Wenn eine junge Frau sich permanent immer nur in solche Jungs verliebt, die sich nicht binden wollen bzw. solange sie sich noch binden wollen, kein besonderes Interesse an ihnen verspürt, sondern immer erst, wenn sie sich nicht mehr binden wollen …
… wäre so ein Problem therapeutisch heilbar?
Einige Ideen, woran das liegen könnte, sind vorhanden, aber keine, wie man es ändern könnte.
Viele Grüße
PS: Ich bin keine junge Frau, es handelt sich nicht um mich.
Hallo!
Bindungsverhalten wird in den meisten Fällen von der primär Gruppe ausgelöst.
Ich würde empfehlen, eine Familienaufstellung zu besuchen und dieses Thema behandeln. In den Situationen kommt man recht schnell auf die Ursache des Bindungsverhaltens.
Gruß
Hi,
auf einer anderen Plattform ist zu einem ähnlichen Problem ein Buch mit dem Titel „Scheißkerle“ empfohlen worden.
Da ich glücklich lieert bin, habe ich es nicht gekauft, aber vielleicht ist das ja was für deinen jungen Problemfall.
LG,
Sabine
ist die junge Dame denn überhaupt schon auf dem Weg der Selbsterkenntnis, dass es nicht an den Kerlen, sondern an ihr liegt? Ohne Leidensdruck und Selbsterkenntnis wird man da kaum etwas erreichen. Ich kenne da so einige Fälle, die in zweistelliger Zahl immer wieder die selben Fehler machen, und es trotzdem immer noch auf die Kerle schieben (was ja dummerweise auch zumindest noch soweit funktioniert, dass man ihnen vordergründig natürlich hervorragend das zum Vorwurf machen kann, was nun mal in ihrem jeweiligen Wesen liegt, und was man denen eigentlich auch an der Nasenspitze ansehen könnte, weshalb andere mit mehr Gespür dafür eben einen weiten Bogen machen).
Im Prinzip ja, wenn die Betroffene das will. Eine erfolgreeiche „Heilung“ muss aber nicht zwangsläufig so aussehen, wie sich das Tante, Onkel, Nachbar und die beste Freundin vorstellen.
Natürlich kann es sein, daß sie am Ende einer Therapie eine feste Bindung eingeht, mit der sie glücklich ist. Es kann aber auch sein, daß sie zu dem Erkenntnis kommt, daß sie wirklich keine feste Bindung möchte, und lieber mit drei Gigolos ins Bett springt. Denn ob ihr derzeitiges Verhalten Ausdruck einer Angst oder eines geheimen Wunsches ist, lässt sich kaum sagen. Vielleicht hat sie Angst vor einer festen Beziehung. Vielleicht glaubt sie aber auch, mit einer festen Beziehung eine gesellschaftliche Norm erfüllen zu müssen, und ihre Wünsche rebellieren dagegen.
Zum Abschluß ein Witz mit einem kleinen, wahren Kern, was Psychotherapie betrifft:
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Ein Mann kommt in ein Gasthaus, bestellt ein Bier, trinkt es bis auf einen kleinen Rest aus und giesst diesen dem Wirt ins Gesicht.
„Es ist mir furchtbar peinlich. Das ist bei mir ein nervöser Zwang. Einfach nicht zu unterdrücken…“
„Da sollten sie aber schleunigst einen Psychiater aufsuchen!“
Einige Zeit später kommt der Mann wieder in das Gasthaus, bestellt ein Bier, trinkt es bis auf einen kleinen Rest aus und giesst diesen dem Wirt wieder ins Gesicht. Der Wirt wird böse.
„Ich habe ihnen doch gesagt, sie sollen einen Psychiater zu Rate ziehen!“
„Das habe ich auch getan!“, grinst der Mann fröhlich.
„Es scheint aber nicht geholfen zu haben“, murrt der Wirt.
