müsste man also für des Schwaben liebste Beilage „Spätzla“ schreiben und nicht „Spätzle“. Oder gleich „Spatza“
Und: „Breedle“ ist nicht die Verkleinerungsform von Brot, also Brötchen, wie man meinen könnte, sondern bedeutet: „Weihnachtsgebäck“. Schlimm ist nur, dass es Schwaben gibt, die das vergessen. (Bei den meisten von denen ist der Butter sogar weiblich… aber das ist ein anderes Thema)
Wenn man hier hinzufügte, dass auch die sächsischen und bairischen - unter bairische begreife ich auch die österreichischen - Formen:
-el, -l, -erl und -rl aus dem „-lein“ hervorgegangen sind, hätte man hier einen FAQ-reifen Text.