Hallo Michael,
Im islam wurden den anderen konfessionsgruppen höhere Steuern
und diskriminierende Auflagen gemacht.
Meinst du unter „diskriminierende Auflagen“ das Recht in einem sog. „Gottesstaat“ Alkohol für Angehöriger anderer Religionen (als den Islam) zu brauen, aber nicht öffentlich zu verkaufen, sondern nur an den Plätzen, an denen sich diese Gruppe aufhält? Oder meinst du vielleicht das Recht, das Rechtsstreitigkeiten zwischen Angehörigen einer anderen Religion in eigenen Gerichten beigelegt werden dürfen? Die höhere Steuer ist übrigens ein Argument, das ständig benutzt wird, was so nicht die gesamte Wahrheit darstellt, denn diese Steuer war dazu da, ein besonderes Recht auf Schutz zu erhalten: Zu einer Zeit, an der islamische Staat diese Menschen nicht mehr sicher verteidigen konnte, wurden ihnen ihre Steuern zurückgeboten! Ich kann mir z.Zt. nicht vorstellen, welche anderen „diskriminierenden“ Auflagen du noch meinen könntest.
Das Problem wäre auch zu definieren, was man unter Diskriminierung meint, denn eine Differenzierung (Muslim - Christ - Jude…) kann bereits als Diskriminierung aufgefasst werden, auch wenn sie nicht benachteiligend ist! So kann bereits das spezielle Recht, Bier zu brauen (das Christen gegeben wurde) als ihnen gegenüber diskriminierend aufgefasst werden, obwohl es ihnen eine Freiheit mehr verschafft.
Nicht gerade eine ideale "Parallelgesellschaft, in der die
eine Gruppe die andere schlichtwegs unterdrückt.
Ausserdem, wenn ich meine Geschichtsbücher richtig gelesen
habe, wurden die christlichen Gemeinschaften im nahen Osten im
nachhall der Mongoleneinfälle weitgehend vernichtet. Und zwar
nicht durch die Mongolen.
Ich denke, deine Geschichtsbücher liegen falsch, denn die christlichen Gemeinden gibt es immer noch und sie profitieren von den im islamischen Reich festgesetzten Rechten, die in einigen arabischen Ländern noch Bestand haben. Eines der besten Beispiele dafür ist sicherlich Syrien. Durch die Normalität des Andersseins kommt es häufig zur besseren Versöhnung. Wenn ein Christ unter Muslimen ohne Probleme in eine Kirche geht und sich nicht schämt, das öffentlich (Schule, Beruf andere) zu bekunden, dann hilft es, sich auf einer neuen Ebene kennenzulernen. Keiner fordert von ihm, sich zu integrieren - er ist es trotz seines Andersseeins. Genauso wäre es, wenn Muslime ohne Probleme sagen könnten, dass sie freitags in die Moschee gehen wollen, und das als Normalität aufgefasst wird.
Vor den Kreuzzügen und dem Mongoleneinfall war der islam eine
weitgehend tolerante religion. Sie konnte es sich leisten,
denn sie war den anderen Kulturen überlegen, bzw gleichwertig.
Auch die Kreuzzüge stellten zwar die überlegenheit des Islam
in frage, aber nicht die Loyalität der Christlichen
Sonderkirchen im Osten (da sich die Lateiner ja noch dümmer
aufführten) Aber als die Mongolen einfielen, witterten die
Christen im nahen Osten Morgenluft (Die Mongolen förderten
aktiv das Christentum) nach der Schlacht von Ain Dschalut war
das vertrauen weg, die Christen mehr oder weniger Freiwild…
(Stark verk. Darstellung nach Runciman, Geschichte der
Kreuzzüge)
das system klappte ohne Äusseren Druck, aber bereits bei der
ersten Belastungsprobe brach es wie ein Kartenhaus zusammen.