„Doch, doch. Jetzt ist mir die Sache überhaupt nicht mehr peinlich.“
Wenn eine junge Frau sich permanent immer nur in solche Jungs
verliebt, die sich nicht binden wollen bzw. solange sie sich
noch binden wollen, kein besonderes Interesse an ihnen
verspürt, sondern immer erst, wenn sie sich nicht mehr binden
wollen …
… wäre so ein Problem therapeutisch heilbar?
Oder: Sie will sich gar nicht binden, braucht und will das nicht. Nicht jeder ist dafür geschaffen. Da so ein Verhalten gesellschaftlich nicht akzeptiert wird (jeder „Single“ ist dauerhaft auf der „Suche“ und bedauernswert), wird sie automatisch immer von solchen Typen angezogen, bei denen es zufällig eben schon wieder nicht funktioniert. Das kann auch unbewusst ablaufen.
Rückmeldung und Frage zur Familienaufstellung
Hallo
Vielen Dank für die Antworten.
Erstmal eine Information: Die junge Frau leidet - zumindestens öfters - unter der Situation. Es kann aber durchaus sein, dass sie einerseits Sicherheit und andererseits Freiheit & Spannung haben will, was vielleicht gleichzeitig einfach nicht geht. Aber andererseits kriegen andere Leute ja auch langfristige Beziehungen hin, bei denen das Positive überwiegt.
Jetzt noch eine Frage zur Familienaufstellung: Es wurde gesagt, dass man da recht schnell dahinterkommt, woran es liegt. Hilft das einem? Oder was käme im Anschluss an die Familienaufstellung?
Übrigens ist eigentlich ziemlich klar, woran es liegen könnte. Bei der Entwicklung bzw. bei der Herkunftfamilie hätte es mich eher gewundert, wenn sie keine Probleme mit Beziehungen hätte, und finde eigentlich, dass sie dafür erstaunlich wenig Probleme hat. Nur hilft dieses Wissen so noch nicht besonders viel.
Bei der Familienaufstellung sollen solche Erkenntnisse aber irgendwie intensiver ablaufen. Und vielleicht auch noch mehr Zusammenhänge zutage bringen. Stimmt das?
Hallo,
die Familienaufstellung dient ja erstmal sich bewusst vor Augen zu führen, welche Parallelen und welche Beziehungen innerhalb der Familie herrschen. Manchmal muss man nicht direkt etwas verändern wollen, sondern einfach nur erkennen wie und warum etwas existiert. Dieses Bewussmachen bewirkt meist bereits eine Veränderung des Verhaltens.
ich hätte da eine Idee. In unserer Kultur wird immer wieder die irrige Idee verbreitet, dass es zum persönlichen Glück führt, wenn man die Vernunft ausschaltet und nur seinem Herz folgt.
Menschen werden gelehrt, ihr Triebe und Bedürfnisse zun kontrollieren und sich nicht ihren Launen zu beugen. Man steht Morgens auf, geht zur Arbeit, erledigt seine Pflichten, hält sich beim Esssen zurück, usw., auch wenn man dazu keine Lust hat. Man lernt Themen kennen und mit der Zeit auch lieben.
Nur bei der Partnerwahl lassen sich viele Menschen völlig treiben.
Mein Vorschlag.
Pflanze in ihrem Herzen den Wunsch nach Kindern und einer stabilen Familie.
Unterhalte dich danach mit ihr, wie ihrer Vorstellung nach ein passender Partner dafür aussehen soll. Welche Eigenschaften soll er mit sich bringen? Wo findet man einen solchen Partner?
Möglicherweise wird sie feststellen, dass das entsprechende Muster keinerlei Ähnlichkeit mit ihren bisherigen Traumprinzen hat und das sie am falschen Ort sucht.
bist Du mal zum Thema „Familienaufstellung“ dem von Sin geposteten Link gefolgt? Dann sollte sich das Thema eigentlich recht schnell erledigt haben.
Nein, bin ich nicht, ich glaube aber, den Wiki-Artikel über Bert Hellinger früher schon mal gelesen zu haben.
Bert Hellinger wird diese Familienaufstellungen wohl nicht persönlich leiten. Und ich habe einfach schon von ziemlich vielen Leuten gehört, dass eine Familienaufstellung ein ganz intensives Erlebnis ist. Ob sie letzten Endes was nützt, das ist mir noch nicht so klar, deswegen habe ich gefragt.
