Hallo Daniela!
Anders gefragt: was sind Farben?
Licht ist für den Menschen im Bereich 380 bis 790 nm sichtbar. Licht besteht aus kleinen Kügelchen, den Photonen (Stand meines Wissens: Anfang der 80er Jahre). Photonen sind Energiepakete, was sich gleichzeitig auch als elektromagnetische Welle äußern kann (stelle Dir an dieser Stelle einfach einen kleinen Zauberer vor, der das macht, oder nimm es einfach als physikalisches Dogma hin, denn ansonsten müsste ich Dir die Wellenfunktion erläutern).
Trifft nun ein Photon auf ein Molekül, das eine gewisse chemische Struktur aufweist (Doppel- oder Dreifachbindungen - man spricht von ungesättigten Verbindungen), dann wird ein Elektron auf ein höheres Potential gehoben. Moleküle können sich, je nach Chemie, bestimmte Photonen aus dem Gesamtspektrum aussuchen. Das ist also so, als ob Du einen Becher mit blauen und roten Smarties hast. Der Becher erscheint und lila. Nehmen wir mal an, Du isst ausschließlich rote Smarties. Wenn Du dann, nachdem Du alle roten Smarties aufgegessen hast, in den Becher hineinschaust, fällt Dir auf a) die roten Smarties fehlen, b) es sind nur noch blaue Smarties übrig. Der Becher mit den Smarties erscheint uns also blau. So ist das mit einem Farbstoff, der uns Menschen Blau erscheint: dieser Farbstoff absorbiert, also „frisst“ ausschließlich die roten Photonen.
Nun zur Frage: Warum sind Pflanzen grün? Pflanzen besitzen in ihren Chloroplasten zwei Farbstoffe, die zur Fotosynthese (also Zuckerherstellung) notwendig sind. Diese beiden Farbstoffe besitzen unterschiedliche Absorbtionsmaxima, bevorzugen also jeweils unterschiedliche Photonen.
Chlorophyll a : 430, 662 nm (Resultat: blaugrün)
Chlorophyll b: 454, 643 nm (Resultat: gelbgrün)
Grünes Licht wird von beiden Farbstoffen verschmäht. Das grüne Licht tritt durch die Blätter durch oder wird von diesen reflektiert, die wir dann auch als Grün wahrnehmen.
Warum Grün? Die Frage, warum die Farbstoffe ausgerechnet rotes und blaues Licht absorbieren vermag ich (als Zoologe) nicht spontan zu beantworten. Mist, die Beantwortung dieser Frage ist aber nun wichtig für Deine Story.
Ich wage daher mal eine Erklärung. Im Prinzip ist es egal, zumindest was die Emission von Licht betrifft, was für ein Atom im Zentrum des Farbstoffs existiert. Das „Herz“ des Chlorophylls ist ein Magnesium-Atom. Unser Blutfarbstoff, das Hämoglobin, weist große Ähnlichkeiten mit dem Chlorophyll auf, besitzt aber statt eines Magnesium- ein Eisenatom. Eisen würde unter Lichteinfluss „rosten“, also reduziert werden. Mg-Ionen sind nicht mit dem üblichen Licht redoxierbar und haben auch die richtige Größe und Koordinationszahl. Mg kommt in der Natur auch verhältnismäßig häufig vor. Mg macht ja die Güte von Mineralwasser aus: je mehr, desto besser. Mineralwasser ist vielleicht ein guter Gedankenansatz: was kommt in Mineralwasser häufig vor, was ist also für eine Pflanze leicht verfügbar, bzw. wird durch Regenwasser aus dem Boden eluiert? Das sind eigentlich nur Magnesium, Calcium, Kalium, Natrium und Eisen. Alle anderen Elemente sind entweder selten oder chemisch gebunden, also nicht für die Pflanze verfügbar. Nun haben wir also nur noch 4 Elemente. Natrium und Kalium sind zu klein, um eine Hydtrathülle aufzubauen; die Bindungen zwischen dem Mg und dem Rest in einem Chlorophyll-Molekül basiert auf eine bestimmte chemische Bindung (deren Namen ich eben vergessen habe, denn das alles habe ich vor 30 Jahren gelernt). Diese chemische Bindung können nur große Atome eingehen. Bleibt nur noch die Frage: Warum Magnesium und nicht Calcium? Vielleicht ist Calcium zu groß. Immerhin ist die Fotosynthese ein empfindlicher Prozess. Vielleicht gab es mal einen Organismus, der Calcium als Zentralatom seines Farbstoffs hatte und unterlag im Wettbewerb mit denen, die Magnesium als Zentralatom hatten. Das ist meines Erachtens der Grund, warum Magnesium und nicht Calcium von den Pflanzen gewählt wurde: Calcium würde aufgrund seiner Größe die Fotosynthese verlangsamen.
Resumée: Pflanzen sind grün, weil sie Magnesium als Zentralatom besitzen. Unter den in Wasser in großem Maße gelösten Elementen, weist Magnesium die optimalen Eigenschaften auf, um die Fotosynthese zu ermöglichen.
Blaue Pflanzen wären möglich, wenn Magnesium nicht verfügbar wäre. Es ist aber schwer herzuleiten, welches Atom für blaues Licht zu verwenden sein könnte. Ein Planet, auf dem blaue Pflanzen vorkommen, dürfte aus irgendwelchen Gründen wenig Magnesium im Wasser (sofern Wasser überhaupt als universelles Lösungsmittel, wie auf der Erde, verwendet wird) aufweisen. Auf diesem Planeten könnte sich z.B. aufgrund seiner speziellen Nähe zu einem Stern oder Planeten ein gewisses Kristall entwickelt haben, das das Magnesium chemisch bindet. Auf der Erde wird das Silizium chemisch gebunden, in Form von Sand. Infolge des Mangels an Magnesium haben die Pflanzen jetzt ein anderes Atom gewählt, um ihren Farbstoff zu bilden.
Wie sähe das Laub im Herbst aus, wenn nicht Magnesium, sondern ein anderes Atom für den Farbstoff gewählt worden wäre? Im Herbst werden die Chlorophylle von der Pflanze aus den Blättern herausgeholt und eingelagert. Zurück bleiben die roten Carotine (also der Farbstoff, die Pflanzen verwenden, um eine rote Farbe zu bilden: Möhren, Brombeeren, Erdbeeren etc.). Auf unserem Planeten mit blauen Pflanzen wäre das Laub im Herbst also auch Rot.
Hoffentlich konnte ich Dir ein wenig weiter helfen. Ich bin gern bereit, mit Dir über grüne Pflanzen zu plaudern.
In Vorfreude auf Dein Buch, verbleibe ich:
Torsten