Wie bereits oben dargestellt stimmt das so nicht ganz, dass jedes System unter starkem Druck nachgibt, sollte klar sein. (in der regelungstechnik ist ein System stabil, wenn es auf eine kleine mit einer kleinen Abweichung vom Normalwert reagiert BIBO-Stabilität (Bounded Input, Bounded Output)) Auf der anderen Seite: glaubst du nicht, dass bereits die Kreuzzüge eine starke Herausforderung an diese Multikulti-Gesellschaft gewesen ist? Vor allem, da die bedrohende und tatsächlich angreifende Gewalt sich auf das Christentum berufen wollte! Nach der Befreiung Jerusalems wurde den Christen, die dort noch verweilten wieder dieselben Rechte gegeben wie vorher auch!
was allerdings hier verlangt wird, ist etwas noch viel
weitergehendes. Eine Kultur verlangt andere Rechtsnormen für
sich, als in dem Kulturraum allgemein anerkannt sind.
Das stimmt nicht. Lies dir mal alle Stellungnahmen von islamischen Organisationen durch. Sie alle bekennen sich zur deutschen Verfassung. Wenn aber Schulpraxis als so heilig dargestellt werden, dann frage ich mich wirklich, wie unflexibel das System eigentlich ist! Wenn jemand fordert, dass muslimische Kinder nicht am Weihnachtsfest teilnehmen, dann verstösst er gegen kein Gesetz! Und er fordert auch nicht die Änderung eines Gesetzes. Im Prinzip fordern Muslime eigentlich ständig Rechte, die ihnen theoretisch garantiert werden, aber faktisch nicht zur Geltung kommen oder uminterpretiert werden!
Übrigens, wie bereits oben erwähnt: Christen und Juden unterhielten im islamischen Reich eigene Gerichte und konnten sich entscheiden (wenn der Streit zwischen zwei Christen oder zwei Juden war), ob in einem christlichen/jüdischen oder einem islamischen Gericht über sie geurteilt wird… Nochmal: das ist noch nicht einmal das, was Muslime heute in Deutschland fordern!
Wir reden hier nicht von Teilkulturen oder mehreren Kulturen
in einem Kulturraum, sondern von 2 Kulturen, die zwar
permanente tägliche Berührung haben, aber sich unterschiedlich
und unbeeinflusst entwickeln sollen… das ist ein Widerspruch
in sich.
Ja, in deiner Argumentation (verzeih mir bitte), das hat keiner behauptet. Es sollte aber einem muslimischen Jugendlichen möglich sein, wochentags zur Schule und am Wochenende zur Koranschule zu gehen. Es sollte kein Problem sein, wenn einzelne Gruppen untereinander in einer anderen Sprache sprechen - das stört doch niemanden. Klar, es gibt einige Aspekte an Parallelgesellschaften, die nicht gerade als optimal zu bezeichnen sind, aber meist sind das Extreme, an denen sich das Prinzip nicht messen lässt.
Zum Rest:
Mir sind die Nachteile, die unsere „westlich-moderne“ Kultur
mit sich bringt, durchaus bewusst. Ich möchte nur darauf
hinweisen, dass JEDE Kultur ihre Vorteile und ihre massiven
Nachteile hat.
i agree.
Aber was hier gemacht wurde, ist eine Negativdefinition: Die
Negativen Auswüchse der anderen Kultur sind sooooooooooooo
furchtbar, dass die Positiven Seiten davon überdeckt werden
und unsere Kultur ja sooooooo viel besser ist, weil es ja
dieses soooooooo schrecklichen Dinge nicht hat…
Ich empfinde dies als Arrogant und gleichzeitig ein wenig
hilflos, weil so eine Auseinandersetzung gar nicht zustande
kommt. Das andere ist SCHLECHT! und damit basta.
Das stimmt! Ich versuche eigentlich zu differenzieren, leider klappt das in vielen Fällen auf beiden Seiten (Muslime und Mehrheitsgesellschaft) nicht.