Vorsicht bei Aufstellungen nach Hellinger! Sehr umstritten.
Da habe ich im Freundeskreis schon zwei negative Erfahrungen, die sich mit den Kritiken im Wiki decken.
Aber es gibt auch andere Arten von Aufstellungen, die gut sein sollen. Erkundige Dich vorher gut!
‚wäre so ein Problem therapeutisch heilbar?‘
Grundsätzlich ja. Die meissten sehen freilich in dem für so ein Problem maßgeblichen "Narzißmus-Syndrom (lebenslängliches Streben nach illusorischer Mutterliebe) kein Problem, sondern vermuten in ihm den ‚Lebensinn‘. Nur also wem daran Zweifel kommen, kann überhaupt Aussicht auf therapeutische Heilung haben…
für so ein Problem maßgeblichen "Narzißmus-Syndrom (lebenslängliches Streben nach illusorischer Mutterliebe)
Kannst du das mal näher erläutern, oder mir irgendeinen Tipp geben, wo das näher erläutert ist? Ich meine den Zusammenhang des hier in Frage stehenden Problems mit dem Streben nach illusorischer Mutterliebe. Ich kann mir zwar etwas dazu denken, weiß aber nicht, ob das stimmt, was ich mir da denke.
Näher erläutern möchte ich das illusorische Mutterliebesstreben nur so weit, wie Du Dich damit aus meiner Sicht bislang befasst haben könntest; da habe ich nicht viel Material. Vielleicht findet sich aber in dem unten zitierten Gedanken ein Ansatz für weiteres. Schreibe also gerne eine kritische Stellungnahme und reiche nach, was Du schon überlegt hattest.
einerseits Sicherheit und andererseits Freiheit & Spannung
Ich mach mal einen dialektischen Versuch, indem ich das erstere als Ausdruck des narzißtischen Mutterliebestrebens auffasse. Gemeint ist damit eine Fixierung v.a. des Empfindens an die erste (sog. „orale“) Phase der psychischen Entwicklung, während der der Mensch (als Säugling) vollständig an seine ihn nährende, Wärme und Geborgenheit bietende Mutter angewiesen ist. Für das 1. bis ca. 3. Lebensjahr/ „Orale Phase“; Freud) wäre das naturgemäß und sollte sich außerdem die Emotionalität (‚Psyche‘) im selben Maße wie Geist und Leib weiterentwickeln, d.h. um das 3. Lebensjahr aus der Säuglingsphase endgültig lösen. Das setzt aber eine sich dem Kleinkind gegenüber artgerecht verhaltende Umwelt voraus. Ist das nicht der Fall, kommt es zu der genannten oralnarzißtischen Fixierung…
Je psychisch gesünder ein körperlich (und machmal auch geistig) vollreif gewordener Mensch blieb, desto stärker spürt er den Drang nach „Freiheit“, der dem narzißtischen Streben also - was die „Spannung“ erklärt - genau entgegen gesetzt ist: letzteres ist regressiv; der rundum narzißtisch fixierte Mensch will sozusagen ein ‚spannungsloses‘ Riesenbaby bleiben. Auch wenn er es natürlich nicht so nennt und sich die intellektuelle Elite unserer von Grund auf narzißtischen Gesellschaft endlose Theorien zur Rechtfertigung dieser Situation ausgedacht hat. Am fatalsten: die von der akademischen Psychologie vorgenommene Gleichsetzung der statistischen „Normalität“ mit „Gesund“…
Kannst du mir einen Tipp geben, wo das näher erläutert ist?
Ich komme aus Freuds Schule, würde Dir seine Bücher aber nicht ohne weiteres empfehlen. Es gab zu seiner Zeit v.a. noch nicht die ethologische Primatenforschung, ohne die es aussichtslos war, ein fundiertes Modell der naturgemäßen psychischen Entwicklung des Homo sapiens - wonach Freud sein Leben lang gesucht hat - zu erstellen.