Hallo biggi
Letzte Woche war ich im Marilyn Manson-Konzert, die Halle war
kaum beleuchtet, jeder zweite Zuschauer selbst bühnenreif.
wie meinst du das? so aufgetakelt? so unnatürlich?
hollywoodmäßig eben. diven zum anfassen. nur wenige zentimeter entfernt, aber mit einem kraftfeld, dass ich mich kaum getraut hab, in die gesichter zu schauen. jeder hatte einen anderen mehr oder weniger kleinen makel: einer saß rumpelstilzchenmäßig im rollstuhl, haut und knochen gebündelt. ein anderer hatte den bis zur ellenbeuge drittgradig abgebrühten unterarm außerhalb der napoleonstellung in sichtweite gelüpft. es lebte und atmete. gänsehautmäßig. die gesichter perfekt. nur dass eben auch das auszublendende sichtbar war. fast hollywood eben.
selbstdarstellerisch und weniger daran interessiert nur passiv
an dem Konzert teilzunehmen?
lauter bermuda-dreiecke, grins. bin gegangen wie durch einen film. wahnsinn, so ein film. für mich war das neu.
Ist es euch auch schon mal passiert, dass ihr beim Übergang von
Dunkel nach Hell alles plakativ verflacht wie einen Comic ohne
räumliche Tiefe wahr genommen habt?
meistens.
die ersten schritte nach dem tunnel 
erstens kann es an der Beleuchtung liegen, wenn das
Licht so hell ist, dass kaum Schatten und Schattenübergänge
entstehen, und zweitens gebe ich mich gerne der beabsichtigten
Wirkung einer Show hin,
hm, bin wahrscheinlich ein echter hinterwäldler im moment
und lasse lieber meiner Phantasie
freien Laufe als meine Sinne auf Wahrnehmung von Realität zu
schalten. Dabei geht es mir nicht um´s Be_greifen_.
tut gut, dich zu lesen 
Und wenn, was war in der Situation außerdem anders als sonst?
gelesene Geschichten, Betrachtung statischer Bilder und
gehörte Musik aus der Reserve nehme ich anders wahr als
Veranstaltungen im Kino, Theater oder Konzert.
intensiv-inventur 
Welche Rolle haben für euch dabei Stress und die Anzahl unerwarteter,
scheinbar beziehungsloser gleichzeitiger „Ereignisse“ gespielt?
Stress nehme ich hin, wenn sie für den Kunstgenuß
unvermeindlich sind. Zum B. habe ich Problem mit
Menschenmengen.
ich ordne gern. alles was mich umgibt, um… tja, wozu eigentlich, grübel.
Wenn mich die Show zwischendurch nicht mehr gefangennimmt,
höre ich Räuspern, rieche ich Parfüm, beobachte ich
Zuschauer…
ja, die musik war grad langweilig. die vor-band. der techniker hatte keine lust. hab kaum einzelne worte verstanden. nur das hackende schlagzeug.
Unter welchen Umständen löst die veränderte Wahrnehmung bei euch
Angst aus? Und wie reagiert ihr dann auf diese Angst?
Angst habe ich dabei noch nie gehabt.
hatte keinen leuchtturm dabei 
Einmal war mir ein Konzert zu laut.
Deshalb bin ich vor Schluß gegangen.
Sprich, wenn eine Unterhaltung mir
meine Zeit stiehlt, dann gehe ich.
ja, beziehungslosigkeit macht mir manchmal angst. das war mal anders. da hab ich die rush hour auf rolltreppen genossen. das mix up von statik und bewegung.
viele Grüße
grilla
biggi