Aber nun noch, zum Schluss, eine generelle Frage:
Es wurde argumentiert, dass „die Versuchungen“ bei
Veranstaltungen mit Kindern und Jugendlichen zu groß seien
(bez. Alkohol und Sex). meine Erfahrungen sind sicherlich
nicht repräsentativ, aber diese Versuchungen sind natürlich
vorhanden. Allerdings habe ich neulich an einer Jugendfreizeit
(als erwachsener) teilgenommen, und gerade die Jüngeren haben
sich sehr gut an die Vorschriften gehalten und zwar ohne zu
meckern. Die Unter 16-jährigen haben sich einfach am
Apfelschorle und am Spezi festgehalten. Ob das damit zusammen
hing, dass ich an der Getränkeausgabe stand??? Mit Sex gab es
auch keine Probleme (1 angedeuteter Versuch wurde durch ein
schlichtes „is nich, jeder in SEIN Zimmer“ lässig unterbunden)
Das freut mich für euch, auf der anderen Seite habe ich genügend Geschichten gehört, die ganz anders klingen, was den Alkoholkonsum angeht, so weiss ich mit Sicherheit, dass meine Klasse im Schnitt mit 13 Jahren angefangen hat zu trinken. Andere Rauschmittel kamen hinterher. Dabei muss gesagt werden, dass nur die wenigsten wirklich langandauernd höhergradige Rauschmittel eingenommen haben, die meisten habens einfach nur mal auf ner Party ausprobiert - meist unter Gruppenzwang! Ist es nicht verständlich, wenn Muslime ihre Kinder nicht in diese Situation bringen wollen, in der Sie als Aussenseiter nehmen Kiffern stehen?
Warum ist bei euch (ich bitte diese Verallgemeinerung cum
grano salis zu nehmen) das Vertrauen in eure Kinder so gering?
Ist „eure“ Erziehung zu schwach, um dem entgegenzusteuern.
Es geht nicht um Vertrauen. Diese Dinge geschehen, meist wird das Kind es nachher bereuen, aber in dem Augenblick ist es meist so: alle tun’s, warum soll ich das nicht auch tun? Es ist ein allgemeines Erziehungsproblem, wenn die Mehrheit der „Deutschen“ (nicht alle, das muss man dazu sagen) eher der Meinung sind, lass sie ausprobieren, dann müssen sich Muslime nicht daran gebunden fühlen.
Meine, und die vieler „verdorbener“ Westler ist es nicht
gewesen. Immerhin besteht diese unsere Gesellschaft nicht aus
einem Haufen sexsüchtiger Drogenabhängiger
Aber es gibt sie! Ist es wirklich so schlimm, wenn ein Muslim seine Kinder davor bewahren möchte? Schliesslich sind sie für ihn nicht eine Zahl in einer Statistik, sondern seine Kinder, die er nach bestem Wissen und Gewissen erziehen möchte und sie möglcihst von solchen Dingen fernhalten möchte. Nochmal: meist geht es nicht um Vertrauen, denn die Kinder haben genügend Möglichkeiten (wenn sie denn wollen) an die Dinge über die Schule zu kommen (der Rauschmittelverkauf an deutschen Schulen, vielleicht kommen wir ja noch dazu), aber in der Schule direkt besteht nicht der zwingende Druck, noch nicht!
Kommt eine gelungene Jugendfreizeit
in die Medien? Nicht wirklich! Sondern, wenn die Bullerei 3
Zentner Hasch beschlagnahmt, 5 Teilnehmen mit
Alkoholvergiftung im Krankenhaus liegen und 3 14-jährige
schwanger sind…
Das ist aber wirklich bei weitem nicht die Regel.
Das ist mir klar, bitte das mit der Statistik nochmal lesen. Was die gelungene Jugendfreizeit angeht, so gibt es sie doch auch von Moscheen aus. Die wird genauso wenig positiv dargestellt!
Ich verstehe die Angst im Umgang mit einer fremden Kultur. Die
Frage ist aber: Totale Verweigerung oder konstruktiver Dialog.
Ich wähle Letzteres. Im folgenden wähle ich aber auch Dialog - nicht Vorgaben!
Die durch diesen Prediger erhobenen vorderungen sind totale
verweigerung. deine Ansätze sind konstruktiv. Natürlich muss
noch viel geschaffen werden, z.B. Islamischer
Religionsunterricht an öffentlichen Schulen usw. usfort.
Aber eines ist sicher. Durch konstruktiven Dialog werden sich
beide Gesellschaften verändern. Und davor scheinen viele Angst
zu haben.
Müssen wir sehen…
Gruss, Omar Abo-Namous